Ich bin eine Co. Abhängige

Es geht hier sowohl um stoffgebundene Süchte und Abhängigkeiten (wie Alkohol- und Drogenmissbrauch) und nicht-stoffgebundene Süchte wie Verhaltenssüchte (z.B. Internetsucht, Kaufsucht, Spielsucht etc.), als auch um Zwangsstörungen (Zwangshandlungen und Zwangsgedanken/-ideen).

Ich bin eine Co. Abhängige

Beitragvon Sterni » Do. 13.02.2014, 19:57

Ich bin eine so genannte Co. Abhängige geworden durch meinen jetzigen Lebensgefährten und leide sehr unter der ganzen Situation denn zu sehen wie er sich immer mehr kaputt macht und ihm immer mehr gleichgültig wird tut mir auch heute noch sehr weh.

Als wir uns kennen lernten war er ein ganz lieber Mensch und wenn er ab und an mal mit nem Kumpel los zog fand ich das auch nicht schlimm aber nachdem wir zusammen zogen häufte sich dieses extrem und er verlor seinen Führerschein durch Alkohol und später erfuhr ich dann das er schon mal eine Entgiftung gemacht hatte aber ich stand zu ihm......

Im Laufe der Zeit veränderte sich unsere Beziehung sehr stark da ich immer mehr merkte wie dringend er den Alk brauchte,es wurde ein ständiges Streit Thema zwischen uns und ich selber war irgendwann einfach nur noch total traurig und enttäuscht da er selber immer mir die Schuld an Streitereien und so gibt er wird ausfallend und beleidigend wenn er getrunken hat und sein Gesundheitszustand läßt zu wünschen übrig da er arbeitsunfähig krank ist wegen der Sucht und sich ständig übergibt,er hat Schlafstörungen,Wasseransammlungen,Gelenkschmerzen und hatte im Oktober 2013 auch ne Herz Katheder OP. Ich mache mir sehr große Sorgen um ihn und will ihn unter keinen Umständen aufgeben.

Mich würden hier mal beide Seiten interessieren also Sichten von Abhängigen sowie auch Co. Abhängigen.....da ich hier nur zu gezogen bin und kaum Freunde hier habe,ich brauche einfach mal Menschen zum quatschen und so da es für mich sehr trostlos alles geworden ist und ich im Moment keinerlei Familie Gefühl habesondern eher einfach nur sehr oft heule oder vor mich hin grübel.
Sterni
 

Re: Ich bin eine Co. Abhängige

Beitragvon cats47 » Do. 13.02.2014, 20:34

Hallo Sterni,

willkommen im Forum. Auch wenn das jetzt hart klingt wenn dein Freund nicht von
sich aus vom Alkohol weg kommen will wirst du ihm nicht helfen können.
Ich habe ca. 25 Jahre lang getrunken war jetzt 4 Monate trocken, dann kleiner
Rückfall und seit 3 Tagen lebe ich wieder ohne Alkohol.
Auf den Prinzen auf dem weißen Pferd der mich rettet und in die Abstinenz führt
habe ich viel zu lange gewartet.
Das muß man selbst schaffen. Klar es gibt Hilfen: Suchtberatung,Selbsthilfegruppen,
Entzug im Krankenhaus,Langzeittherapie usw.
Aber das bringt nur was wenn er Hilfe annehmen will.
Damit das der Alkohol die Selbst- und Realitätswahrnehmung einschränkt habe ich
selbst immer noch zu kämpfen.
Es gibt Selbsthilfegruppen für Angehörige von Alkoholikern.
Pass auf dich auf damit du nicht an seiner Sucht kaputt gehst.
Irgendwann wird er wählen müssen ob er die Flasche oder dich mehr liebt.
Tut mir leid das ich dir keine positivere Sicht der Dinge vermitteln kann
aber die zerstörerische Wirkung des Alkohols kenne ich nur zu gut.

LG cats
cats47
 

Re: Ich bin eine Co. Abhängige

Beitragvon Atisha » Fr. 14.02.2014, 03:05

Hallo und herzlich Willkommen!

Ich bin selber betroffen vom Alkoholmißbrauch. Ich trinke seit neun Jahren, wegen meiner Schizophrenie und Ängsten. War aber schon mal zwei Jahre trocken. Jetzt bin ich wieder seit einem Monat ohne Alkoholkonsum, siehe meinen Ticker in der Signatur.

Was soll ich sagen? Bin froh das es mir besser geht, richtig gut und ich nicht mehr trinken muss. Man muss die Trinkgründe herausfinden und beheben. Dann wird es ganz leicht mit dem Aufhören. Dein Freund soll auch aufhören, es wenigstens immer mal probieren. Irgendwann wird das schon - habt Geduld, alles braucht seine Zeit. Ich wünsche euch, dass ihr es schaffen mögt.

