Akkutklinik

Unterforum zu den verschiedenen Therapieformen und -möglichkeiten (sowohl ambulant als auch stationär). Berichtet von Euren Therapie-Erfahrungen mit Therapeuten, Psychologen, Psychiatern und Kliniken oder auch Selbsthilfegruppen. Wir versuchen auch, Euch bei der Arzt-/Therapeuten- oder Kliniksuche zu helfen.

Akkutklinik

Beitragvon Mäuschen » Sa. 01.07.2017, 12:06

Habe nochmal ne Frage, weil mir das Thema irgendwie echt angst macht...

Wenn man aufgrund von Suizidgedanken akkut in eine Klinik kommt (freiwillig oder per zwang) wie sieht dann so ein Klinikalltag aus. Weiß das irgendjemand?!

Das was ich weiß, ist nämlich ein ziemliches verwahren der Personen und die mit Medikamenten ruhigstellen. Mehr passiert meines Wissens nicht wirklich in einer Psychatrie. Also anders als Therapeutische Kliniken, wo auch verschiedene Therapien angeboten werden.

Wie muss ich es mir denn vorstellen, wenn ich mich freiweillig darauf einlassen würde, in eine Klinik zu gehen? Und wie, wenn ich zwangseingewiesen werden sollte?

Und wie kommt man aus der Klinik wieder raus?

Diese Vorstellung, wieder so wehr- und hilflos zu sein, macht mich völlig fertig...
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Re: Akkutklinik

Beitragvon Wildbeere » Sa. 08.07.2017, 03:41

Och, blödes Handy, habe so viel geschrieben, mein Handy hat die Seite aktualisiert und alles weg. Ich antworte dir hier morgen am Computer.

Wenn es sehr akut ist: Such dir Hilfe!

Ich antworte morgen ausführlich.
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Re: Akkutklinik

Beitragvon Mäuschen » So. 09.07.2017, 18:51

Wildbeere hat geschrieben:Och, blödes Handy, habe so viel geschrieben, mein Handy hat die Seite aktualisiert und alles weg. Ich antworte dir hier morgen am Computer.


Oh man, ja das ist echt frustrierend... Danke! :D
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Re: Akkutklinik

Beitragvon kuscheltier92 » So. 09.07.2017, 21:18

ja und nein. Manche brauchen in Akutphasen Medikamente, anderen gibt man sie weil sie helfen können. Wenn du per Zwangseinweisung hingebracht wirst und nicht die Freiwilligkeitserklärung unterschreibst, falls man sie dir noch anbietet, dann hast du ein sogenanntes Psych-KG. Bedeutet ein Richter kommt und entscheided dann darüber wie lange du mindestens bleiben MUSST. Mindestens sind es 2 Wochen bei nem Psych-KG. Wenn du wegen suizidalität/suizidgedanken/suizidversuch hinkommst wird man dir vermutlich erst mal was zur Beruhigung geben, mittel zur Wahl ist da Tavor. Je nachdem was sich bei dem Aufenthalt dann noch herausstellt wird man dir vielleicht noch andere Medikamente verordnen, die du einnehmen MUSST, solltest du dich weigern wird man dich fixieren dürfen und sie dir spritzen.

naja solltest du freiwllig dich in eine Psychiatrie begeben wegen suizid-gedanken/absichten/versuch wird in etwa folgendes passieren.

Suizidversuch: Aktiv-Kohle Getränk und Infusion wahrscheinlich etwas zur Beruhigung und je nach dem was du genommen hast noch entsprechendes Antidot und du kannst nach 1-3 Tagen wieder gehen sofern nichts gravierendes passiert.

Suizid gedanken: Wahrscheinlich 1-4 Tage geschlossene mit eben einem Mittel zur Beruhigung vielleicht auch einem zweiten und dann sollte es auf die offene Station gehen für Psychotherapeutische gespräche unterstützend wird dabei dann Antidepressiva gegeben.

