Angst vor Essen?

Austauschmöglichkeit zum Thema Essstörungen, wie z.b. der Anorexie (Magersucht), Bulimie (Ess-Brechsucht), Binge-Eating-Disorder (Fressanfälle) oder Adipositas (Esssucht), sowie über Ernährung und Essverhalten.

Wichtig: Kein Pro-Ana/-Mia erwünscht!

Angst vor Essen?

Beitragvon Rainbow » Do. 22.01.2015, 09:00

Hallo,

Ich habe seit der Trennung von meiner Partnerin im Dezember 10 Kilo abgenommen.
Das fing von ganz allein an, klar ich war ja auch total depri...hatte kein hunger und so...wie das eben ist.
jedenfalls wurde das essen immer weniger und vorgestern hatte ich etwas komisches was ich so nicht kenne und wollte euch fragen ob jemand das kennt.

Ich wollte ein Brot essen und als ich es vor mir liegen sah überfiel mich totale panik...ich hatte Angst vor einer scheibe brot!!!

bitte lacht mich nicht aus, das hat mich echt verwirrt.

Ich hab dann versucht das zu essen, aber nach 2 Bissen ging nix mehr ich musste voll heulen und habs weg geschmissen.
Es dauerte ne ganze weile bis ich wieder ruhiger wurde.

Hat jemand sowas schon mal erlebt?

meine Betreuerin nervt mich schon ne ganze weile mit : sie müssen was essen blabla...
letzte Woche ist mir dann der Kragen geplatzt und ich hab ihr unmissverständlich zu verstehen gegeben das sie mich mit dem thema endlich in ruhe lassen soll.

ich meine ich bin ja nun nicht grad untergewichtig...eher genau das gegenteil aber immerhin sind schon 10 Kilo weg.
Irgendwie ist das Gefühl von Hunger...wie soll ich sagen...es hat eine beruhigende Wirkung auf mich....
das ist als kommt ein guter freund zu besuch... :?
Rainbow
 

Re: Angst vor Essen?

Beitragvon Flo91 » Do. 22.01.2015, 09:34

Ich kenne es persönlich nicht Angst vor dem Essen zu haben. Jedoch kenne ich es Abscheu gegen Nahrungsmittel oder besser gesagt das Essen derselbigen zu empfinden.

Bei mir war das paradoxerweise zu dem Zeitpunkt, als sich eine Beziehung zu meiner jetzt Ex-Freundin angebahnt hatte. War damals, vor etwa einem halben Jahr, stark übergewichtig. Mit dem einen auf den anderen Tag, als ich merkte da mit ihr könnte es klappen, hörte ich mehr oder weniger auf zu essen. Es dauerte einige Tage bis ich zum ersten Mal seit langem wieder fühlte was Hunger war. Zuvor fraß ich, ungeachtet dieses Gefühls und meist viel zu große Mengen.
Als der Hunger einsetzte fühlte ich mich plötzlich, so wie es bei dir gerade ist, auch gut. Es fühlte sich irgendwie richtig an zu hungern oder besser gesagt wenigstens nur dann zu essen, wenn man Hunger hatte. Die Menge des Essens war dann jedoch eher gering. Ich ass zum Teil nur einen oder zwei Bissen und lies dann ganze Teller wieder zurückgehen, weil ich nichts mehr essen konnte. Es setzte dann die besagte Abscheu ein, noch mehr zu essen, da der Hunger wieder verschwunden war.

