Ständige Konfrontation mit dem Thema?

Es geht hier um die Themen sexueller Missbrauch und Nötigung bzw. Vergewaltigung sowie um körperliche wie emotionale Formen der Gewalt.

Wichtig: Die Inhalte dieses Unterforums können v.a. für Betroffene stark triggernd sein!

Ständige Konfrontation mit dem Thema?

Beitragvon Alpinchen » Do. 18.02.2016, 21:14

Ich hoffe hier etwas Ordnung in meine Gedanken zu bekommen und neue Denkansätze.

Seit einiger zeit reizt mich Krav Maga (israelischer Nahkampf) leider kommen dabei ständig Situationen die in mir "Flashbacks" auslösen.

Ich bin negativ vorbelastet und habe schlechte Erfahrungen gemacht.

Während dem Training gibt es sehr oft Situationen, wo ich völlig austicke und mich nur schwer beruhigen kann.

Aber mir geht es dann auch wieder besser und ich fühle, das ich es aufarbeite und anders mit umgehe gedanklich.

Leider ist das aber alles etwas schwer, die Trainer kennen sich nur bedingt mit "psychosen" aus und wissen emist selbst nicht wie sie mit umgehen sollen.

Auf der einen Seite macht es mir jedes mal schrechliche Angst dahin zu gehen aber auf der anderen Seite mag ich das Training, die Leute und brauch es auch.ich war zuvor total eingeschüchtert und ängstlich inzwischen hat sich durch die permanente Konfrontation mit dem Thema Gewalt, Missbrauch ect. viel verändert in mir.

Ich weiß nicht ob es mir gut tut oder noch mehr Schaden in mir anrichtet.Ich weiß diese Sache kann mir niemand beantworten.Aber vielleicht einfach mal neue Denkansätze.


Vielen lieben Dank.
Alpinchen
Neues Mitglied
 
Beiträge: 9
Registriert: Di. 23.06.2015, 00:00

Re: Ständige Konfrontation mit dem Thema?

Beitragvon Kitty » Fr. 19.02.2016, 14:37

Hey :)

Wirklich helfen kann ich dir warscheinlich nicht, aber vielleicht hilft es dir ja, wenn du auch meine Meinung dazu liest :)

Also wenn man jetzt mal beiseite schiebt, dass du während des Trainings öfter mal austickst wegen bestimmten Situationen hört es sich erstmal so an, als würde dir das Training Spaß machen und vor allem scheint es sich auf positiv auf dein Selbstbewusstsein auszuwirken.
Was ja erstmal wirklich sehr positiv ist.

Was also deine Austicker angeht, darf ich fragen wie die sich äußern?
Wirst du einfach nur laut und schreist unkontrolliert oder richtest du etwas gegen dich selbst oder andere?
Entschuldige, wenn ich so gezielt frage, aber allein das Wort "austicken" ist so ein großer Begriff und äußert sich immer anders.

Machst du eine Therapie oder irgendwas?
Denn ich glaube, dass schlimme Erlebnisse immer irgendwo in deinem Unterbewusstsein sind und irgendwann kommen sie halt stärker durch.
So wie bei dir und dem Training, du erlebst eine Situation die dich daran erinnern lässt was passiert ist und du verlierst die Kontrolle.
Du tust zwar etwas um dich selbst zu stärken, aber ich glaube mit einer Therapie könnte man dem ganzen besser auf den Grund gehen.

Liebe Grüße :)
Benutzeravatar
Kitty
Neues Mitglied
 
Beiträge: 8
Registriert: Mi. 17.02.2016, 10:33

Re: Ständige Konfrontation mit dem Thema?

Beitragvon Morgan » Fr. 19.02.2016, 23:29

Hallo Alpinchen,

danke für Dein Vertrauen und Deine ehrliche Offenheit.
Ich stimme Kitty zu. Vielleicht eine Kombination aus Therapie und Kampftechnik.
Vielleicht lautet die Frage nicht: Nahkampf oder nicht.
Vielleicht lautet die Frage: Was brauche ich noch, neben dem Nahkampf.
Und ich finde es super, daß Du angefangen hast, Dich zu verteidigen und selbstbewußter zu sein.

HG Morgan
Morgan
 

Re: Ständige Konfrontation mit dem Thema?

Beitragvon Alpinchen » Sa. 20.02.2016, 00:08

Danke für eure Antworten.

Ich habe im August 2015 eine 2 jährige Therapie abgeschlossen also ich glaube der Therapeut wollte auch nicht mehr weil er mir auch keine weiteren Sitzungen angeboten hat. Aber ich wollte auch selbst wissen wie es ist "alleine" klar zu kommen.

