Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Es geht hier sowohl um stoffgebundene Süchte und Abhängigkeiten (wie Alkohol- und Drogenmissbrauch) und nicht-stoffgebundene Süchte wie Verhaltenssüchte (z.B. Internetsucht, Kaufsucht, Spielsucht etc.), als auch um Zwangsstörungen (Zwangshandlungen und Zwangsgedanken/-ideen).

Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon recovertopia » Mo. 26.09.2016, 22:54

Hallo liebe Menschen.

Ich habe ein Problem, oder vielleicht ist es ein Symptom meiner tiefer liegenden Probleme. Es ist jedenfalls akut und droht bald meine Existenz zu zerstören. Ich kaufe. Unkontrolliert, unsinnig und viel. Und ich weiß es.

Ich sammle Dinge an, die ich im Leben nicht aufbrauchen kann... Phasenweise ist es immer was anderes. Mal ist es exzessiv Nagellack, den ich kaufe, mal andere Schminke, mal Bastelkram, mal Bücher... Ich habe soviel Zeug... Es sind alles Sachen, die ich mal benutzt habe. Ich habe jetzt nicht Zeug gekauft, das ich gar nicht will, nicht nur gekauft, um irgendwas zu kaufen (keine Ahnung, ob das sonst typisch ist bei Kaufsüchtigen, aber sowas hatte ich mal gelesen). Aber es ist viel und ich weiß jedes Mal wenn ich wieder was kaufe, dass ich es nicht brauche, weil ich sowas schon habe. An der Kasse sage ich mir immer "Das war das letzte diesen Monat" und dann schleiche ich mich am nächsten Tag wieder in die Stadt und kaufe nochwas... Mittlerweile ist es so schlimm, dass ich bereits am Anfang des Monats alles ausgebe, was ich habe. Ich versuche immer, etwas beiseite zu legen, aber das plündere ich dann auch noch. Seit 2 Monaten habe ich nicht genug Geld übrig um ESSEN für die letzten 2 Wochen zu kaufen. Das ging bisher nur "gut", weil ich einen Partner habe, der aushelfen kann... Auch er weiß von meinem Problem, ich habe mich ihm anvertraut.

Ich habe vor 3 Monaten etwa eine Therapie angefangen. Allerdings habe ich immer mehr Differenzen mit der Therapeutin und habe inzwischen Angst von weiteren Sitzungen (ich ging nicht primär wegen der Kaufsucht zu ihr, da ist noch mehr...). Daher möchte ich nun den Therapeut wechseln, aber soweit bin ich noch nicht.

Meine Angst ist jetzt aber, dass ich es einfach nie schaffen werde, davon wirklich loszukommen...
Ich gehe jetzt einfach mal vom Wort "Sucht" aus - jetzt hol ich mal mein TV-Serien-Wissen raus: Ex-Alkoholiker meiden danach immer Alkohol, weil sie rückfällig werden können, Tablettensüchtige vermeiden alles was geht um keinen Rückfall zu erleiden...
Und wie um alles in der Welt soll ich nie mehr Einkaufen?! Das kann ja nicht so gehen, nicht hierbei. Ich habe vor kurzem gelesen, dass Kaufen zu den Zwangsstörungen zählt und nicht als Sucht gilt... Heißt das, man kann das irgendwie therapieren, sodass man wieder "normal" kaufen kann, sich aber auch mal was gönnt und nicht nur lebensnotwendiges bezahlt?

Ich habe wirklich große Angst... Ich habe früher auch schon eine Essstörung durch und SSV, beides ist ja auch irgendwie suchterzeugend und ich merke auch heute, bald 10 Jahre später mindestens 1x die Woche, wie meine Gedanken in Richtung Essen oder SVV drängen, wenn es mir mal schlecht geht. Das hat mich auch nie völlig losgelassen...

