Diagnose Borderline und Anpassungsstörung

Habt Ihr Erfahrungen mit oder Fragen zu der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)? Dann könnt Ihr Euch hier in diesem Unterforum als Angehöriger, Betroffener oder Interessierter über Borderline (bzw. emotional-instabile Persönlichkeitsstörung) austauschen.

Diagnose Borderline und Anpassungsstörung

Beitragvon Ephedra89 » Di. 06.09.2016, 19:04

Hallo ihr Lieben,

ich habe heute die Diagnose Borderline Persönlichkeitsstörung (war mir aber schon davor bewusst dass ich wohl dazu tendiere) und eine Anpassungsstörung

Hat jemand von euch eventuell auch beide Diagnosen mal im Laufe seines Leben bekommen?

Würde mich über Antworten freuen :)
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Re: Diagnose Borderline und Anpassungsstörung

Beitragvon Ruby » Sa. 24.09.2016, 12:59

Hallo Ephedra,
beide Diagnosen habe ich nicht. Nur Borderline, zusammen mit anderen Diagnosen. Eine Anpassungsstörung habe ich vielleicht dennoch irgendwie, zumal das mitunter auch einer der Gründe für meinen kompletten sozialen Rückzug sein kann. So kann ich nirgendwo mehr anecken und muss mich auch nirgendwo mehr anpassen. Ist aber natürlich die komplett falsche Strategie.

Wie geht es Dir denn nun mit diesen Diagnosen? Es ermöglicht Dir ja nun, gezielt dagegen anzugehen. Für Borderliner gibts ja mittlerweile schon recht gute Angebote.

Ganz lieben Gruß
Ruby
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Re: Diagnose Borderline und Anpassungsstörung

Beitragvon Ephedra89 » Do. 10.11.2016, 15:58

Hallo Ruby,

entschuldige, dass ich mich jetzt erst melde. Es war alles mal wieder (wie immer bei mir) sehr chaotisch.

Ich bin auf der einen Seite erleichert über die Diagnose und weiß jetzt endlich warum ich mir in vielen Dingen immer so wahnsinnig schwer getan habe oder immer noch schwer tue oder warum der bisherige Verlauf meines Lebens einer Achterbahn glich und ich mich immer wunderte warum das nur bei mir so ist und andere anscheinend ein "verhältnismäßig" ruhigeres Leben führen / führten.

Auf der anderen Seite ist das ganze einfach nur sehr harte Arbeit, die Therapie ist anstrengend, wollte schon mehrmals abbrechen, manche Dinge scheinen für mich unerreichbar, die für viele ganz normal oder alltäglich sind. Da wären noch die Medikamente zwar nehme ich eine nicht so hohe Dosis im Vergleich zu anderen hier und ich bin froh, dass die Medikamente mir ein einigermaßen stärkeres Nervenkostüm geben und meine Stimmungen nicht so schnell ausschlagen aber die Nebenwirkungen nerven.... nimmt man sie zu spät ist man den nächsten Tag k.o. , Alkohol geht auch nur in Maßen und ich merke, dass mein Immunsystem seitdem angeschlagen ist (Blasenentzündung, Erkältung etc. hatte davor das letzte mal vor 4 Jahren eine Blasenentzündung und krank bin ich fast nie). Aber es gibt ja immer zwei Seiten der Medaille und das nehme ich in Kauf solange bis ich irgendwann die Tabletten absetzen kann.

Liebe Grüße
Jasmin
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Re: Diagnose Borderline und Anpassungsstörung

Beitragvon Ruby » Do. 10.11.2016, 17:48

Hallo Ephedra89,

dass mit dem chaotisch kenne ich gut von mir.

Ja, Du hast wirklich recht. Therapie kann anstrengend sein. Es steckt viel Arbeit an sich selbst dahinter. Manches schlaucht dann ganz schön. Machst Du eine Verhaltenstherapie?

Auch ich empfinde ähnlich wie Du bezüglich der Medikamente. Ich fühle mich damit einiges stabiler, auch in Bezug zu meinen Gefühlsschwankungen. Irgendwie nimmt es aber auch die Spitzen sämtlicher Gefühle. Manchmal habe ich das Gefühl, es stumpf ein bisschen ab oder nimmt mir meine Authentizität. Ich bin zwar damit viel ruhiger, verträglicher, geduldiger und unkomplizierter, auch in Bezug auf mein Umfeld. Aber bin ich damit wirklich noch ich selbst? Das frage ich mich hin und wieder. Hin und wieder frage ich mich auch, was wohl passieren würde, wenn ich auf die Medis verzichte. Fängt dann alles wieder genau gleich an? Darauf hätte ich keinen Bock. Und so nehme ich sie nun einfach mal weiter. Im Grunde genommen ist das Leben dadurch ja auch wieder ein bisschen erträglicher geworden. Irgendwann will ich aber auch wieder frei von diesen Medikamenten leben. Das ist ein Schritt, den ich rigendwann bei Therapie angehen will. Jetzt ist das aber noch zu früh.

Hast Du schon mal eine stationäre Borderline Therapie gemacht, Ephedra89?
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Re: Diagnose Borderline und Anpassungsstörung

Beitragvon Ephedra89 » Do. 10.11.2016, 18:08

Hallo Ruby,

mein Psychater / Therapheut ist Tiefenpsychologie aber er lässt alles miteinfließen in unsere Therapie, er meinte zu mir auch letztens das er aus der DBT auch vieles miteinfließen lassen würde.

