Langsam kommt alles wieder hoch *Trigger*

Es geht hier um die Themen sexueller Missbrauch und Nötigung bzw. Vergewaltigung sowie um körperliche wie emotionale Formen der Gewalt.

Wichtig: Die Inhalte dieses Unterforums können v.a. für Betroffene stark triggernd sein!

Langsam kommt alles wieder hoch *Trigger*

Beitragvon DieEineWieKeine » Fr. 24.03.2017, 23:10

Hallo :)

Alsoo, erstmal meine Situation im Allgemeinen Sinne, bevor ich schildere was mich "bedrückt" .Ich möchte Anonym bleiben, daher kein Name. Sagen wir einfach ich bin DieEine :)
Ich bin 18 Jahre alt, das kann ich verraten. Weiß nicht was ich noch schreiben soll, bin echt schlecht in sowas. Also ich bin 18, lebe noch zuhause bei meinen Eltern. Ich habe einen Bruder, auf den ich später nochmal zusprechen komme. Ich habe einen Freund, der 2 1/2 Wochen entfernt wohnt. Ich sehe ihn alle 2 Wochen wenn es klappt.
Wir haben schon einige Probleme hinter uns, aber auch noch vor uns. Sind jetzt fast 2 Jahre zusammen.
Nun zu dem Grund, wieso ich solche Seiten wie diese aufsuche.
Mir fällt das echt schwer, ich habe es noch nie schriftlich verfasst. Der einzige der genau bescheid weiß ist mein Freund. Meine beste Freundin weiß zwar dass mal etwas war, aber nichts genaues. Genauso noch ein Freund, aber auch er weiß nichts genaues. Das könnte ich auch glaube garnicht. es fiel mir bei beinem Freund schon schwer. Nachdem ich es ihr erzählt habe, ging unsere Freundschaft kurz danach in die Brüche. Und ja, manchmal denke ich, es lag genau daran, dass ich endlich ehrlich war.