LG Atisha
Atisha
 

Re: Ich bin eine Co. Abhängige

Beitragvon Kathikatze » Fr. 14.02.2014, 09:27

Hallo Sterni,

mein erster richtiger Freund, mit dem ich etwa 7 Jahre zusammen war, war drogenabhängig. Meine Mutter ist seit 12 Jahren trocken.

ich glaube, was DU für Dich dringend brauchst,ist eine Selbsthilfegruppe für Angehörige. Frag doch mal bei Deinem Hausarzt, die haben normalerweise eine Liste von Gruppen.
Du brauchst etwas für Dich... damit Du weisst, dass Du nicht alleine in diesem zermürbenden Kreislauf gefangen bist. Damit Du DICH und Deine Bedürfnisse wiederentdeckst.

Was Deinen Freund angeht... ich hab hier im Forum irgendwo den wunderbaren und schmerzlich-treffenden Ausdruck gelesen "in Liebe fallen lassen".
Suchtkranke kann man nicht zur Vernunft bringen. Da müssen sie selber hingelangen. Und oft ist der einzige Weg, sie fallen zu lassen. Du kannst da sein, wann immer er Hilfe braucht-und will. Aber helfen kann man nurjemand, der auch etwas tut.
Kathikatze
 

Re: Ich bin eine Co. Abhängige

Beitragvon GLaDOS » Sa. 15.02.2014, 12:37

Hallo Sterni :blumen:

Seit Tagen möchte ich schon etwas zu deinem Thema schreiben bin aber nicht dazu gekommen.

Ich war auch über 8 Jahre Co-Abhängig und es hat mich krank gemacht, am Ende dieser Beziehung war ich so kaputt das ich dringend Hilfe gebraucht habe. Ich war/wurde dann selber süchtig.

Gut ist das du dir eingestehst Co-Abhängig zu sein (ein wichtiger Schritt). Wie sieht er seine Sucht...will er damit aufhören?

Lieben Gruß...
GLaDOS
 

Re: Ich bin eine Co. Abhängige

Beitragvon Sterni » So. 16.02.2014, 11:19

er würde gerne aufhören aber er wird immer wieder rückfällig er war schon beim Caritas zu Gesprächstherapien und vorher zu einer Entgiftung 10 Tage lang aber das muß für ihn sehr schlimm gewesen sein da er zu jeglichem Klinik Aufenthalt nein sagt.

Ab und an reden wir ja auch darüber und er sagt das er mit Stress Situationen nicht klar kommt, aber diese lassen sich ja nun nicht immer vermeiden und ich muß dazu sagen das die kleinsten Sachen schon Stress für ihn sind wie zum Beispiel eine normale Unterhaltung er sieht sofort eine Disskusion darin aus Angst das das Thema Alkohol zur Sprache kommt. Er ist ja auch mit sich selbst total unzufrieden und hat kaum noch Bewegung was seinen Gesundheitszustand nicht gerade verbessert. Für die Harmonie zu Hause ist es ja nun auch nicht gerade gut das man nix mehr unternimmt oder ständig hört keine Lust,mir egal.....
klar ich kann es ja auch verstehen der Körper ist kaputt aber ich selbst hänge irgendwann auch durch und diese ständigen Stimmungsschwankungen sind nicht gerade schön

Es gibt Tage wo ich denke hey da ist er wieder mein lieber und süßer Schatz und dann wieder diese Tage wo ich einfach nur heulen könnte.

Wir streben gerade ein Pojekt an das sich SKROLL nennt, dieses besteht aus mehreren Sitzungen über Süchte aber bisher habe ich da noch nichts in Erfahrung bringen können wie die Erfolgsquoten sind denn auch wenn viele sagen lass ihn fallen so will ich nicht kampflos aufgeben auch wenn mir bewußt ist das mich das wohl noch viel Kraft kosten wird und auch so einige Nerven und Tränen.Er schämt sich auch zum Teil für seine Sucht denn bei den Gesprächstherapien wollte er immer alleine sein.

Ich selber bin eine Kämpferin und mein Hausarzt kennt auch die Situation da ich in extremsituationen Hautausschläge,Schlafprobleme und sonstiges bekomme und verschreibt mir Medikamente auf pflanzlicher Basis und schreibt mich auch krank wenn es nicht mehr geht wir reden ehrlich über die Situation und das tut manchmal schon gut denn viele schauen einfach nur weg oder vertuschen es und bis ich selber merkte das ich Co. abhängige bin dauerte es auch eine Weile denn wer gesteht sich sowas schon gerne ein?????? Ich bin viel durch die Feldmarkt gelaufen und habe über all das gegrübelt und geheult aber es tat mir sehr gut und es ist keine Schande sich so etwas ein zu gestehen sondern eher befreiend und auch heute noch laufe ich dann öfter ziellos durch die Feldmarkt zu irgend einer Bank und sei es nur um schlimmere Streitereien zu vermeiden.Ab und an finde ich dort auch Antworten auf einige Fragen und schöpfe ein wenig neue Kraft für den Alltag.

