An Alle, die Suizidgedanken haben

In diesem Unterforum könnt Ihr Euch zum Thema Suizid (Selbstmord) und Tod austauschen, sowie der Trauer, die ein (Frei-)Tod hinterlässt.
Wichtig: Ihr könnt und dürft hier über Eure Suizidgedanken sprechen, allerdings sind konkrete Absichten bzw. Ankündigungen hier nicht erlaubt bzw. können evtl. an die Behörden weitergeleitet werden!

An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon Lutz » Di. 07.07.2015, 12:18

Ihr Lieben,
ich schreibe euch als Außenstehender.
ich habe meine Freundin an die Depression verloren - sie ging und ich hatte keine Ahnung, was in ihr vorging.

Sie spielte ihre Rolle, ich die meine. Und dieses Theater ließ einfach nicht die Art von Dialog zu, die so nötig gewesen wäre. Warum ? Weil ich unwissend war.

Unsere blöden Rollenspiele gaben der Krankheit Raum und sie durfte sich in ihr ausbreiten.


Mittlerweile lerne ich hier so langsam, daß euch der Tod oft als Erlösung erscheint, wie ihr euch über jeden einzelnen Tag quält. Aber zwischen den Zeilen lese ich auch euren Hilferuf. Den leisen Wunsch, es möge bitte anders sein. Die Hoffnung auf ein besseres LEBEN.

Und so oft lese ich hier, wie ihr aber auch eure Rollen spielt, euren Lieben nicht sagt, wie es wirklich in euch aussieht. Ihr wollt nicht zur Last fallen - das ist zunächst ja >>>vielleicht<<< lobenswert (?)
(nein! ist es nicht!)

Wollt ihr nicht doch Hilfe ?
Und glaubt ihr nicht auch, daß die anderen euch ebenfalls helfen wollen und würden ?

Und welcher Weg, das zu erreichen, ist sinnvoll ?

Leider seid ihr in eurem Rollenspiel so gut, daß wir euch die Rolle komplett glauben.
Und so reagieren wir immer nur auf eure Rolle, aber nicht auf euch.
Ihr fühlt euch dann unverstanden, alleingelassen. Ja hhmm - kein Wunder.., oder ?

Kleine Hinweise gebt ihr - ja - und wir können sie sogar deuten - aber erst, NACHDEM ihr gegangen seid.
Und dann - dann machen wir uns schwerste Vorwürfe, daß wir sie nicht richtig lesen konnten, eure kleine Zeichen.

Ich verlor meine Freundin an die Depression.
Meine Signatur unten mit den Wölfen kannte auch SIE und meinte EINmal, sie fürchte manchmal, der falsche Wolf könnte gewinnen.
Ja, toll ! Superwarnung...Niemals erkenne ich als NICHT-Betroffener darin, daß es da grad um Leben und Tod geht. Hab nur gesagt, sie soll den Wolf zuscheißen (sorry...) Hatte doch keine Ahnung.

Ok, vielleicht bin ich da unsensibel - werft es mir ruhig vor. Damit lebe ich. Aber im Namen aller anderen Unsensiblen, die euch umgeben, aber doch gern helfen wollen, bitte ich euch, geht den einen Weg, der wahre Hilfe überhaupt ermöglicht :

SAGT "ES" uns - BITTE !
Und so DEUTLICH, daß es auch der Unsensibelste, sogar ein Mann, versteht.
Oder schreibt es uns :

"Ihr Lieben,
heute schreibe ich euch, was ich mich nicht zu sagen traue..."


Oder gebt euch hier untereinander Tipps, wie man es den anderen klarer machen kann.
Dafür stelle ich diesen Thread zur Verfügung.

Denn eigentlich wollt ihr doch ganz offen über euren Schmerz und eure Gefühle reden.
Sonst wärt ihr nicht hier.

Klar - Wir hier können euch lesen, fühlen mit, spenden tröstende Worte.
Aber eure Lieben haben doch noch viel mehr Möglichkeiten.

Jede(r) von euch ist wertvoll. Und dieses Leben ist wertvoll.
Jedes Blatt, jede Blume hat ihren Sinn - also auch IHR.

Als Buddhist habe ich gelernt, daß ich
Freude empfinde, wenn ich anderen Freude bereite.
Freude Von aussen empfangen zu wollen, funktioniert leider nicht so gut.
Man muß es sich besser selbst schenken.