Nun... ich komm zum Punkt.
Als ich ca 10 war (könnte durchaus früher angefangen haben, weiß es nicht genau) fing es an. Mein Bruder (ja jetzt komm ich auf ihn zurück) hat angefangen Anspielungen zu machen. Er ist übrigens 4 Jahre älter als ich. Also war er ca. 14.
Diese Anspielungen fingen in etwa so an: Er fasste mich häufig an, wenn er mal zu mir ins Bett kam oder andersrum. Nie sonderlich aufdringlich, aber ich bemerkte seine Hände die z.B. auf meinen Oberschenkeln lagen durchaus.
Eines Tages, daran erinnere ich mich recht gut, machten wir ein kleines "Spiel". Wir hatten ein Hochbett. Er oben, ich unten. Ich habe mich vor das Bett gebeugt, mit Hose unten, das Gesäß zum Bett gerichtet. Er saß oben, sah auf mich hinunter und (ja, eklig) zielte mit seiner spucke auf mein Gesäß.
So weit so gut, nichts was spätere Probleme auslösen würde..
Ab da sind meine Erinnerungen teilweise sehr verschwommen... irgendwann fing es an. Es blieb nicht mehr beim anfassen. Er ging weiter. Weiter gehts nicht. Er nahm mir sozusagen meine Unschuld und brachte mir das Thema Sex sehr nahe, zu nah für mein Alter. Ich hätte in dem Alter noch nichts davon wissen sollen. Er hat mich gefilmt, mich geschlagen, mich regelmäsig vergewaltigt. Mich erniedrigt. Ich denke es hat ihm Spaß gemacht, mich so zu sehen. Dazu hat er mir jedes mal noch gezeigt was Ablehnung bedeutet. Er hat mich benutzt, hat sich ausgetobt und dann fing er an zu sagen ich wäre selber Schuld, ich dürfte nicht jammern und ich muss es aushalten. Wenn er "kurz davor war" hat er mich immer aufs Bett geschickt und gesagt ich soll weg schauen und er hat "es" alleine beendet. Das ist eins der wenigen Bider die ich in meinem Kopf fest eingebrannt habe. Wie er in seinem Zimmer steht, seine Beine anspannt, sich die Bilder anschaut...(erst in unserem gemeinsamen Zimmer und über die Jahre hatten wir getrennte Zimmer, dann hat er mich immer Nachts geweckt und zu sich geholt).
Im Grunde war es ein Segen, dass er anfangs wollte dass ich weg sehe und weg gehe, auch wenn es mich gelehrt hat wie hart Ablehnung war. Er hat mir gezeigt dass ich nur für den "Akt" gut bin.
Dummerweise hat er später entdeckt wie viel schöner es ist, wenn "sie" runter schluckt. Müsste er wohl irgendwo gesehen haben... Ich fand es schrecklich, ich fand es eklig, ich wollte das nicht, ich wollte jedes mal würgen, k*tzen. Aber ich durfte nicht. Habe ich ekelgefühl gezeigt, bekam ich eine. Und das nicht grad leicht. Und doch jedes mal so, dass es niemand gesehen hat.
Wie bereits gesagt sind meine Erinnerungen sehr verschwommen, ich kann nicht sagen wann es anfing und wann es aufhörte. Ich weiß nur dass es über Jahre ging und dass ich mich dafür sehr schäme. Ich habe niemandem etwas gesagt. Meine Mutter hatte bereits einige Male den Verdacht (Lange nachdem es aufgehört hat), aber ich habe dennoch nichts gesagt und versucht es ins lächerliche zu ziehen. Ich weiß nicht warum. Vielleicht ist es die Angst, dass mir niemand glaubt, oder nochmal damit konfrontiert zu werden. Mein Bruder wohnt nun seit 2 Jahren woanders. Ich sehe ihn vielleicht 5-10 Mal im Jahr. Ich freue mich nie darauf aber es geht. Ich flippe nicht aus.
Klar habe ich Wut auf ihn, fühle mich unbehagen in seiner Nähe und bin froh wenn er wieder weg ist. Aber ich hab das Gefühl das ist der Preis dafür, dass ich zu feige bin, etwas zu sagen. Ich bin im Grunde selber Schuld. Ich müsste ihn nie wieder sehen, wenn ich etwas sagen würde. Aber das würde meine Familie kaputter machen als sie sowieso ist.

So. Das waren also die Ereignisse an sich..
Nun habe ich das Problem, dass mein Freund fest davon überzeugt ist, ich hätte ein Trauma. Deswegen die Gedächnislücken.
Also, ich weiß nicht ob das stimmt, aber es liegt dem allem sehr nahe.
Um es leichter zu machen zähle ich mal auf, wie mich die Ereignisse beeinflussen/einschränken:

-Ich hatte starke Berühnungsängste bis zu meinem 16./17. Lebensjahr
-Mein Freund war der erste den ich näher an mich rangelassen habe
-Ich fühle mich beim Sex nicht wohl, habe Probleme mich zu entspannen
-Ich habe Vorlieben, die wie mein Freund behauptet, von meiner Vergangenheit kommen, bin zwar anderer Meinung aber keine Ahnung..
-Ich kann meinem Freund nicht in die Augen schauen, wenn wir miteinander schlafen
-Wir haben eigentlich ein erfülltes Sexleben aber es gibt Dinge die ich nicht für ihn tun kann (Schlucken und so)
-Flashbacks
-Große Erinnerungslücke (Eigentlich der größte Teil meiner Kindheit, außer Einzelheiten)
-In der Schule, Thema Psychologie, bereits 2x kleine zusammenbrüche wo ich den Raum kurz verlassen musste, da das Thema meinem Thema zu nah kam.
-Ich bin sehr zurückgezogen in mich selbst
-Ich habe kein selbstbewusstsein
-Ich habe eine geringe Stressgrenze, ich klappe leicht zusammen
-Es quält mich dass ich zu niemandem ehrlich sein kann (auch in der hinsicht wie ich zu meinem Bruder stehe)
-Ich schlafe sehr schlecht
-Ich habe oft Albträume
-etc....