Im Übergang war oder bin ich noch in psychiatrischer Betreuung mit medikamentöser Unterstützung und werde wohl ab Mai wieder bei einem anderen Therapeuten nochmal etwas an mir und an der tiefe der Probleme arbeiten.

Schwer es selbst einzugestehen aber alleine geht das alles noch nicht.

Also meistens löse ich mich dann von allem renn weg und weine... und will dann auch nur meine ruhe und nicht das mich jemand anspricht...

Was natürlich für die andern alle irgendwie komisch und unverständlich ist, das ich so reagiere, aber ich kann ja nicht jedem meine Lebensgeschichte erzählen.

:(


Beste Grüße,

Alpi
Alpinchen
Neues Mitglied
 
Beiträge: 9
Registriert: Di. 23.06.2015, 00:00

Re: Ständige Konfrontation mit dem Thema?

Beitragvon Morgan » Sa. 20.02.2016, 00:42

Hallo Alpinchen,

wie gut, daß Du Dir selbst eingestehen kannst, daß Du es noch nicht alleine schaffst und Dir Hilfe holst.

Und warum kannst Du ihnen nicht Deine Problem erzählen, nicht Deine ganze Lebensgeschichte? Ein Satz würde genügen und sie könnten es irgendwie einordnen.
Doch ich bin nicht Du, deshalb kann ich Dir nur sagen, was ich machen würde, dies muß nicht Dein Weg sein.
Ich würde sagen: Also, sicherlich habt ihr alle schon mal mitbekommen, daß es Situationen gibt, in denen ich einfach wegrenne und weine und auch mit keinem reden will, um es Euch zu erklären, ich bin als Kind mißbraucht worden, ich bin dabei dies zu verarbeiten und manchesmal kommt einfach etwas hoch. Doch es macht mir Spaß bei Euch und ich will auch nicht, daß ihr mich nun mit Samthandschuhen anfaßt, denn ich bin hier um zu üben und zu trainieren und deshalb brauche ich Eure Echtheit und nicht Eure Rücksichtnahme.

So oder so ähnlich würde ich es ihnen sagen. Doch nochmal, heute würde ich dies so tun, ob ich es nach ca. 10 Jahren nach dem Mißbrauch so gemacht hätte, als ich noch jung war, keine Ahnung, vermutlich nicht.
Ich bin davon überzeugt, Du findest Deine Lösung. Vielleicht besprichst Du es auch nur mit dem Trainer oder einem, dem Du am meisten vertraust. Wenn es auch nur einer weiß, dann kann der eine Pufferzone sein und z.B. den Anderen sagen: Laßt sie, sie hat ihre Gründe und die aktzeptieren wir einfach.

HG Morgan
Morgan
 

Re: Ständige Konfrontation mit dem Thema?

Beitragvon Kitty » Sa. 20.02.2016, 12:03

Hallo :)

Wie Morgan auch schon sagte, es ist gut und vor allem auch wichtig, dass du dir selbst eingestehst es ohne fremde Hilfe noch nicht zu schaffen.
Allein dieser Weg und dieses Eingeständnis ist für ziemlich viele sehr schwer.

Ich würde an deiner Stelle auch überlegen, ob du nicht vielleicht einfach nur mit deinem Trainer darüber redest.
Du musst es ja nicht an die große Glocke hängen, um Gottes Willen.
Aber vielleicht hilft es nicht nur dir, sondern auch ihm zu verstehen wieso du manchmal so reagierst.

Ich weiß, dass es immer schwer ist mit jemand anderem über so ein intimes Thema zu sprechen, dass kostet verdammt viel Überwindung, aber vielleicht ist es die Lösung dafür :)
Benutzeravatar
Kitty
Neues Mitglied
 
Beiträge: 8
Registriert: Mi. 17.02.2016, 10:33

Re: Ständige Konfrontation mit dem Thema?

Beitragvon Stephan44Sportfan » Mi. 27.07.2016, 00:34

Die ständige Konfrontation macht mich fertig.
Siehe die aktuelle Zeit. Kann nicht schlafen.muss 3 Uhr raus . Und bis 21 Uhr arbeiten.
Jeder reisst bewußt oder unbewußt immer wieder Wunden auf. Sie tuen immer noch weh, die Übelkeit, Gerüche und so sind immer aktuell als wenn es erst gerade passiert ist .
Benutzeravatar
Stephan44Sportfan
Mitglied
 
Beiträge: 28
Registriert: Fr. 01.07.2016, 17:45
Wohnort: Berlin

Re: Ständige Konfrontation mit dem Thema?

