Eine kleine Geschichte zur Sucht

Es geht hier sowohl um stoffgebundene Süchte und Abhängigkeiten (wie Alkohol- und Drogenmissbrauch) und nicht-stoffgebundene Süchte wie Verhaltenssüchte (z.B. Internetsucht, Kaufsucht, Spielsucht etc.), als auch um Zwangsstörungen (Zwangshandlungen und Zwangsgedanken/-ideen).

Eine kleine Geschichte zur Sucht

Beitragvon Lavendel » Di. 12.01.2016, 14:00

Hallo Community,

durch Atishas Thread mit dem Trinken und der Frage nach den Gründen hab ich mal über meine eigenen nachgedacht.
Ich habe ja immerhin noch ein Problem mit meinem massiven Zigaretten und Kaffeekonsum, auch wenn das so harmlos klingt, mein Husten klingt nicht harmlos und das was dabei rauskommt sieht auch nicht harmlos aus.

Wer den folgenden *Moralapostelmodus* nicht abkann, liest bitte nicht weiter.

Aber Zigaretten waren ja damals so eine Art "Einstiegsdroge" bei mir. Ich sehe das vielleicht deshalb so hart, weil ich mich auch länger mit straight edge befasst habe (bitte googeln) und natürlich weil Rauchen überhaupt nicht harmlos ist. Genauso wie Drogen...

Ich habe ja in der Vergangenheit alles Mögliche konsumiert, das liegt schon sehr lange zurück, weil ich nach der Drogenpsychose einfach nichts mehr anfassen konnte ohne wieder ansatzweise Symptome zu entwickeln.
Insofern war die Psychose für mich auch ein Segen, sie hat mich vor weiterem Drogenkonsum bewahrt.

Alkohol war für mich nie ein großes Thema, ich habe einige Erfahrungen damit, aber alles noch im Rahmen, ich glaube nicht, dass da bei mir eine Suchtgefährdung besteht.

Aber ich merke aktuell an meinem Tavorkonsum, der leider steigt, dass Betäubungsmittel für mich immer noch eine Möglichkeit sind, um sich wegzuschießen anstatt zu gucken, wie ich die Situation ohne Tablette überstehe oder hinkriege.

Mit Zigaretten ist es ähnlich, ein bisschen betäube ich mich damit auch, ist ja auch ien Nervengift.

Und nun den Bogen zurück zu den Gründen, wie ich sie sehe:

Die kleine Lavendel kommt in die Pubertät, nachdem sie vorher schon immer wieder Probleme hatte in Gruppen von den anderen Kindern akzeptiert zu werden und letzten Endes teacher's pet, Leseratte und schlecht in Sport war (i am a fucking cliche) kamen am Gymmi dann doch erste zarte Freundschaftsbande.

Und dann fing man gemeinsam mit dem Rauchen an, sehr früh, fühlte sich etwas erwachsener und das wichtigste für mich: einer Gruppe zugehörig. Man gehörte eben dazu...die anderen waren "uncool" und so ging das weiter mit mit Älteren rumhängen, trinken, kiffen und später dann eben Härteres.
Ich habe zum Beispiel meine ersten Joints nicht genossen, also abgesehen davon, dass ich auf einmal eine Packung Vanilleeis alleine essen konnte, die danach eigentlich auch nicht, eigentlich war dieser ganze Mist tierisch zum k*tzen und total kontraproduktiv.

Aber ich hab die Gemeinschaft genossen, dass andere Menschen da waren, für jemanden, der nicht wirklich Familie hat, ist das vielleicht wichtiger, als für andere.

Ich weiss dass das alles in allem ein großes Thema in der Pubertät ist, aber viele werden da halt weder erwachsen noch vernünftig, bis sie merken, dass sie mitten in der Sucht stecken und aus Spaß quasi Ernst wird (und der ist ja auch schon 3 Jahre alt).

Und dann wünscht man sich -oder ich für meinen Teil- dass man Gemeinschaft auch ohne Konsum erleben kann...und hat es nie gelernt, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die vielleicht etwas anderes zusammenhält als das. Und das alte ich steckt ja auch noch in einem drin, mit allen Komplexen, die man überdrogt, mit der Euphorie, den Ausnahmezuständen, den Tiefs...dieses alte ich, dass so unbeliebt und langweilig und ungeliebt war, dass man meinte man muss es etwas "mit Substanzen verbessern".

Und die Welt macht es einem ja auch oft nicht einfach, sie zu ertragen, so alles in allem...


Wollte ich nur mal loswerden. So zum Thema Gründe für Sucht und Konsum...
Vertrauen ist ein kostbares Gut
Lavendel
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Re: Eine kleine Geschichte zur Sucht

Beitragvon Morgan » Mi. 13.01.2016, 23:21

Hallo Lavendel,

danke für Deine kleine Geschichte zur Sucht.
Einst rauchte ich auch (16 Jahre lang), trank ich (3 Jahre lang), kiffte (1 Jahr lang).
Zu Rauchen begann ich aus Liebeskummer, trinken tat ich, um zu bekommen, was ich wollte und mir konnte ja keiner so richtig böse sein, war ja nicht ganz zurechnungsfähig und kiffen, weil man mir vormachte, auf welche genialen Gedanken man kommt, wenn man kifft.
Als ich merkte, ich werde vom Kiffen abhängig (ich überlegte, wo ich was zu Rauchen her bekam und wie ich mir selbst den Stoff besorgen könnte, denn bisher hatte ich "nur" mitgeraucht), hörte ich auf.
Nachdem ich in von meinem ersten alkoholisierten Ehemann mit 24 Jahren vergewaltigt wurde, war mir jegliche Lust am Alkohol vergangen, außerdem schmeckt er mir einfach nicht (bis dahin hatte ich mir die Illusion vorgegaukelt, wer würde mir schmecken).
Mit dem Rauchen war ich fertig so im Alter von 34 Jahren, ich hatte endlich fertig geraucht und damit auch meinen "Liebeskummer" beendet. Zwischendrin hatte ich schon mal 2 Jahre nicht geraucht, doch wieder angefangen, weil ich noch nicht fertig damit war.
Auch gab es eine Zeit in meinem jugendlichen Leben wo ich süchtig war nach Schlaf, Selbstbefriedigung oder nach Fernsehen schauen oder Musik hören.
Heute weiß ich, alles kann zu einer Sucht werden oder eine Sucht sein. Manchmal ist man sich darüber gar nicht bewußt. Eine Sucht zu haben, bedeutet für mich heute, auf der Suche zu sein und mich mit einem Ersatz zu befriedigen, weil ich das, was ich will, nicht bekomme.

HG Morgan
Morgan
 


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