Von Purzel, Súizid und anderen Dingen...

In diesem Unterforum könnt Ihr Euch zum Thema Suizid (Selbstmord) und Tod austauschen, sowie der Trauer, die ein (Frei-)Tod hinterlässt.
Wichtig: Ihr könnt und dürft hier über Eure Suizidgedanken sprechen, allerdings sind konkrete Absichten bzw. Ankündigungen hier nicht erlaubt bzw. können evtl. an die Behörden weitergeleitet werden!

Von Purzel, Súizid und anderen Dingen...

Beitragvon annieparanoid » Di. 04.08.2015, 18:28

Also gut.
Gefühlt habe ich wohl um die 1001 Probleme, die sich nur langsam oder gar nicht beheben lassen. Doch eigentlich, glaube ich zumindest, ist der Auslöser für alle die 'kleinen' Probleme ein großes Problem, was nun seid 5 Jahren in meinem Kopf festsitzt und sich nicht lockern lässt: Der Umgang mit Verlusten bzw. dem Tod.
Da sich dieser Thread hier um Suizid, Tod und Trauer handelt, werde ich die anderen kleinen Probleme nur nebensächlich erwähnen, denn Paranoia und sowas gehören hier nicht wirklich rein.

Ich weiß nicht, ob es hier besonders tierliebe Leute gibt, oder am besten noch Reiter. Aber solche Reiter, die die Beziehung zu ihrem Pferd schätzen und nicht diese, die ihr Pferd nur als Sportgerät benutzen versteht sich.
Ich weiß, es wird vielleicht jetzt alles ein bisschen merkwürdig klingen, aber ich erzähls einfach mal.

Es fing wohl alles mit dem Tod meines Hundes an. Es müsste so um 2011/12 gewesen sein, wenn ich mich nicht vertue ( und ja schlagt mich ruhig weil ich es nicht genau weiß :roll: :D ). Ich war wirklich schrecklich deprimiert und es war auch das erste mal, dass dieses Gefühl von Leere in mir auftauchte. Da ich noch jünger war und nicht wirklich wusste, was das alles zu bedeuten hat, habe ich mir nichts gedacht und hing nur der Leere in diesem Haus und der Leere in mir hinterher. Ich habe geweint, habe Sachen wie Gedichte aufgeschrieben, habe mich ein wenig abgeschottet von der Welt. Die Leute haben mich nicht so richtig verstanden, weil sie wohl keine solche Beziehung zu einem Tier hatten, also war ich ziemlich allein mit meinen Gefühlen. So ging es also eine Weile und es wurde alles schlimmer. Nicht wegen meinem Hund, auch in der Schule wurde ich nicht gerade nett behandelt und so weiter, einige kennen das ja sicher. So kam es also 1 Jahr danach zum ersten Cutting in meinem Leben. Es war nicht besonders tief, hat nicht besonders viel geblutet aber naaatürlich fand ich in dem Moment das es mir geholfen hat (wenn ich daran zurück denke kann ich mir nur die Hand vor den Kopf schlagen -.- ). Das ging immer so weiter, wurde tiefer und generell schlimmer. Erst Ende des Jahres 2013 wurde es weniger und ich kam aufeinmal eine zeit lang prima klar. Kein Cutting, tolle Freunde und außerdem war da auch noch mein wundervolles Hottehüh - Purzel.

