Lyrica - Teufelszeug

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Lyrica - Teufelszeug

Beitragvon Lin » Mi. 17.02.2016, 13:45

Hi ihr,

was vor kurzem in der Klinik zum Tramadol (Opioid) Entzug - zwangsweise. 2 Wochen war ich da eingesperrt, was für mich als Bewegungsjunkie die absolute Hölle war. Außderem hab ich gefressen wie ein Depp und viel an Gewicht zugenommen. - so dass ich jetzt ernsthafte Schwierigkeiten mit meinem Körper habe, die hab ich mal mehr mal weniger. Aber mehr Gewicht, bedeutet immer auch mehr Schwierigkeiten.
Naja. Das belastet mich noch so "nebenbei" - ziemllich.

Jedenfalls. Ich hab Anfang Januar wegen Angst- und Schlafstörungen Lyrica 100 mg von meinen Hausarzt verschrieben bekommen - va. wegen der Schlafstörungen (vermutlich durch as Tramadol begünstigt), da die Angstattaken eigentlich immer nur dann auftraten, wenn ich die Nacht zuvor nicht geschlafen hatte.
Aber wie es eben so ist. (in meinem Leben) hab ichs gegen Ende (die Klinikaufnahme mein ich damit) alles ziemlich hochdosiert. Allerdings war mir ziemlich schnell klar, dass ich in der Scheiße hock, war ja nich mein 1. Medimissbrauch (scheiß Wort)... und dann eben Klinik. Anfangs freiwillig - dann eher nicht mehr so. Aber ich "musste" es durchziehen, auch wenn mir der Entzug vom Tramadol draußen lieber gewesen wäre. Prinzipiell war ich sehr unzufrieden mit den Ärzten dort (Pflegepersonal war ganz ok., die meisten) ... Auf jedenfall. Waren sie unfähig mir richtig zuzuhören. Ich bekam dann in der Klinik die maximaldosis von Lyrica, 600 mg am Tag - 4 x 150 mg.

Also. um jetzt mal langsam aufm Punkt zu kommen.

Generell .. bin ich kein Fan von Medikamenten. Trotzdem ... gibt es auch immer wieder die andere Seite, dass ich eben irgendwas nehm... naja. Wegerm Rausch denk ich.

Jedenfals. Als ich zuhause war, dacht ich ich könnt das Zeug einfach so absetzen. Ui! Böööser Fehler.
Ich bekam Gliederschmerzen im ganzen Körper. Nervenschmerzen, Rückenschmerzen, Schüttelfrost, Hitzewallungen, extreme Schlappheit, massive innere Unruhe... jah. das war nicht schön. Bis zum Abend konnt ich mich kaum noch auf den Beinen halten. Das war letzte Woche Freitag. Ich hab 200 mg Lyrica in meiner Verzweiflung genommen, aber natürlich war das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Dann hab ich mich schlau gemacht im Inet, über Erfahrungsberichte, was ziemlich entmutigend war, da ich fast nur Berichte fand, von Leuten, die es aufgrund der starken Entzugserscheinungen nicht geschafft haben, das Medikament abzusetzen.
Ein neuer Plan musste her.
Ich rief eine Psychiaterin an, die mich sehr gut kannte und erzählte ihr meine blöde Situation. Das wars schon Montag und ich ziemlich verzweifelt, weil mir langsam klar wurde, in was für einer beschissenen Situation ich mich schon wieder befand - ohne behandelnden Arzt und einem absoluten Horror niochmal in die Klinik zu gehen. Sie erzählte mir, dass man am Anfang recht begeistert vom Lyrica war, gab es u.a. um die Entzugssympthome eines Benzoentzugs zu mildern. Naja. Und dann fand man eben raus, was das für ein Zeug is, nämlich dass nach absetzen ähnlich heftige Entzugserscheinungen wie beim Benzoentzug auftreten. Er also nicht nur ziemlich gefährlich, sondern auch langwierig und grausam ist. -.-
Ich habs versucht mit Mo. 400 mg, die 350 mg.
Ich bin sehr ungeduldig, und es soll schnell gehen. Aber es geht NICHT.
In der ersten Nacht haqb ichg nicht geschlafen und fast 10 stunden extreme Schmerzen in Beinen und Rücken gehabt, ich konnte kaum liegen. Und jede Bewegung kostete mich unglaublich viel kraft.
In der zweiten Nacht hatte ich zwar nicht so starke Schmerzen, dafür aber massive unruhezustände, herzrasen... ja... und stimmungsmäßig, naja. Ziemlich verzweifelt und hoffnungslos.

