Borderline gehört auch dazu!!

Thematik dieses Forums: Dissoziationen wie Depersonalisation, Derealisation und andere dissoziative Zustände sowie Traumata und ihre möglichen Folgen, so wie u.a. auch die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), die akute Belastungsreaktion oder die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) bzw. Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS).

Borderline gehört auch dazu!!

Beitragvon Konzentrat » Di. 06.12.2011, 15:57

Borderline gehört eigentlich auch hier rein. Borderline ist eine stressassoziierte Erkrankung, womit insbesondere posttraumatischer Stress gemeint ist.

Zwischen Borderline und DESNOS und DIS ist nicht so viel Unterschied. Es gibt sehr viele Borderliner, die ebenfalls schwer traumatisiert sind und wo sich die Borderline-Erkrankung als eine dissoziative Störung erklären lässt.

http://www.martinsack.de/_downloads/Sac ... S_2005.pdf

http://www.jochen-peichl.de/downloads/D ... du2008.pdf

http://www.michaela-huber.com/files/vor ... iation.pdf

http://www.michaela-huber.com/files/vor ... 30.rtf.pdf

Borderline wird oft nicht als Traumafolgestörung anerkannt, weil immer wieder auch Fälle von Borderline bekannt werden, in denen die Menschen in einem gesunden Umfeld aufgewachsen sind. Es gibt Hinweise auf genetische, biologische Dispositon. Aber das gilt nicht für alle Borderliner. Man weiß heute, dass mit der Anzahl der erlebten potentiell traumatischen Situationen das Risiko eine (einfache oder komplexe) Ptbs zu entwickeln immer weiter ansteigt. Es braucht also diesen konstitutionellen Faktor im Sinne einer bestimmten Vulnerabilität überhaupt nicht, um Borderline zu bekommen. Die DBT spricht diese Annahme immer wieder undifferenziert aus, aber das ist keineswegs unstreitig.

Die renomierten Traumaforscher sehen die Borderliner-Erkrankung durchweg als ein Traumafolgeerkrankung an. Es bleiben Zweifel. Ich nehme an, dass es tatsächlich sowas wie neurobiologische Abnormitäten gibt, die eben eine der traumabedingten Funktionsstörungen ähnliche Symptomausprägung mit sich bringt. Insofern kann es vielleicht Borderliner ohne Traumahintergrund geben. Vielleicht findet es die Wissenschaft mal raus. Aber diese Borderline-Patienten täuschen leider darüber hinweg, dass der Großteil der Borderliner komplex traumatisierte Menschen sind, wobei offenbar die Traumatisierungen in der Biographie der Kinder sehr früh eingesetzt hat und deswegen können viele ihre Gefühle nicht gut benennen und da viele emotional und generell Vernachlässigung erlebt haben, ist auch die für Borderline ganz typische Angst vor dem Verlassenwerden biographisch und mit dem Traumahintergrund gut erklärbar und verstehbar.

Ich ärgere mich immer wahnsinnig, wenn ich in Foren lese, wie manche User vehemment darauf pochen, dass sie an einer komplexen PTBS leiden, dass sie schwer traumatisiert sind und dann kommt irgendwann:

"ABER ich bin kein BORDERLINER!!"...

Da grenzen sich manche in einer hochnässigen Art und Weise ab, als wären sie was ganz was Besonderes und die Borderliner sind ja nur blöde Borderliner, nur Psycho-Monster, und diskriminieren andere, die im Prinzip doch genau das gleiche Schicksal wie sie selber teilen. Es gibt bei den komplexen PTBS-Erkrankungen nicht soviel Auswahl. Entweder hat man Borderline oder man hat was noch Schlimmeres. Das ist diesen Leutchen, die sich da so fein abgrenzen und versuchen, sich besser darzustellen, aber gar nicht bewusst, dass sie sich damit im Grunde noch schlimmere Diagnosen zuschreiben, als es Borderline ist. Insofern muss ich mich nach dem ersten Ärgern über soviel Arroganz und Uninformiertheit doch regelmäßig über solche Leute nur schlapp lachen. Wahnsinnig viele Störungsbilder, die auf Dissoziation beruhen, gibt's ja nicht, also bleibt außer traumatisierungsbedingtem Borderline gar nicht viel übrig. Und wenn schon, dann lieber noch Borderline als DESNOS oder DIS, den diese Störungen sind noch schwer zu behandeln und noch problematischer, weil die Dissoziation dort noch massiver ausgefallen ist. Sie sind also schwerer krank als ein Borderliner.

