Aktive Sterbehilfe

In diesem Unterforum könnt Ihr Euch zum Thema Suizid (Selbstmord) und Tod austauschen, sowie der Trauer, die ein (Frei-)Tod hinterlässt.
Wichtig: Ihr könnt und dürft hier über Eure Suizidgedanken sprechen, allerdings sind konkrete Absichten bzw. Ankündigungen hier nicht erlaubt bzw. können evtl. an die Behörden weitergeleitet werden!

Aktive Sterbehilfe

Beitragvon Joui » Do. 14.11.2013, 19:28

Hallo,

mich würde einmal eure Meinung zum Thema aktive Sterbehilfe interessieren. Auch speziell zu meinem Fall. Ich habe eine fortschreitende Erkrankung, die nach jetzigem Stand der Medizin auch nicht heilbar ist. Eine Schwester (25 Jahre) habe ich durch diese Krankheit vor einigen Jahren bereits verloren. Nun verhält es sich mit dieser Krankheit allerdings so, dass der Verlauf ein wenig beeinflussbar ist. Nach einer zweiwöchigen stationären, intravenösen Antibiotikatherapie geht es einem Beispielsweise immer besser. Leider verkürzt sich dieses Intervall von Jahr zu Jahr (früher waren alle 2 Jahre eine i.v.-Therapie erforderlich, mittlerweile alle 2 Monate). Nach besagter i.v. kann man zudem versuchen, die Verschlechterung ein wenig zu verlangsamen, indem man täglich bis zu 6 Stunden Aufwand betreibt. Der Aufwand steigt natürlich mit einhergehender Verschlechterung. Man lebt sozusagen nur noch für die Krankheit. Vom Leben habe ich vermutlich auch nichts weiter zu erwarten, da diese Krankheit so viel Zeit in Anspruch nimmt und Fehlzeiten verursacht, dass ich jetzt bereits seit 6 Jahren an meinem Bachelor für Maschinenbau hänge und mir auch nicht vorstellen kann, wie das einmal mit der Arbeit klappen soll. Dass ich einmal nicht alt werde, weiß ich seit jeher, aber habe mir trotzdem ein wenig mehr vom Leben erhofft, als ich bis jetzt mit meinen 27 Jahren erreicht habe…
Mir stellt sich außerdem die Frage, ob man aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen kann, wenn man nach einer i.v.-Therapie Beispielsweise noch Rad fahren kann und auch ansonsten „Topfit“ wirkt, wenn auch immer nur für wenige Wochen. Weil das ist schon das krasse Gegenteil von meiner jetzigen Situation (mit Sauerstoff den ganzen Tag müde und kaputt im Bett liegen und sich kaum bewegen können, weil die Gelenke geschwollen sind und einem alles weh tut…). Wenn ich jetzt nein zur nächsten i.v.-Therapie sagen würde und auch die Heimtherapie und Medis verweigern würde, wäre ich in ein paar Monaten sowieso tot.
Alles irgendwie kompliziert…

PS: Leider habe ich kein einziges Forum zur aktiven Sterbehilfe gefunden
Joui
 

Re: Aktive Sterbehilfe

Beitragvon GefallenerEngel » Do. 14.11.2013, 19:53

Wie stellst du dir diese aktive Sterbehilfe vor? Du kannst die Heimtherapie stoppen und keine Medikamente nehmen, das wäre dann aber eine passive Sterbehilfe.

Oder du kannst den Arzt bitten dir bestimmte tödliche Medikamente zu geben...aber einnehmen musst du sie dann schon selbst. Also wieder keine aktive Sterbehilfe aus meiner Sicht.
GefallenerEngel
 

Re: Aktive Sterbehilfe

Beitragvon Vanilla » Do. 14.11.2013, 21:22

In Deutschland ist aktive Sterbehilfe verboten, kein Arzt wird dir etwas geben, woran du sterben kannst. Auch nicht
wenn du es selbst einn nimmst.
Jeder macht sich strafbar, wenn er aktive Sterbehilfe leistet.
Du hast docb auch immer wieder gute Phasen.

Mich interessiert, welche Erkrankung du hast.
Viellecht magst du es sagen.

Ich selbst habe vor 2 Jahren die Diagnose multiple Sklerose bekommen.
Es gibt da 3 verschiedene Verlaufsformen. Leider habe ich die seltenste, aber auch unguenstigste Form und bekomme
alle 3 Monate Infusionen mit hochdosiert Cortison.
In den nur 2 Jahren ist eine rasante Verschlechterung eingetreten. Mein Leben hat sich dadurch veraendert, aber auch wenn
ich nicht weiss wie es weiter geht, versuche ich das Leben zu geniessen.