Das ist eine Story, die während der ersten Story schon anfängt. Es war im Frühjahr 2011, ich bekam endlich mal wieder eine Reitbeteiligung auf einem - später - wundervollen Pony, dass auf den Namen Purzel oder eigentlich Naldo hörte. Wir haben uns am Anfang nicht wirklich verstanden, aber ein Jahr hartes Training und tolle Zusammenarbeit haben uns dann doch zusammengeschweißt. Zwar waren die Verhältnisse, in denen er lebte, schon immer nicht gerade die besten, aber darauf habe ich nicht geachtet. Mein Leben war wirklich total erfüllt und ich war immer glücklich, sobald ich bei ihm war. Und ich war fast jeden Tag bei ihm, um alles andere für ein paar Stunden zu vergessen.
Er war ungefähr 3 Jahre lang meine Reitbeteiligung und natürlich mein absolutes Seelenpony. Ich wollte nichts anderes mehr tun, außer bei ihm zu sein und ihm ein schönes Leben zu machen. Doch mir ging alles um ihn herum immer mehr auf die Nerven. Der Ort, an dem er stand, die Leute und so weiter. Ich habe mit meinen Eltern oft darüber geredet, ihn zu kaufen, doch sie wollten nie. Im Sommer 2013 war es dann doch soweit. Da ich mit meinen Nerven total am Ende war, hab ich meinen Eltern und mir selbst das Ultimatum gestellt - Kauf oder Aufgabe. Das heißt, ich hätte diese Reitbeteiligung schweren Herzens aufgegebn. Dazu ist es zum Glück nicht gekommen, meine Eltern erklärten sich aufeinmal bereit und auch die Besitzer waren froh über den Vorschlag. Ich bekam also mein absoolutes Traumpony, was in einem absoluten Traumstall untergebracht wurde. Das schönste Jahr meines, und sicher auch seines Lebens, begann und oh mein Gott, ich war soooooo happy :-) Es war auch nichts mehr von dem deprimierten Gefühl in mir da, nichts. Klar hatte ich Stress in meinem Leben, das hatte sich nicht geändert, aber es war einfach alles so perfekt und dieses Jahr lief auch so super.
Tja. Ende April/ Anfang Mai sollte sich dann aber alles ändern. Ich bin gerade fertig mit dem Reiten gewesen, als mich jemand aufmerksam machte, wie Purzel aussah. Aufeinmal ist es auch mir aufgefallen. Seine 'Flanken' waren komplett eingefallen und er war aufeinmal sehr träge. Ich war sofort furchtbar besorgt und wollte einen Tierarzt holen, doch es war Samstag und es gab nur einen Notdienst. Mir wurde eingeredet, bis Montag zu warten, und obwohl ich das nicht wollte, habe ich es eben doch getan. Montag wurde direkt der Tierarzt verständigt, einer kam, hat sich alles angeschaut und meinte, er wäre nur ein wenig abgemagert. Hat ne Spritze bekommen und was spezielles fürs Futter.
Dienstag kam ein anderer Tierarzt spontan vorbei und der Stallbesitzer zeigte ihm Purzel, als ich ihn gerade geputzt habe. Er schaute sich alles an und was kam dabei raus? Kieferarthrose. Er konnte nicht mehr fressen, weil seine Zunge erschlafft war. Ich war schon total am Eskalieren, aber er hat mir noch ein wenig Hoffnung gemacht. Purzel bekam eine Spritze und der Arzt sagte, er würde Donnerstag wiederkommen.
Mittwoch dann war der definitiv schlimmste Tag in meinem bisherigen Leben. Ich kam abends zum Stall, ein Pferdepfleger war da. Er sagte mir, dass Purzel jetzt auch nicht mehr trinken kann und sein ganzer Stall unter Wasser war am Morgen. Es wäre am besten, ihn einfach zu erlösen. Für mich brach eine Welt zusammen und ich haute erstmal ab, um eine Runde zu heulen, während meine Mutter weiter mit ihm sprach. Später sagte ich ihr, dass sie am Morgen mit dem Tierarzt reden solle und ihn einfach erlösen soll. Tja und so war es dann halt auch. Die ersten vier Tage ging es mir ganz okay, aber irgendwann kam der totale Zusammenbruch und ich war erstmal nicht mehr ansprechbar. Diesmal konnte mir einfach keiner helfen.
Es ging dann los damit, dass ich mir Vorwürfe gemacht habe, nicht realisieren konnte, dass ich ihn nicht mehr hatte. Sein Todesdatum war der 08.05.14.. Natürlich haben meine Eltern alles versucht, sie haben mir auch ein neues Pferdchen versprochen, wie Eltern eben sind...ich wollte erst nicht, aber dann habe ich mich doch dazu entschlossen, nach einem neuen Freund zu suchen. Währenddessen war der Stallbesitzer wirklich total super nett und hat mir eines seiner Schulponys gegeben. ich durfte ihn am Wochenende reiten, was wirklich eine tolle Ablenkung war.
am 05.06.14 kam dann meine neue Freundin, Apple. Ja, wir verstehen uns bis heute nicht immer so richtig, aber ich bin noch zuversichtlich und das tut ja jetzt auch nichts zur Sache. Fakt ist, ich kam einige Monate gar nicht klar, habe wieder mit dem cutting angefangen usw.
Mittlererweile geht es teilweise, aber zwischendurch bin ich immer noch total fertig. Jeder ist schon genervt davon und kann es absolut nicht nachvollziehen, aber ja gut. So ist das eben mit Leuten, die kein eigenes Tier verloren haben.
Ich bin mir sicher, dass sich dieses deprimierte Gefühl über die Jahre in richtige Depression verwandelt hat, gegen die ich nunmal nicht ankämpfen kann. Es hat aber auch nicht viel gebracht, bis jetzt zumindest, mit Leuten darüber zu reden, denn niemand von meinen Freunden hat ähnliches erlebt und kann mich somit verstehen.