Komplexe PTBS ist komplexe PTBS, da führt kein Weg dran vorbei.
Konzentrat
 

Re: Borderline gehört auch dazu!!

Beitragvon senta » Di. 06.12.2011, 16:30

hallo Konzentrat, du schreibst sehr schlau, vielen Dank, über was möchtest du dich denn hier in unserem Forum austauschen?

in wieweit bist du denn betroffen?

Infos sind immer gut,
hier sind wir eine Gemeinschaft von Betroffenen, die sich austauschen möchte. Die meisten haben durch eine lange Krankheitsgeschichte ohnehin ziemlich viel theoretisches Fachwissen über ihre Erkrankung...hier geht es eben um persönliche Ansprache, Unterstützung und Beistand...


es wäre schön, wenn du dich mal kurz vorstellen würdest, wenn du magst
senta
 

Re: Borderline gehört auch dazu!!

Beitragvon Konzentrat » Di. 06.12.2011, 18:29

Hi Senta!

Danke für die Blumen. :P

Vorstellung mag ich nicht so gerne. Ich hoffe, es geht auch ohne?

Austauschen? Na ja, das ist nicht mal so sehr mein Anliegen. Ich hab' schon so'n bissl was hinter mich gebracht und Internet ist einfach das Medium der Zeit. Ich hab' in all den Jahren, wo ich mit diesen Themen nun zu tun habe, auch immer im Internet gelesen und gesucht, aber früher und auch heute noch gab's größtenteils keine guten Infos über das, was ich gesucht habe.

Ich wurde nie satt, kann ich sagen. Mein Wissensdurst wurde nicht gestillt, meine Fragen wurden nicht nur nicht beantwortet, sondern ich fand eigentlich hauptsächlich Informationen, die abschreckend, wirr und inhaltlich nicht für mich nachvollziehbar waren. Mich hat das immer sehr entmutigt, es war zu dem Kranksein, das ich nun mal hatte/habe, immer wie ein zusätzlicher Mistkübel, der aus allen Ecken flog. Dass es was mit kompl. PTBS zu tun hat, das merkt man meinen Postings ja an, dass es um Borderline, um Depressionen und Ängste geht, um viel Therapie geht, ist auch gleich rausgefunden, wenn man meine Einträge hier liest...

Alles, was über Borderline im Netz zu finden war, war furchtbar. Das war früher noch viel schlimmer als heute. Aber es gibt eine Diskriminierung, eine Stigmatisierung und eine Ausgrenzen und eine "Aufklärung", die man eher als Hetze bezeichnen muss.

Diese Erkrankung wurde erst in den letzten Jahren überhaupt mal wirklich verstanden und viele Profis kennen dieses Wissen bis heute nicht, daher gibt es so viele falsche, wiedergekäute Informationen über Borderline, die gar nicht klar machen, was da wirklich los ist.

Ich habe diese Infos erst über Therapeuten bekommen, die dort in der Forschung arbeiten und die mir mehr erklärt haben, als überall steht. Ich hätte mir diese Infos so viel früher gewünscht, weil ich denke, dass man gegen seine psychische Erkrankung nur dann eine reale Chance hat, wenn man sie kennt und versteht. Man muss begreifen, was mit einem los ist. Dann kann man gegensteuern, aktiv an Therapien mitarbeiten, dann erst ist die Motivation da.

Ich hätte mir gewünscht, dass ich das alles, was ich heute weiß, zehn Jahre früher gewusst hätte. Dann hätte ich für mich viel mehr tun können. Ich wäre selbstbewusster gewesen und hätte vieles nicht mit mir machen lassen.

Und aus dem Grund, weil es mir damals mit diesen Infos besser gegangen wäre, wenn ich sie denn gefunden hätte, schreibe ich heute manchmal in Foren darüber was, damit andere, die jetzt da sind, wo ich war, was finden können, was für sie Hilfestellung sein kann. Ich will niemandem was überstülpen, sondern es ist wie so eine Art Flyer. Es liegt aus und man kann sich bedienen und wer es will, der hat es und wer es nicht gut findet, kann es liegen lassen.