Sooo schwer ist das gar nicht. Ich mache heute Seifenblasenshows für Kinder. Und ihr glaubt nicht, was mir das Lachen und das Leuchten in den Augen der Kinder bedeutet. Laßt im Markt an der Kasse Jemanden vor, schenkt einer alten Dame euer Lächeln, kauft einem Kind ein Eis, seid für Jemanden da (ja, das ist mein Ernst). Lobt Jemanden, bedankt euch bei einer Putzfrau. Probiert das einfach mal aus, bewußt Gutes zu tun. Es macht Freude. Denn es kommt Freude zurück - und DIE gehört dann EUCH ganz allein. Aber ihr müßt die Freude, die dann zu euch zurückkommt bitte auch wahrnehmen und jeden Tropfen davon trinken.

Mir hilft das sehr. Auch und gerade jetzt in der schweren Zeit der Trauer.

Ach, Mensch, ich wollte, meine C hätte mit mir offen geredet. Da wären noch soviele Möglichkeiten gewesen. Hätte sie nur offen gesagt, wie sie sich fühlt - GANZ offen. Und ich hätte mit ihr zusammen ein Verhalten lernen können, das ihr dann gut tut. Ihr fortan auch gesagt, was mir im Denken leider viel zu selbstverständlich war.

Hey - im allerersten Rennen ums Leben habt ihr ein paar Millionen Konkurrenten siegreich hinter euch gelassen. Bleibt jetzt nicht einfach stehen.
Es gibt auf jeden Fall einen Grund, weshalb ihr da seid - und ihr seid sovielen Menschen wichtig.
Momentan seid ihr gerade mir wichtig ! Danke, daß es euch gibt !

Ich wünsche euch die Kraft, zu ändern, was zu ändern ist.

Sagt "es" uns bitte - das ist euer erster Schritt zu wahrer, ehrlicher Kommunikation.
Endlich den Druck der Heimlichkeit loswerden - endlich wirklich offen Über ALLES, über euer Innerstes reden zu können - wäre das nicht schön ? Würde das nicht schon ein wenig den Knoten lösen ?

Naja - wie gesagt - ich bin "nur" Aussenstehender -
Deshalb überlasse ich jetzt EUCH das Wort.

Lieben Gruß,

Lutz
Lutz
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon Charlotte » Di. 07.07.2015, 15:21

Hallo Lutz!

Hinter deinen Worten steckt eine Menge Kraft, die aus starken Emotionen stammt. Ich kann sie gut verstehen, die Wut, die Enttäuschung, die Hilflosigkeit, den Schmerz. Wenn ich das ganze durch deine Augen betrachte, dann verstehe ich sie wirklich gut.

Ich vermute mal ganz stark, dass deine Freundin dieselben Gefühl hatte. Sie war auch wütend, enttäuscht, hilflos und es gab einen schlimmen Schmerz in ihr. Das Problem ist: Sie war vermutlich wütend auf sich selbst und enttäuscht von sich selbst, stand ihren eigenen Gefühlen hilflos gegenüber und fand keinen Weg, diesen schlimmen Schmerz in sich zu lindern.
Das ist das Tückische an Depressionen. Sie sind oft genug grundlos da und nicht mal die Betroffenen selbst wissen, woher das kommt und was dabei helfen soll. Wenn man Depressionen hat, tut man Dinge, von denen man weiß, dass sie einem früher gut getan oder Spaß gebracht haben, aber diese Dinge lösen keine guten Gefühle mehr aus. Man bleibt leer, hohl, unberührt und es ist egal, ob man nach draußen in die Sonne geht oder nicht, ob man Freunde trifft oder nicht, ob man lacht oder nicht - das Gefühl in einem bleibt dasselbe. Und je länger es anhält, desto unerträglicher wird es.

Es gibt nur wenige Menschen, die die Kraft haben, diesen Zustand als Nicht-Betroffener täglich ehrlich vor Augen zu haben. Die meisten können mit der Hilflosigkeit nicht umgehen, denn es ist leider so, dass Verwandte und Freunde meistens nicht das geringste daran ändern können, dass es uns schlecht geht. Sie wollen das aber so sehr, weil sie es nicht ertragen, uns leiden zu sehen. Und irgendwann, wenn sie bemerken, dass nichts von dem, was sie sagen, länger als fünf Minuten hilft, werden sie ungeduldig, schroff, haben keine Lust mehr, sich jeden Tag dasselbe anzuhören und vor allem dasselbe zu sagen. Denn es macht einen ja völlig fertig, einem geliebten Menschen so überhaupt nicht helfen zu können, nichts in ihm bewegen zu können. Das weckt so viel Frust und irgendwann auch Wut, denn wenn man selbst alles tut, was man kann, um dem anderen zu helfen, es aber nichts bringt, ja dann strengt der andere sich wohl nicht genug an. Anders kann man sich das doch gar nicht erklären, diese nicht enden wollende Traurigkeit, wenn man sie nicht selbst erlebt hat.
Ich kann das gut verstehen, ich hatte irgendwann auch keine Lust mehr, mich jeden Tag mit der Depression zu beschäftigen. Zumal sie ja auch immer ein bisschen stärker war als ich. Wie Treibsand. Je mehr ich versuchte, da rauszukommen, desto tiefer rutschte ich rein. Ganz ehrlich: Ich war mir selbst gegenüber auch immer verständnisloser, ungeduldiger und schroffer, ich konnte mich selbst nicht mehr ertragen.

