Meine Geschichte

Es geht hier um die Themen sexueller Missbrauch und Nötigung bzw. Vergewaltigung sowie um körperliche wie emotionale Formen der Gewalt.

Wichtig: Die Inhalte dieses Unterforums können v.a. für Betroffene stark triggernd sein!

Meine Geschichte

Beitragvon heaven » So. 12.11.2017, 21:26

Ich möchte einfach mal meine Geschichte erzählen. Ich weiss gar nicht wo ich beginnen soll, denn irgendwie ist alles so verwirren und es herrscht ein riesen durcheinander in meinem Kopf.
Als ich ca. 12 Jahre alt war, wurde ich sexuell missbraucht. Doch daran kann ich mich erst sein kurzen wieder erinnern. Es grenzt für mich an ein kleines Wunder zu welch Taten das Gehirn in der Lage ist um sich selbst zu schützen, denn mein Gehirn hat es tatsächlich geschafft, dass ich mich volle 14 Jahre an nichts mehr erinnern konnte. Doch obwohl die Erinnerungen damals weg waren, so war das Gefühl doch irgendwie immer da. Ich weiss nicht wie ich das beschreiben soll, aber irgendwie hatte ich immer der Vermutung, dass bei mir irgendwas nicht stimmt. Mein Ex-Freund wurde selbst als Kind missbraucht. Auch er war der festen Überzeugung, dass mir das Selbe passiert sein muss. Aber ich konnte einfach nicht sagen wer oder wann oder wo. Somit war die Sache für mich trotzdem irgendwie gegessen. Als Teenager hatte ich dann eine dunkle Phase, rückblickend würde ich sagen, dass ich Depressionen hatte. Ich begann mich selbst zu verletzen und ritz mir die Unterarme auf. Ich tat es nicht um den Schmerz zu spüren, nein denn Schmerzen hatte ich nie. Ich tat es nur aus einem Grund: Diese unglaublichen Glücksgefühle die ich verspürte, wenn ich das Blut über meine Arme laufen sah. Es ist schwer in Worte zu fassen wie dieser Anblick sich für mich anfühlte. Es war etwas das ich und nur ich mir angetan hatte, ich hatte die Macht. Doch im nächsten Moment ging es mir wieder schlecht. Ich fragte mich immer wieso ich mich so schrecklich fühle, schliesslich ist mir nie irgendwas Schlechtes passiert. Ich konnte doch glücklich mit meinem Leben sein, aber ich war es nicht und das machte mich fertig. Es ging so weit, dass ich mir fast gewünscht habe vergewaltigt zu werden, nur damit ich auch endlich einen Grund hatte, mich so schlecht zu fühlen.
Irgendwann ging es mir besser und die Depressionen waren vorbei. Jahrelang ging es mir gut. Bis zum Frühling 2017, da kamen die Depressionen schleichend wieder zurück. Wieso? Ich war in der Arbeit total gestresst, mein Grossvater lag im Sterben und ich war in meinen Arbeitskollegen verliebt doch bekam es bis heute nicht hin ihm dies zu gestehen. Ich begann wieder zu rauchen und zu trinken, ja ich habe mich sogar das ein oder andere mal wieder geritzt. Und dann war es plötzlich in meinem Kopf als wäre es schon immer da gewesen: Es war mein Klassenlehrer. Wir sind in einem Klassenlager und ich bin alleine in seinem Zimmer, ich muss es aufräumen. Ja und dann steht er da und steckt seine Hand in meine Hose und beginnt mich zu befummeln. Ob dann noch mehr passiert ist? Entweder kann ich mich daran (noch) nicht erinnern oder es blieb wirklich nur bei dem Begrabschen.
Im Nachhinein kann ich nicht verstehen, dass ich nicht schon früher an meinen Lehrer gedacht habe. Mir war immer bewusst, was für eine komische Person er war. In jedem Lager hat er sich betrunken, hat sich Pornos angeschaut und wurde uns Kindern gegenüber obszön, hat z.B. mal gemeint wir dürfen auf der Wanderung nur im See baden, wenn wir es nackt tun würden. Und obwohl mir das alles klar war, kam ich nie auf die Idee, dass es er war. Doch jetzt weiss ich es. Es sind nun ca. 7 Monate her, seit ich mich wieder erinnern kann, und ich habe mich langsam auch wieder gefangen. Ich habe dies seither nur 2 Personen in meinem Leben erzählt. Und auch diesen gegenüber konnte ich mich nicht total öffnen, weil ich mich sonst zu sehr schämen würde. Deshalb wollte ich hier nun einfach mal alles aufschreiben und meine Geschichte einfach loswerden.
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Re: Meine Geschichte