Die meisten Borderline-Erkrankungen sind einfach auch nur dissoziative Störungen, wo ebenso wie bei der DIS, während des Traumas Persönlichkeitsanteile abgespalten wurden. Und diese abgespaltenen Persönlichkeitsanteile wechseln dann später (switchen) und das macht z.B. die Stimmungsschwankungen bei Borderline aus. Das sind zum Großteil Flashbacks. Die Abspaltung ist bei traumatisierungsbedingtem Borderline allerdings nicht so ausgeprägt und es gibt nur einen ANP (anscheinend normalen Persönlichkeitsanteil), während DIS-Patienten schon mehr als einen ANP haben. Das ist der Unterschied zwischen DIS und Borderline. Macht in der Therapie und im Leben schon viel aus, aber generell geht's in die gleiche Richtung. Beide Patienten (DIS als auch BL mit kompl. PTBS) haben als Schutzmechanismus in der Kindheit Traumainhalte abgespaltet. Es ist ein Schutzmechanismus in der Traumastituation, damit ein überlebensfähiger, noch normal funktionierender Persönlichkeitsanteil erhalten werden kann, der nicht mit Trauma belastet ist. Die teilabgespaltenen Persönlichkeitsanteile sind fast immer auf der Altersstufe Kind/bzw. Teenager. Und ich denke, wenn man das weiß, kann man Borderline anders verstehen und versteht auch, warum dafür spezielle Therapien nötig sind und man nicht einfach irgendwas drauf klatschen kann. Im Übrigen sind es einfach mehrheitlich Ex-kindliche-Opfer und ich finde, dass das nicht unerwähnt bleiben darf.

Man muss sich aus der Opferrolle dann auch rausentwickeln. Aber ich denke, jeder Mensch hat auch ein Recht, dass er sagen darf:

"Ich bin verantwortlich dafür, was aus mir wird. Für das, wie ich geworden bin, solange andere die Verantwortung für mich zu tragen hatten, nämlich in der Kindheit, sind die verantwortlich zu machen!".

Wenn man erwachsen ist, muss man selber anpacken, aber genau das ist sehr schwer, wenn "innere Kinder" in einem toben und unkontrolliert ins Bewusstsein einbrechen.

Hier hilft nun mal nur Traumatherapie weiter.

lg
Konzentrat
 

Re: Borderline gehört auch dazu!!

Beitragvon senta » Mi. 07.12.2011, 01:35

Ich habe zwar keine Borderline Erkrankung, aber ich habe mich über meine Erkrankung nicht im Internet nachgelesen.
Ich bin den Weg über meinen Arzt gegangen, habe mich beraten lassen, ganz persönlich, habe eine gute Psychologin gefunden, bei der ich eine lange Therapie gemacht habe und auch jetzt noch in therapeutischer Begleitung bin (bei Bedarf), zeitweise hatte ich auch sehr hilfreiche psychiatrische Unterstützung.

Im Internet kursieren halt auch viele Halbwahrheiten, ist ja auch kaum zu kontrollieren, ist wie mit der Zeitung

Ich verlasse mich da weiterhin auf die Ärzte und Therapeuten, die mich kennen und denen ich vertrauen kann.
senta
 

Re: Borderline gehört auch dazu!!

Beitragvon Minni34 » Mi. 07.12.2011, 11:29

Wieso bist du gerade zu uns gestoßen? Was war deine Motivation?
Du möchtest nichts über dich erzählen, dich nicht vorstellen, aber kannst über uns anderen lesen.
Ist das nicht etwas unfair?

Und zu deinen Versuchen, etwas über Krankheitsbilder zu schreiben und uns sie zu erklären, möchte ich sagen, ohne dich anzugreifen (!!!), das es nicht alles richtig ist, was du hier schreibst.

Lieben Gruß,
Maxi
Minni34
 

Re: Borderline gehört auch dazu!!

Beitragvon Konzentrat » Mi. 07.12.2011, 12:09

Hallo Maxi,

ich werde im Forum nichts mehr schreiben.

Wenn Du meinst, ich hätte Unrichtiges geschrieben, dann kannst Du ja gerne diese Punkte aufgreifen und konkret ansprechen. Ganz allgemein formuliert kann man das Thema nicht diskutieren, da wäre es zu losgelöst, auf die Inhalte müsste man schon direkt eingehen.

