Frage bezüglich Täterkonfrontation

Es geht hier um die Themen sexueller Missbrauch und Nötigung bzw. Vergewaltigung sowie um körperliche wie emotionale Formen der Gewalt.

Wichtig: Die Inhalte dieses Unterforums können v.a. für Betroffene stark triggernd sein!

Frage bezüglich Täterkonfrontation

Beitragvon Sonnentau » Fr. 02.12.2016, 15:42

Hallo,
da ich mal wieder sehr viel über früher nachdenke und ich keinen Fehler machen möchte, wollte ich kurz eure Meinung hören.

Mein erster richtiger Freund übertraf alle meine bis dato durchgemachten Missbrauchserfahrungen.
Nach meiner damaligen endgültigen Trennung von ihm zog ich für knappe drei Jahre in ein anderes Bundesland.
Doch auch nach drei Jahren konnte ich nicht verstehen wieso er so zu mir war und wollte eines Abends auf einem Fest herausfinden, ob er sich verändert hätte.
Doch ein unbekanntes Mädel kam auf mich zu und warnte mich vor ihm, das er mich mit Alkohol gefügig machen wolle um dann mit mir zu schlafen.
Für mich fiel eine Welt zusammen und erlitt einen Nervenzusammenbruch. Ich zog wieder weg.
Doch in mir bleibt immer noch die Frage des Warums.
Warum er mich unbedingt seelisch immer weiter zerstören will.

Am liebsten würde ich ihm nun nach sieben Jahren einen Brief schreiben wollen um ihm meine Meinung zu schreiben und ihn zu fragen warum er mich nochmal vergewaltigen wollte.

... meine allergrößte Schwäche ist, mein Gegenüber mit seinem Handeln begreifen zu wollen...
Sonnentau
 

Re: Frage bezüglich Täterkonfrontation

Beitragvon Richi » Fr. 02.12.2016, 16:31

Hallo Sonnentau
Es ist schrecklich, was Dir wiederfahren ist. Es hört sich so an, als ob dieses Trauma noch sehr stark in Dir ist. Irgendwie mehr verdrängt als verarbeitet. Deshalb scheint es zur Zeit auch sehr gewagt, sich diesem Täter so unvorbereitet noch einmal zu stellen. Eine Konfrontation ist bestimmt keine leichte Aufgabe, da sollte man schon ziemlich stabil sein. Was erwartest Du von so einer Konfrontation? Hast Du Dir schon professionelle Hilfe geholt oder Dich beraten lassen?
Wahrscheinlich quälen Dich viele Fragen, doch glaubst Du, der Täter würde sie Dir wirklich beantworten?
Pass bitte auf Dich auf und schütze Dich. Wenn der Druck in Dir zu groß werden sollte, gibt es bestimmt einige Hilfsangebote, auf die Du zurückgreifen kannst. Eigentlich müssten solche Täter hart bestraft werden.
Wenn es Dir hilft und evtl. etwas den Druck nimmt, dann kannst Du ja für Dich diesen Brief schreiben. Du hast auch die Möglichkeit, wenn es für Dich hilfreich wäre, hier in einem nicht öffentlichen Bereich Deine Gedanken aufzuschreiben und evtl. sogar Deinen Brief zu schreiben. Vielleicht erhälst Du so auch einige hilfreiche Reaktionen aus dem Forum.
LG von Richi
Richi
 

Re: Frage bezüglich Täterkonfrontation

Beitragvon Sonnentau » Fr. 02.12.2016, 21:42

Richi hat geschrieben:Hallo Sonnentau
Es ist schrecklich, was Dir wiederfahren ist. Es hört sich so an, als ob dieses Trauma noch sehr stark in Dir ist. Irgendwie mehr verdrängt als verarbeitet. Deshalb scheint es zur Zeit auch sehr gewagt, sich diesem Täter so unvorbereitet noch einmal zu stellen. Eine Konfrontation ist bestimmt keine leichte Aufgabe, da sollte man schon ziemlich stabil sein. Was erwartest Du von so einer Konfrontation? Hast Du Dir schon professionelle Hilfe geholt oder Dich beraten lassen?
Wahrscheinlich quälen Dich viele Fragen, doch glaubst Du, der Täter würde sie Dir wirklich beantworten?
Pass bitte auf Dich auf und schütze Dich. Wenn der Druck in Dir zu groß werden sollte, gibt es bestimmt einige Hilfsangebote, auf die Du zurückgreifen kannst. Eigentlich müssten solche Täter hart bestraft werden.
Wenn es Dir hilft und evtl. etwas den Druck nimmt, dann kannst Du ja für Dich diesen Brief schreiben. Du hast auch die Möglichkeit, wenn es für Dich hilfreich wäre, hier in einem nicht öffentlichen Bereich Deine Gedanken aufzuschreiben und evtl. sogar Deinen Brief zu schreiben. Vielleicht erhälst Du so auch einige hilfreiche Reaktionen aus dem Forum.
LG von Richi


Hallo Richi,
danke für Deine Antwort.
Im Grunde habe ich die Erlebnisse gut im Griff. Das bedeutet sie bestimmen nicht mehr mein Leben. Klar gibt es noch Auswirkungen die ich in meiner Persönlichkeit nicht verändern kann trotz intensives dran arbeiten.
Ich vertraue sehr schwer Menschen und lass sie nie wirklich mehr an mich heran, weswegen ich auch keine Freunde besitze. Kommen mir irgendwelche Menschen zu nahe zieh ich mich zurück da es für mich innerlich nur Menschen gibt die mir was schlechtes wollen.