Und weil es so wenige gibt, die sich dasselbe Leid immer wieder klagen lassen, ohne ungeduldig oder schroff oder verständnislos zu werden und weil man neben der Depression unter keinen Umständen auch noch Ungeduld, Schroffheit und Verständnislosigkeit ertragen kann (vor allem nicht, wenn man Schuld daran hat, dass sie entstanden sind), deswegen fangen wir an, eine Rolle zu spielen. Hinter dieser Rolle steht ein frommer Wunsch: "Wenn schon das Leben so hohl und hoffnungslos ist und es mir immer und immer so schlecht geht, dann seid wenigstens ihr lieb zu mir, ich bin auch brav." Wir tun das nicht, um euch hinter's Licht zu führen oder ja keine Hilfe zu bekommen. Wir tun das, um neben der Lebensfreude und so vielem anderen nicht auch noch Freunde und Verwandte zu verlieren.

Es tut mir wahnsinnig leid, dass deine Freundin gegangen ist. Es gab Zeiten, da wollte ich das auch tun, aber der Gedanke an meine Familie hat mich abgehalten. Ich konnte ihnen das nicht antun, lieber wollte ich weiter leiden als sie. Mittlerweile hab ich mich arrangiert damit, dass die meisten Dinge mich nicht sonderlich berühren. Das ist ein Thema, das ich noch mal therapeutisch angehen will. Aber die Angst vor dem Sterben ist wieder sehr viel größer als der Wunsch, nicht mehr leben zu müssen (denn meistens ist es so: Wir wollen nicht sterben, wir wollen nur nicht mehr leben müssen). Wobei ich immer noch gerne nicht mehr leben müssen würde, wenn das ohne sterben ginge. Es hat nie jemand behauptet, dass die Psyche logisch wäre. ;)

Ich glaube, es gibt nichts, das deinen Schmerz lindern könnte außer ganz viel Zeit. Ich denke auch nicht, dass man als Nicht-Betroffener wirklich verstehen kann, warum jemand Selbstmord begeht. Dahinter stehen Gedankengänge, Logiken und Überzeugungen, die nur dann logisch sind, wenn man drin steckt. Und dann sind sie aber bestechend logisch, so sehr, dass man sie kaum ignorieren kann. Die schlimmste Überzeugung ist die: "Es wird niemals besser, es wird für immer so bleiben, wie es jetzt ist." Und es gibt nichts und niemanden, das oder der diese Überzeugung erschüttern könnte.

Es tut mir wahnsinnig leid, dass deine Freundin diesen Weg gewählt hat. Aber bitte glaube mir: Nichts, was du hättest tun können, hätte etwas an ihrer Entscheidung geändert. Sie hatte einen Punkt erreicht, an dem nichts mehr etwas geändert hätte, denn so einen Schritt geht man nur, wenn man alle Hoffnung verloren hat.
Charlotte
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon Lutz » Di. 07.07.2015, 21:02

Hi, Charlotte,
hab ganz lieben Dank, daß Du Dir mit Deiner Antwort soviel Mühe gemacht hast.
Sie hilft mir sehr.

Ich habe einen guten Bekannten, der Psychiater ist. Und der hat mir die Krankheit auch schon in dieser Richtung erklärt. Er bezeichnet sie als schlimmer als Krebs. Daß keine Gefühle mehr da sind. Der Betroffene aber weiß, welche Gefühle eigentlich da sein müßten. Wies mich auf Goyas Bilder hin und auf die Seelenfresser bei Harry Potter.

So gaanz langsam glaube ichm zu begreifen, was das für ein furchtbarer Moloch sein muß.

HHmm - ja, was bleibt "uns" da ?

