Traumatherapie...Ablauf

Unterforum zu den verschiedenen Therapieformen und -möglichkeiten (sowohl ambulant als auch stationär). Berichtet von Euren Therapie-Erfahrungen mit Therapeuten, Psychologen, Psychiatern und Kliniken oder auch Selbsthilfegruppen. Wir versuchen auch, Euch bei der Arzt-/Therapeuten- oder Kliniksuche zu helfen.

Traumatherapie...Ablauf

Beitragvon Talita » Sa. 09.01.2016, 14:36

Hallo ihr Lieben

hat jemand eine Ahnung wie eine ambulante Traumatherapie abläuft? Also wie lange dauert sie in etwa? Geht man da verschiedene Phasen durch (habe was von Stabiphase gehört...) Und gibt es da Abläufe was in der Phase abläuft und wie lange eine Phase geht?

Danke euch
Nadine
Talita
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Re: Traumatherapie...Ablauf

Beitragvon Viking » So. 10.01.2016, 14:26

Hi Nadine,

das ist glaub ich ziemlich individuell (korrigiert mich falls ihr das anders seht!) also es gibt 3 Phasen, Stabilisationsphase, Konfrontationsphase und Integrationsphase. Da gibts auch ziemlich viel im Internet dazu, du kannst das einfach mal googlen wenn du mehr Info willst :)

Stabilisation bedeutet, dass man guckt dass die Gegenwart soweit ok ist, also Rahmenbedingungen gut sind. Man lernt den Therapeuten kennen, baut Vertrauen auf, der Therapeut lernt dich kennen, macht sich einen Überblick, man kümmert sich um "kleinere" Probleme die evtl. schwierig sind, wie Beziehungen oder Berufliches. Man lernt auch, wie man mit damit umgeht falls zB Bilder hochkommen, evtl. Entspannungstechniken oder Imaginationsübungen, es gibt Psychoedukation, das heißt dir wird erklärt, was eigentlich das Problem ist. Und es geht auch drum dir ein stabiles Umfeld zu ermöglichen, zB Freundschaften aufzubauen. Und man redet entspannt über die Familie und was bisher so war, auch um rauszufinden, wo das Trauma eigentlich herkommt. Und über Symptome, wenn du zB dazu neigst die Welt in schwarz-weiß zu sehen oder dich ausnutzen lässt oder sowas, da gehts dann auch drum, das Verhalten zu hinterfragen/ verändern. Und dir Möglichkeiten zu eröffnen, wie man das anders machen könnte.

Der Sinn ist halt, dass man erst konfrontiert wenn man stark/stabil genug dafür ist, und es dann absolut klar ist dass das Trauma Vergangenheit, nicht Gegenwart ist. Manchmal ist konfrontieren dann auch schon nicht mehr so richtig nötig. Konfrontation sind meistens so Techniken wie EMDR oder Brainspotting. Aber auch während der Konfrontation wird immer wieder stabilisiert, damit es dir nicht zu viel wird.

Integration bedeutet, das Trauma in die normalen Erinnerungen zu integrieren. Das steht davor manchmal über Raum und Zeit und ist gar nicht so sehr in den Lebenslauf eingeordnet.

Wie lange sowas dauert ist sehr individuell, manchmal Monate, manchmal mehrere Jahre, ich persönlich schätze mal dass der Durchschnitt bei 2 Jahren liegt. Aber ich hab da auch nicht so viel Ahnung. Und die Phasen sind oft nicht so klar abgegrenzt, fließen ineinander über. Bei mir zB ist das eher so: Bilder kommen von alleine hoch, die Situation wird stabilisiert und dadurch dass man drüber redet ist das quasi auch konfrontiert und wird integriert, also momentan gibts für jedes Bild extra die 3 Phasen, dann kommt das nächste Bild.

Wenn du es ganz genau wissen willst, fragst du am Besten deinen Therapeuten, weil der dich dann vielleicht schon kennt und dir genauer sagen kann, wie es bei dir ablaufen könnte. Und weil Unsicherheit oder Angst dir da dann auch genommen werden können. Kannst dich auch ruhig trauen nochmal zu fragen, wenn er beim ersten oder zweiten Mal sagt "dass er das auch nicht sagen kann", ich hab dann auch nochmal gefragt was denn so ungefähre Zahlen sein könnten. Mittlerweile ist es mir egal, ob ich nerve oder man das fragen darf oder ob das peinlich ist oder sonstwas, weil der jetzt so viele Themen kennt die ich sonst niemand erzählen würde, dass es überhaupt keinen Sinn macht noch zu versuchen gut dazustehen, da ist sowieso schon alles verloren;) du kannst also durchaus mal sagen "ich denke ich sollte das nicht fragen, aber es beschäftigt mich, dass ..."

Ansonsten weiß Dr. Google auch ne Menge Antworten, aber ob das dann Entspannung und Info bringt oder noch mehr Panik schürt ist halt die Frage ;)

Also jedenfalls braucht man keine Angst davor zu haben, du wirst nicht überfordert, zumindest nicht langfristig;) wichtig ist, dass man einen Therapeuten dafür hat, dem man vertraut und den man mag und wo man sich auch traut, zu sagen wenns zu viel ist oder es Fragen gibt oder Kritik oder so. Ich finds manchmal auch einfacher, ihm eine Mail zu schreiben statt das anzusprechen, falls dir das auch so geht kannst du mal fragen ob du die Option hast. Also nicht einfach irgendeinen Therapeuten nehmen, das muss schon passen und du darfst auch einfach mal für ein Kennlerntreffen reinschnuppern und dich dann für einen andern entscheiden. Und es hilft enorm, wenn du im Umfeld noch jemanden hast, wo du über die Therapie reden kannst und was dich da bewegt, ne gute Freundin wo dich unterstützt oder notfalls Mailseelsorge im Internet.
Wünsch dir jedenfalls viel Erfolg dabei;)

Grüßeeeee
Viking
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Re: Traumatherapie...Ablauf

Beitragvon Talita » So. 10.01.2016, 15:11

Vielem lieben Dank für deine ausführliche Antwort!
Talita
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