Waere das nicht auch eine Option fuer dich?
Dir wurde dieses Leben gegeben, weil du stark genug bist um es zu leben.
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Ja, ich hasse meine MS und sie mich scheinbar auch. Aber manchmal sitzen wir auch zusammen und lachen gemeinsam über meinen Gang

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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitragvon Joui » Fr. 15.11.2013, 23:01

@GefallenerEnkel: Ja, klar könnte ich jetzt einfach alles stoppen, aber genau dieses Ende ist ja auch das wovor ich Angst habe! Langsam zu ersticken… Über anderen Suizid hat man natürlich auch hier und da schon einmal nachgedacht, aber vieles kommt für mich einfach nicht in Frage (z.B. von einer Brücke springen, oder mit dem Motorrad gegen einen Baum fahren und womöglich Querschnittgelähmt sein usw.). Nein, wenn, dann hätte ich schon an diese Sterbehilfe gedacht, wie sie in der Schweiz oder in Belgien angeboten wird.

@Vanilla: Das mit deiner Diagnose tut mir echt leid! Hast du dich denn schon mal gefragt, wie du am liebsten sterben würdest? MS ist ja schon eine be*** Krankheit:(

Vanilla hat geschrieben:In den nur 2 Jahren ist eine rasante Verschlechterung eingetreten. Mein Leben hat sich dadurch veraendert, aber auch wenn ich nicht weiss wie es weiter geht, versuche ich das Leben zu geniessen.

Waere das nicht auch eine Option fuer dich?


Naja, aber genau diese zwei Wochen in denen ich einigermaßen „normal“ leben kann (der Therapieaufwand bleibt natürlich, nur halt keine Atemnot und Schmerzen…), zeigen mir ja, wie es sein könnte, wenn ich gesund wäre. Und nach jedem weiteren Tief sinkt auch jedes Mal der Wille und auch die Kraft, weiter zu machen… Ich kenne welche mit meiner Krankheit, die kennen es schon seit Jahren nicht mehr anders, und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die alle glücklicher sind als ich.
Mein Traumende wäre, sich einfach noch mal so einer i.v.-Therapie zu unterziehen, danach mit meiner Familie und Freundin in der Schweiz Urlaub machen und wenn es am schönsten ist, diesen Cocktail trinken…

PS: Mukoviszidose nennt sich diese Krankheit. Zusätzlich, als Folgererkrankung einen sehr agressiven Diabetes Typ "3" der nur sehr schlecht eingestellt werden kann, da sich der Insulinbedarf nach den Entzündungswerten richtet und diese sich alle paar Tage ändern. Eine Niereninsuffizienz kommt auch noch durch die hohen Dosen an Antibiotika hinzu und zahlreiche weitere Gebrechen die ich mir im Laufe meines Lebens zugezogen habe, wie z.B. ein Auge durch einen Unfall verloren usw... :cry:
Joui
 

Re: Aktive Sterbehilfe

Beitragvon Vanilla » Fr. 15.11.2013, 23:46

An Mukoviszidose hatte ich auch gedacht, wollte es aber nicht schreiben, weil es nur eine Vermutung war.
Stimmt, in der Schweiz ist das moeglich, man muss sich vorher anmelden + die Gruende darlegen.

Wuerdest du deine Angehoerigen vorher informieren?
Ich finde das waere fair ihnen gegenueber.

Es muss dir nicht leid tuen, wegen der MS, ausser wenn es mir im Gegenzug auch leid tun darf, dass du diese
beschissene Krankheit hast.
Das ist Schicksal, man kann es nicht aendern, muss nehmen was kommt.

Natuerlich habe ich schon darueber nachgedacht wie die MS fuer mich weiter verlaufen wird. Nichts muss, aber alles kann.
Habe eine ausfuehrliche Patientenverfuegung und auch mit meiner Schwester + Schwaegerin darueber geredet.
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitragvon Maitreya » Di. 19.11.2013, 15:08