- Immer für euch ein offenes Ohr haben.
- Für ALLES - auch zum xten Male.
- Euch sagen, wie wichtig ihr uns seid.
- Für euch da sein.
- Euch und euer Leid immer ernst nehmen

Auf "ihre" Ankündigung mit Suizidgedanken hätte ich erstmal bestürzt reagiert, das stimmt.
Dann wären jede Menge Aufheiterungsversuche gefolgt, stimmt auch.
Und wenn nichts mehr geholfen hätte, vermutlich leider auch Verärgerung - stimmt auch.
Da muß ich mal ehrlich sein - denn der Suizid hätte ja nicht stattgefunden.

Langsam glaube ich aber auch, zu verstehen, worum es EUCH geht.
Ich hab etwas Wertvolles gelernt, was mir im weiteren Leben helfen wird.
Etwas, was ich hoffentlich einmal weitergeben, vielleicht sogar nutzen kann.
Ein Reifeprozess.
Leider zu spät.

Ich bitte euch dennoch, hinterlasst, wenn, wenigstens einen Brief, der uns die Grübeleien nimmt, ob wir etwas falsch gemacht haben, ob wir etwas hätten besser machen können.
Das Kopfkino ist schlimm - immer wieder diese "was wäre, wenn"-Schleife, ohne Chance auf Antwort.
Ja, was wir durchmachen, ist natürlich weniger schlimm als euer Leiden.
Aber vielleicht findet ihr die Kraft für einen Brief. Einfach als menschliche Geste.

Naja - weiß jetzt erstmal nix mehr - hatte diesen Thread gut gemeint, aber natürlich aus meiner Sicht gesehen.


Aber - Charlotte - nochmal in extemo gedacht:

Angenommen, ich nähme Dich mit in die Überwinterung.
Oktober bis Mai in Thailand. Kein deutscher Winter.
Hochsommer, Sonne, baden, schnorcheln, Live-Reggae am Strand, Rastaleute mit Klampfe und Didgereedoo, abends Feuershow. Wahlweise aber auch, solang Du willst, im Gartenbungalow liegen dürfen und den Fröschen lauschen.
Auf Wunsch wäre Jemand da, oder auch nicht. Je nach Bedarf.

Das brächte absolut nix voran ?

Ich möchte mit dieser Fragen feststellen, ob selbst extremst positive (ok, das hier wäre es nach MEINER Auffassung) Lebensumstände wirklich NICHTS bewirken würden ?

Lieben Gruß,

Lutz
Lutz
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon MajorSamCater » Di. 07.07.2015, 21:14

Ich fand Charlottes Erklärung wirklich sehr sehr anschaulich und sehr gut durchdacht.

Wenn ich mich zurück versetze in meine schlimmsten Phasen und dann über dein Angebot nachdenken würde, ich müsste sagen: Nein, das hilft mir nicht. Weil ich es gar nicht annehmen könnte. Ich wäre überfordert damit und ich glaube nicht, dass es einen positiven Effekt hätte, zumindest nicht wirklich dauerhaft. Ich glaube, ich wäre schon in so eine Abwehrhaltung,dass ich gar nicht mitgehen würde. Mich hätte es nicht gelockt...

Ich mag aber einen ganz anderen Aspekt noch ansprechen: Du bist nicht schuld. Deine Freundin hat das entschieden. Nur sie.

Sammy

Edit: Man merkt deine Trauer, irgendwie auch Verzweiflung...mag dir nicht zu nahe treten. Aber du kannst dafür nichts. Wirklich nicht. Es ist eine Krankheit...
MajorSamCater
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon Charlotte » Di. 07.07.2015, 23:05

Ich muss mich Sammy da anschließen. Mich hätte das auch überfordert. Nicht nur die Reise dahin ist bei einer Krankheit, bei der selbst das morgendliche Aufstehen zur Herausforderung wird, ein purer Albtraum. Auch die Vorstellung, überall um mich herum sind fröhliche Menschen und ich kann nicht fröhlich sein... Und dann womöglich immer wieder die Nachfrage "Geht es dir besser?" oder doch wenigstens prüfende Blicke, die auf das kleinste Zeichen einer Stimmungsverbesserung warten, die ich aber einfach nicht bieten kann... (und dann der Gedanke "Nicht mal das schaffst du!") Und das ganze noch fernab meiner gewohnten Umgebung und mit dieser Wahnsinnsmüdigkeit an den Hacken, denn Depressionen machen einfach nur müde...

Depressionen stellen einen vor Hürden, von denen man nicht mal wusste, dass sie existieren. Und irgendwann besteht das ganze Leben nur noch aus Hürden.