Beitragvon heaven » Mo. 04.12.2017, 13:53

Ich hab inzwischen einen Schritt gewagt und bin sehr stolz auf mich. Ich habe endlich meinem Arbeitskollegen gestanden dass ich in ihn verliebt bin :D Ihm gehts zwar leider nicht so, aber habs auch nicht anders erwartet und bin einfach froh etwas auf meiner Liste abkreuzen zu können :D
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Re: Meine Geschichte

Beitragvon nisma » Mo. 04.12.2017, 23:24

Hey heaven,
darauf kannst du echt stolz sein ^^ Vor allem darauf wie du damit umgehst. Hat bei mir eeewig gedauert bis ich ma auch nur ansatzweise was positives an so ner Zurückweisung sehn konnte.
Wollt ich nur kurz ma sagen ^^"

Alles Gute und Liebe Grüsse! :)
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Re: Meine Geschichte

Beitragvon Martin1965 » Mo. 11.12.2017, 17:41

Gratuliere.
Der erste Schritt ist getan. Bitte suche Dir Hilfe für die weiteren Schritte. Das kann lange dauern, aber das schwerste ist immer der erste Schritt.
Psychopharmaka sind eine Krücke. Wenn ich ein gebrochenes Bein habe, darf ich eine Krücke benutzen.
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Re: Meine Geschichte