Übrigens sollte man mindestens 2-3 Tage auf einer Dosis bleiben. Wenns schlecht geht auch länger. Und das bei meiner ungeduld!!!
Ich bin so unzufrieden. Es ist mit und ohne kein schöner Zustand. Ich fühl mich so unwohl in meinem Körper und hab keine Kraft für viel Sport - normalerweise hab ich immer gern und viel sport gemacht, zur zeit geht recht wenig. Hab abgebaut. Und die Zeit in der Klinik hat mich viel Kraft gekostet - und es ist noch lange nicht vorbei =(

Jetzt war ich vor ort bei einem Psychiater der mich von früher kennt.
Er wollte WOCHENWEISe reduzieren, das ist mir natürlich viel zu einfach.
Jetzt soll ich in drei Tagesschritten 25 mg runtergehen.
Und zum einschlafen hat er mir Trimipramin Tropfen aufgeschrieben - gerade lese ich, dass es das Krampanfallrisiko erhöht - na ob das Klug ist für einen Entzug wo, das Krampanfallrisiko eh erhöht ist?
Ich weiß nicht, wie gut er sich mit dem absetzen auskennt, denn die oben egenannte Ärztin meinte, dass ist noch nicht überall bekannt, was das für ein Zeug ist...

Hm.

Ja. Keine Ahnung, ob da irgendjemand Erfahrungen gemacht hat - und/oder Tips geben kann!???

Vll. wollt ichs auch einfach nur mal loswerden und davor warnen.

Scheiße.
Der Tramadolentzug wär im Gegensatz vermutlich ein Spaziergang gewesen. Es ärgert mich... mein Talent mich in die Scheiße zu setzen.

Aber egal.

Ich geb nicht auf.

Hab Träume und Ziele. Jetzt bin ich soweit gekommen.
Das wird doch zu schaffen sein... :coolguy:

Mit lieben Grüßen

Lin
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Re: Lyrica - Teufelszeug

Beitragvon Charlotte » Mi. 17.02.2016, 16:36

Hallo Lin!

Erfahrungen hab ich (zum Glück) keine, aber mein Tipp wäre: Lass es langsam angehen. Bevor du dich da tagelang quälst und doch nicht richtig runterdosieren kannst, weil die Absetzerscheinungen zu krass sind, oder Krampfanfälle kriegst, mach es lieber wochenweise, wie der Psychiater vorgeschlagen hat. Manche Probleme lassen sich eben nicht von jetzt auf gleich lösen und ich denke, dein Körper ist eh schon mitgenommen genug. Gönn ihm wenigstens dieses Mal einen sanfteren Entzug. Ich glaube, mit der Hau Ruck-Methode wirst du hier nicht weiterkommen. :ka:
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Re: Lyrica - Teufelszeug

Beitragvon Grille0815 » Mi. 17.02.2016, 18:04

Für was man das Zeugs so alles verschrieben bekommt...
... ich hatte es zur Unterstützung der Aufkalkung meines Sprunggelenks (nein.. kein Scherz...)

Ich bin die ersten paar Tage auf allen vieren gekrochen... hab es echt schlecht vertragen...

Beim Absetzen ging es aber vergleichsweise gut...

Okay, ich hab 25g pro Woche reduziert...

Wie lang hast du das denn genommen?
Grille0815
 

Re: Lyrica - Teufelszeug

Beitragvon Lin » Mi. 17.02.2016, 18:32

Hey ihr beiden,

ja es stimmt schon. Letzte Nacht hab ich mir nämlich wieder die volle Dröhnung reingeknallt, weil... ich habs halt nich ausgehalten. Scheiße. Es fällt mir irre schwer mich daran zu halten, v.a. weil eben soviel anderes nicht stimmt grade - und dann kommt doch manchmal mein alter Selbsthass wieder und ich reduzier viel schneller "um mir eins reinzuwürgen" so siehts in der Praxis aus - leider.
Naja. Neuer Versuch - neues Glück?

