Narzissmus, Depression, Abneigung. Anlaufstelle?

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Narzissmus, Depression, Abneigung. Anlaufstelle?

Beitragvon depressionist » Fr. 29.07.2016, 15:54

Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich hoffe einen Rat zu kriegen, wie ich am besten Hilfe für meine Probleme finden kann. Oder sonstige Ratschläge.

Zu meiner aktuellen Situation: Ich bin 22 und schreibe die Bachelorarbeit in Angewandter Informatik (Studium verlief relativ reibungslos, ich halte mich aber für unfähig ins Berufsleben einzutreten - fachlich und sozial). Ich wohne in einer Zweck-WG in der Stadt meiner Uni, fünf Zugstunden von meinem Elternhaus entfernt. Zwei jüngere Geschwister, das Verhältnis mit der Familie ist gut (zu fast allen anderen Menschen schlecht, aber dazu gleich mehr).

Meine zentralen Probleme sind:
1. Ich kann mich für kaum etwas begeistern.
2. Fast alle anderen Leute finde ich, spätestens wenn ich sie etwas näher kennengelernt habe, uninteressant bis abstoßend; nur wenn sie viel Interesse an mir zeigen, finde ich ihre Gesellschaft erträglich oder zeitweise angenehm.
3. Im Umgang mit anderen bin ich meist sehr unsicher, fühle mich unwohl und verhalte mich gehemmt&peinlich.

So ungefähr die einzige Sache, die mich interessiert oder motiviert, ist "der Beste zu sein" (oder zumindest einer der Bestern). Ich war in der Schule Klassenbester oder -zweitbester, weil ich in manchem gut war und in den anderen Fächern für die Klausuren stundenlang gebüffelt habe. Interessiert haben mich die meisten Sachen aber nur solange, wie ich darin besser war als andere.
Manchmal empfinde ich schon Interesse an manchen Sachen (z. B. Doku-Themen, neue technische Entwicklungen, ...), oder ein Lied begeistert mich, o. ä. Aber das geht meist schnell wieder vorbei, im Nachhinein erkenne ich, dass diese Sache letztlich genauso sinnlos ist wie alles andere. (das ist wohl auch Teil des Problems, ich glaube, dass der freie Wille, den wir empfinden, eine Illusion ist und alles vorherbestimmt ist. Will das hier nicht weiter diskutieren, aber diese Sicht lässt das Leben für mich sehr sinnlos erscheinen. Trotzdem denke ich, dass man sich emotional an Dingen freuen könnte - was bei mir aber sehr selten vorkommt und wie gesagt, meist schnell wieder vorüber ist.
Was die Interaktion mit anderen Menschen anbelangt, so suche ich häufig nach Anerkennung, oder versuche zumindest als netter Mensch wahrgenommen zu werden, obwohl ich meist keinerlei Interesse für andere empfinde. Inzwischen versuche ich da weniger vorzutäuschen als noch vor ein paar Jahren, aber immer noch zu viel. Bzw. will ich auch nicht ganz akzeptieren, dass ich so völlig gleichgültig ggü. anderen bin, und will nicht so sein, und v. a. nicht so gesehen werden. Auch deshalb, weil man oft die Hilfe anderer sehr gut gebrauchen kann; und wenn die merken, dass man sie geradezu hasst, haben die meisten natürlich kein Interesse, einem zu helfen. Wobei ich sagen muss, dass in unserer Gesellschaft die Leute tendenziell ziemlich hilfsbereit sind, selbst wenn sie - wie von mir - keine Gegenleistung erhoffen können. Manchmal haben sie wahrscheinlich auch Mitleid mit mir, weil sie merken, dass hinter meiner Abneigung ein psychisches Problem steckt. Denn dieses äußert sich auch in der Mimik. Heißt, mein Gesicht sieht häufig nervös-depressiv-hasserfüllt aus.

Mit meinen meisten ehemaligen Klassenkameraden habe ich keinen Kontakt mehr. Nur durch meinen Bruder habe ich mit wenigen noch zu tun. Dann aber fast nur in Form von Cliquen-Treffen, kein 1:1-Chatten, Telefonieren oder gar Treffen. Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen.
Im Laufe des Studiums habe ich zwangsweise einige Leute kennengelernt, die teilweise auch Interesse an mir gezeigt haben. In ein, zwei Fällen hatte ich sogar auch irgendwie Interesse an ihnen (sonst wohl nur an ihrem Interesse an mir). Diese Kontakte sind aber fast immer im Sande verlaufen, da der Interessemangel dann doch offensichtlich wurde bzw. ich auch ein schlechtes Gewissen bekommen habe. Und dadurch, dass die Unterhaltungen mit denjenigen für mich eher gezwungen und daher unangenehm waren (Desinteresse an Themen sowie Personen), insbesondere auch weil ich mich für meine unangemessenen Emotionen geschämt habe. Diese Scham ist ja in gewisser Weise eine soziale Regung, letztlich reflektiere ich sie aber glaube ich auch auf das Gegenüber, bzw. beneide ihn/sie darum, dass er/sie nicht an solchen Problemen leidet.