Suizidankündigung/Suiziddruck: Das ist vermutlich das unangenehmste je nach einschätzung der Ärzte wie sehr du eigengefährdend bist, darfst du in die Sogenannte "Suizidprophylaxe". Bedeutet ein Raum, ein Bett eine Matratze und du in Unterwäsche dazu noch eine Decke ohne Bezug und ein Kopfkissen ohne Bezug, das ganze dann unter Überwachung. Bei mir ging das 4 Wochen, dass ich dem "Überwachungsraum" blieb. Du darfst das Zimmer nur zeitweise unter Aufsicht verlassen auch hier wirst du dann wahrscheinlich ein Beruhigungsmittel und ein Anti-depressiva bekommen.

So das sind hoffentlich alle Szenarien die du dir so vorstellst "Was wäre wenn". Auf der Akutstation (Geschlossene) finden keine Gespräche oder ähnliches statt auch dein Ausgang ist strikt begrenzt zumindest Anfangs.
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Re: Akkutklinik

Beitragvon Mäuschen » So. 09.07.2017, 22:10

das klingt ja schrecklich!
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Re: Akkutklinik

Beitragvon Wildbeere » Di. 11.07.2017, 09:35

Also Kuscheltier, das stimmt mal so gar nicht, was du da erzählst. Wenn man zwangseingewiesen durfte, dürfen sie dir noch lange keine Zwangsmedis verordnen. Auch für Zwangsmedikamente MUSS erneut ein Richter kommen und DAS ist nicht so einfach durchzukriegen, wie eine Zwangseinweisung.
Ich habe oft Medis, auch in meiner Zwangseinweisung abgelehnt, das DARF man, man muss nicht alles nehmen, was die Ärzte wollen.

Eingewiesen kommst du mit Paragraph 12 in die Klinik, ja, das sogenannte Psych-KG. Dieser hält erst einmal nur 24 Stunden, dann müsste ein Richter erneut entscheiden, wie lange du erst einmal bleiben musst. Der kommt aber auch nur, wenn man sich immer noch weigert in der Klinik zu bleiben und es sind auch nicht mindestens 2 Wochen. Wie lange dies ist, entscheiden die Richter, dies kann von erneuten 24 Stunden sein bishin zu ein paar Wochen - ABER wenn es dem Patienten besser geht, können die Ärzte diesen auch in Absprache aufheben und den Patienten doch früher entlassen.

Wenn du freiwillig hingehst, ist es natürlich ein wenig einfacher wieder rauszukommen und meiner Erfahrung nach wird im Gesamten auch ein bisschen entspannter mit dir umgegangen. WENN du dich allerdings dann MIT deinen akuten Suizidgedanken entlassen willst, können sie dich auch dortbehalten.

Sobald du dich ernsthaft von deinen akuten Gedanken distanzieren kannst, kann man im Grunde auch wieder nach Hause und kommt raus.

Medikamente können dir natürlich angeboten werden, aber wenn du nicht völlig unberechenbar gegenüber dir selbst oder anderen bist, wird es keine Zwangsmedikation geben. Auch fixiert wird man nicht grundlos.

Je nach Klinik gibt es eventuell auch auf der Geschlossenen verschiedene "Therapieangebote", Ergotherapie, Kunsttherapie, Bewegungstherapie - allerdings meist eher als Beschäftigungsmethoden. Es gibt auch Gespräche mit Psychologen. Und dann eben die Visite.
Morgen-und Abendrunden können auch dort stattfinden, es kommt eben wirklich auf die Klinik an.

Ansonsten steht nicht viel an, Frühstück, Mittag, Kaffeezeit, Abendbrot. Wir haben viel gespielt im Gemeinschaftsraum oder vor der Glotze abgehangen. Es gibt auch begleiteten Ausgang und einige dürfen auch alleine spazieren gehen.

Desto kooperierter man mitmacht und zeigt, dass man sich auch helfen lassen will, desto mehr geht man auch auf deine Wünsche ein.