Geht das? Kann man eine Sucht richtig "heilen"? Wie ist da die Therapie, wie ist das Leben danach? Wie hält man durch? Ich habe so Angst...
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Re: Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon Ruby » Di. 27.09.2016, 14:06

Hallo liebe recovertopia,

so richtig heilen wirst Du diese Sucht oder Zwangsstörung wahrscheinlich nicht können. Aber Du könntest in einer guten Verhaltenstherapie sicherlich lernen, damit besser umzugehen und zu leben. Indem Du Dir Fertigkeiten beibringen lässt, mit dieser Sucht besser umzugehen, könnte es Dir sicherlich gelingen, ohne diese Sucht zu leben. In Deiner Therapie sollte auch unbedingt die Essstörung und SVV berücksichtigt werden. Auch wenn Du nun schon länger Ruhe damit hast, ergibt es im Gesamten zusammen mit Deiner Kaufsucht ja schon ein ganz anderes Bild von Dir, als wenn nur die Kaufsucht alleine für sich stehen würde. Offensichtlich steckt ja das Problem viel tiefer. Du schreibst ja auch, dass da noch mehr wäre....

Wenn Du nun direkt an Deinem Verhalten was ändern willst, um die Kaufsucht besser kontrollieren zu können, bringt Dich eine Verhaltenstherapie wahrscheinlich am schnellsten ans Ziel. Du könntest natürlich auch der Wurzel allen Übels auf den Grund gehen. Vielleicht mit einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, die Richtung Traumatherapie geht. Aber das bringt Dich erst einmal bei der Kaufsucht nicht weiter, dauert wahrscheinlich auch viel länger. Ich an Deiner Stelle würde wohl erst eine Verhaltenstherapie machen, bei der man Strategien und Fertigkeiten lernt, die Sucht zu kontrollieren und in den Griff zu bekommen. Und später würde ich über eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie der Wurzel auf den Grund gehen. Erst einmal die Kaufsucht in den Griff zu bekommen, wäre mir wichtiger. Das ist ja auch ein akutes Problem, was Dich derzeit ziemlich bestimmt.

Wichtig ist auch immer, das die Chemie zwischen Therapeut und Patient stimmig ist. Ansonsten schadet Dir die Therapie nur. Von dem her fände ich es gut, wenn Du einen Therapeuten hättest, der besser zu Dir passt. Eigentlich bist Du ja schon weit gekommen. Denn Du weißt, dass Du Hilfe brauchst und bist aktiv geworden. Das finde ich super gut. Viel Kraft auf Deinem weiteren Weg. Du kannst es schaffen.

P.S.
Und denk immer dran, SVV kann nicht die Lösung sein. Auf längere Sicht gesehen wird es dadurch nur wieder komplizierter.

Lieben Gruß
Ruby
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Re: Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon recovertopia » Di. 27.09.2016, 16:47

Hallo Ruby,

Danke für deine Antwort. Das ist ja immerhin ein Hoffnungsschimmer.

Mein Problem ist, dass ich glaube, mich mit diesem Verhalten vor etwas zu flüchten, nur weiß ich nicht genau, wovor. Ich habe mich früher verletzt, nicht gegessen ... Immer habe ich mir etwas gesucht um womöglich vor mir oder etwas in mir wegzulaufen. Ich weiß nicht, ob das etwas ist, was ich so sehr verdrängt habe, dass ich da selbst überhaupt nicht rankomme, denn etwas so schlimmes fällt mir nicht ein.
Ich habe nun aber auch Angst, wenn ich die Kaufsucht in den Griff kriege, dass ich dann eine neue Sucht als Ausflucht suche, dass ich wieder etwas brauche um Gott wer weiß was zu verdrängen oder so.

Kann man denn vielleicht auch so eine Verhaltenstherapie mit Tiefenpsychologie verbinden? Ich will auf keinen Fall in ein neues Loch fallen. Ich will endlich raus aus all den Löchern und mein Leben selbst in der Hand haben...
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Re: Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon Shania » Mi. 28.09.2016, 07:35

Ich denke auch, dass eine kombinierte Therapie wohl am besten helfen würde...

Wobei sehr viele Therapeuten ohnehin mehrere Dinge können. Meine Therapeutin macht je nachdem was gerade am besten hilft kognitive Verhaltenstherapie, MBSR, Elemente aus der DBT, Schematherapie, Achtsamkeit, Imagination. Deswegen finde ich es wichtig, dass der Therapeut zu einem passt. Und dass er nicht stur nur eine Richtung verfolgt, sondern mehrere im Angebot hat.

Vielleicht kannst du ja auch deinen jetzigen Therapeuten mal darauf ansprechen. Denn meistens dauert es ja eine Weile, bis man einen neuen gefunden hat. Und bei einer Sucht ist es immer besser, möglichst schnell darauf zu reagieren...