Beitragvon Amylee » Do. 28.07.2016, 20:12

Mich wirft auch jede Konfrontaton aus den gleichgewicht ....und ich kann dich beruigen ...ohne Hilfe geht es bei mir auch nicht.....ich mache auch schon lange Therapie und nehme Medikamente...ohne das funktioniert es bei mir nicht.....ich musste aber auch lernen das man bei flashbacks lernen mus sich aus dieser Situation wieder raus zu hohlen....in der Arbeitstherapie hat man mir gesagt und gezeigt das es Skills gibt um es anzuwenden um wieder aus so eine Situation rauszukommen....es gibt auch skilllisten im internet ...da werden verschieden Sachen aufgezählt die man machen kann, was jetzt aber tatsächlich bei einem selber hilft muss mann anhand z.B. der Skillliste herrausfinden.....und das braucht auch Zeit....also nicht verzweifeln wenn mal etwas nicht gleich hilft.....ich helfe mir ständig mit solchen skills...und manchmal sind es mehrere verschiedene Dinge Gleichzeitig bzw. hintereinander......aber manchmal versuch ich auch die konfrontation zu vermeiden z.B wenn ich weiß das mich der Fernsehr immer wieder Triggert oder deren Inhalte dann schau ich mir das nicht an.....und mache etwa anderes wo ich positive gefühle mit verbinde.....ich weiss jetzt auch nicht mehr wie ich noch weiter helfen kann.....ist für mich auch kein leichtes Thema......mit Freundlichen Grüßen Amylee
Amylee
Vielschreiber
 
Beiträge: 184
Registriert: Mi. 22.06.2016, 13:19

Re: Ständige Konfrontation mit dem Thema?

Beitragvon Stephan44Sportfan » So. 28.08.2016, 22:17

Wie schnell und intensiv das geht,

Am 10.9 gibt es im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau, ein Treffen ehemaliger Heimkinder der ehemaligen DDR .

Schwerpunkt des Treffens ist der zum Teil organisieren sexuellen Missbrauch.

Habe als ehemaliger Insasse eine Einladung erhalten.

Ich gebe also in Torgau unweit der Mauern in den Jugendlichen die nicht in das Bild der DDR passen,gequält,misshandelt wurden Auskunft darüber wie ich in den 8 jahren missbraucht wurde.

Das haben wir vor 16 Jahren zum Thema gemacht. Jetzt steht es auf dem Programm.

Ich habe derzeit massive Panik und merkwürdiger weise Angst davor.

Alleine der Ort, die Bewohner des Ortes, die Luft, das Thema.

5 Tage vorher bin ich mehrere Tage im Schlaflabor in einem Berliner Krankenhaus, mit der Einweisung schwere PTBS, mit massiven Schlafstörungen.

Nach dem Stand jetzt habe ich keine Begleitung nach Torgau. Habe Angst Bekannte zu fragen.
Das Thema verletzt mich massiv, ich muss Bilder rausholen und soll danach an einer Gulaschkanone was essen.

Stephan+
Benutzeravatar
Stephan44Sportfan
Mitglied
 
Beiträge: 28
Registriert: Fr. 01.07.2016, 17:45
Wohnort: Berlin

Re: Ständige Konfrontation mit dem Thema?

Beitragvon phine » Mi. 10.05.2017, 16:24

Halo Stephan,

auch ich hatte das mit dem Krav Maga unbedingt machen wollen. Bin aber nicht auf eine so postive Reaktion gestossen nach dem ich dort hyperventiliert habe. ich würde das gerne weiter in Angriff nehmen und einen Lehrer suchen für eine Gruppe die mit Traumatas umgehen kann und einen dann nicht noch veruschert "durch Sprüche wie,, sind sie sicher dass Sie das machen wollen? Wir wollen ja auch keine Karteileichen. Danach fühlte ich mich nicht mehr so willkommen und habe Angs, hinzugehen.Kommst du auch aus Berlin?

Leider hab ich eine solche Gruppe noch nicht gefunden? Hast du Lust mit mir und evtl. anderen da was auf die Beinde zustellen?

Und wir ist es dir ergangen bei der KOnfrontraation vor Ort? Vielleicht kann man scih ja gegenseitig unterstüzen mächste Mal? Ich suche nach einer Art Selbsthifegrppe, die sich selbst Hilfft und Angebote kreiiert die Sie braucht. Ich hab dazu noch nichts gefunden. Hast d u Lust auf einen ersten Efrahrungs und IdeenAustausch?

Lieben Gruß! Phine
Benutzeravatar
phine
Mitglied
 
Beiträge: 65
Registriert: Mi. 23.11.2016, 14:42


Zurück zu Sexueller Missbrauch und Gewalt

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast