Diagnose - und nun?

Habt Ihr Erfahrungen mit oder Fragen zu der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)? Dann könnt Ihr Euch hier in diesem Unterforum als Angehöriger, Betroffener oder Interessierter über Borderline (bzw. emotional-instabile Persönlichkeitsstörung) austauschen.

Diagnose - und nun?

Beitragvon Anna » Mi. 31.07.2013, 15:53

Hallo Leute,

ich dachte mir, ich wende mich einfach mal an euch.

Nach jahrelangem "Tut uns Leid, wir können auch nur Vermutungen anstellen" habe ich nun den Psychiater gewechselt. In der Therapie wurde mir angeraten, mich auf Borderline untersuchen zu lassen und das tat ich dann auch.

Nach etlichen Tests und Gesprächen habe ich nun auch die Diagnose gestellt bekommen. Einerseits bin ich fast ein wenig glücklich damit, weil es einfach alles passt und ich nicht mehr in der Luft hänge. Bekomme seitdem auch Medikamente gegen die "Ausbrüche".

Aber andererseits bin ich einfach total verwirrt... Borderliner werden im Internet auf so vielen Seiten als egoistisch und nur auf sich selbst bedacht beschrieben.. Klammernd...

Das ist doch alles das, was ich niemals sein wollte und auch immer versuche zu verhindern. Ich habe seit der Diagnose das Gefühl, dass meine Mitmenschen, die davon wissen, mich total schräg anschauen und sogar Abstand von mir nehmen.

Aber bin ich nicht der gleiche Mensch, wie vorher auch?

War das bei euch genauso? Wie geht ihr damit um?

Anna
Anna
 

Re: Diagnose - und nun?

Beitragvon GLaDOS » Mi. 31.07.2013, 18:17

Hallo Anna :)

Es ist nur eine Diagnose, lass dich davon nicht zu sehr verunsichern. Du bist noch die selbe wie davor. Ob nun egoistisch (was jeder ist, und im gesunden Maß sein sollte), klammernd, oder weiß der Kuckuck was noch für Adjektive bei den Symptomen stehen. Versuch das zu vergessen, und achte auf dich, und woran du arbeiten willst.

Die Menschen die dir wichtig sind werden auch weiter zu dir halten. Du kannst sie aber auch aufklären, und ihnen versichern das du kein Außerirdischer deswegen bist. In der heutigen Zeit wo vieles eigentlich recht gut behandelbar ist, sollte man dem aufgeschlossener gegenüberstehen, und nicht gleich verurteilen, aber ich kann auch verstehen wenn, manche zu Anfang etwas überfordert sind.

Lieben Gruß...
GLaDOS
 

Re: Diagnose - und nun?

Beitragvon Atisha » Mi. 31.07.2013, 19:03

Ich habe Schizophrenie, als ich meine Diagnose bekahm mit 33 Jahren, das hatte ich endlich einen Namen für das was mich schon ewig gefangen hielt. Probleme mit meinem Umfeld hatte ich deswegen keine. Aber ich konnte mich endlich erklären und hatte nicht immer das Gefühl, das ich blos merkwürdig und krank bin oder gar ein Schwächling der nur nicht durchalten kann ... Ob die Diagnose letztlich so nun alles beinhaltet bzw. zutrifft ist mir dabei eigentlich egal. Ich habe auch einen Kumpel der hat die gleiche Erkrankung und irgendwie ist er wie ein Spiegel in dem ich lesen kann, was krankheitsbedingt ist, das nimmt mir auch viel Unklarheit und herumsuchen nach Ursachen, die es dann gar nicht gibt. Auch vor den Sozialleistungsträgern hat man endlich was in der Hand und zählt nicht mehr zu den Normalen. Das sehe ich auch als Vorteil.

Leichter wird mein Leben dadurch aber insgesamt auch nicht. Wie GLaDOS schon sagte (leider auch sagte), die Menschen denken und so stehts auch überall, ach das ist ja gut mit Medikamenten behandelbar, dem gehts gar nicht so schlimm. Dabei gehts mir ständig elend und mißerabel. Nur ohne Medis natürlich da gänge es mir noch viel elender. So bin ich wenigstens lebensfähig, auch wenn nicht arbeitsfähig ...

Ach so mit meiner Alkoholsucht habe ich gleiche gute Erfahrungen gemacht. Endlich kann ich frei darüber reden. Das hilft schon viel.
Atisha
 

Re: Diagnose - und nun?

Beitragvon Anna » Do. 01.08.2013, 22:11

Danke für eure Antworten. Ich glaube, die "Krankheitseinsicht" ist wohl erstmal das Schwierigste..