Das ganze lief bei mir bis zum Ende der Beziehung. Insgesamt etwa 3 Monate lang, in dem ich von 110 auf 80 Kilo runter kam. Tendenz war zu dem Zeitpunkt weiter fallend. Mit dem Ende (es war kein gutes), setzten meine alten Essgewohnheiten wieder ein: Frustessen, Essen aus Langeweile und letztlich ignorieren des Sättigungsgefühls. Wodurch ich wieder zunahm.
Ich weiß nicht ob ich darüber froh oder nicht froh sein kann. Zum einen reduzierte sich so mein Körpergewicht ganz entschieden, obwohl ich schon dachte mit diesem dicken Bauch beerdigt werden zu müssen. Zum anderen aber konnte ich es nicht wirklich kontrollieren wie weit ich abnahm. Wäre die Trennung nicht gewesen, hätte ich vielleicht noch unter 70 Kilo gefallen und wäre somit sogar ins Untergewicht gekommen. Die Tendenz war da, da sich mein Essverhalten nicht stabilisierte sondern weiter auf einen extremen Hunger bestand.
Andererseits neige ich seit dieser Trennung wieder zur Zunahme. Aktuell ist es noch im oberen Normalbereich (ca. 85 Kilo), aber die Tendenz Richtung Übergewicht ist da. Diese extremen Essverhalten tun auf jeden Fall beide nicht besonders gut.
Flo91
 

Re: Angst vor Essen?

Beitragvon Rainbow » Do. 22.01.2015, 09:47

von 110 auf 80 Kg...krass :shock:

Ja das mit der Abscheu bzw Ekel kenne ich auch...aber das ist anders.
ja ich war mitte Dezember...also kurz vor der Trennung auch bei 100Kg

Gestern war meine ex hier und hat sich was gekocht...da wurd mir regelrecht übel bei dem geruch von mittagessen...das war ekelig.

bis vor der trennung habe ich gelebt um zu essen...jetzt...esse ich...hin und wieder um zu leben.
Es fühlt sich topll an wenn ich einen ganzen Tag durchgehalten habe nix zu essen und kann mich dann abends mit ein bisschen Rohkost dafür belohnen.
Ich ernähre mich zur zeit von Kohlrabi und gurke und Birne.

Ich hab mir überlegt mir heute in der Stadt was zu holen was die Grundversorgung aller Vitamine und Mineralien abdeckt.
Dann kriege ich auch keine Mangelerscheinungen. :D
Rainbow
 

Re: Angst vor Essen?

Beitragvon Tina » Do. 22.01.2015, 11:09

Rainbow hat geschrieben:.....Ich hab mir überlegt mir heute in der Stadt was zu holen was die Grundversorgung aller Vitamine und Mineralien abdeckt.
Dann kriege ich auch keine Mangelerscheinungen. :D


Also das finde ich sehr gut. :)
Ja...und ansonsten....ich denke mal, dass das alles mit Deiner momentanen Situation bzw. Depression zusammen hängt.
Und ein bißchen abnehmen ist ja nicht verkehrt.
Ich denke mal, wichtig ist vor allen Dingen, dass man immer noch ein Alarm-Signal im Hinterkopf spürt,
wenn es zu schlimm wird.
Pass auf Dich auf. :cuddle:
Tina
 

Re: Angst vor Essen?

Beitragvon Rainbow » Do. 21.05.2015, 12:02

Als ich in der Klinik war , wurde es nach ca zwei Wochen wieder besser ich konnte langsam wieder was essen...als ich dann entlassen wurde war mein Essverhalten relativ normal denke ich...nicht sonderlich viel aber recht regelmäßig.

Nun bin ich weider zuhause und ganz schnell bin ich weider da rein gerutscht, nix mehr zu essen.
Erst ist mir das gar nicht aufgefallen, erst als mein Kreislauf wieder schlapp machte hab ich überlegt wann ich das letzte mal was gegessen habe...mhh
in der Klinik hatte ich dann in den 5 Wochen wieder 3 Kilo zugelegt....aber in den knapp zwei Wochen die ich jetzt weider draußen bin sind schon vier Kilo wieder runter...

meine Thera hat gesagt sie macht sich sorgen, dass ich eine Essstörung bekomme....
Also das glaube ich jetzt ja mal nicht wirklich, schließlich bin ich noch Übergewichtig, aber sie meint das tut nix zur Sache...
ach keine Ahnung...irgendwie hab ich auch keinen Bock darüber nach zu denken...
Es gibt ja wohl wichtigeres als Essen...