Ich gratuliere mir überigens gerade selber, ich habe einmal nicht angefangen zu weinen, als ich das jetzt geschrieben habe. Das ist eigentlich nicht normal für mich, also ja.
Es ist nur dieses eine Problem, was ich jetzt beschrieben habe, denn die anderen haben damit nicht so viel zutun.
Suizid war auch oft ein Gedanke tief in mir, doch irgendwas hat mich dann doch gehalten. Mal war es meine beste Freundin, mal war es Apple - es gab immer irgendjemanden oder irgendetwas, was mich davon abgehalten hat und mal ehrlich - darüber bin ich auch froh. Ich bin nun seit mehr als einem Viertel Jahr clean und beginne auch, was die Purzelsache betrifft, zu verarbeiten, aber es ist eben immernoch schwer.
Ich hoffe, hier ist irgendjemand der ähnliches erlebt hat oder kennt oder Leute die es einfach nur irgendwie nachvollziehen...können und mir nicht sagen, das wird schon wieder, denn das weiß ich.

So und wer das jetzt gelesen hat, dem danke ich schoneinmal einfach nur fürs Lesen :-)
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Re: Von Purzel, Súizid und anderen Dingen...

Beitragvon Carmen » Di. 04.08.2015, 18:47

:cuddle:
Ich kann das verstehen, wie sehr man unter dem Verlust eines Tieres leidet und da bin ich sicher nicht die Einzige hier.

:respekt: für das Viertel-Jahr clean sein.

Mehr fällt mir grad auch nicht ein :roll:
Carmen
 

Re: Von Purzel, Súizid und anderen Dingen...

Beitragvon Christine » Di. 04.08.2015, 18:51

Hallo Annie, herzlich willkommen hier.
Ich reite auch schon seit vielen Jahren und kann ansatzweise nachvollziehen, wie schwer es gewesen sein muss, Purzel zu verlieren. Mein tiefes Beileid an dich.

Gerade weiß ich sonst nicht viel zu sagen...
Leb dich gut ein hier im Forum. :)
Christine
 

Re: Von Purzel, Súizid und anderen Dingen...

Beitragvon annieparanoid » Di. 04.08.2015, 19:15

Vielen Dank euch :-))
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Re: Von Purzel, Súizid und anderen Dingen...

Beitragvon Lutz » Di. 04.08.2015, 19:24

Hi, Annie,
ich habe 2006 ganz überraschend meine Cinja verloren. Sie war DER eine Hund, den man nur einmal im Leben hat. Es ist auch eine sher schwere Geschichte gewesen und es gibt sogar eine Webseite darüber - aber ich will hier Niemanden noch mehr frusten.

Ich hab zwar nicht geritzt, aber die Verabeitung der hinterlassenen Lücke hat schon auch Monate gedauert.

Es kam dann ein Nachfolger zu mir : Mullebär - ebenfalls ein Neufundländer - er war 5-jähriger Scheidungswaise. Wir brauchten beide fast 12 Monate, bis wir gut miteinande klar kamen. Aus meiner Sicht war er eben nicht Cinja und aus seiner Sicht hab ich ihm das Herrchen genommen.

Danach machten wir uns dann gut sechs Jahre lang in einer Art brummelnder Hassliebe das Leben schwer.
Er war schon SEHR eigen - und das sturste Tier, das man sich vorstellen kann.

Cinjas plötzlicher Tod tat mir damals so wahnsinnig weh, weil ihr Tod letzlich darauf zurück ging, daß ich sie in eine Klinik geschleppt hatte (Klinik-Infektion). Das hatte in mir Schuldgefühle ausgelöst.