Kannst du dir vielleicht wegen dem einkaufen auch dein Geld ganz bewusst einteilen? Also ausrechnen, wie viel du am Tag nur ausgeben darfst, damit es über den Monat reicht? Und dann nur ganz bewusst jeden Tag das abheben, was du auch ausgeben kannst? Oder kann sonst dein Freund das Geld für dich so verwalten?

LG
Shania
 

Re: Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon recovertopia » Mi. 28.09.2016, 15:39

Hallo Shania

Meine aktuelle Therapeutin kommt für mich nicht in Frage. Ich werde ganz sicher wechseln. Sie hat mich stark verurteilt, als ich das erste Mal vom Kaufen sprach, seitdem habe ich Angst bei ihr. Das wird so also ganz sicher nichts.

Das mit dem Budget planen habe ich auch probiert. Ich lege jeden Monat Geld weg zb. für den Semesterbeitrag, für gemeinsame Sachen für meinen Freund und mich etc. ABer ich gehe jeden Monat aufs neue an diese Reserven und gebe alles aus. Auch für jede Woche einen festen Betrag abheben klappt nicht. Ich gebe immer mehr aus :(
Ich werde wohl nächsten Monat anfangen, meine Geldkarten meinem Freund zu gaben und er gibt sie mir nur im Supermarkt an der Kasse... Irgendwie so muss es erstmal gehen, damit ich nicht völlig in den Ruin gehe.
Leider sind alle diese Tipps, die andere einem geben fast wertlos. Ich weiß natürlich, dass ich mein Geld einteilen muss, dass ich wenn ich spare schön verreisen kann etc. Aber dieses Wissen ist nicht stark genug, mich davon abzuhalten. Drogensüchtige wissen auch, dass ihre Droge sie zerstört, aber eine Sucht ist da mächtiger als jede Moral. Das ist das schwere daran :( Trotzdem danke für deine Tipps. Die Umsetzung ist leider äußerst schwer
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Re: Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon Ruby » Mi. 28.09.2016, 17:50

Hallo Recovertopia,
das ist eine gute Idee, Deine Geldkarten Deinem Freund zu geben.

Ich schätze ebenfalls, dass eine kombinierte Therapie Dir vielleicht helfen könnte. Bei der DBT, die ich derzeit mach, wird kognitive Verhaltenstherapie ebenfalls mit Anteilen aus der Tiefenpsychologie kombiniert. Bei der DBT zum Beispiel geht man in der ersten Stufe in der Regel erst einmal die akuten Probleme an, die den Alltag und die Gegenwart belasten und/oder bestimmen. In verschiedenen Themen-Modulen werden dabei Fertigkeiten erlernt, um die akuten Probleme, zum Beispiel selbstschädigendes Verhalten, wie z.B. eine Kaufsucht, wieder in den Griff zu bekommen. Achtsamkeit ist dabei die Basis aller Fertigkeiten. Wenn die akuten Probleme mehr oder weniger wieder im Griff sind, wird in Einzeltherapiegesprächen auch der Wurzel auf den Grund gegangen. Ich weiß nicht genau, ob DBT für Dich geeignet wäre. Dazu fehlt es mir an Wissen. Ich weiß aber, dass diese Therapie auch für Menschen mit Suchtproblematiken hilfreich sein könnte. Bei uns in der Klinik gibt es mittlerweile, nebst der normalen DBT Station, auch eine DBT Station für Menschen mit Suchtproblematik. Auch bei SVV und Essstörungen kann eine DBT hilfreich sein. Ursprünglich wurde die Therapie für suizidgefährdete Menschen und Borderliner entwickelt, wird aber mittlerweile auch bereits bei anderen Erkrankungen und Störungen eingesetzt. Eine Suchtproblematik habe ich ebenfalls, ...Substanzmissbrauch. Habe es aber mittlerweile schon viel besser im Griff.