Beitragvon heaven » Mi. 21.02.2018, 14:26

Und immer wenn man denkt, man hat es geschafft macht einem das Leben wieder eine Strich durch die Rechnung. Ziemlich genau 1 Jahr ist es nun her, seit ich mich mit dieser Scheisse befassen muss und ich war endlich an einem Punkt angekommen, wo ich sagen konnte "Ja es geht mir wieder gut". Bis zum diesem Montag. Ich habe einen Arbeitskollegen und eine Arbeitskollegin zu mir nach Hause eingeladen zum einen Filmabend machen. Es war lustig und hat viel Spass gemacht. Mein Kollege musste dann um 22 Uhr nochmals zur Arbeit ins Labor, weil er einen Versuch am laufen hat. Und kurz vor 23 Uhr hat er mir geschrieben, dass er jetzt erst fertig sei und nun ja noch mehr als ne Stunde nach Hause fahren müsse und am nächsten Tag wieder um 06:30 im Labor sein müsse. Also fragte er mich, ob er bei mir schlafen dürfe. Ich hab zwar nur ne 1 Zimmerwohnung mit nem grossen Doppelbett, dachte mir aber, ich kann jetzt ja nicht nein sagen. Also stand er kurz nach 23 Uhr wieder in meiner Wohnung und bestand darauf mich zum Dank zu massieren. Ich sagte ihm, dass er das nicht tun müsse und es auch so okay sei. Doch er bestand beharrlich darauf. Also gab ich nach, weil ich nicht unhöflich sein wollte. So kam es, dass er 1.5h meinen Rücken und meine Beine massiert hat. All meine Alarmglocken haben geläutet und alles in meinem Kopf hat geschrien, dass hier grad gewaltig was schief läuft. Doch einen weitere Stimme sagte mir nur dass ich paranoid sei. Schliesslich ist mein Kollege fast doppelt so alt und hat ne Frau zu Hause. Er ist ein netter Kerl und was bin ich für ein A...loch sowas über ihn zu denken. Doch je länger die Massage dauerte, um so nervöser wurde ich. Bei jeder seiner Bewegungen stockte mir der Atem und ich befürchtete, dass er mir gleich an die Brüste oder zwischen meine Beine greifen würde. Ich hatte panische Angst davor, was ich dann machen würde. Wäre ich überhaupt in der Lage irgendwas dagegen zu machen (und damit meine ich nicht physisch)? So wie ich meine Willensstärke kenne, vermutlich nicht.
Als die Massage dann endlich vorbei war und es schon 2 Uhr Nachts war, sagte ich ihm, dass wir nun schlafen gehen sollten. Wir legten uns also ins Bett und er hat sich direkt an mich gekuschelt und mir über meine Arme und mein Gesicht gestreichelt, weil ich ja so eine sanfte Haut habe. Wieder schrie alles in mir er soll gehen und trotzdem war da wieder die Stimme die mir sagte, du bist paranoid. Wie kannst du es nur wagen so was über deinen Kollegen zu denken. Wie würde er sich fühlen, wenn du ihn jetzt wegschicken würdest. Also lies ich ihn einfach sich an mich kuscheln und mich streicheln, während ich versucht einfach endlich einzuschlafen. Doch plötzlich hatte ich dann seine feuchten Lippen auf meinen und er versucht mir seine Zunge reinzustecken. Ich war so perplex und überfordert mit der ganzen Situation, dass ich eine gefühlte Ewigkeit gebraucht hatte um ihn von mir weg zu drücken. Ich lag da und wusste nicht, was ich nun tun soll. Also drehte ich mich um und sagte ihm wieder, dass wir schlafen sollten. Er kuschelt sich wieder an mich, so dass ich seinen heissen Atem an meinen Nacken spüren konnte, und schlief ein.
Am nächsten Morgen ging er dann schon früher als ich zur Arbeit. Als ich ihn da wieder sah, tat er so als wäre alles normal. Schrieb mir sogar, dass er zwar sehr müde sei, aber sich für eine weitere nach mit Unterhaltung opfern würde. Wenn ich mir schon nur überlege, was er unter dem Wort Unterhaltung wohl versteht wird mir übel. Einer anderen Arbeitskollegin fiel es zum Glück direkt am Morgen auf, dass irgendwas nicht mit mir stimmt. Also hab ich ihr alles erzählt. Glücklicherweise steht sie voll hinter mir und steht mir bei allem bei. Da dieser Arbeitskollege nur noch bis Ende Februar bei uns arbeitet, habe ich gehofft, das ganze würde sich von selbst erledigen. Ich müsste nur noch ein paar Tage mich so benehmen, als wäre alles gut und nichts passiert und danach müsste ich ihn nie mehr ansehen. Doch auch am nächsten Tag schrieb er mir wieder solche Nachrichten. Also habe ich ihm gesagt, dass ich das nicht will und kann. Dass es mir sehr leid täte, dass ich ihm falsche Signal zugesendet habe und er dachte, dass ich das auch möchte. Dass ich ihm nicht von Anfang an klar gesagt habe, dass ich es nicht will. Dass mein Leben schon so im Arsch ist und ich gerade erst den Scherbenhaufen aufgelesen und sorgfältig wieder zu etwas Ganzem zusammengeklebt habe und er es nun gerade genommen und wieder zu Boden geworfen hatte.
Daraufhin hat er sich entschuldigt, meinte dass er mir nie was böses wollte. Was dazu führt, dass ich mich nur noch schlechter fühle. Wie sollte er es auch wissen, wenn ich einfach unfähig bin, einfach mal stopp zu sagen. Ein Teil meines Körpers hasst ihn, für dass was er mir angetan hat, der andere Teil hat wahnsinnig Mitleid mit ihm, da er ja nichts dafür kann. Schliesslich war es ja meine Schuld. Ein Teil meines Körpers hasst sich selbst, weil er sich selbst und jemand anderes in so eine Scheiss Situation gebracht hatte und der andere Teil meines Körpers, möchte einfach nur das die ganzen Schmerzen endlich mal aufhören und er wieder glücklich in die Zukunft schauen kann...
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Re: Meine Geschichte

Beitragvon Mäuschen » Fr. 16.03.2018, 13:04

Es tut mir so leid, dass das wieder passiert ist!