Ich danke euch allen für ehrliche und direkte Worte und bin über weitere sehr erfreut da ich niemals Menschen vor verurteile und auch alle Sichten probiere zu verstehen.
Sterni
 

Re: Ich bin eine Co. Abhängige

Beitragvon GLaDOS » Mo. 17.02.2014, 11:18

Sterni hat geschrieben:Wir streben gerade ein Pojekt an das sich SKROLL nennt
Hab ich mir gerade durchgelesen klingt interessant und hoffe es kann ihm helfen sein Verhaltensmuster zu durchbrechen.

Sterni hat geschrieben:Er schämt sich auch zum Teil für seine Sucht denn bei den Gesprächstherapien wollte er immer alleine sein.
Ich finde es besser wenn er das alleine macht. Man ist meist ehrlicher und offener.

Sterni hat geschrieben:es ist keine Schande sich so etwas ein zu gestehen sondern eher befreiend
Nein...es ist sicher keine Schande. Jeder der in der selben Situation ist und es sich nicht eingestehen kann wird für sich selber auch keine Fortschritte machen. Schön das du einen Arzt hast dem du dich anvertrauen kannst, dass finde ich sehr wichtig...darüber reden ist sehr wichtig!

Wir sind gerne für dich da, wenn du magst...ich weiß wie schwer es ist in solchen Situationen alleine zu sein :cuddle:
GLaDOS
 

Re: Ich bin eine Co. Abhängige

Beitragvon Belladonna » Do. 05.06.2014, 11:14

Hallo ihr,

wenn ich einen Partner habe, der trinkt und damit nicht mehr alleine klarkommen kann oder will,

bin ich erst mal ein Al-anon, so wie AA es beschreibt. Das heisst, ein Partner oder Familienmitglied oder

Freund eines Alkoholikers, das ist keine Abwertung. Am besten ich versuche es durch ein Beispiel zu

erklären. Mein Vater war Alkoholiker, ich bin jetzt u.a. ein erwachsenes Kind von einem Alkoholiker, also ein

Al-anon, weil ich in einer alkoholkranken Familie aufgewachsen bin, mittlerweile bin ich seit ca. 15 Jahren

trocken, aber ich bin und bleibe deswegen AlkoholikerIn, wenn auch trocken.

Co-Abhängigkeit ist wieder eine andere Suchterkrankung, es gibt spezielle Selbsthilfegruppen für

Co-Abhängige. Wichtig finde ich es, dass frau/mann sich immer für sich selber Hilfe sucht, nicht für

den Partner, der muss, mit Verlaub, seinen Hintern selber hochkriegen und Hilfe suchen, bzw. annehmen.

Leider brauchen viele Alkoholiker erst ihren Tiefpunkt, bevor sie Hilfe annehmen können oder wollen.

Ich habe sehr viele anonyme Selbsthilfegruppen für die verschied. Süchte besucht, sehr viele Jahre lang,

ich bin und bleibe auch suchtkrank, mein Leben lang, aber ich kann die Sucht zum Stillstand bringen, mit

stetiger Abstinenz, da führt kein Weg dran vorbei. Selbsthilfegruppen gibt es ja zuhauf, nicht nur die

AA sondern auch viele andere Gruppen für Suchterkrankungen. Mir persönlich, hat das spirituelle Programm

er AA (anonyme Alkoholiker) am besten zugesagt, aber das ist jetzt halt meine persönliche Meinung und

Erfahrung. Ich wünsche allen Fories, die suchterkrank sind, schnelle Hilfe und baldige Genesung.

:troest: Liebe Grüße von Belladonna.
Belladonna
 

Re: Ich bin eine Co. Abhängige

Beitragvon DerDenker » Sa. 21.06.2014, 09:09

Liebe Sterni,

Alkohol macht nicht nur Deinen Mann kaputt, sondern auch eure Beziehung. Du solltest ihm als Co. Abhängige ganz klar sagen, dass du seine Abhängigkeit nicht duldest. Du schreibst hier im Forum - mir geht es in erster Linie um dich. Schlag ihm vor, eine Psychotherapie zu machen. Der Weg ist lang (Entgiftung im Krankenhaus, Kurzzeittherapie in der Klinik, Nachsorge bei einem Psychotherapeuten). Gebe die Hoffnung nicht auf. Lass ihn bei einem Rückfall nicht hängen. Aber mache ihm deutlich, dass er trocken werden muss. Du machst dich sonst selbst kaputt.
Schafft er es nicht (bricht er die Psychotherapie ab und säuft weiter) - wäre eine Trennung empfehlenswert.
Oder willst du zusehen, wie er immer mehr im Rausch versumpft, nichts mehr auf die Reihe bekommt, vielleicht einen Suizidversuch unternimmt und körperlich zerfällt?
Hart ist es für ihn, auf den Alkohol zu verzichten. Hilft ihm, auf dem Weg trocken zu werden. Sei besonders lieb zu ihm. Belohne ihn, wenn er einen guten Willen zeigt. Aber zeige ihm auch deine persönlichen Grenzen.
DerDenker
 


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