Wie fühlst Du Dich jeweils nach so einem Kaufrausch (falls man das überhaupt so bezeichnen darf)? Ich habe mal gehört, dass eine Kaufsucht mit dem eigenen, vielleicht sogar eher geringen Selbstwert zusammenhängen kann. Dass man sich mit den gekauften Sachen im Unterbewusstsein zeigen will, dass man sich das wert ist. Ich stelle mir vor, dass eine Kaufsucht längerfristig auch mit Scham, schlechtem Gewissen und anderen unguten Gefühlen behaftet ist. Es einem also nicht mehr wirklich gut damit gehen kann. Kurzfristig hilft es vielleicht, längerfristig schadet es nur. Wie jede Sucht ist es ja auch ein selbstschädigendes Verhalten . Bei der Kaufsucht wird das durch mögliche finanzielle Probleme, die sich daraus ergeben können, sicherlich noch erschwert.

Ich finde es deshalb richtig gut, dass Du Dir professionelle Hilfe gesucht hast. Ich hoffe sehr, dass Du beim nächsten Therapeuten besser aufgehoben bist, als derzeit bei Deiner Therapeutin. Bei mir muss die Chemie auch immer stimmig sein. Sonst kann ich mich gar nicht richtig öffnen, geschweige denn Vertrauen fassen.

Wie fühlst Du Dich jeweils kurz bevor Du was kaufst? Stehst Du unter Anspannung? Erleichtert Dich das Kaufen?

Mein Kaufverhalten ist übrigens auch nicht ganz so sauber. Das liegt an meinen Sammel-Tick-Phasen. Eine Zeit lang habe ich Elfen-Figuren gesammelt, konnte kaum mehr aufhören. Leider machen die auch Arbeit. Beim Staubwischen könnte ich mich jeweils verfluchen. Oder Gitarren. Gitarren haben es mir auch mal angetan. Ich besitze mittlerweile sinnlos viele Gitarren. Einige davon habe ich nur kurz bespielt. Seither stehen sie auf dem Gitarrenständer. Ich kaufe mir leider öfters Dinge, die ich eigentlich gar nicht gebrauchen kann. Mein Mann bremst mich glücklicherweise immer wieder ab.

Ich wünsche Dir nun viel Kraft bei der Therapeutensuche, liebe Recovertopia. Ich hoffe, dass Du jemanden findest, die/der gut zu Dir passt und Dir bei Deinen Problemen eine wirkliche Hilfe ist. Jemanden, bei dem Du auch alle anderen „Baustellen“ bearbeiten kannst, die Dich belasten oder behindern.

Ganz lieben Gruß
Ruby
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Re: Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon recovertopia » Fr. 30.09.2016, 23:08

Hallo Ruby,

danke für deine Worte. Ich finde es schön, wie der Umgang hier im Forum ist. Das tut richtig gut, was ihr alle immer schreibt. Danke =)

Ich habe diese Woche alles in die Wege geleitet für eine neue Therapie. Ich habe von meiner alten Therapeutin eine Bestätigung, dass ich noch 23 Stunden übrig habe, die genehmigt wurden von der Kasse und habe Therapeuten angerufen. Ich habe mich diesmal bewusst auch entschieden, mich Männlichen Therapeuten gegenüber zu öffnen und habe mit einem telefoniert, der sofort Vertrauen geweckt hat. Er war sehr verständnisvoll mir gegenüber und redete sogar 20 Minuten am Telefon mit mir, wo er mir schon allerhand erklärte (klang sehr kompetent der Mann). Ich brauche nur noch die Überweisung vom Hausarzt zur Psychotherapie, dann mache ich einen Termin aus. Ich bin schon sehr gespannt, vor allem eben weil er ein Mann ist und ich da sonst irgendwie Vertrauensprobleme hatte... Aber nach den weiblichen Therapeuten, die ich kennen lernte und alle schrecklich fand dachte ich, vielleicht ist ein Mann ja genau richtig. Ich werde sehen. Ich werde ihn auf jeden Fall gleich am Anfang fragen, wie er denkt, vorzugehen. Ich will einen Plan für die Therapie: sowas hatte ich noch nie aber das wird mir bestimmt mehr Sicherheit geben.