Mullebär wurde 12 - für einen Neufie ein sehr gutes Alter - mir hat das geholfen, daß ER eben alt wurde und quasi "ganz normal" verstarb. Die letzten zwei Jahre war er Pflegefall - Taub - Hautkrankheiten - Augenprobleme. An ihm hab ich abgearbeitet, was ich Cinja gegenüber als Schuld verspürte.
Und es war gut so.

Jedenfalls :
Ich kann Dich auch sehr gut verstehen - Du bist nicht allein.


Lieben Gruß,

Lutz
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Re: Von Purzel, Súizid und anderen Dingen...

Beitragvon annieparanoid » Di. 04.08.2015, 20:41

Oh das tut mir Leid.
Ich hoffe auch noch darauf, dass Apple und ich mal etwas bessere Freunde werden denn zur Zeit ist das noch nicht so...vorhersehbar. Sie ist stur und dickköpfig, dabei auch noch sehr jung also wird das noch hart, aber sie gibt mir wenigstens einen Sinn. Mit ihr zu arbeiten ist spannend und immer wieder lehrreich, so komme ich ein wenig von meiner Trauer und den Schuldgefühlen weg. Trotzdem denke ich manchmal, dass ich Purzel irgendwie nur ersetzen wollte. Das verfolgt mich jetzt schon das ganze Jahr, dass ich sie habe.
Jedenfalls hoffe ich, dass es mit Apple besser laufen wird und sie älter wird, denn sie verdient es echt, auch wenn sie so schwierig ist, ist sie ein wunderbares Tier. :oops:
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Re: Von Purzel, Súizid und anderen Dingen...

Beitragvon Joyce » Di. 04.08.2015, 21:27

annieparanoid hat geschrieben:denn niemand von meinen Freunden hat ähnliches erlebt und kann mich somit verstehen.


Es ist wirklich schwer jemandem verständlich zu machen dass die Beziehung zu einem Tier den gleichen Wert haben kann wie zu einem Menschen. Aber wie du schon schreibst, das wird nur jemand können der dies selbst schon erlebt hat.

Ich persönlich denke dass das Sterben mehr Schrecken hat als der Tod selbst. Jemanden sterben zu sehen, seinen Kampf mit dem Tod mitzubekommen ist sicherlich eins der Dinge die einem für immer im Gedächtnis bleiben werden. Einfach wegen der Empathie die man hat, man fühlt wie der Andere leidet und man weiß was er durchlebt und dass man ihm nicht helfen kann. Der Tod an sich kommt aber er geht auch.
Ich habe das Phänomen auch, dass das was mich verfolgt ist nicht das fehlen der geliebten Menschen, sondern das Leid was ich gesehen habe, oder die letzten Augenblicke in ihrem Leben. Soetwas kann einen schon aus der Bahn werfen.
Aber es kann einem auch etwas geben. Es kann dir zeigen dass ihm trotzen kannst, und nach jedem Schlag stärker wieder aufstehst.
Jedes emotionale Ereignis erzeugt Energie, meist negaitve. Aber auch negative Energie ist Energie und man kann mit der Zeit lernen sie zu nutzen!

In diesem Sinne..
"Rise!"


Und ich würde mir keinen Kopf machen wegen Apple, solche Startschwierigkeiten intensivieren die Beziehung, ist zwischen Menschen genau so! (=
Und außerdem: Nichts was sich zu haben lohnt ist einfach zu bekommen :wink:
Joyce
 

Re: Von Purzel, Súizid und anderen Dingen...

Beitragvon annieparanoid » Mi. 05.08.2015, 14:25

Ja, und in meinem Umkreis wird der Tod eines Menschen immer höher gestellt als der eines Tieres. Also so á la dein Pferd ist gestorben und das ist schlimm, aber das ist keinesfalls so schlimm wie bei mir, denn mein Onkel ist gestorben. So nach dem Motto.
Und jetzt mal im Ernst - muss nicht jeder für sich selbst entscheiden, was schlimm oder schlimmer ist?

Deswegen ist das schönste immer noch wie bei meinem Opa heute Nacht - einfach nur einschlafen :-)

Der Spruch stimmt :-) Ja ich werde auch schon optimistischer was uns beide betrifft.
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