Moral - was ist das schon?

Für die Philosophen und Debattanten unter uns - hier könnt Ihr über Gott und die Welt oder den (Un-)Sinn des Lebens philosophieren ;)
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Moral - was ist das schon?

Beitragvon MessiasDerStille » Fr. 17.06.2016, 22:54

Ich frage mich ja immer, bei solche Diskussionen über moralisches Verhalten und Ethik und all dem Zeug, woran man sowas überhaupt festmachen will?! Ich meine, wer beschließt, was moralisch ist oder welches Verhalten ethischer ist als das andere oder was gerecht und ungerecht ist? Wer maßt sich das an, über sowas zu entscheiden? Und vor allem, wie kann das jemand überhaupt festlegen?

Wenn man bei der Entwicklung der Moral verschiedene Stufen durchlebt und es gibt angeblich nur so wenige, die ganz oben ankommen, wer entscheidet dann, dass es da zu Ende ist oder überhaupt, welche Stufe über der anderen steht? Ist es ernsthaft moralischer einen Schwerverbrecher, Vergewaltiger, Kinderschänder, Massenmörder zu verschonen, weil er auch ein Mensch ist? Hat er denn überhaupt noch Würde? Sollen wir so einer Person deshalb einfach vergeben? Oder hat er nicht eine angemessene Strafe verdient? Wo war denn bitte seine Moral in diesem Moment? Spielt das denn keine Rolle? Soll man Menschen verschonen, weil sie Würde haben, auch wenn sie absichtlich anderen schaden?

Für mich heißt Moral ein Stück weit, man lässt sich von anderen Menschen an der Nase herumführen, weil sie tun können, was sie wollen und man nur das Gute in ihnen sieht. Ich finde, durch so ein moralisches Verhalten, wie es angeblich die höchste Stufe ist, bekommen Menschen die Erlaubnis, alles zu tun, was sie wollen, weil sie letztendlich auch nur Menschen mit einer Würde sind, und ihnen deshalb alles verziehen wird.

Was denkt ihr darüber?
MessiasDerStille
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Re: Moral - was ist das schon?

Beitragvon Oskar » Sa. 30.07.2016, 02:34

MessiasDerStille hat geschrieben:Ich frage mich ja immer, bei solche Diskussionen über moralisches Verhalten und Ethik und all dem Zeug, woran man sowas überhaupt festmachen will?! Ich meine, wer beschließt, was moralisch ist oder welches Verhalten ethischer ist als das andere oder was gerecht und ungerecht ist? Wer maßt sich das an, über sowas zu entscheiden? Und vor allem, wie kann das jemand überhaupt festlegen?

Wenn man bei der Entwicklung der Moral verschiedene Stufen durchlebt und es gibt angeblich nur so wenige, die ganz oben ankommen, wer entscheidet dann, dass es da zu Ende ist oder überhaupt, welche Stufe über der anderen steht? Ist es ernsthaft moralischer einen Schwerverbrecher, Vergewaltiger, Kinderschänder, Massenmörder zu verschonen, weil er auch ein Mensch ist? Hat er denn überhaupt noch Würde? Sollen wir so einer Person deshalb einfach vergeben? Oder hat er nicht eine angemessene Strafe verdient? Wo war denn bitte seine Moral in diesem Moment? Spielt das denn keine Rolle? Soll man Menschen verschonen, weil sie Würde haben, auch wenn sie absichtlich anderen schaden?

Für mich heißt Moral ein Stück weit, man lässt sich von anderen Menschen an der Nase herumführen, weil sie tun können, was sie wollen und man nur das Gute in ihnen sieht. Ich finde, durch so ein moralisches Verhalten, wie es angeblich die höchste Stufe ist, bekommen Menschen die Erlaubnis, alles zu tun, was sie wollen, weil sie letztendlich auch nur Menschen mit einer Würde sind, und ihnen deshalb alles verziehen wird.

Was denkt ihr darüber?


Moral, Moral, Moral...
Ich denke es wird viel darüber gesprochen und viel sinnlos geredet.
Ich denke Moral nimmt einen großen, zu großen Teil in der Gesellschaft ein.

Zu erst Mal ist Moral nichts festes denn im Kern ist Moral ja nur eine Art von Schwarminteligenz.
Die Gesellschaft definiert dezentral und über sozialen Druck was gut und was schlecht ist.
Sowas raubt natürlich auch immer Freiheiten und lässt wenig Platz für die individuellen Moralvorstellungen die jeder einzelne abweichend entwickelt.
Daher führt uns das Ganze in die Irre, es geht bei Moral ja nicht um die Lösung in der Sache sondern um ein mehr oder weniger starres soziales Gerüst das mit den objektiv sinnvollen Handeln in der Situation wenig zu tun hat, also am Ende um normenkonformes Handeln.
Das führt weg von der Sache und hin zur Glaubensdebatte
Automatismen die nach Konformität streben wohnt im Kern immer auch ein Hauch Faschismus inne

Dazu stellt sich die von dir aufgeworfene Frage der Definitionsmacht. Da das Ganze nicht zentral geregelt wird bilden sich nun Gruppen die ihre Vorstellung von Moral bewerben und um die Definitionsmacht in der Gesellschaft ringen.
Das führt schnell mal zu erheblichen Konflikten und dazu das Andere wegen ihrer angeblich unmoralischen Art abgewertet werden da jeder Einzelne von der Richtigkeit seiner Vorstellungen überzeugt ist
Oskar
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Re: Moral - was ist das schon?

