Ich weiß nicht, was mit mir los ist...

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Ich weiß nicht, was mit mir los ist...

Beitragvon Deathod » Fr. 07.04.2017, 19:06

Hallo Leute,

ich habe seit Längerem ein Problem, das mich mehr oder weniger belastet. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich das Ganze grundsätzlich als ein Problem bezeichnen kann, da ich eigentlich nicht das Bedürfnis nach einer Psychotherapie verspüre. Oder doch? Ich erwarte einerseits von niemandem eine Ferndiagnose. Andererseits wäre ich trotzdem sehr dankbar für jede Antwort. Ich bin keine gute Geschichtenerzählerin, aber ich versuche es trotzdem:

Ich bin weiblich, zum jetzigen Zeitpunkt 21 Jahre alt und ein sehr introvertierter, sensibler und neorotischer Mensch. Als ich klein war habe ich mich geweigert, den Kindergarten zu besuchen. So sehr, dass meiner Mutter nichts anderes übrig blieb, als mich vom Kindergarten zu befreien. Zur Schulzeit war es noch viel schlimmer. Ich denke, ich hatte einfach große Angst vor Ablehnung und Mobbing. Ab der 2.ten Klasse wurde ich leider tatsächlich zum Mobbingopfer. Daran hatte sich während meiner gesamten Schulzeit, trotz mehrfachem Schulwechsel, nichts geändert. Freunde hatte ich kaum. Mit 17 Jahren hatte ich meine erste sexuelle Erfahrung. Gefallen hat mir diese Erfahrung absolut nicht, aber dazu später etwas mehr. In etwa zu diesem Zeitpunkt, also vor ca. 4 Jahren, habe ich eine Ausbildung zur Friseurin begonnen. Ich habe knapp 2 Jahre in diesem Bereich gearbeitet, danach habe ich die Ausbildung abgebrochen. Der Menschenkontakt wurde mir zu viel und meine Arbeitskollegen waren die Hölle. Seitdem bin ich arbeitslos. Die Aversion zum Menschenkontakt wurde schlimmer. Ich denke, es hat auch viel damit zu tun, dass ich in meiner Vergangenheit sehr häufig gemobbt wurde und insgesamt schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht habe.
Ich habe kaum noch Interesse an sozialen Kontakten. Anfangs hatte ich noch meine beste Freundin, die ich heute seit 8 Jahren kenne. Mit ihr konnte ich immer über alles reden. Irgendwann habe ich selbst das Interesse an der Freundschaft zwischen ihr und mir verloren. Ich spreche heute kaum noch mit ihr. Ich bin eigentlich nur noch zu Hause und witme mich sehr gerne meinen Fantasien, als hätte ich ein wenig den Bezug zur Realität verloren. Ich glaube, ich möchte es aber auch nicht anders haben. Soziale Kontakte empfinde ich nur noch als anstregend. Von Liebe und sexuellem Kontakt möchte ich da gar nicht erst anfangen. Jede Erfahrung diesbezüglich war ein Reinfall. Daran bin ich aber selbst schuld, ich kann und will keine Nähe zulassen. Ich empfinde nicht viel für andere Menschen und habe auch kein Interesse daran, etwas zu empfinden. Telefonieren finde ich auch total unangenehm. Das mache ich nur, wenn es nicht anders geht. Irgendwann bin ich auf den Begriff "Schizoide Persönlichkeitsstörung" gestoßen. Darin habe ich mich irgendwie komplett wiedergefunden, sodass ich heute denke, dass ich davon betroffen bin. Ich bin nicht auf der Suche nach einer "Schublade", aber es hat sich trotzdem gut angefühlt, zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, die einfach nichts (mehr) an Menschen findet. Wenn ich einen Menschen attraktiv finde, ist das wie wenn ich z.B. ein schönes Gemälde attraktiv finde oder mir eine Ausstellung betrachte, die mir gefällt.
Vor ca. einem halben Jahr kam noch dazu, dass ich Angst vor Dunkelheit bekommen habe. Ich kann niemals ohne ein kleines Licht an meiner Seite einschlafen. Trotz hellem Licht werde ich nachts oft wach, manchmal mehrmals in einer Nacht, und bekomme Angstzustände. Meistens habe ich während dem Schlafen Alpträume, weiß aber nicht wieso. Zudem führe ich auch sehr gerne Selbstgespräche. Allerdings läuft das bei mir so ab, dass ich mir imaginäre Personen ausdenke und Sätze oft wiederhole. Dabei laufe ich immer im Kreis. Manchmal vergesse ich dabei sogar zu atmen und bekomme dezente Schwindelanfälle. Sehr merkwürdig, aber irgendwie brauche ich diese Selbstgespräche. Sie geben mir einfach ein gutes Gefühl.
Auf der einen Seite meide ich den Kontakt zu Menschen ja freiwillig, aber auf der anderen Seite ist meine Welt irgendwie ein belastendes Chaos, durch das ich Depressionen bekommen habe. Ich weiß nicht, ob ich mich an einen Facharzt wenden soll oder nicht. Denkt ihr, dass mir eine Psychotherapie guttun würde? Wie würdet ihr denn meine Situation beschreiben? Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Ich wollte wohl einfach ein wenig Dampf ablassen. Tut mir leid, falls ich eventuell ein bisschen durcheinander geschrieben habe. Wenn ihr Fragen habt beantworte ich diese auch gerne. Ich würde mich wirklich sehr über Antworten freuen. Das war's vorerst von mir. :)

