Komplexe PTBS und Trauer**trigger**

Thematik dieses Forums: Dissoziationen wie Depersonalisation, Derealisation und andere dissoziative Zustände sowie Traumata und ihre möglichen Folgen, so wie u.a. auch die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), die akute Belastungsreaktion oder die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) bzw. Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS).

Komplexe PTBS und Trauer**trigger**

Beitragvon Flackerlicht » Mi. 12.12.2012, 13:08

Guten Morgen,

Nun raffe ich mich doch auf, um hier etwas von mir zu schreiben. Ich möchte nicht jammern, nur auf Verständnis hoffen. Erweckende, hilfreiche Worte wären auch sehr schön... Ich möchte darauf hin weisen, daß der Text triggern kann...also passt bitte gut auf Euch auf.

Nach vielen Jahren Quälerei und Ungewissheit habe ich endlich eine Diagnose bekommen: Komplexe PTBS!
Damit verbinden sich Emetophobie, Depressionen, generalisierte Angststörung, Dissoziationsstörungen und psychosomatische Erkrankungen ... ferner einige "echte" körperliche Probleme wie z.B. Arthrose.
Die Wurzeln der Ursachen liegen in der Kindheit und Jugend. Missbrauch, Misshandlung, Psychische Grausamkeit bis hin zum Psychoterror. Bin zweimal fast getötet worden.
Ich halte mich aufrecht mit meiner zweiten selbst geschaffenen Persönlichkeit um einigermaßen gesellschaftsfähig zu sein.
Nun habe ich folgende Probleme, die diese 2.Persönlichkeit wackeln lässt:
Letztes Jahr hat mir ein Mann mit Mord gedroht (weil er einer Verleumdung glaubte), von seinem "Bekannten" (die Verleumdung gegen mich aussprach) bin ich körperlich bedroht worden.
Dazu kam es zu unangenehmen Vorfällen, im Rahmen eines Geschäftes, bei dem mein Mann betrogen und wir im Nachhinein zusätzlich bedroht worden sind. Nun stehen wir auch wirtschaftlich auf sehr wackeligem Boden. Es folgte eine klassische Retraumatisierung.
Nun liegt meine beste Freundin, die ich sehr liebe und schätze...im Sterben. Sie bedeutet mir sehr viel und ich ihr auch. Sie ist die größe platonische Liebe meines Lebens. Und jetzt wird sie bald gehen...
Ich kann den Schmerz , die Angst und die Ohnmacht nicht beschreiben.

Zum Glück gibt es aus noch viel Gutes in meinem Leben. Mein Mann, meine zwei wunderbaren Kinder, unsere kuschelige Wohnung, eine liebe 2. Mama und mein Glaube an Gott, sowie noch ein paar Stunden Therapie ...
Trotzdem spüre ich den nahenden Zusammenbruch. Habt Ihr ähnliches erlebt? Was hat Euch geholfen?
Flackerlicht
 

Re: Komplexe PTBS und Trauer**trigger**

Beitragvon orinoco » Sa. 05.09.2015, 22:53

Hallo Flackerlicht,

ich weiß nicht ob du das hier nach über 2½ Jahren noch liest, aber ich befinde mich in einer ähnlichen Situation, wenn auch wieder ganz anders. Ich habe auch eine komplexe PTBS und vor einigen Monaten ist meine Lebensgefährtin, die ebenfalls eine komplexe PTBS hatte, verstorben, die dritte große Re-Traumatisierung meines Lebens.
Ich bin allerdings frühkindlich traumatisiert, keine Missbrauch oder Gewalterfahrung später. Dafür stehe jetzt quasi vor dem sozialen Nichts. Kein Partner, keine Kinder, keine engen Freunde, keine Zukunftsperspektive, weder beruflich noch familiär, keiner der mir wirklich helfen kann, mein soziales Umfeld - wenn auch gutmütig und wohlwollend - ist vollkommen überfordert mit meinen Problemen.
Ich hab in den vergangenen Monaten viel über Traumata, komplexe PTBS gelernt, bis vor wenigen Monaten wusste ich nicht mal, dass meine Lebensgefährtin und ich sowas hatten bzw. was es genau bedeutet. Diese Erkenntnisse haben mir zumindest gezeigt wie schwierig es ist eine Lösung zu finden, denn das Problem sitzt wirklich sehr, sehr tief und unser Gehirn ist eben keine Computerfestplatte auf der falsche Daten nach Belieben gelöscht, fehlerhafte Sektoren stillgelegt und stattdessen neuer Code hinein geschrieben werden kann. Das negative Angst-Lernen funktioniert ganz anders als das auch schnelle positive Lernen. Und ein Trauma, sprich die Erfahrung absoluter Todesangst, speziell frühkindlich, ist nochmal eine ganz andere Hausnummer. Durch positives Lernen werden negative Reaktionsmuster nicht überschrieben. Die Trigger bleiben - ein Leben lang. Vor diesem Hintergrund stehe ich der Vielzahl an Therapien sehr skeptisch gegenüber, dass diese eine nachhaltige Wirkung, sprich Heilung, haben. Die Anzahl der Therapien steht im reziproken Verhältnis zu ihrer Wirksamkeit und dem Wissen um die Krankheit - alter Medizinerspruch. Das Wissen ist auch noch sehr jung und sehr dünn über komplexe PTBS und die Folgen. Sicher auch weil das "Krankheitsbild", sprich die Kompensationsstrategien, so heterogen sind.
In diesem Sinne ist es ehrlicher zu sagen: ich kann derzeit von keiner Therapie behaupten, dass sie wirklich heilt. Was nachweislich hilft (aber nicht heilt) ist eine unterstützende Beziehung durch die vieles erträglicher wird. Aber die bekommt man nicht in der Apotheke.

Liebe Grüße

Orinoco
orinoco
 


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