Dafür, wenn auch nur für ich persönlich, da ich denke, diese Entscheidung kann keiner und sollte keiner für jemanden entscheiden. Und auch in D ist es möglich, man muß nur die Stellen wißen. Ich habe es sogar durch einen Anwalt von einem Richter bestätigen laßen, daß meine Mutter dafür sorgen kann, daß ein Arzt Sterbehilfe bei mir durchführt. Ein Arzt davon ist Uwe-Christian Arnold macht dies mit weiteren anderen in ganz D macht, ich schrieb meiner Mutter auch den Namen auf. Meine Mutter hat auch eine Verfügung aufsetzen laßen, ebenfalls von einem Anwalt durch einen Richter bestätigt, so daß nur wir beide im Grunde darüber entscheiden dürfen. Und der Tod ist nichts schlimmes, aber das sterben, da gibt es viele grausame Arten.
In der Schweiz wollen sie allerdings solche Sterbehelfer wie Exit und Dignitas verbieten, ist also auch nicht mehr ganz so unumstritten, wie es mal war und kostet auch 5.000 oder 8.000 Euro, ohne Bestattung natürlich.(schwarzer Humor)
Zu der Frage, wie das läuft, es ist wie wenn man ein Tier einschläfert. Ich habe mal zwei Clip reingesetzt und ich finde es okay. Der zweite ist eine Diskussion und der Mönch sollte sich meiner Meinung nach schämen. lTatsächlich wäre ich froh gewesen, jemand bei meinen Freund gefunden zu haben und wäre er nicht vorher gestorben, hätte ich es vielleicht sogar selbst irgendwie getan.
Dazu raten würde ich keinem, aber wenn ich einmal nicht mehr so Leben kann, wie ich leben möchte, ist dies bei mir der Punkt, wo ich meiner Mutter sagen würde, jetzt laß mich sterben.
Und es gibt immer noch ein Gesetz, jeder Mensch hat das Recht in Würde zu sterben und nur habe ich noch keinen in Würde sterben sehen und ich sah schon viele. Und wie bei meinem Freund war es schon eher ein verrecken, daß sagte sogar meine Mutter. Wenn ich mal raus auf den Balkon ging, konnte ich bis nach draußen sein Schmerzschreie hören, das war kein sterben, das war schon reiner Horror.
Maitreya
 

Re: Aktive Sterbehilfe

Beitragvon Gecko » Sa. 23.11.2013, 23:56

Hey Joui, ich habe auch Muko! Gruss Gecko
Gecko
 

Re: Aktive Sterbehilfe

Beitragvon Gecko » Do. 28.11.2013, 22:30

Nachtrag.Ich will mich ja nicht zuweit aus dem Fenster lehnen aber ichs denke du hast ne Depression.Kann mich auch irren!
Gecko
 

Re: Aktive Sterbehilfe

Beitragvon Leppo » Mo. 14.04.2014, 13:26

Ich hätte auch mal eine Frage zu dem Thema: Wenn ich meinem Arzt sage, dass ich für Sterbehilfe bin, ist dieser dann verpflichtet mich sofort einzuweisen?
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitragvon Vanilla » Mo. 14.04.2014, 15:29

Nein, warum denn?
Ausser vielleicht du hast da aktuelle Plaene.
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitragvon Leppo » Di. 15.04.2014, 18:56

Nein, Pläne habe ich da keine, mich hat das nur mal interessiert...
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitragvon Paradoxon » Di. 06.05.2014, 13:05

Hallo Joui,

Ich persönlich bin im allgemeinen für aktive Sterbehilfe,
wenn die betroffene Person wirklich seit langem keinen Ausweg mehr sieht noch etwas zu verbessern und es das Leben sehr stark beeinträchtigt.
Ich denke auch das man es wenn dann allerdings auch nur selbst entscheiden sollte, da ich finde, das dies Entscheidungen sind die man nur allein treffen kann.

Ich sehe halt keinen Sinn darin jemandem zu verweigern einen, wenn möglich, schmerzfreien Tod zu wählen, wenn man ansonsten seinen eventuellen ewig andauernden Qualen / Schmerzen ausgesetzt ist und diese nur durch Medikamente unterdrücken zu kann, wodurch man evtl. dauerhaft ans Bett gefesselt ist.

Solange man allerdings im Leben nicht zu sehr eingeschränkt ist, denke ich allerdings auch, sollte man noch versuchen so viele Ziele / Wünsche wie möglich
umzusetzen und Zeit mit seinen liebsten zu verbringen, bevor es wirklich so schlimm ist, das man dies nicht mehr tun kann.

Ich würde auch etwas zu deinem speziellen Fall schreiben, finde allerdings, dass jeder selbst am besten weiß, was gut für sich ist
(außer man steckt evtl. grad in einer tiefen Depression und kommt daher auf "dumme" Gedanken).
Paradoxon
 


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