Erinnerungen

Thematik dieses Forums: Dissoziationen wie Depersonalisation, Derealisation und andere dissoziative Zustände sowie Traumata und ihre möglichen Folgen, so wie u.a. auch die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), die akute Belastungsreaktion oder die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) bzw. Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS).

Erinnerungen

Beitragvon Talita » Fr. 04.03.2016, 09:41

Hallo.

Ich habe ja fast komplett meine Kindheit verdrängt, dissoziert. Viele Vermutungen was War gibt es anhand meiner Folgen. Aber eben keine Erinnerungen...
Ich wollte mal fragen wie das bei euch War mit den Erinnerungen....wann sind euch denn eure traumatischen Erlebnisse bewusst geworden und wie War das? War das gleich überwältigend mit Gefühlen oder auch nur Erinnerungen? Wodurch wurde es ausgelöst das sie kamen?
Mag jemand mir erzählen?
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Re: Erinnerungen

Beitragvon Ruby » Fr. 04.03.2016, 12:09

Ab einem Alter von fünf oder sechs Jahren kann ich mich bereits an viele traumatische Erlebnisse erinnern. Die haben sich teilweise richtig in mir festgebrannt. Ganz normale Erinnerungen, die früher zurück liegen, habe ich aber auch. Zum Beispiel haben meine Eltern, als ich zwei Jahre alt war, ein eigenes Haus gebaut. Ich kann mich erinnnern mit meinem Eltern damals bei der Erstbegehung in diesem Haus mit dabei gewesen zu sein. Alles andere aus der Zeit vor meinem fünften Lebensjahr ist jedoch sonst hinter einem dunklen, schweren Vorhang verhüllt. Nur ein ungutes Gefühl verspüre ich, wenn ich hinter diesen Vorhang zu blicken versuche. Als ob damals was ganz schlimmes passiert wäre.

Ich habe mir erst vor kurzem überlegt, ob ich mich einmal von einem Rückführungs-Profi hynpotisieren lassen soll, um hinter diesen düsteren, dunklen Vorhang meiner frühen Kindheit blicken zu können. Ich könnte mir vorstellen, dass dort irgendwo die Lösung, ein dunkles Geheimnis oder zumindest der Beginn alljener Probleme liegt, die mich nun bereits mein ganzes Leben begleiten. Meine Eltern haben über diese Zeit mit mir auch nie gesprochen. Außer, dass ich bereits als Kleinkind sehr problematisch und schwierig gewesen wäre. Es finden sich komischerweise auch kaum Fotos aus dieser Zeit, die sie mir zeigen konnten. Ansonsten haben sie das Gespräch darüber stets abgeblockt. Ich frage mich oft, was wohl der wahre Grund dafür war und weshalb ich später so elendig scheiße erzogen und drangenommen worden bin.
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Re: Erinnerungen

Beitragvon Atisha » Fr. 04.03.2016, 15:13

Meine Erinnerungen sind hell und wach, trotzdem sind sie nicht weniger einschneidend. Ich habe nichts verdrängt, vielleicht liegt das an meiner Generation ... bin 1971 geboren.

Habs aber satt mit dem Leben und dem andauernden Kämpfen. Kann nicht mehr, weiß oft nicht mehr wie ich froh werden soll.
Atisha
 

Re: Erinnerungen

Beitragvon Morgan » Fr. 04.03.2016, 22:08

Hallo Talita,

Hallo.

Ich habe ja fast komplett meine Kindheit verdrängt, dissoziert. Viele Vermutungen was War gibt es anhand meiner Folgen. Aber eben keine Erinnerungen...
Ich wollte mal fragen wie das bei euch War mit den Erinnerungen....wann sind euch denn eure traumatischen Erlebnisse bewusst geworden und wie War das? War das gleich überwältigend mit Gefühlen oder auch nur Erinnerungen? Wodurch wurde es ausgelöst das sie kamen?
Mag jemand mir erzählen?