Meine Thera sagt auch das sie denkt...das ich ein Kontroll Mensch bin und über mein leben grad mir die Kontrolle flöten geht nach der Trennung und so...und das dieses nix essen für mich ein Weg ist, dass ich wenigstens über eine Sache gard die Kontrolle habe.
Rede ich mir nur ein, dass das kein Problem ist, oder übertreibt meine Thera?
Seit Dezember 15 Kilo ist ja wohl nicht viel?...

ja ich gebe zu ich steh jeden morgen auf der Waage und das war auch ein Streit Thema in der Klinik...
weil ich mich da nicht jeden Tag wiegen durfte. Das war auch mit ein Grund, das ich mich dann selber entlassen habe....

Es ist einfach ein tolles Gefühl wenn einem wieder Klamotten passen die Jahre nicht gepasst haben.
Ich war auch ein bisschen Shoppen und das erste mal seit Jahren gr.46....das ist so toll
Wieso können die sich nicht einfach mit mir freuen???

Die Ergotherapeutin sagte gestern auch...wow sie haben abgenommen...das war der einzige Moment wo ich gelächelt habe...
Rainbow
 

Re: Angst vor Essen?

Beitragvon Zombie1312 » Fr. 16.09.2016, 14:40

Hallo Rainbow und liebe Community,

Angst vor dem Essen kenne ich sehr gut. Ich habe im Zusammenhang mit meiner Emetophobie (Angst vor Erbrechen) oft Angst vor dem, was vor mir auf dem Teller liegt. Das kommt in ganz verschiedenen Situationen vor, mal häufiger, mal weniger, mal schwach und manchmal überkommt mich die Angst so sehr, dass ich Panik bekomme. Bevor ich richtig wusste, was ich für eine Angst habe, habe ich mich immer einfach sehr unwohl und nervös gefühlt, wenn es Essen gab.

Wie du es beschrieben hast kenne ich es. Ich werde nervös, wenn ich weiß, es gibt gleich etwas zu essen. Das steigert sich dann, desto näher ich an den Punkt komme, wo es essen gibt. Weil ich zu sehr Angst vor dem Essen habe, muss ich mich meistens ablenken (z.B. Fernsehen). Der Geschmack und Geruch des Essens lässt ebenfalls Angst in mir aufsteigen.
Manchmal schaffe ich es, etwas ganz aufzuessen. Aber so wie ich den Teller auf die Seite stelle, selbst wenn ich davor noch überhaupt keine Angst hatte, bricht dann Angst in mir aus. Gedanken wie "Warum habe ich so viel gegessen?!" lassen mich panisch werden, weil ich sofort Angst habe, mich übergeben zu müssen.
Manchmal bekomme ich auch Angst, wenn im Fernsehen oder irgendwo anders über Essen geredet wird oder essende Menschen gezeigt werden / ich sie sehe. Dabei kann jede noch so lustige Comedy-Serie zum Horrorfilm für mich werden :(
Ebenfalls ist es schlimm, wenn ich irgendwo am Tisch sitzen "muss" (z.B. gemeinsames Frühstück in der Schule) und alle um mich rum essen. Das furchtbarste dabei ist, wenn man versucht mir essen aufzudrängen... "Probier doch wenigstens.", "Du bist eh viel zu dünn" etc, drängen mich in die Enge und ich fühle mich hilflos... Ebenso, wenn jemand die Erwartung hat, dass ich aufesse (oder ich mir einrede, dass jemand diese Erwartung an mich hat)

Das Gefühl von Hunger erhalte ich manchmal bewusst aufrecht, auch wenn ich essen könnte. Ich komme mir weniger verletzbar vor und "funktioniere" besser... Es gibt mir auch Sicherheit...

Das war mal meine Empfindung dazu, du siehst, du bist nicht alleine...
Wenn du mit mir weiter drüber reden willst, kannst du hier ein Kommentar da lassen oder mich anschreiben...

Gruß
Zombie
Trink niemals Waschmittel!

(von mir selbst. Als ich 13 war und mir Gedanken um philosophische Fragestellungen machte, wollte ich mir einen Leitfaden für mein Leben entwerfen, also mein Lebensmotto. Da aber einige mir zu wandelbar waren oder es auf die Situation ankam, dachte ich mir etwas aus, dass in JEDER Lebenssituation zutrifft.)
Zombie1312
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