Durch das recht offensichtliche Desinteresse an anderen sowie das Unwohlsein ist es auch nicht so leicht, einen Job zu finden bzw. ich fühle mich bei der Arbeit unwohl, wenn andere anwesend sind. Dazu kommt, dass mein Gedächtnis nicht mehr sehr gut ist, und ich auch generell langsam bin. Durch das Unwohlsein in sozialen Situationen kommt dazu, dass ich nicht so gern nachfrage (mache ich schon, aber manchmal zu wenig), und mich natürlich sowieso kaum für die Arbeitsinhalte interessiere.

Ich vermute, dass das zentrale Problem eine Art grundlegender (hormoneller?) Mangel an Selbstsicherheit/-zufriedenheit ist. Möglicherweise wird dadurch auch das generelle (sachliche) Desinteresse ausgelöst, oder dieses ist ein separates Problem. Denn die mangelnde Selbstsicherheit führt dazu, dass ich ständig der Beste sein will, wodurch ich anderen natürlich nichts gönne, und vermutlich auch zu dem Desinteresse an anderen (weil ich viel zu beschäftigt mit eigenen Problemen bin, und wegen der Unzufriedenheit zu Neid neige).
Mangel an Selbstsicherheit, sowie das ausschließliche Interesse daran, als überlegen darzustehen, und auch der Neid, sind ja narzisstische Symptome. Natürlich bin ich als ziemlich soziophobischer Mensch kein typischer großspuriger, laut prahlender Narzisst, aber es gibt noch andere Formen narzisstischer Störungen.

Ich habe bereits zweimal eine (tiefenpsychologisch orientierte) Gesprächstherapie angefangen, die ich aber jeweils nach 4 bzw. 8 Sitzungen wieder beendet habe, da sie mir nutzlos erschienen (die Therapeuten haben jeweils nicht versucht, mich zum Weitermachen zu überreden, d. h. sie glaubten vermutlich selber auch an keinen Erfolg). Ich frage mich, ob man mit Psychopharmaka etwas machen könnte, sowas Antidepressivum-Mäßiges. Dann würde ich mich vllt mehr für irgendetwas begeistern können, wodurch ich auch weniger neidisch und damit hoffentlich freundlicher gesinnt wäre. Außerdem wäre ich dann weniger nervös, weil ich "wüsste, wer ich bin" bzw. mich irgendwie definieren könnte.

Hat vielleicht jemand von einem ähnlichen Fall wie meinem gehört bzw. so einen durchgemacht? Oder einen Vorschlag, an wen ich mich am besten wenden soll bzgl. Medikamenten? Meine Mutter meint, parallel zu medikamentöser Behandlung sollte man auch eine Verhaltens- o. a. Therapie machen. Hat da jemand einen Tipp, was für Therapien könnten sinnvoll sein? Wie kann ich einen passenden Arzt finden?

Vielen Dank im Voraus...
depressionist
 

Re: Narzissmus, Depression, Abneigung. Anlaufstelle?

Beitragvon Oskar » Mo. 30.01.2017, 02:08

Heyho

Ich habe das Ganze mangels Zeit nur überflogen und deswegen kommt auch nur ne Kurze Antwort.
Schreib mich aber mal an wenn du willst. Ich denke wir können vielleicht voneinander profitieren.
Ich habe unter anderem eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert bekommen und habe einiges wieder erkannt.
Also wenn du Probleme bis jetzt hast dann bin ich der Meinung du solltest dich auf jeden Fall darum kümmern das es dir besser geht. Auch das du offenbar Probleme mit deiner Identität hast unterstreicht das du dich kümmern solltest.
Die Lösung sind wohl keine Medikamente aber eine gute Therapie.
Mit Persönlichkeitsstörungen würde ich an deiner Stelle aber zu einem Fachmann und nicht zu irgendeinem Therapeuten gehen
Im Zweifel hilft bei der Diagnostik immer in eine Klinik zu gehen, die haben mehr Ahnung und testen wissenschaftlich
Oskar
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