Ehrlichgesagt ist das schwer... Wie fühle ich mich beim Kaufen? Vor dem Kaufen? Danach... Hmm, mir kommt es gerade nicht so vor, als wäre das eine Reaktion wie "Ohh, hatte ich einen blöden Tag, xy hat mich so genervt, ich kauf mir erstmal was". Meistens habe ich keinen Grund, den ich benennen würde. Also der Grund "schlechter Tag" trifft schon manchmal zu, aber nicht immer. Oft weiß ich keinen Grund... Auch das Gefühl danach ist verschieden. Meistens freue ich mich erstmal, dass ich (bald, wenns online gekauft wurde) was neues tolles habe. Aber oft denke ich schon sehr kurz danach gar nicht mehr dran und es ist mir egal. Ich freue mich trotzdem, wenn die Sachen ankommen. Aber ich fühle mich auch schlecht, weil ich weiß, ich brauche es nicht oder hab sowas ähnliches schon. Manchmal sage ich mir auch, ich hab mir jetzt was verdient und gönne mir dann was. Manchmal sind das fixe Ideen, die ich sofort umsetze (ich habe mir z.B. vor einem Monat ein Sport-Armband gekauft, damit ich mich mehr bewege so als Motivation- dafür hatte ich eigentlich kein Geld, aber ich habe es mir schön geredet und sofort gekauft. Ok, ich nutze es immer und es hilft mir tatsächlich nicht mehr so eine Couchpotato zu sein. Aber jeder normale Mensch hätte gesagt: ok, ich wünsche es mir, also spare ich jetzt jeden Monat 40€, dann kann ich es in 3 Monaten kaufen... Ich habe es sofort gekauft und hatte die letzten 2 Wochen kein Geld mehr fürs Essen...)

Oft sind mir meine Käufe unangenehm. Ich verstecke meine Sachen eigentlich immer vor meinem Freund. Ich will nicht, dass er das sieht. Es ist mir auch unangenehm, weil es eben ein Eingeständnis ist, dass ich keine Kontrolle mehr habe und wer gibt sowas schon gerne zu... Ich war früher so stolz, dass ich mit 15 ausgezogen bin und mein "eigenes" Leben hatte, auf eigenen Beinen stand. Aber um ehrlich zu sein hat es genau da angefangen, dass ich wie blöde gekauft habe - es ging ja, es war ja jetzt Geld da, nur keine Verantwortung habe ich mir bislang eingeredet. Jetzt glaube ich eher, das war der Ursprung diesen Kaufens. Oh man :(

Ja ich kenn das, Sachen die man hat, aber gar nicht braucht. Schau ja nicht in meinen Badschrank. Mit der Kosmetik die ich habe, kannst du 27 pubertierende Teenies 3 Jahre lang jeden Tag so schminken, dass man sie auf den roten Teppich stellen kann... Aber natürlich brauche ich mehr von dem Kram, der mich inzwischen erdrückt und gar nicht mehr glücklich macht.. Logisch. So bin ich. Ich brauche, ich kaufe und ich hasse mich dafür. Aber nicht so lang, denn dann brauche ich wieder
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Re: Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon Amylee » Sa. 01.10.2016, 13:43

Hallo recovertopia......ich habe auch ähnliche Probleme , ich kaufe auch oft....meistens um ein Erfolgserlebniss zu spüren...um eine gewisse Anerkennung....um eine innere Leere zu füllen....und mich innerlich zu beruigen...da ich meine ganze Kindheit vernachlässigt...wurde..und immer alleine war, und das einzigste Positive waren Geschenke.....ich teile mir mein Geld ein für jede Woche ...ich hebe jeden Monat ein Bestimmten Betrag ab und dann leg ich die Karte weg....meine Betreuerin hat mir das vorgeschlagen....eine Betreuerin könnte eventuell Deine Finanzen übernehmen...wenn Du überhaubt nicht in der lage bist das zu regeln......bis du es alleine schaffst......was hilft ist Beschäftigung....und zwar etwas wo Du diese Gefühle erlebst wie beim Einkaufen.....dafür musst Du überlegen was Dir am meisten Freude macht....vielleicht sind es auch mehrere Sachen die Du im Wechsel machen kannst......so ist es bei mir....Gespräche beim Psychologen sind auch wichtig und hoffe das Du den Richtigen findest....was Du bestimmt wirst....nur kein Stress dabei machen....ich musste auch erst einige ausprobieren....auch was die Therapieart angeht...mir hilft die Verhaltentherapie am Besten.....ich hoffe ich konnte Dir ein wenig helfen....mit Freundlichen Grüßen....Amylee
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Re: Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon recovertopia » So. 02.10.2016, 13:40

Danke Amylee.