Eigentlich garnicht sooo lange.

Also in so richtig hoher dosierung, vll. - 3-4 Wochen?
Wie gesagt, habs ja erst Anfang Jan. verschrieben bekommen.

Ja, Laut Packungsbeilage gegen Angststörungen, Epilepsie, chron. Schmerzen.
Ffff. Laut mir gehört sowas verboten. Wieder was neues aufm Markt.
Macht sich nämlich auch in der Szene immer beliebter -.-

"... ich hatte es zur Unterstützung der Aufkalkung meines Sprunggelenks (nein.. kein Scherz...)"
Zum schmunzeln bringts mich trotzdem ^^

Wieviel hast du denn bekommen, und wie lange? Hat das dann gut geklappt mit dem reduzieren ohne viel Leiden? ^^
Lin
 

Re: Lyrica - Teufelszeug

Beitragvon Lin » Mi. 17.02.2016, 18:38

Oben meinte ich im übrigen nicht "viel zu einfach" sondern "viel zu langsam"
Lin
 

Re: Lyrica - Teufelszeug

Beitragvon Grille0815 » Mi. 17.02.2016, 19:18

Nunja, Lyrica is schon ne Weile draußen...
Ich hatte das ende 2012... damals war es für Leute mit "Krampfadern" und so Zeugs.. denken sich echt dauernd was neues aus...

Ich hab es ein halbes Jahr genommen...
Langsam ausschleichen ging relativ problemlos
Grille0815
 

Re: Lyrica - Teufelszeug

Beitragvon Vanilla » Do. 18.02.2016, 01:51

Hallo Lin,
schön mal wieder von dir zu lesen.

Nehme Lyrica immer mal wieder gegen neuropathische Schmerzen
durch MS.
Dauerhaft macht es mir zu starke NW.

Ist schon etwas schwierig, wenn ich mal absetze.
Lyrica beeinflusst ja schon auch die Stimmung.
Aber nach 3/4 Tagen ist bei mir wieder alles okkay.
Dir wurde dieses Leben gegeben, weil du stark genug bist um es zu leben.
Unbekannt

Ja, ich hasse meine MS und sie mich scheinbar auch. Aber manchmal sitzen wir auch zusammen und lachen gemeinsam über meinen Gang

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Re: Lyrica - Teufelszeug

Beitragvon Fee23 » Do. 18.02.2016, 19:26

Hallo lin,ich hab zwar nicht dass Medikament was du gehabt hast aber ein ähnliches. Das absetzen haben wir mit meiner Arzt innerhalb von 6 Wochen gemacht von 325 mg auf null also schon nicht ganz so schnell er wollte das innerhalb von 2 Wochen machen aber da ich mich auskenne in dem Gebiet war ich damit nicht einverstanden. Hat schon so gereicht 6 Wochen lang war ich so krank das ich dachte das ich sterben muss! Nach der ersten minimalen Reduzierung begann das schwitzen und zittern dazu kam andauernde Übelkeit mit erbrechen danach Durchfall und irgendwann Kreislauf Kollaps normal wenn man über Wochen nicht essen kann . Ich möchte dich nicht entmutigen nur sagen das es selbst über Wochen eine Zeit des horrors werden kann geschweigden wenn man das abprupt macht,ich wünsche dir die kraft durchzuhalten. LG fee
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Re: Lyrica - Teufelszeug

Beitragvon Lin » Mo. 22.02.2016, 11:20

Hey,

ja, einen Versuch mit "aprupt" hatte ich ja schon. Dacht ich auch ich muss sterben - oder will sterben. Diese Schmerzen.

Ja. Die Menschen reagieren sehr unterschiedlich... und vielleicht hat es bei mir auch damit zu tun, dass ich tatsächlich auch älter werde - wer häts gedacht? Und es ja nicht mein erster Entzug ist (von Lyrica schon). Früher hab ich sowas glaub auch einfach leichter weggesteckt.

Bin grad bei 325 und es geht eigentlich noch.
Ich denk immer. Ich nehm zu viel, weils mir noch "zu gut geht", dabei bin ich eh nur 2 Tage auf einer Dosis bisher. Zwei Tage 400 mg, 2 Tage 350 mg.
Jetzt den zweiten Tag mit 325.
Und immer dieser innere Kampf, schneller, Angst, nein langsamer. Zu Lang, zu kurz. Blabla.
Nebenbei kämpf ich auch noch damit, meinen Alltag wieder zu strukturieren, die kleinsten Dinge werden zum Problem, Müll wegbringen z.B. wenn ich EINE Sache am Tag schaff, freu ich mich schon /= ... normal bin ich ein Energiebündel, das garnich genug Aktion und Bewegung haben kann... hmpf.

Ja. Und wie es die Stimmung verändert. Bin wenn ich ne Dosis nehm, erstmal gut drauf und getrieben, leider nicht so lang. Dann sackts ab. Ich werd müde.
In der früh hab ich immer Schmerzen im Nacken und wenn ich aufsteh spür ich mein ganzen Körper. Nach der 1. Dosis wirds besser.

Angst hab ich vor den Schritt wenns unter 300 geht. Es ist jeden Tag ein Kampf. Und wenns mir "zu gut" geht, denk ich, ach .. kann ich wieder was wegnehmen.
Aber die Abende sind schlimm - allerdings ist das oft ein Problem. Abend is generell schwierig für mich. Auch wenn ich grad kein Entzug mach. Im Moment find ichs halt besonders schlimm... da is mir oft nach aufgeben. Alles hinschmeißen, mich zuknallen. Aber im moment hats zumindest funktioniert konstant runter zu gehen, ohne "ausbrüche" seit letzter Woche Mittwoch.
Wenn ich das Zeug zum schlafen nicht hätte, ich bin mir sicher, dann wärs schon längst schief gegangen. Es ist gut, wenn man den Tag irgendwann "beenden" kann und am nächsten Tag neu starten, wenigstens wieder etwas aufgeladen, nach sovielen Kämpfen /:
Ja ziemlicher Kontrast was sich da grad abspielt, die Zuversicht und teils Euphorie am Tag und dieser Wunsch nach aufgeben, verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, angst am Abend/Nachts.

Danke für eure Erfahrungen.

Ich denke, es tut mir gut mich hier mitteilen zu können.

Diese Schniefnase und der schmerz im LWBerreich - kommt auch vom Entzug oder?
Ach das sind auch so typische Entzugserscheinungen bei Opiaten.

Ja. Eigentlich ... kommts mir so vor, auf Heroin ham se auch mal Patent angemeldet...
Lin
 

Re: Lyrica - Teufelszeug

Beitragvon Lin » Mo. 22.02.2016, 13:04

Und genau dieses Stimmungsverändernde find ich ja so schwierig bei diesen Medis.
Es ist schwer genug MICH zu kennen und "richtig" zu reagieren, gerade jetzt, wo ich das Gefühl hab, soviel an Halt und Stabilität verloren zu haben. Manchmal hab ich das Gefühl ich weiß garnicht mehr wer ich bin, was bin ich, was Wirkung, was Nebenwirkung, was äußere Einfluss, was innerer? Absetzerscheinungen? Entzug? Ich? Hormone? Stimmungen.
Deswegen nervt mich das auch so.
Ich will wieder zu mir finden. Mich kennen - und auf mich reagieren können.

Wer bin ich???

Und gleichzeitig diese Verlockung, der Wirkung, abschalten, Stimmung nach oben Pushen. Schlafen können. Ruhe.
Aber meinen inneren Frieden find ich nicht mit solchen Mitteln, das wird (wieder) ein hartes Stück arbeit.

Diese Zerrissenheit.
Lin
 

Re: Lyrica - Teufelszeug

Beitragvon valli » Mi. 13.04.2016, 19:31

Ich kenne dieses Medikament zu gut und es lässt Glieder anschwellen, Wassereinlagerungen und man bekommt Hunger, wirklich ein Teufelszeug und es macht müde.
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