Ich werde meinen früheren Freund nicht persönlich treffen. In mir herrschen zu viele negative Gefühle für ihn.
Therapien hatte ich einige. Ich bin nun auch sehr zufrieden wie es mir geht und nun seit fast drei Jahren Depressions-frei. Auch habe ich seitdem keine Selbstmordgedanken mehr.
Das mich ab und an die Erlebnisse einholen sei nach den Therapeuten normal.
Ich denke mein damaliger Freund lässt mir innerlich deshalb keine Ruhe, weil ich nach meinem Nervenzusammenbruch zur Polizei ging. Ich wollte das sie mir helfen und mir sagen sollen wie ich mich verhalten soll.
Die Polizistin hörte sich meine komplette Geschichte an und sagte, dass wenn er jemand anderem das selbe antuen wird, was er bestimmt auch tuen wird so wie er sich bisher verhielt dann bekommen sie ihn.
Ich glaube du kannst mich verstehen wie schwer diese Aussage zu verkraften ist.
Seitdem versuche ich innerlich immer zu Hoffen das er Reue zeigt, das er niemandem anderen das antut was er mir antat.

Liebe Grüße

Sonnentau
Sonnentau
 

Re: Frage bezüglich Täterkonfrontation

Beitragvon Richi » Sa. 03.12.2016, 05:38

Hallo Sonnentau
Es ist erfreulich, von Dir zu hören, dass Du die schrecklichen Erlebnisse gut im Griff hast und für Dich einen Weg gefunden hast, sie auch mit professioneller Hilfe aufzuarbeiten.
Es ist bestinnt sehr anstrengend selber eine Aussage zu machen, doch zu hören, dass sie ihn erst drankriegen, wenn er wieder jemanden missbraucht, ist ganz schön heftig. Die andere Person muß ja auch erst einmal den Mut aufbringen und ihn anzeigen. Solche Personen dürften eigentlich nicht frei herumlaufen und für weitere Opfer verantwortlich sein.
Ich glaube, dass es mit einer wirklich ernstgemeinten Reue so eine Sache ist, doch ich wünsche Dir, dass Du diese von ihm gezeigte Reue bekommen wirst, damit Du das Erlebte ein weiteres Stück abschlioeßen kannst.
Liebe Grüße von Richi
Richi
 

Re: Frage bezüglich Täterkonfrontation

Beitragvon Sonnentau » Fr. 16.12.2016, 15:00

Richi hat geschrieben:Hallo Sonnentau
Es ist erfreulich, von Dir zu hören, dass Du die schrecklichen Erlebnisse gut im Griff hast und für Dich einen Weg gefunden hast, sie auch mit professioneller Hilfe aufzuarbeiten.
Es ist bestinnt sehr anstrengend selber eine Aussage zu machen, doch zu hören, dass sie ihn erst drankriegen, wenn er wieder jemanden missbraucht, ist ganz schön heftig. Die andere Person muß ja auch erst einmal den Mut aufbringen und ihn anzeigen. Solche Personen dürften eigentlich nicht frei herumlaufen und für weitere Opfer verantwortlich sein.
Ich glaube, dass es mit einer wirklich ernstgemeinten Reue so eine Sache ist, doch ich wünsche Dir, dass Du diese von ihm gezeigte Reue bekommen wirst, damit Du das Erlebte ein weiteres Stück abschlioeßen kannst.
Liebe Grüße von Richi



Ich habe lange überlegt, was ich tuen soll.
Ich werde von ihm keine Reue bekommen, da er das ganze nie als falsch ansah. Als ich mit dem Kerl noch eine Beziehung hatte, zeigte er nach drei Monaten sein wahres Ich. Ich sagte ihm damals nur das mein Onkel sich an mir verging. Er wollte Details haben, die ich ihm aber nicht sagte, also versuchte er mit Gewalt diese Informationen zu bekommen. Doch ich konnte es ihm nicht sagen. Er verging sich an mir und war stolz auf sein Tun. Er war der Meinung das ich diese Prozedur immer und immer wieder durchmachen muss damit ich über alle Erlebnisse hinweg kommen würde. Seine Meinung unterlegte er, weil sein Onkel ihm als Teenager zeigte wie man sich einen runter holt, was er im nachhinein nicht als schlimm empfand, also kann es für mich auch nicht schlimm sein wenn er etwas gegen meinen Willen tut.
Mein größter Fehler war, dass ich der Meinung war man kann einen Menschen in seiner Denkweise ändern.
Nach zwei und halb Jahren schaffte ich den Sprung von ihm weg zu kommen. Doch noch immer hoffe ich auf eine Veränderung seiner Denkweise. :-|
Sonnentau
 

Re: Frage bezüglich Täterkonfrontation

Beitragvon Richi » Fr. 16.12.2016, 16:53

Hallo Sonnentau
Gut, dass Du von ihm weg bist!
Es ist schrecklich, dass Du so etwas erleben mußtest.
Ich hoffe, dass es Dir dennoch möglich ist bzw. möglich sein wird, ein angenehmes Leben zu führen, ohne ständig die schrecklichen Erinnerungen vor Augen zu haben.
LG von Richi
Richi
 


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