Liebe Grüße

Deathod (oder Anna)
Deathod
 

Re: Ich weiß nicht, was mit mir los ist...

Beitragvon Ruby » So. 09.04.2017, 11:53

Hallo liebe Anna,

vieles, was Du hier schilderst, kommt mir von mir her sehr bekannt vor. Bei mir führte meine Angst- und Sozialphobie zur vollständigen sozialen Isolation, aus der ich mich alleine nicht mehr befreien konnte. Erst durch psychotherapeutische Hilfe wird es bei mir nun langsam wieder besser. Von dem her empfehle ich Menschen, die dazu neigen, sich sozial immer mehr zu isolieren, gerne ebenfalls dazu, sich psychotherapeutische Hilfe zu suchen.

In Deinem Fall würde ich das sogar als sehr wichtig betrachten, zumal Du dann auch Gewissheit bekommst, ob bei Dir wirklich eine schizoide Persönlichkeitsstörung vorliegt. Vielleicht ist es ja auch komplett was anderes. Es geht dabei nicht darum, Dich in irgendwelche Schubladen stecken zu wollen. Vielmehr eröffnet Dir eine korrekte Diagnose Möglichkeiten, gezielt dagegen vorzugehen und darauf therapeutisch behandelt zu werden. Von dem her machst Du bestimmt nichts verkehrt, wenn Du Dir fachärztliche, therapeutische Unterstützung suchst. Denn solche Hilfe könnte Dir vielleicht wieder zu mehr Lebensqualität verhelfen.

Ganz lieben Gruß
Ruby
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Re: Ich weiß nicht, was mit mir los ist...

Beitragvon Deathod » So. 09.04.2017, 15:28

Hallo Ruby,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Eine passende Diagnose, und somit auch eine geeignete Therapie, wäre sicherlich sinnvoll. Es würde mir bestimmt auch guttun, persönlich mit einer neutralen Person über meine Probleme zu sprechen. Aber wie soll man sich von einem Menschen helfen lassen, wenn der Mensch an sich das Problem darstellt? Es ist ein Teufelskreis. :roll:

Kennt jemand dieses Gefühl, wenn man zwar kein Bedürfnis nach sozialem oder sexuellem Kontakt hat, man sich aber trotzdem jemanden wünscht, der Verständnis zeigt und einen mag oder liebt? :doof:
Deathod
 

Re: Ich weiß nicht, was mit mir los ist...

Beitragvon Ruby » Mo. 10.04.2017, 20:41

Deathod hat geschrieben:Aber wie soll man sich von einem Menschen helfen lassen, wenn der Mensch an sich das Problem darstellt? Es ist ein Teufelskreis.
Glaub mir, einem guten Psychologen ist das nicht fremd, liebe Anna.

Soziale Kontakte sind enorm wichtig. Ansonsten wirst Du Dich sozial immer mehr isolieren und im schlimmsten Fall all Deine zwischenmenschlichen Fertigkeiten immer mehr verlieren. Diese Fertigkeiten nachträglich wieder zu erlangen, kann sehr, sehr mühsam werden. Davon kann ich leider ein Liedchen singen. So ist mir das auch passiert.

Mit Deiner Anmeldung in diesem Forum hast Du nun eigentlich ein gutes, geschütztes Übungsfeld, um soziale Kontakte und Fertigkeiten wieder ein bisschen zu üben. Hier kannst Du nicht wirklich was falsch machen. Von Deinem Schreibstil her kommst Du mir persönlich übrigens sehr sympathisch rüber. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du eine Frau bist, die man mögen kann.

Lieben Gruß
Ruby
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