Rede nicht über mich selbst in der Therapie

Unterforum zu den verschiedenen Therapieformen und -möglichkeiten (sowohl ambulant als auch stationär). Berichtet von Euren Therapie-Erfahrungen mit Therapeuten, Psychologen, Psychiatern und Kliniken oder auch Selbsthilfegruppen. Wir versuchen auch, Euch bei der Arzt-/Therapeuten- oder Kliniksuche zu helfen.

Rede nicht über mich selbst in der Therapie

Beitragvon WerBinIch » Di. 18.08.2015, 18:42

Ich hatte heute eine Therapiestunde, die mich noch ein paar Stunden nachher stark beschäftigt hat und das kam bisher nicht allzu oft vor.
Zur Info: Bei meiner jetzigen Therapeutin befinde ich mich seit knapp 2 Jahren in Behandlung (psychoanalytische in Kombination mit Gesprächstherapie; Diagnose war: Borderline einhergehend mit starken Stimmungsschwankungen & Schlafstörungen, Essstörung und Selbstverletzung, sowie Selbstmordgedanken). Bin sehr zufrieden mit ihr und fühl mich wohl.

Heute hat sie mich das erste Mal auf etwas ganz konkret angesprochen bzw. dezent zurechtgewiesen, nämlich, dass wir meistens von anderen reden. Dass ich erzähle, wie andere sich verhalten, warum die sich evtl. so verhalten, "was sein könnte wenn..." usw.
Aber selten spreche ich darüber, wie es MIR geht. Was in mir vorgeht. Was ich zu mir selbst denke usw.
Das hat mich irgendwie total aus dem Konzept gebracht, denn ich weiß nicht wie ich darüber reden soll wie es mir geht :?: :? Tatsächlich spreche ich die meiste Zeit darüber wie sich Menschen in meiner Familie verhalten. Schon über Dinge die mich letztendlich verletzen und ärgern , aber ich kann irgendwie nicht begründen wieso das so ist. Stattdessen analysiere ich zum Teil 50 Minuten lang wieso die/der sich so verhält und so weiter. Sie hat gesagt, dass es für sie scheint, als würde ich davor flüchten wollen von mir selbst zu reden, über mich selbst nachzudenken. Denn ich helfe auch unheimlich vielen Menschen ständig, während mir aber nicht so oft geholfen wird...ich lenke ständig von mir selbst ab. Das wird mir erst jetzt, wo sie es gesagt hat, bewusst, in welchem Ausmaß ich das mache. Dabei tu ich mir einfach so schwer mich mit mir selbst auseinander zu setzen. Auch alleine-Sein ist für mich mit ganz viel Unwohlsein verbunden...ich muss mich immer irgendwie beschäftigen oder mit jemandem gemeinsam sein um mich nicht unwohl zu fühlen.

Hattet ihr auch schon eine derartige Situation? Wie komm ich da raus...wie kann ich lernen über mich und meine Gefühle zu sprechen, ohne mich dabei egoistisch zu fühlen ? Vor allem aber: Wie redet man denn bitte über seine Gefühle? Das sind ja nur Gefühle ... die existieren ja nur in mir... :cry:

Liebe Grüße
WerBinIch
 

Re: Rede nicht über mich selbst in der Therapie

Beitragvon iyuraeel » Di. 18.08.2015, 18:54

Ich kann ein paar deiner Gedanken sehr gut nachvollziehen,
z.B. der sich immer ablenken zu wollen um nicht mit sich allein zu sein / sich nicht unwohl zu fühlen.
In der Therapie habe ich ähnliches erlebt, ich habe nicht über andere gesprochen, aber ich neigte
dazu einfach Smalltalk zu machen. Ein Therapeut der dies zugelassen hat, mit dem habe ich in den
Stunden über seine Urlaube und anderes belangloses Zeug gesprochen.
Mittlerweile, wenn ich zu neuen Therapeuten komme, erwähne ich dieses Verhalten direkt zu Beginn
und bitte sie, nicht auf sowas einzugehen.
Jetzt wo dir das aufgefallen ist, wäre das vielleicht auch eine Möglichkeit für dich, also dass sie
dich häufiger auf deine Gefühle ansprechen soll.
Dass du nicht weißt wie man über Gefühle spricht, ist egal. Das lernst du dann :)
die existieren ja nur in mir

Und genau um dich geht es in der Therapie, wegen dir sitzt deine Thera dort, wegen dir sitzt du dort.
Du kannst ja mit einfachen Dingen anfangen und üben. Hungrig, müde, sauer, alles Gefühle und vielleicht
einfach zu erkennen. Sie wird sicherlich auch nachhaken und dich Stück für Stück an dich heran führen.