Und im Prinzip passt ja alles...... ich muss nur diese Verwirrung loswerden. Momentan macht mich das alles so sehr fertig. Ich glaube, ich brauche da noch ein wenig für.

@Atisha: Wie war das für dich damals?

Oh ja.. Medikamente drehen nicht alles um 180°. Das verstehen die meisten nur leider nicht...

Anna
Anna
 

Re: Diagnose - und nun?

Beitragvon Walk-the-line » So. 04.08.2013, 08:34

Hallo Anna,
Ich hab mit 15 in etwa gewusst was mit mir los ist, und mit 24 innerhalb einer stationären Therapie die Bestätigung bekommen. Das beeindruckenste war, das andere BLer mich dort nach wenigen Tagen als Betroffenen infiziert haben ohne das ich davon was gesagt habe oder so. Und wenn man im realen Leben erstmal einige andere BLer kennen gelernt hat, ist es auch nicht mehr so das man sagen muss "warum habsch diesen Mist".

Und die Diagnose BL, ist auch nicht wie die Diagnose das dir ein Bein fehlt. Das wäre eindeutig und du könntest es selber sehen. BL ist für mich eher wie ein Brei aus vielen verschiedenen Ursachen, Synthomen und Interpretations-Möglichkeiten. Wenn du ausreichend Zutaten aus dem Brei hast, dann bekommst du auch die Diagnose. Von daher ist diese Unklarheit/Verwirrtheit völlig normal.

Ob du dem Kind einen Namen wie BL gibst oder nicht ist egal. Wichtiger ist zu dem Punkt zu kommen, zu merken das Das eigene Verhalten nicht immer gut für sich selbst und andere ist und das man daran selber arbeiten will. Das ist der erste wichtige Schritt. Der zweite Schritt, der viel viel mehr Kraft kostet, ist es auch wirklich zu tun.

Du bist wer du bist, mit allen Ecken und Kanten. Die einen werden dich dafür lieben und schätzen, andere dich dafür zurückweisen. Egoisten sind wir alle, das ist ein Teil der Fähigkeit als Mensch mehr zu Denken als nur "Essen, Schlafen, Vermehren". :P Die einen helfen anderen "selbstlos" weil Sie sich +Punkte bei ihrem Gott erhoffen. Die anderen sind "selbstlos" weil Sie Ihr Gewissen beruhigen wollen. Wieder andere sind "selbstlos" weil Sie bestimmte gesellschaftlich akzeptierte Rollenbilder erfüllen wollen.
Frag dich lieber wie du wirklich als Mensch bist und ob das nach deinem Maßstab schlimm ist. Finde über die Menschen die dich kennen heraus was Sie an dir schätzen, was deine Stärken sind. Lerne dies so anzunehmen, damit du sagen kannst "Ja ich habe meine Schwächen, wie JEDER andere Mensch auch, aber auch meine Stärken." :D

Dazu wünsche ich dir die Kraft, den Mut und die Einsicht.


Ach und die Menschen die sich tatsächlich von dir abwenden, seit dem Sie deine Diagnose kennen, sind nicht die Die es Wert wären ihnen hinterher zu trauern. Echte Freunde gehen durch Dick und Dünn. Wenn man sich als Aussenstehender schon abwendet dann sollte das schon mit einem konkretem Fehlverhalten einher gehen, und nicht allein auf Grund einer Diagnose.
Walk-the-line
 

Re: Diagnose - und nun?

Beitragvon Waldbeere » Fr. 04.07.2014, 01:02

Du bist und bleibst doch der selbe Mensch wie vorher. Und nicht alle Borderliner sind gleich - sind ja auch alle unterschiedliche Persönlichkeiten. Was ist schon eine Diagnose... es ändert nichts an dir. Einzig sinnvoll an der Diagnose ist:
1. Du hast einen Namen für deine Beschwerden
2. Die Ärzte wissen in welche Richtung der Behandlung sie gehen müssen

Eine Diagnose ist nicht mehr und nicht weniger als das
Krebs ist auch nicht bei jedem Menschen gleich.

In der Klinik haben sich damals oft die "stabileren" Bordis mit den sehr labilen Bordis verglichen (war auf der KiJu) und dann an ihrer Diagnose bezweifelt, weil Person A ja viel "schlimmer" ist als Person B. ;)
Fand ich damals schon beknackt. Aber ich hatte auch besseres zu tun, als mich mit anderen dort zu vergleichen.


Borderline gehört nun eben zu mir - wer damit nicht um kann, kann leider (zum Glück!) nicht zu mir und meinem Leben gehören.
Waldbeere
 


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