Angstzustände

Es geht hier um Angst- und Panikstörungen, Phobien (auch soziale Phobie) und Ängste im Allgemeinen.

Angstzustände

Beitragvon Kati_4 » Mo. 17.07.2017, 22:55

Hallo!

Mein Name ist Kati, ich bin 21 Jahre alt und studiere.

Als Sommerjob arbeite ich ein Monat lang in einem Sommercamp in der Schweiz. Meine Aufgaben sind die Planung und Durchführung von Freizeitaktivitäten und Exkursionen, die Planung und Durchführung von drei Unterrichtsstunden am Tag, Weckdienste und Gangkontrollen und Bereitschaftsdienste. Aufs Camp kommen Kinder zwischen 12 und 17 Jahren aus der ganzen Welt, um Deutsch zu lernen.

Ich bin jetzt zwei Wochen da und fühle mich seit dem ersten Tag komplett überfordert. Das liegt einfach daran, dass ich selbst sehr mit mir zu kämpfen habe. Ich habe schon seit Jahren Depressionen und Ängste und ein geringes Selbstwertgefühl.

Ich mache so etwas zum allerersten Mal und bin kein Lehramtstudent. Deshalb ist es für mich sehr anstrengend den Unterricht vorzubereiten und zu überlegen, wie man den Unterricht von einem pädagogischen Standpunkt aus organisiert und spannend und lustig gestaltet. Ich geb mir sehr viel Mühe und eigentlich macht mir das Unterrichten und Vorbereiten des Unterrichts sehr viel Spaß. Allerdings merkt man leider ganz genau, dass 90% der Schüler einfach nur da sind, weil die Eltern es so wollen. Sie sind kein bisschen motiviert, spielen nur mit dem Handy und ziehen so eine Fresse, dass mir alles vergeht. Ich kann das vollkommen verstehen. Es ist Sommer, es ist heiß, sie haben Ferien und sollen jeden Vormittag drei Stunden in der Klasse sitzen. Aber ich nehme alles einfach immer so persönlich. Mich macht das einfach nur total fertig und ich bin vor jeder Stunde, die ich geben muss total genervt, nervös und ängstlich. Ich komme kaum aus dem Bett und habe oft beim Aufstehen einen schlimmen Würgereiz. Dafür schäme ich mich total. Es kann doch nicht sein, dass ich nur weil ich 2 Wochen lang unterrichte schon fast ein Burnout hab. Es ist auch nicht so, dass ich mit den Kindern nicht klarkomme oder es mich nervös macht, dass ich vor ihnen stehen und unterrichten muss. Aber es ist für mich wegen meiner Depressionen wirklich sehr anstrengend die ganze Zeit in der Klasse präsent zu sein, die genervten Schüler zu motivieren, sie wegen dem Handyspielen zu ermahnen, usw. Dazu kommt dann, dass ich immer am Camp bin, selbst, wenn ich frei hab, weil ich den Unterricht vorbereiten muss und außerdem in einer Stadt 2 1/2 Stunden vom Camp entfernt wohne und deshalb nicht nach Hause fahren kann, wenn ich mal den ganzen Nachmittag frei hab. Ich bin also immer hier, kann kaum schlafen, bin gestresst und zum Dank für meine ganze Mühe und meine Unterrichtsvorbereitung, die ich meistens bis 1, 2 am Morgen mache, weil ich sonst keine Zeit dafür hab, kann ich dann die drei Stunden irgendwie rüberbringen während ich mir ihre genervten Gesichter amschau.

Ich hab schon mit vielen anderen Lehrern gesprochen und alle haben mir bestätigt, dass viele Kinder einfach nur extremst genervt und nicht zu motivieren sind. Nur nehmen die das im Gegensatz zu mir nicht so schwer, meinen einfach, dass die Kinder halt so sind und sie machen trotzdem einfach den Stoff durch und fertig. Nur mir verhagelt so etwas den ganzen Tag. Ich bin dann am Vortag schon völlig fertig und muss dran denken, dass ich morgen wieder unterrichten muss.

Ich weiß, dass das nicht normal ist und dass ich Hilfe brauche. Das werde ich auch in Angriff nehmen. Jetzt aber suche ich einfach nur wen, dem es vielleicht auch so geht und mit dem ich mich austauschen kann, um die Zeit hier zu überstehen und mich nicht so alleine zu fühlen.

Liebe Grüße
Kati
Kati_4
 

Re: Angstzustände

Beitragvon loner » Do. 20.07.2017, 16:27

Hallo Kati,

Ich habe sowas zwar noch nie gemacht, aber ich kann deine Gefühle dennoch sehr gut verstehen. Es macht die Situation einfach schlimmer, wenn man tagtäglich etwas tun muss, was einen einfach nur sinnlos vorkommt und einen herunterzieht. Ich nehme auch viel zu viel persönlich und leider hängen die schlechten Gefühle auch immer noch sehr lange nach, bis ich die Situation vergessen kann.
Es ist gut, dass du mit den anderen Lehrern drüber gesprochen hast. Das hätte ich dir auch geraten. Wahrscheinlich ging es den anderen Lehrern zu anfang ähnlich wie dir und sie sind mittlerweile einfach abgestumpft. Das war doch bei uns damals in der Schule nicht anders: die frischen, jungen Lehrer haben sich noch übelst Mühe gegeben, währen die älteren Lehrer jedes Jahr dasselbe gemacht haben und sich nicht mal neue Prüfungsfragen ausgedacht haben.
Es wird dir schon ein wenig besser gehen, sobald du diese doofe Arbeit nicht mehr machen musst. Trotzdem, wenn du doch schon so lange Depressionen hast, dann mach was dagegen. Von alleine gehen die so nicht weg, wenn sich nix ändert.
Vielleicht kannst du bei gutem Wetter auch irgendwas mit den Kids draußen machen oder so. Ich kann mit Kindern nicht wirklich gut, aber ich denke, die müssten dich irgendwie einfach "cool" finden, und dann sind die vielleicht auch motivierter. So von wegen eine Quiz-Unterrichtseinheit machen, wo man Süßes gewinnen kann oder so.
Halte durch :troest:

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Wie einfach wäre das Leben, wenn sich die unnötigen Sorgen von den echten unterscheiden ließen. (Karl Heinrich Waggerl)
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