Am wichtigsten ist wohl erstmal, dass es dir jetzt klar ist und du mit darauf achten kannst.
iyuraeel
 

Re: Rede nicht über mich selbst in der Therapie

Beitragvon manon » Di. 18.08.2015, 18:57

es ging mir zeit lang auch so,in der ersten therapie,
ich finde das gut,daß dir das deine thera gesagt hat und
verstehe auch deine gefühle die du hast,es fühlt sich am
anfag schon seltsam an,wenn man sich mit sich selbst beschäftigen
soll aber es ist deine therapie,die dir helfen kann.
manon
 

Re: Rede nicht über mich selbst in der Therapie

Beitragvon WerBinIch » Mi. 19.08.2015, 09:38

manon hat geschrieben:es ging mir zeit lang auch so,in der ersten therapie,
ich finde das gut,daß dir das deine thera gesagt hat und
verstehe auch deine gefühle die du hast,es fühlt sich am
anfag schon seltsam an,wenn man sich mit sich selbst beschäftigen
soll aber es ist deine therapie,die dir helfen kann.


Dann beginne ich hier , vielleicht funktioniert das dann in der Therapie besser:
Ich fühle mich ziemlich bedrängt und vereinnahmt von meiner Familie. Vor gut einem dreiviertel Jahr bin ich von zuhause ausgezogen weil ich es nicht mehr ausgehalten habe bei ihnen (ständig schlimme Streitereien, sehr schlechtes Verhältnis zur Mutter, usw.) . Zuerst war das auch ein angenehmer Cut in meinem Leben, ich hab mich weitgehend distanziert von dem Ganzen. Aber im Laufe der Zeit habe ich wieder mehr und mehr mit meiner Familie zu tun gehabt...habe mich wieder so verantwortlich gefühlt für das Wohl meiner Familie. Sie fingen an mich ständig anzurufen (mehrmals täglich).
Jetzt gerade bombadiert mich meine 12 Jährige Schwester mit SMS wie blöd unsere Mutter ist usw. , meine Mutter hat mich aber bereits angerufen und ich weiß, dass meine Schwester gerade rumspinnt (sie kriegt oft so unnötige Wutanfälle wegen Kleinigkeiten). Mir ist das zu viel. Habe heut nach 2 WOchen endlich einmal gut geschlafen und wollte angenehm in den Tag starten und jetzt fühle ich mich überrumpelt und nicht geachtet als Person. Weil ich immer kontaktiert werde wenn irgendetwas los ist und es wird erwartet, dass ich immer da bin . ABER ICH WILL NICHT. Genau deshalb bin ich ausgezogen und ich will das jetzt wirklich nicht mehr.
In mir ist bereits ein Gefühl, dass ich wegrennen will, dass ich nichts mehr von meiner Familie hören will, weil es mir schlicht und einfach zu viel wird.
WerBinIch
 

Re: Rede nicht über mich selbst in der Therapie

Beitragvon WerBinIch » Mi. 19.08.2015, 09:49

Und ich fühl mich einsam und traurig, wenn ich darüber nachdenke, dass mein Schatz in einer Woche für einen Monat im Ausland sein wird :( . Habe natürlich FreundInnen und Arbeit usw. aber er wird mir furchtbar fehlen..
WerBinIch
 

