Selbstbestimmter Suizid *Trigger Warnung*

In diesem Unterforum könnt Ihr Euch zum Thema Suizid (Selbstmord) und Tod austauschen, sowie der Trauer, die ein (Frei-)Tod hinterlässt.
Wichtig: Ihr könnt und dürft hier über Eure Suizidgedanken sprechen, allerdings sind konkrete Absichten bzw. Ankündigungen hier nicht erlaubt bzw. können evtl. an die Behörden weitergeleitet werden!

Selbstbestimmter Suizid *Trigger Warnung*

Beitragvon Wächterin » Di. 04.08.2020, 21:44

Grüßt euch,

ich beginne erst einmal kurz damit, dass ich seit Jahren nicht aus dem akuten Zustand der Suizidalität
heraus komme und ich bislang einfach überlebe, statt lebe.
Und als noch 7 Tage zum Geburtstag meines Bruders aus standen, der vor 11 Jahren sich Suizidierte.
Hatte ich überlegt, wozu das denn alles einen Sinn hat?!

Versteht mich nicht falsch. Ich war und bin wohl ewig ein Optimist. Ein Optimist mit einem Leben
voller Traumata, die letztendlich eine PTBS zur folge hatte. (Posttraumatische Belastungsstörung)
Ich habe viele körperliche Symptome unter denen ich leide, aber mit denen ich versuche klar zu kommen.
Ich mache seit einigen Jahren eine Trauma Therapie und es ist "inordnung". Einige der Traumata konnte ich gut
verarbeiten. Doch jedes mal ist es harte Arbeit. Und ich machte dennoch weiter. Unerschütterlich meinerseits.
Einfach nach dem Wunsch eines Lebens in dem mein Rucksack nicht mehr ganz so viele Lasten trägt.
Und meine damaligen akuten Suizidalen Zustände basierten auf Frustration, Schmerz, Wut, Angst und Verzweiflung.
Ich bin einfach zusammen gebrochen. Bin dissoziert. Habe tagelang nichts anderes getan als geweint. So fühlte es sich
innerlich an. Als würde ich von innen nach außen zerbrechen.

Doch dann kam der Tag X. Es war alles wie immer. Doch in 7 Tagen hätte mein älterer Bruder Geburtstag gehabt.
Und ich wurde wütend, wie jedesmal, dass er uns verließ und im gleichen dachte ich daran, dass er jetzt frei von
seiner Last der Depression war. Also war ich ständig im inneren Konflikt mit mir selbst.
Ich weiß gar nicht was mich ritt. Aber ich war ruhig und gefasst an diesem Tag.

Ich entschloss mich mein notariell beglaubigtes Testament herzusuchen. Mein Organspendeausweis. Mein DKMS Auweis,
Und holte Handtücher und eine Frischhaltefolienrolle aus dem Schrank. Ich wusste, wie ich es tun wollte und sollte
ich dabei es mir anders überlegen, hätte ich mir einen Druckverband machen können.

Es war ein Gefühl von völliger Entschlossenheit und Selbstbestimmtheit. Als wäre alles gut so wie es ist.
Ich war ausnahmsweise mal nur bei "mir selbst". Ich schaute nicht zuerst auf die anderen. Sondern ich war mir.
Und ich hatte mich fest entschlossen, das es nun reicht. Das ich nicht mehr nur überleben wollen würde.
Für mich schien ein "einfaches Leben" unerreichbar zu sein. Darum war mein Entschluss felsenfest.

Wie ihr merkt, habe ich es nicht getan. Weil ich davor noch bei Freunden war und sie merkten, dass irgendwas nicht
stimmte. Ich war nicht mehr humorvoll, leise und zurück gezogen. Das war eine neue wertvolle Erfahrung für mich.

ICH WURDE GESEHEN. ICH WURDE WAHRGENOMMEN.

Aus irgendeinem Grund lies ich wohl ein Stück von mir an diesem Tag zurück, denn wenn ich jetzt auf diesen
entschlossenen Tag zurück sehe, habe ich das Gefühl, dass ich dissoziert war. Das ich, nicht ich selbst war.
Als wäre es ein anderes ICH gewesen. Ich war tagelang geschockt, dass ich so etwas habe nur denken können- diesen
Entschluss zu fassen und all meinen Freunden und meiner Familie, das an zu tun, was mein Bruder mir antat. (Trauma)

Ich sprach einige Tage später mit einer Freundin und sie sagte mir, dass die Krankheit einem vorgaukeln kann,
das man angeblich selbstbestimmt handelt, es aber eigentlich nur ein Symptome der Krankheit ist.

Bislang muss ich immer wieder daran zurück denken. Ich bin momentan in einem sehr seltsamen Zustand. Den ich von
mir so nicht kenne. Denn bislang war ich immer nur "verzweifelt suizidal" und nicht "ich suizidal".
Gerade jetzt bin ich gar nicht mehr suizidal. Als würde ich tag täglich in einer Nebelwand schweben und einfach
nur existieren.

Wie komme ich zurück in mein Leben? Und kannte oder/bzw. kennt das auch jemand von euch?
Wie geht es euch damit? Habt ihr eine Lösung gefunden?

Bin über jede Antwort dankbar.
Optimist in halb voller Badewanne ertrunken.
In der Ruhe liegt die Kraft und Geduld ist eine Tugend.
Nimm die Menschen wie sie sind. Es gibt keine anderen.
Mut ist, den Möglichkeiten mehr Glauben zu schenken als dem Erlebten.
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