Wie hoch ist denn deine Dosis von Seroquel derzeit wenn ich fragen darf?

Ja, das kenne ich also bei Filmen merke ich das besonders...mich langweilen Filme schnell oder es nimmt mich nicht so mit auch wenn es sehr bewegend ist, ohne Medikamente ist es so als ob ich selbst die Hauptrolle im Film spielen würde :mrgreen: kann mich dann wirklich sehr gut reinversetzen / reinsteigern

Genau das Gleiche wie dich frage ich mich auch, wie wäre es jetzt ohne Medikamente? Ich weiß nur dass es davor unschön war...

Wielange nimmst du sie denn schon?

Nein leider habe ich noch keine stationäre Borderline-Therapie gemacht, da ich aber ab Dezember meinen neuen Job beginne....muss das leider noch ein wenig warten :( das ärgerliche ist, ich habe mich auf die Warteliste für die Tagesklinik setzen lassen (ist aber nicht speziell für Borderliner) und genau heute, wo feststeht, dass ich mit dem Job anfangen werde hätten sie einen Platz freigehabt...aber so ist das leider

es kommt immer alles zusammen, das muss jetzt leider warten
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Re: Diagnose Borderline und Anpassungsstörung

Beitragvon Ruby » Do. 10.11.2016, 18:40

Ephedra89 hat geschrieben:Wie hoch ist denn deine Dosis von Seroquel derzeit wenn ich fragen darf?

300mg morgens, 300mg nachmittags, 300mg zur Nacht. Dazu noch 300mg, die ich bei Bedarf nehmen darf. Auf so hohen Dosen wollte ich nie landen. Das hat sich dummerweise so ergeben. Zum einen um Flashbacks zu minimieren und meine alltäglichen Alpträume auszuknocken. Aber auch um so noch mehr Spannungen in mir abzubauen.
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Re: Diagnose Borderline und Anpassungsstörung

Beitragvon Ephedra89 » Do. 10.11.2016, 18:42

Das mit den Flashbacks kann ich sehr gut anvollziehen...

Ich versuche mir gerade verzweifelt irgendwelche Tricks anzueignen um Spannungszustände abzubauen...aber habe leider nicht wirklich was gefunden außer das Zeichnen manchmal

Hat es bei der mit irgendwelchen Tricks nicht so geklappt? Hat dir irgendwas davon geholfen?
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Re: Diagnose Borderline und Anpassungsstörung

Beitragvon Ruby » Do. 10.11.2016, 19:29

Hallo Ephedra89

Machst Du jeweils eine Spannungskurve? In Therapie habe ich gelernt, meine Spannungszustände besser einzuschätzen und auf einem Diagram, das von 0 bis 100 geht, jeweils zeitgenau einzutragen. Die Spannung im Bereich bis um die 30 liegt dabei in einem niedrigen Spannungsbereich, den wir gut aushalten können. Lässt sich zum Beispiel über einfache Achtsamkeitsübungen ziemlich gut auflösen. Im niederen Bereich helfen ganz allgemein Skills zur inneren Achtsamkeit, Skills für Zwischenmenschliche Fertigkeiten und Skils im Umgang mit Gefühlen. Das klappt ganz gut Mal was schönes Kochen, was schönes unternehmen, jemanden Besuchen oder jemanden Helfen, Ein bisschen Meditieren. Es gibt dazu unzählige schöne Skills

Dann gibt es den mittleren Bereich der zwischen 30 und 70 liegt. Hier werden Skills für die zwischenmenschlichen Fertigkeiten, im Umgang mit Gefühlen, dem Selbstwert und der äußeren Achtsamkeit angewandt.Das eigentliche Frühwarnzeichen sind Merkmale, die wir bereits im Bereich der besagten Spannung von 30-70% spüren. Damit lässt sich noch recht gut arbeiten und mit Skills entgegen steuern. Liegt die Spannung aber irgendwann über 70%, wird es immer schwieriger, dieser Hochspannung überhaupt noch entfliehen geschweige denn abbauen zu können.

Im Hochspannungsbereich, der von 70 bis 100 geht, werden dann ausschließlich Skills zur äußeren Achtsamkeit und Stresstoleranzskills angewandt! Vielleicht eine scharfe Chilischote, Amoniak-Riech-Fläschchen, extrem scharfes Tigerbalsam, extra scharfe Chilibonbons, Eispad, Gummibänder Flitschen lassen oder sich mit Wäscheklammern klammern. Oft hilft das in diesem Bereich dennoch bei solcher Anpsannung nicht mehr richtig. Viele Tricks und Skills greifen dann einfach nicht mehr gescheit. Oftmals hilft dann nur noch ein Bedarfmedikament, um wieder ein bisschen runter zu kommen.
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Re: Diagnose Borderline und Anpassungsstörung

Beitragvon Ephedra89 » Do. 10.11.2016, 20:26

Ja genau... erstelle seit zwei Wochen so ein Stressprotokoll....

genauso wie du es beschrieben hast, ich versuche auch alles mögliche durch...aber wie du schon sagst wenn man aufwärts die 70% kommt hilft bei mir nichts mehr.... und das nervt mich ...

werde heute wohl einfach die tablettendosis notfallmäßig erhöhen
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