Ich habe jetzt fast alles zusammen und kann wohl nächste oder übernächste WOche die neue Therapie beginnen. Das beruhigt mich schon mal.
Ich habe diesen Monat auch schon wieder Geld weggelegt und nehme mir sehr fest vor, das nicht auszugeben.
Auch war ich gestern in der Stadt und habe es geschafft, nichts zu kaufen. Das ist richtig toll!

Ich weiß nur eben gerade nicht genau, was für ein Gefühl mir Kaufen gibt. Das ist eins meiner Probleme: ich verstehe Gefühle nicht, kann sie kaum beschreiben und zuordnen. Ich empfinde oft auch nicht viel. Daher ist es sehr schwer etwas zu finden, dass mir das gleiche Gefühl gibt. Aber die Idee kam mir auch schon... Irgendwas zur Ablenkung muss ich wohl finden
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Re: Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon Amylee » Di. 04.10.2016, 19:51

Hallo recovertopia....find ich klasse das Du es geschafft hast mal nichts zu kaufen...und auch das Du die Therapie bald beginnst.....das mit den herraussfinden von Gefühlen braucht Zeit...und in der Therapie wird man Dir auch helfen die Ursache zu finden, ...aber mit sicherheit weisst Du bestimmt was Dir besondere Freude und Spaß bereitet, das kannst nur Du wissen....musst halt auch ausprobieren....vielleicht eher sportliche aktivitäten....oder kreativ....oder musikalisch....oder zwei davon ...oder alle drei, so wie ich....oder lesen...oder rätzeln...das sind jetzt Sachen die ich unter anderem auch mache......es gibt vieles....man muss nur wissen was einem gefällt....sich mit etwas Beschäftigen was einen gut tut und spass macht ist niemals schlecht....ich wünsche Dir das Du eine gute und spaßreiche Aktivität oder Beschäftigung für Dich findest , die Dich vom Kaufen ablenkt und Dir auf andere Art und Weise Glücksmomente bringen....viele Freundliche Grüße....Amylee
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Re: Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon recovertopia » Fr. 07.10.2016, 00:08

Hallo Amylee,

Ja sowas mache ich auch gerne. Ich bastel sehr gerne mit Papier, ich häkel jetzt wieder, ich spiele auch gerne mal PC Spiele, lese und sowas. Aber Viele meiner Hobbies sind eben auch welche, für die man gerne neue Sachen braucht. Ich bastel sehr gerne Scrapbooks. Dafür braucht man eben viel schönes Papier, bunte Dekoteile etc. Das kauft man dann wieder. Das ist ja ansich nicht falsch - für ein Hobbie Geld ausgeben. Aber ich muss irgendwie eine Grenze ziehen. Das fällt mir sehr schwer.

Für Kosmetikkram, den ich sonst liebend gerne kaufe, habe ich mir bisher folgendes ausgedacht: Wenn ich Münzen als Wechselgeld bekomme, suche ich die ausländischen aus und packe sie in eine Spardose. Von dem Geld darin darf ich mir Kosmetik kaufen. Ich weiß nur nicht, ob das so eine Spitzenidee ist, weil ich ja trotzdem kaufen "darf", obwohl ich schon so viel habe...
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Re: Kaufsucht - kann das jemals aufhören?

Beitragvon Amylee » Fr. 07.10.2016, 21:28

Ja hast recht, Hobbys kosten meistens Geld....aber wenigstens ist es nicht Sinnlos, und man kann ja Preise vergleichen und das günstigste kaufen....ganz ohne Geld wird es kaum gehen....selbst beim joggen muß man sich irgendwann neue Sportsachen kaufen.....ich denke man kann lernen zu wissen wann man genug hat....ich kaufe auch viel zu gerne ....Bastellsachen und ähnliches....und muss lernen das zu verbrauchen was ich habe, bevor ich mir wieder was hohle....ich habe da auch so meine Probleme....da ich auch vieles gerne sammle, aber nicht so extrem.....denke ich....naja....
Das mit den Kleingeld oder Wechselgeld beiseite legen ist eine gute Idee.....ich mach auch sowas....allerdings nur die 1,2 & 5 cent stücke....geht bei mir nicht anders, aber immerhin....naja....viele Grüße...Amylee
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