Ob dann mein Wissensstand stimmt oder Deiner, werden wir beide nicht klären, weil ich nicht mehr antworten werde, egal, was dasteht. Von mir aus kann hier auch einer reinschreiben, dass Borderline eine Virusinfektion ist oder sonstwas, ich werde mich hier nicht mehr abarbeiten. Gestern hab' ich einen langen Beitrag geschrieben, der ist weg, weil er einigen nicht gepasst hat. Ich investiere nicht mehr Zeit und Aufwand, damit dann andere die geschaffenen Dinge kaputtschlagen.

Im Übrigen: Nein, ich finde es nicht unfair. Jeder meldet sich hier auf seine eigene Entscheidung und Verantwortung hin an und geht damit das Risiko ein, gelesen zu werden, auch von Gästen und von Leuten, die nicht über sich schreiben. Wer das nicht aushält, der sollte sich nicht registrieren lassen und in dem Punkt für sich selber sorgen, statt auf andere Druck auszuüben und sowas wie eine ungeschriebene "Berichtspflicht" einzuführen. Es ist ein ungeschütztes Forum, bis auf wenige Forenbereiche kann jeder lesen, selbst Gäste. Wenn man sich anmeldet, ist man doch selber schuld. Das wusste man doch vorher und hat sich zu diesen Bedingungen registriert. Oder nicht? Hier schieben ganz viele Leute die Verantwortung für sich selbst anderen zu und machen Rabatz und Druck, wenn es nicht läuft, wie sie sich das vorstellen.

Da wird viel verzerrt konstruiert und irgendwie ist immer nur der andere schuld, aber auf den eigenen Anteil schauen die Leute nicht, z.B. dass sie eine unausgesprochene, überhöhte Erwartungshaltung haben im Sinne von:"Wenn wir uns offenlegen, musst Du auch!!". Nein, muss ich nicht, muss ich in keinster Weise. Das ist ein freies Land und wir sind freie Menschen, die das Recht haben, auf Forderungen von anderen mit einem "Nein." zu reagieren und zu tun, was für einen selbst das Richtige ist.

Ich mein' das jetzt auch nicht böse oder in angreifender Weise, aber es sind so Grundsatzthemen, wo ich mich doch sehr wundere, was hier für Ansichten Usus sind. Sehr unfrei und sehr viel Druck passiert hier. Das finde ich überhaupt nicht gut. Und deshalb hab' ich mich gegen dieses Forum entschieden. Ständig soll man sich rechtfertigen, dafür, dass man Selbstfürsorge für sich betreibt, seine Grenzen wahrt, während andere das hier nicht tun und so Konflikte heraufbeschwören, die völlig unnötige Zeit- und Kraftfresser sind.

Ich denke, es ist besser, seine Energien in sinnvollere Tätigkeiten zu investieren, wie z.B. seine Arbeit. Und das tu' ich jetzt auch: ARBEITEN.

LG
Konzentrat
 

Re: Borderline gehört auch dazu!!

Beitragvon Minni34 » Mi. 07.12.2011, 12:22

Ohje Konzentrat,

was bedrückt dich nur?

es ist gar nicht mein Bestreben, Punkte aufzugreifen, und dein geschriebenes "richtig" zu stellen. Ich bin aus ganz anderen Gründen hier.

Mein Anliegen war es dir ein paar Fragen zu stellen, und Antwortn zu bekommen. Das habe ich ja. Danke!

Es hat von dir auch keiner verlangt das du dich hier "abarbeitest", das hast du ganz alleine von dir aus getan!
Und kaputt geschlagen hat hier niemand was, wo du die Dinge immer nur her holst...

Eine Beitragspflicht.... was denkst du, wovon ein Forum denn lebt? Von still schweigen?
Nein, von Beiträgen. Und es hat keiner gesagt das du dich vorstellen MUSST, man hat dich höchstens darum gebeten.
Was möchtest du hier, (das hast du immer noch nicht beantwortet)? Uns deinen unvollständigen Wissensstand mitteilen, oder auch mal etwas sinnvolles beitragen? Aber die Antwort werden wir ja leider nicht mehr bekommen.

Aber da du nicht mehr schreiben möchtest, lassen wir es hier auch besser einfach so stehen.
Die Flucht war immer schon das einfachste. Aber nicht der beste Weg.

Für dich alles gute.

Liebe Grüße,
Maxi
Minni34
 


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