Sorry, mir ging es gestern und vorgestern so beschissen, hab mir einen schönen Virus eingefangen, daher heute :D

Ich wünsche dir alles Gute :)
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Re: Akkutklinik

Beitragvon kuscheltier92 » Di. 11.07.2017, 14:17

Naja ich habe nur beschrieben was ich in den 8 Monaten an "krassesten" Momenten gesehen/erlebt habe, die ich auf der Akutstation war.

Dort wo ich war auf der Station, war das alles ziemlich krass.

Aber wie du auch sagst, der Aufenthalt gestaltet sich je angenehmer je besser du mimachst.

Ich durfte am Ende auch komplett alleine raus, musste nur zu den Essenszeiten und bis 19Uhr wieder da sein, die geschlossen/geschützte Station war nur noch eine offene Station, wo ich Bescheid geben musste, dass jemand mit die Tür öffnet.
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Re: Akkutklinik

Beitragvon Wildbeere » Di. 11.07.2017, 19:34

Weißt du, bei vielen Mitpatienten kriegt man ja nicht alles mit. Oft sind die die zwangsmediziert werden absolut krankheitsuneinsichtig und ich kann mir auch vorstellen, dass eine Zwangsmedikation sich tatsächlich anfühlt wie ein Missbrauch. Die Zwangsmedikationen die ich in meiner Zeit auf Geschlossenen mitbekommen habe, habe ich teils sogar nachvollziehen können. Aber die Patienten selbst fühlen sich missbraucht/misshandelt. Das heißt noch lange nicht, dass man alles einnehmen muss, was die Ärzte wollen. Zwangsmedikationen werden in der Regel wirklich bei krankheitsuneinsichtigen, wirklich sehr kranken Patienten gemacht die sonst wohl gar nicht aus ihrer Psychose oder ähnlich rauskommen würden. Und dies ist auch für die Ärzte nicht so einfach durchzubekommen. In der Regel sind Zwangsmedikationen eher selten.

Ich wurde auch schon fixiert und auch ich habe mich wie missbraucht gefühlt - aber im Nachhinein war es notwendig und das weiß ich nun auch.

In der Regel, solange man eben nicht enorm selbst-oder fremdgefährdet ist, kann man dort gut zurechtkommen.
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Re: Akkutklinik

Beitragvon Wildbeere » Di. 11.07.2017, 19:50

Achja, das wollte ich oben noch mitschreiben. Die Patienten fühlen sich oft eben völlig im Unrecht, die Ärzte haben Schweigepflicht, daher bekommt man oft nur die uneinsichtige Meinung der Patienten mit.

Ich hatte eine Mitpatientin, die auch sehr lange da war. Sie war anfangs sehr psychotisch - war überhaupt nicht einsichtig, ist in ihrer Psychose regelmäßig aufs Personal losgegangen, hat alle beschimpft und beleidigt. Sie war weit entfernt von Realität. Sie wurde zwangsmediziert und es ging ihr nach einer Zeit viel besser und war im Nachhinein froh über die erzwungene Hilfe. Aber in der Zeit der Zwangsmedikation hat sie uns auch nur erzählt, wie schlecht die mit ihr umgehen / usw..
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Re: Akkutklinik

Beitragvon kuscheltier92 » Di. 11.07.2017, 20:42

Wildbeere ich glaube wir sollten aufhören, über die "krassen" Seiten der geschlossen/geschützten Station zu schreiben. Ich glaube Mäuschen hat wirklich vor sich helfen zu lassen und vielleicht ist es auch "eher dringend" bei ihr und stattdessen auch über die guten Seiten eines Aufenthaltes ob länger oder kurzfristig auf der geschützt, geschlossenen Station schreiben. Z.b. war ich als ich im Wohnheim gelebt habe für ein paar Tage wegen Suiziddruck/gedanken auf einer geschlossenen, das war schon richtiger Luxus. Morgens gab es ein Buffet wo man sich bedienen konnte Brötchen,Brot,alles so viel man essen konnte. Es gab einen großen Fernseher mit extra Ledercouch einen großen Gemeinschaftsraum und wir haben, weil es Sommer war sogar im Innenhof des "Stationsgartens" mit Ärzten/Pflegekräften und sogar dem Oberarzt ein Grillfest veranstaltet.

