Machen gesellschaftliche Konventionen und Normen krank?

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Re: Machen gesellschaftliche Konventionen und Normen krank?

Beitragvon Joyce » Sa. 25.07.2015, 01:50

Ich möchte darauf hinweisen dass dieser Text weder meine persönliche Einstellung gegenüber Konformitätszwang noch den ihn ausübenden und den unter ihm leidenen Personen darstellt, sondern lediglich eine Perspektive diese Dinge zu betrachten.
Außerdem entschuldige ich mich dafür dass meine Meinung zu diesem Thema aus der hier vorherrschenden soziologischen/philosophischen Persepektive in dem nun folgenden Text keinen Platz findet und dieser somit ein wenig am Thema vorbei schießt.

Ich würde an dieser Stelle gerne einmal eine Lanze für gesellschaftliche Konventionen und Normen brechen.

Diese sind alles andere als prinzipiell nicht sinnvoll, eher im Gegenteil.
Sie geben userer Gesellschaft Form und halt und sorgen für stetige Entwicklung. Ohne eine Norm könnte niemals eine Gegenbewegung entstehen, sich niemals Standards durchsetzen, sowohl im Gesellschaftlichen als auch im Sozialpersönlichen Bereich (ich bin zum Beispiel froh darüber dass es so etwas wie einen allgemein annerkannten Moral- und Sittenkodex gibt) und es ist auch sehr begrüßenswert dass sich Menschen daran halten und danach richten.
Wir brauchen eine Norm damit man sich dagegen auflehnen, aus ihr ausbrechen kann. Was würden sonst die ganzen Individualisten tun?
Nichts gegen Individualismus (ich würde mich persönlich auch nicht gerade als angepasst beschreiben), aber um sich abzuheben braucht man nun mal eine Norm. Und die meisten Menschen sind eben keine Individualisten, sondern mit einem von A bis Z genormten Leben sehr zufrieden. Diese Situation hat also für beide Seiten etwas gutes.

Bei Themen wie zum Beispiel "Schönheitsnormen" sollte man auch folgendes bedenken:
Diese als Gesellschaftliches Produkt zu bewerten ist einfach falsch. Die Gesellschaft hat ihr Mittel und Arten damit umzugehen, und die sind nicht immer ein Paradebeispiel für unsere eigentliche Zivilisationsstufe und Moralansprüche, aber entwickelt hat sie diese mitnichten.
Schönheitsideale sind nun einmal evolutionär bedingt veranktert und aus diesem Gesichtspunkt auch sehr sinnvoll um den Fortbestand einer Art zu sichern. Diese haben sich mit der Entwicklung der Menschen deutlich gewandelt, bleiben aber im Prinzip die selben. (Beispiel: Warum finden Männer große Brüste interessant? Bei Primaten ist der weibliche Hintern ein sehr wichtiges Attribut bei der Partnersuche und signalisiert Gesundheit, Paarungsbereitschaft (bei manchen Arten) etc. und als sich der Mensch den aufrechten Gang zu eigen macht war auf einmal der Hintern nicht mehr auf Augenhöhe. Was vorher praktisch war, da er immer von den Männchen gesehen werden konnte, verschwand jetzt einfach. Daraufhin entwickelte sich die weibliche Brust weiter und dient nun als optischer Reiz. [Hiermit lässt sich übrigens auch erklären warum Männer so gerne dort hinsehen: Weil genau das der Sinn der Sache ist.])
So sieht das auch mit sehr vielen anderen Merkmalen aus und wir sind halt eigentlich nur darauf programmiert unser Erbgut sinnvoll zu verteilen und weiterzugeben, auf dass unsere Nachkommen größer und stärker werden als wir selbst.
Mittlerweile ist der Mensch aber an einer Evolutionsstufe angelangt an der er eben jenes "vorprogrammierte" Verhalten hinterfragen und bewusst beeinflussen kann (oder dies zumindest glaubt, zu diesem Thema gibt es einige interessante Studien aber das führt hier zu weit glaube ich), was zu erheblichen Problemen innerhalb bestehender Gesellschafts- und Sozialgefüge führt.
Wir können über uns selbst bestimmen, aber wir haben damit absolut keine Erfahrung (woher auch? Das Prinzip ist evolutionär betrachtet dann ja doch recht neu) damit. Wir haben einen Zwist in uns und eben jener führt zu vielen Wirren und Auswüchsen die sicherlich nicht weiterführend sind.

Um das ganze noch einmal ein wenig krasser zu formulieren:
(Aus rein evolutions- bzw. biologisch,- praktischer Perspektive gesehen. Das ist nicht meine persönliche Meinung!)

Mit Menschen die über längere Zeit einsam sind stimmt offensichtlich etwas nicht, denn sie werden von der Masse gemieden oder meiden diese. Sie sind in diesem Sinne krank und müssen aus der Kreislauf ausgeschlossen werden. Menschen längere Zeit einsam sind produzieren andere Pheromone als der "gesunde" Mensch und diese werden unbewusst verarbeitet und erzeugen, nicht gerade grundsätlich Ablehnung, so stark ist die Wirkung von Pheromonen grundsätzlich nicht, aber sie sagen auch nicht gerade aus "Das ist ein guter Partner!".
Unser eigener Körper sorgt also dafür dass wir, wenn wir einsam sind, es auch bleiben. Das ist uns perönlich gegenüber nicht wirklich nett, der Art hingegen schon.

Soweit die Theorie. Aber wie oben schon beschrieben haben wir uns ja schon vor längerer Zeit von der Abhängigkeit dieser und ähnlicher Mechanismen losgesagt. Und ich verwende bewusst die Formulierung "losgesagt", denn so einfach abwerfen kann man das nunmal nicht. Wir befinden uns in einer "Übergangsphase", das Prinzip "Schönheit kommt von Innen" ist noch nicht ganz ausgereift und schon mal gar nicht fest in unseren Köpfen und Körpern verankert als dass es gut funktionieren würde.
Wir sprechen uns los von der Sklaverei unserer Biochemie, wissen aber nicht wirklich wie wir sie kontrollieren können. Wieder einmal: Chaos

Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter ausarten indem ich das ganze weiter asuführe, sonst müsste ich viel weiter vorne anfangen und würde wahrscheinlich bei einem Seitenlagen Aufsatz enden und das ist hier denke ich nicht angebracht. Ich wollte lediglich mal einen - hier noch nicht angesprochenen - Blickwinkel zu Verfügung stellen, denn ich denke dieser wird gerne einmal vergessen.
Joyce
 

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