Re: Rede nicht über mich selbst in der Therapie

Beitragvon senta » Mi. 19.08.2015, 11:24

das Problem, nicht über mich selbst zu sprechen in der Therapie, oder immer nur in der Reaktion auf das Verhalten der Menschen um mich rum,
das kenne ich sehr gut, immer noch, eigentlich z Zt verstärkt,

finde ich toll, wie du es hier aufschreiben kannst,
vielleicht kannst du dir das ja mal in die Therapie mitnehmen,
wenn auch nicht zeigen, dann dir als "Stütze" nehmen

ich finde es auch gut, dass deine Thera dich darauf angesprochen hat,
das ist ja auch wichtig,
meine macht es nicht so direkt,
aber ich merke es auch immer wieder irgendwie an ihrer Reaktion, wenn ich "abschweife" oder vielmehr, wenn ich es zwischendurch schaffe ganz "bei mir zu sein"...

viel Erfolg weiterhin,
du machst das toll :troest:
senta
 

Re: Rede nicht über mich selbst in der Therapie

Beitragvon WerBinIch » Mi. 19.08.2015, 13:45

senta hat geschrieben:das Problem, nicht über mich selbst zu sprechen in der Therapie, oder immer nur in der Reaktion auf das Verhalten der Menschen um mich rum,
das kenne ich sehr gut, immer noch, eigentlich z Zt verstärkt,

finde ich toll, wie du es hier aufschreiben kannst,
vielleicht kannst du dir das ja mal in die Therapie mitnehmen,
wenn auch nicht zeigen, dann dir als "Stütze" nehmen

ich finde es auch gut, dass deine Thera dich darauf angesprochen hat,
das ist ja auch wichtig,
meine macht es nicht so direkt,
aber ich merke es auch immer wieder irgendwie an ihrer Reaktion, wenn ich "abschweife" oder vielmehr, wenn ich es zwischendurch schaffe ganz "bei mir zu sein"...

viel Erfolg weiterhin,
du machst das toll :troest:


Danke Senta!
Wenn du Lust hast, können wir uns gegenseitig per PN ein bisschen unterstützen mehr bei uns und unseren Empfindungen zu bleiben? Was hältst du davon? Würde mich freuen wenn wir uns zusammentäten.

:kiss:
WerBinIch
 

Re: Rede nicht über mich selbst in der Therapie

Beitragvon Sensibelchen » Mi. 19.08.2015, 15:48

Das Problem kenne ich auch.
Meine erste Therapie war ein Kaffeekränzchen. Nett geplaudert - aber nichts verändert. Ich habe einfach nichts für mich mitgenommen. Keine Hilfe und die Therapeutin ist auch nicht "auf den Grund" gegangen.

Meine jetzige Therapeutin hat von Anfang an -und konsequent- mich darauf aufmerksam gemacht und mich zurückgeholt zum Thema. Sie arbeitet sehr gewissenhaft, intensiv und will auch was erreichen. Ich merke, dass ich in der Stunde für Sie sehr wichtig bin.
Endlich mal dreht sich ein Gespräch uneingeschränkt um mich. Habe Aufmerksamkeit, werde hinterfragt. Bin von meinen Eltern nicht so beachtet worden, wie ich es mir gewünscht habe.
Irgendwie genieße ich es ein bissel auf eine Art.

Ich bin meiner Therapeutin sehr dankbar dafür. Langsam merke ich, wenn ich weg triffte und benötige keinen Hinweis mehr.
Sensibelchen
 

Re: Rede nicht über mich selbst in der Therapie

Beitragvon Oskar » Mo. 09.11.2015, 16:10

Tja... Wie redet man über Gefühle
Hört sich dumm an aber ich würde sagen einfach so aus dem Bauch raus.
Das ist etwas was zumindest ich mir mittlerweile angewöhne.
Nur du kannst wissen wie du dich fühlst und wie du dich fühlst ist entscheidend.
Ich würde meine Therapeutin fragen ob sie mich nicht ab und an bewusst nach Gefühlen fragen kann.
Dann lernst du es praktisch in der Therapie und dann schaffst du es auch das demnächst mal draußen umzusetzen
Dafür ist er da.
Das Problem kenne ich aber auch: ich rede über die Situation und nicht über mich, außerdem wird "ich" bei mir recht gerne durch "man" ersetzt
Oskar
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