Auch ich habe meine Kindheit bis zu meinem 12-13 Lebensjahr verdrängt, ich hatte nur eine Handvoll eigener Erinnerungen, davon waren allein drei Albträume. Irgendwann habe ich dies niedergeschrieben. Ja, genauso war es auch bei mir, ich hatte ab meinem ca. 19. Lebensjahr bis zu meinem ca. 30. Lebensjahr nur Vermutungen, aufgrund von meinem Verhalten und zwei weiteren Mißbrauchserlebnissen in meinen Zwanzigern. Eines lernte ich konkret in meinen Zwanzigern. Meine Realangst zeigt mir den Weg. Ab meinem 30. Lebensjahr habe ich mich ganz bewußt auf die Suche nach meinen Erinnerungen gemacht, sprich ich ging genau auf meine Realangst zu, denn ich wußte, ich muß durch sie hindurch, es gibt für mich keinen anderen Weg. Dies führte ich mit Hilfe von Regressionsmethoden (Selbstregression, man nennt es auch Selbsttrance, Selbsthypnose, Rückführung oder Clearing)aus, dann nachdem ich mir einiges wieder geholt habe, ging ich den klassischen Weg der Gesprächstherapie und einer körperorientierten Therapie (jede Körperzelle speichert unser ganzes Leben ab, man spricht dabei vom Körpergedächtnis, selbst wenn das Gehirn nicht an die Erinnerunge dran kommt, der Körper erinnert sich und hilft dem Gehirn dabei), fand dabei die Bestätigung von dem, was ich schon wußte und Erinnerungen wurden dadurch ergänzt. Dann ruhte diese Arbeit für ca. 10 Jahre, daß Leben forderte mich, so blieb dafür keine Zeit. Seit 2015 bin ich wieder aktiv auf diesem Sektor, denn ich will ein glückliches Leben führen, deshalb bedarf es noch der restlichen Heilung des Ganzen. Mit Hilfe eines Freundes und des Forums hier führte ich die Narrative Expositionstherapie aus und runde dies nun durch Fokussierungsübungen mit meinem Traumtherapeut und den restlichen Regressionsreisen mit einem Freund ab.
Ich sehe seit 2015 Licht am Ende des Tunnels oder die Nacht war dort so dunkel, so wußte ich der Morgen ist nicht mehr fern. Mittlerweile sehe ich den Morgen dämmern und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann meine Heilung abgeschlossen ist. Und ich bin sehr dankbar dafür.

Auf Deine Frage: War das gleich überwältigend mit Gefühlen oder auch nur Erinnerungen?
Es waren mal nur Erinnerungen, mal waren es Erinnerungen mit Gefühlen und körperlichen Herausforderungen, jedesmal war es unterschiedlich, doch alles was hoch kam, war schlußendlich für mich bewältigbar, doch nur deshalb, weil ich mir ein Helferumfeld geschaffen hatte, auf welches ich mich 100% verlassen konnte, alleine hätte ich dies niemals geschafft, deshalb bin ich auch so dankbar, auch besonders hier einigen Menschen aus dem Forum. Ich weiß noch genau, wie ich einst eine Panikattacke hier bekam, weil ein Beitrag von mir nur teilweise erschien. Da gab es einen Menschen mit dem ich dann PNs geschrieben habe und der blieb für mich per PN erreichbar bis ich wieder in der Lage war, damit klar zu kommen. Diese Art der Hilfe vergesse ich nicht und werde dafür immer dankbar sein.

So lege ich Dir ans Herz, schaffe Dir ein stabiles Umfeld, eines auf das Du Dich verlassen kannst, wenn Du Dich verlassen fühlst, eines was für Dich da ist, wenn es in Dir brennt. Ein Umfeld aus Profis und Deinen Lieben und das Internet nutzt Du ja schon dafür.

Auf Deine Frage: Wodurch wurde es ausgelöst das sie kamen?
Was mir am meisten geholfen hat, war die Aktivierung der Körperzellen durch Sauerstoff und die richtigen Fragen von einem Profi und die richtigen Inspirationen eines Freundes. Jeder hat seinen Weg an seine Erinnerungen ran zu kommen, dies war mein Weg. Ich wünsche Dir, daß Du den Deinigen findest.

HG Morgan
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Re: Erinnerungen

Beitragvon Talita » Fr. 04.03.2016, 23:14

Vielen lieben Dank für eure Antworten!
Talita
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