Denke das reicht.
Noch was:
Mein Freund hat mir nun vor ein paar Tagen gesagt er will nicht mit mir darüber reden. Am Anfang der Beziehung ging das noch, da habe ich ihm manches erzählt gehabt um ihm mein Verhalten zu erklären. Aber mehr will er nicht wissen. Er kann das nicht. Versteh ich auch. Dennoch brauche ich jemanden zum reden.

Nun meine Fragen.., meint ihr ich brauche eine Therapie? Was denkt ihr zu dem ganzen? Gibt es jemandem mit ähnlichen Erfahrungen, mit dem ich mich austauschen könnte? Ich weiß einfach nicht weiter...
Ich habe bereits angerufen bei einem Therapieplatz in meiner Nähe aber die haben erst im Oktober wieder etwas frei. Und ich habe keinen Führerschein, bin noch dabei, meine Möglichkeiten sind stark eingegrenzt.

Falls wirklich jemand sich die Mühe gemacht hat, bis hier unten zu lesen, danke !!

Lg,
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Re: Langsam kommt alles wieder hoch *Trigger*

Beitragvon Mäuschen » Sa. 25.03.2017, 00:58

Es tut mir leid, was dir passiert ist! Und ganz kurz, du hast mit ziemlicher Sicherheit ein Trauma und vor allen Dingen, darfst du auch ein Trauma haben und dir eingestehen, dass du eins hast! Und natürlich wäre eine Therapie gut. Denn dein Freund kann das nicht leisten.

Sorry, kann grad darüber nicht schreiben...
Mäuschen
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Re: Langsam kommt alles wieder hoch *Trigger*

Beitragvon DieEineWieKeine » Sa. 25.03.2017, 12:56

Mäuschen hat geschrieben:Es tut mir leid, was dir passiert ist! Und ganz kurz, du hast mit ziemlicher Sicherheit ein Trauma und vor allen Dingen, darfst du auch ein Trauma haben und dir eingestehen, dass du eins hast! Und natürlich wäre eine Therapie gut. Denn dein Freund kann das nicht leisten.

Sorry, kann grad darüber nicht schreiben...



Danke für deine Antwort :)
DieEineWieKeine
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Re: Langsam kommt alles wieder hoch *Trigger*

Beitragvon Wildbeere » Sa. 01.04.2017, 11:27

Hey.

Ja, das ist ein Trauma und das ist total nachvollziehbar.
Ich selbst bin Missbrauchsopfer von meinem eigenen Erzeuger und habe lange gebraucht um das zu verarbeiten. Ohne Therapie? Ich hätte es nicht geschafft.
Ich denke es ist vernünftig sich eine Therapie zu suchen und das aufzuarbeiten.

Es ist hart, wenn der Täter aus der eigenen Familie kommt und man ihn immer wieder sehen muss. Ich habe jeglichen Kontakt abgebrochen. Ich habe quasi keine leibliche Familie mehr.
Du sagst, deine Mum hat sowas sogar schon mal vermutet. Ich finde, du solltest die Karten offen legen. Erträgst du es regelmäßig den Täter zu sehen?

Die Erinnerungslücken sind absolut nachvollziehbar. Der Körper schützt dich so davor. Ich selbst habe in meiner Therapie sehr viel aufgearbeitet und irgendwann kam alles hoch. Eine Therapie ist sicher kein Zuckerschlecken, es werden durchaus unangenehme Erfahrungen wieder aufgewühlt, aber wenn man verdrängt und irgendwann kommt alles wieder hoch, ist es viel schlimmer. Wartezeiten sind sehr lang, aber damit wirst du wohl leben müssen. Kümmere dich jetzt um einen vernünftigen Therapieplatz und überleg nicht zu lange.

Ich wünsche dir alles Gute. Und wenn du Fragen hast oder was wissen willst, darfst du mir auch gerne privat schreiben.
Wildbeere
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