Ich kann diese Gedanken, ich hätte es halt klarer sagen müssen und so, total gut nachvollziehen. Bis zu einem gewissen Grad denke ich auch, dass wir da schon auch die Verantwortung gegenüber den Männern haben, ihnen klar zu sagen, wenn wir etwas nicht möchten. Denn woher sollen sie es sonst auch wissen? Ich habe auch einfach mitgemacht gehabt... Und gleichzeitig denke ich aber auch, man müsste doch merken, wenn jemand nicht möchte und da ist die Verantwortung wieder bei den Männern. Irgendwie müssen sie doch darauf achte, ob man wirklich möchte oder ob man nicht will oder ob man es gerade nur über sich ergehen lässt. Ist irgendwie beides... Verstehst du, was ich meine?!

Ist dein Arbeitskollege denn jetzt noch da oder ist er schon weg? Wenn ich das richtig verstandne habe, hast du in den SMS ganz klar gesagt, dass du keinen Kontakt zu ihm haben möchtest, oder? Das ist gut, dass du das gemacht hast. Wenn nicht, dann sage das nochmal klar. Und dann hast du ja auch immer noch die Möglichkeit, ihn zu blockieren, dass du von ihm keine Nachrichten mehr bekommen kannst.

Ich weiß nicht, ob es von ihm alles böse Absicht war. Hört sich fast so an, als hätte er es tatsächlich nicht geblickt, dass du nicht möchtest, was es für dich leider nicht besser macht. Weißt du denn, wie du es schaffen könntest, deine Meinung klarer zu sagen, dass es auch bei den Männern, die nicht so feinfühlig sind, ankommt? Also er hat das nicht machen dürfen und es ist nicht deine Schuld! Gleichzeitig, kannst du ja aber auch, vorausgesetzt, es ist bei ihm tatsächlich keine böse Absicht dahinter, mit deinem Verhalten dazu beitragen, dass es nicht nocheinmal passiert, indem du lernst, ganz deutlich nein zu sagen. Und ich weiß, wie schwer da ist. Habe aufgehört, mitzuzählen, wie oft ich es nicht hinbekommen habe... Verstehst du, was ich meine?! Ich glaube dir, wie schlimm das für dich war und er hätte das nicht tun dürfen! Und es darf dir jetzt auch schlecht deswegen gehen! Die Frage ist halt, wie du es in Zukunft verhindern kannst, dass es wieder passiert. Und manche Männer sind einfach nicht so feinfühlig...

Ich hoffe, du verstehst meinen Text jetzt nicht irgendwie falsch oder so. Ich kenne ähnliche Situationen zu genüge... Und man ist mit der entsprechenden Vergangenheit wohl einfach auch sehr leicht zu manipulieren...
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Re: Meine Geschichte

Beitragvon heaven » Di. 27.03.2018, 00:40

Danke Mäuschen für deine Worte. Ich verstehe was du meinst.
Ja er ist nun weg und hat sich seit meiner Nachricht auch nicht mehr gemeldet. Allerdings kommt er im April nochmals für 1 Monat zurück, was mir ein bisschen Bauchschmerzen bereitet, da ich noch nicht weiss, wie ich mit der Situation umgehen soll.
Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass er es wirklich nicht verstanden hatte und es nicht böse gemeint hat. Dennoch finde ich es schon nur zum k*tzen, da er eine Frau hat.
Wie ich in Zukunft solche Situationen handhabe? Ich weiss es nicht. Ich habe mir fest vorgenommen, von nun an von Anfang an Nein zu sagen. Normalerweise lass ich es gar nicht so weit kommen. Ich blocke fremde Männer normalerweise schon viel früher ab, sehe immer gleich den worst case, auch wenn der Typ es vielleicht wirklich nur gut und nett meint. Hier war es aber halt was anderes, da er mein Freund war und ich ihm vertraute. Umso schwerer fiel es mir halt auch nein zu sagen.
Ich versuche nun wirklich mehr auf mich zu hören und nein zu sagen. Ob ich es dann wirklich schaffe, falls es wieder mal zu so einer Situation kommt (was ich nicht hoffe), kann ich leider nicht sagen.
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