Beitragvon Atisha » Sa. 30.07.2016, 17:25

Moral ist vielleicht ok ... übergeordnet gibt es ja auch geistige Weltgesetze von denen man noch eine Ahnung haben kann oder die man gar erkennen kann. Für mich bilden sie die Grundlage meiner Verhaltensorientierung in der Welt. Aber vielleicht gibt es auch eine falsche Moral? Was es auf jeden Fall gibt ist die Häßlichkeit der Menschen, die alles für sich ausnutzen wollen um über andere Macht auszuüben. Leider leben wir in einer total morallosen Gesellschaft, was nur noch zählt ist die Selbstherrlichkeit und das Geld. Die Menschen können mit ihrer eigenen Erbärmlichkeit nicht leben, darum wollen sie sich erheben zu Richtern und sich ergötzen am Leiden des anderen.
Atisha
 

Re: Moral - was ist das schon?

Beitragvon Atisha » Sa. 30.07.2016, 17:52

Die Moral oder eben auch andere angebliche Notwendigkeiten, dienen als Maske um die eigenen schlechten Absichten zu verbergen. Innere Probleme werden nach außen gespiegelt und an wem das am Besten reflektiert, der ist dann das Opfer. Das Opfer hat aber eigentlich gar nichts zu tun mit der Schuld und Fehlerhaftigkeit derer die sie projezieren. Häßlich sein, Macht ausüben und sich am erzeugten Elend des Anderen dann ergötzen, das ist eine unheimliche Einheit.
Atisha
 

Re: Moral - was ist das schon?

Beitragvon loner » Sa. 30.07.2016, 19:47

Jeder Mensch hat seine eigene Moral.
Eine Moral ist das, worauf du dich persönlich festgelegt hast, was Gut und Schlecht ist. Es ist damit etwas sehr Persönliches. Du hast dich entweder einer Gruppenmoral (wie etwa 'Stehlen ist schlecht' in unserer Gesellschaft) angeschlossen oder du reflektierst für dich selbst und definierst es für dich neu.
Moral an sich hat keinen Wert. Nur dessen Inhalt ist der Wert, über den man streiten kann. Was nun gerecht oder ungerecht ist, das liegt in deinem eigenen Ermessen.
Was du hier ansprichst ist eine Massenmoral, ohne die eine Gesellschaft nicht funktionieren würde. Es gibt nun einmal Regeln, die in einer Gesellschaft eingehalten werden müssen, damit ein 'friedliches' Miteinander möglich ist.
Ist diese Moral vertretbar?
Nicht immer, da hast du schon recht. Gerade unser Rechtssystem hat so einige Schieflagen. Aber unsere Gesellschaft im Ganzen akzeptiert das und daher ändert sich nichts.
Wer hat das entschieden?
Nun, wahrscheinlich zu gegebener Zeit irgendwelche Politiker. Da haben wir den Salat.
MessiasDerStille hat geschrieben:Für mich heißt Moral ein Stück weit, man lässt sich von anderen Menschen an der Nase herumführen, weil sie tun können, was sie wollen und man nur das Gute in ihnen sieht. Ich finde, durch so ein moralisches Verhalten, wie es angeblich die höchste Stufe ist, bekommen Menschen die Erlaubnis, alles zu tun, was sie wollen, weil sie letztendlich auch nur Menschen mit einer Würde sind, und ihnen deshalb alles verziehen wird.

Das verstehe ich irgendwie nicht ganz. Moral heißt für mich nicht, dass man sich an der Nase rumführen lassen kann. Ich hab ja noch einen Kopf, der denkt. Und ich kann etwas, was vielleicht in der Masse als moralisch ok angesehen wird, verabscheuen. Bestes Beispiel: Fleisch essen. Ich bin Vegetarier und da kommt immer wieder die Diskussion auf. Nur weil es gesellschaftlich anerkannt ist, scheint es für die einen moralisch ok zu sein, Tiere in kleinen Käfigen zu halten und sich dann gedankenlos in den Hals zu schieben. Naja. Ich mache da nicht mit. Aber ich kann es auch nicht ändern. Wir leben in einem 'demokratischen' Statt, Meinungsfreiheit ist hier das A und O und ich finde, darüber können wir sehr froh sein. In anderen Ländern wird man ganz schön unterdrückt, wenn man zB homosexuell ist und das ist ganz schön schlimm.
Und es gibt ja immernoch die Möglichkeit, sich eine andere Gesellschaft mit anderen Moralvorstellungen zu suchen. Du wirst aber wohl nie eine finden, die exakt deinen entspricht. Dafür sind wir Menschen zu verschieden.
Es ist deshalb wirklcih wichtig, für seine Moralansicht zu kämpfen. Denn wie du schon sagst, mit den Mördern und Vergewaltigern sollte härter umgegangen werden als beispielsweise mit einem der Steuern hinterzieht.

LG loner
Wie einfach wäre das Leben, wenn sich die unnötigen Sorgen von den echten unterscheiden ließen. (Karl Heinrich Waggerl)
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