Halluzination eines "Beraters"

In diesem Forum geht es um psychotische Störungen und Symptome (wie z.B. Wahn, Paranoia und Halluzinationen) und das Krankheitsbild der Schizophrenie.

Halluzination eines "Beraters"

Beitragvon ananas » Fr. 11.11.2016, 01:35

Hallo zusammen,
ich bin totaler Laie in dem Thema und hoffe sehr auf Rat. Ich möchte mich zu einem bestimmten Thema informieren, habe bislang aber noch keinen Suchansatz für meinen speziellen Fall gefunden. Ich würde gerne wissen, ob es für den Fall, den ich gleich beschreiben werde, schon mal eine Diagnose gab, einen Begriff ... Ich bin für jedes Stichwort dankbar, in dessen Richtung ich mich schlaumachen kann.

Und zwar geht es darum: Jemand, nennen wir ihn mal Karl, hat einen Schicksalsschlag hinter sich und spielt seitdem immer wieder mit dem Gedanken, sich etwas anzutun. Seitdem er diese Gedanken hat, halluziniert (das steht fest) er eine Person, die ihn immer wieder davon abhält, ihm eine positive Sicht der Dinge vermittelt, nicht nur die negative, die Karls Gedanken beherrscht. Mir entsteht der Eindruck, Karl benutzt diese halluzinierte Person, da er keine positiven Gedanken zulassen kann - er will sich eigentlich nichts antun und projiziert seine Gedanken, die gegen Selbstverstümmelung sprechen, in eine andere, nicht-existierende Person.

Ich bin schon auf den Begriff "teleologische Halluzination" gestoßen, der allerdings nicht sehr ergiebig war. Ich wäre sehr dankbar für jeden Ansatzpunkt, wie ich mich in Richtung "Halluzination einer beratenden Person" informieren kann.

Herzliche Grüße
euer ananas
ananas
 

Re: Halluzination eines "Beraters"

Beitragvon Ruby » Fr. 11.11.2016, 12:32

Hallo Ananas

Das, was Karl unbewusst macht, kenne ich ähnlich aus der Therapie...

Unsere Persönlichkeit setzt sich aus verschiedenen Persönlichkeitsanteilen zusammen. Zum Beispiel dem "Kreativen", dem "Ängstlichen", dem "Erfolgreichen", dem "inneren Antreiber", dem "wohlwollenden Beobachter" dem "inneren Kritiker" usw.... Das sind alles Persönlichkeitsanteile, die bei uns Menschen mehr oder weniger verschieden stark ausgeprägt sind.

Die Stimme des inneren Kritikers ist bei psychisch labilen Menschen oftmals besonders laut und stark. Die Stimme des wohlwollenden Beobachters ist bei psychisch labilen Menschen hingegen meist sehr schwach, Sie geht sogar oftmals neben der lauten, polternden Stimme des inneren Kritikers unter, kann sich kein Gehör mehr verschaffen.

Um nun den wohlwollenden Persönlichkeitsanteil in uns, also den wohlwollenden Beobachter, zu trainieren, zu stärken und lauter zu machen, kann man für sich selbst eine fiktive Person ausdenken, die künftig stellvertretend als "Symbol" für den Persönlichkeitsanteil des wohlwollenden Beobachters stehen soll. Diese fiktive Person wird dann zum beständigen wohlwollenden Begleiter und Beobachter. Sie soll ausschließlich positiv besetzt sein. Sie meint es ausschließlich gut, hat voll und ganz einen wohlwollenden, annehmenden Charakter. Täglich soll man mit diesem wohlwollenden Begleiter in Zwiesprach gehen. Man stellt sich dann vor, was der wohlwollende Beobachter, diese fiktive Person, wohlwollendes und gut gemeintes zu berichten hat, ohne all die Be- und Abwertungen eines inneren Kritikers. Wenn man das dann täglich und regelmäßig macht, verschafft man dem wohlwollenden Begleiter mit der Zeit immer mehr Stimme und mehr Gehör.

Aus der Werbung kennen wir sicherlich alle das Bild, wo ein "Engelchen" und ein "Teufelchen" von links und rechts einer Person ins Gewissen redet. Weitläufig sind auch damit Persönlichkeitsanteile gemeint.

Mir scheint, als ob Karl unbewusst einen oder mehrere seiner Persönlichkeitsanteil symbolisch durch diese fiktive Person sprechen lässt. Dabei könnte es sich um den "wohlwollenden Beobachter" und den "Beschützer" handeln. Vielleicht steht die halluzinierte Person in Vertretung für diese Persönlichkeitsanteile. Vielleicht können diese Persönlichkeitsanteile für Karl unbewusst überhaupt nur so eine Stimme bekommen .

Lieben Gruß
Ruby
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