Mir gefiel das alles gar nicht, weil ich dieses eingesperrte gefühl so mag es gibt mir persönlich Sicherheit. Auf der geschützt/geschlossenen fühle ich ich z.b. richtig wohl sogar zumindest auf der wo ich es erste mal war.

Vor allem war die Oberärztin so klasse. Sie war streng, aber liebevoll, sie war direkt, aber doch freundlich, sie hat dich sofort durchschaut wenn du versucht hast sie auszutricksen und sie ließ sich auf keine Machtspielchen ein. Und sie griff sogar selbst zur Nadel bei der einen Zwangsmedikaion die ich in den 8 Monaten erlebt habe.

Mäuschen es gibt wirklich überhaupt keinen Grund so viel angst zu entwickeln oder zu haben oder dir "schreckliche Horrorszenarien" auszumalen. Und wie Wildbeere auch schon sagte, sofern du dich immer vom "Akuten Suizidversuch" distanzieren kannst wird man dir allenfalls nur keinen Ausgang gewähren aber mehr wird man dich nicht einschränken, Ärzte sind keine Folterer, sie sind vielleicht gemein, und vielleicht fühlt es sich manchmal unfair an, aber sie haben geschworen stets an das wohl des Patienten zu denken und entsprechend zu Handeln.
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Re: Akkutklinik

Beitragvon Mäuschen » Di. 11.07.2017, 22:30

Bei mir sind in der Klinik damals viele Dinge passiert, die ich auch heute immer noch nicht nachvollziehen kann. Ich war als krank abgestempelt und dann wurde alles dementsprechend diagnostiziert und interpretiert. Aber ich habe erhebliche Zweifel an einer meiner Diagnosen. Und vom Gefühl her würde ich auch sagen, dass meine erste Therapeutin mit der Diagnose auch nicht einverstanden war. Da liefen einfach einige Dinge, wo ich mir nicht vorstellen kann, dass die so tatsächlich normal sind... U.a. wurde ich auch "freiweillig" medikamentiert...
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Re: Akkutklinik

Beitragvon Wildbeere » Di. 11.07.2017, 23:56

Hey nochmal.
Meinst du unfreiwillig medikamentiert?
Letztendlich kann ich nur sagen, suche dir Hilfe, wenn du sie brauchst und nimm sie an. Mir hat es oft genug auch geholfen und konnte dort auch positive Erfahrungen sammeln. Scheu dich nicht dir Hilfe zu suchen.
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Re: Akkutklinik

Beitragvon Mäuschen » Mi. 12.07.2017, 10:15

Wildbeere hat geschrieben:Meinst du unfreiwillig medikamentiert?


nein, ich meine, dass das ganze offiziell freiwillig lief. Auf mich aber so ein Druck ausgeübt wurde, dass das alles andere als freiweillig war. Und als ich dann endlich wieder die Kraft hatte, mich dagegen zu wehren, war es zu spät und ich musste die Medikamente nehmen...
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Re: Akkutklinik

Beitragvon Mäuschen » Fr. 21.07.2017, 14:57

Wie ist denn der Ablauf, wenn ich in die Klinik gehen würde und sage, ich habe ganz arg starke Selbstmordgedanken?!
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Re: Akkutklinik

Beitragvon Wildbeere » So. 23.07.2017, 01:44

Dann würden sie dich auf jeden Fall dortbehalten und dir helfen. Dich gegebenenfalls auf (andere) Medikamente einstellen (zu denen sie dich aber eben nicht zwingen können) und du wärest auf einer geschützten Station, solang du dich davon nicht distanzieren kannst.
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