Lutz hat geschrieben:HHmm - ja, was bleibt "uns" da ?

- Immer für euch ein offenes Ohr haben.
- Für ALLES - auch zum xten Male.
- Euch sagen, wie wichtig ihr uns seid.
- Für euch da sein.
- Euch und euer Leid immer ernst nehmen

Vergiss nicht, auf deine eigenen Grenzen zu achten, sonst rutschtst du selbst ab und hilfst niemandem mehr. Es sind große Vorsätze, die du da schließt, aber letztendlich muss jeder zuerst auf sich selbst aufpassen.
Oft kann man eben nur professionelle Hilfe organisieren, weil es geschulte Therapeuten und/oder Psychiater braucht, um diese Krankheit in den Griff zu bekommen.
Charlotte
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon Lutz » Mi. 08.07.2015, 01:29

Ach, Menno...

Ich wollte was für EUCH tun -- und nun helft IHR mir ... (koppschüttl)

Ihr seid so lieb - ich danke euch.
Auch für die nachvollziehbare Antwort auf meine Frage.

Ich hatte so ein wenig die Theorie, daß Kaltdeutschland da was auslöst und man das umgehen könnte.
Ich hatte auch immer so mein Winter-Unbehagen.

Eure Kommentare helfen mir aber, langsam zur Ruhe zu kommen und allmählich klarer zu sehen.

Mann - das war SO ein Schock. Vier Tage später wäre ich doch gekommen.
Und ich hatte keinen blassen Schimmer, daß ich Sie nie mehr wiedersehen würde.
Und dann - zooom ! Die Nachricht ! Wie ein Paukenschlag !

Sie hat mich sie nicht eine Sekunde depressiv sehen lassen.
Ich kannte NUR ihre manische Seite.
Danke dafür - ? naja...

Nun ja - ich behalte im Herzen ausschließlich eine wunderbar freche, erfrischend burschikose Frau mit Ecken und Kanten. Und doch so empfindlich und sensibel.

Auf einem Reitturnier (ziemlich zu Beginn der Beziehung) war ich mal 15 Minuten weiter weg, um Fotos zu machen. Als ich zurückkam, empfing sie mit einer ganz ganz dünnen, sehr flehentlichen Stimme, daß sie gefürchtet hätte, ich sei gegangen. Heute weiß ich, daß ich damals für zwei Sekunden in ihre Seele schauen durfte.

Danach gings dann aber SOFORT weiter mit frechen Vorwürfen.
Fehlte nur noch, daß sie mir gegen das Schienbein getreten hätte.

Ach, seufz...

Danke, daß sie da war, Danke für ein tolles 2014 mit ihr und Danke an euch.

Lutz


Aber hinterlaßt uns bitte DOCH ein kleines Briefchen....
Lutz
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon kätzchen » Mi. 08.07.2015, 06:43

Hallo Lutz,
Ich glaub dem Brief ,von dem du so gerne hättest das er vorher geschrieben wird, erhoffst du dir zu viel. Vor einigen Jahren ist meine beste Freundin "gegangen". Sie hat damals ihren Eltern einen Brief zurück gelassen. Diese sind schlicht weg an dem Brief verzweifelt und versuchen sich immer noch die schuld zu geben obwohl sie explizit in dem Brief geschrieben hat das ihre Eltern keine schuld trifft.

Ich glaube die Hoffnung darauf das so ein Brief helfen könnte ist eher Verzweiflung weil man hofft man hätte dadurch mehr erfahren.

Tut mir leid wenn nur mir das so vorkommt bin da vll ein bissl voreingenommen durch meine Erfahrung....
kätzchen
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon Lutz » Mi. 08.07.2015, 11:46

Hi, Kätzchen,
ja, das ist aufgrund Deiner Erfahrung nachvollziehbar.
Aber das heißt ja nicht, daß es immer so laufen muß.

Ohne jede Information läßt das Kopfkino halt sämtliche Möglichkeiten zu.
Die kleinste Äußerung der Vergangenheit bekommt plötzlich ein riesiges Gewicht und ich frage mich, war's das ? War DAS der Auslöser ?

Ok, Ich lerne hier gerade, daß es andere Gründe hat.
Aber was ist mit all den Anderen, die sich hier nicht informieren ?

Doch - ich glaube, daß ein Brief in der Mehrzahl der Fälle etwas Gutes bewirken kann.
Und sei es, daß er einen Hinweis auf dieses Forum enthält.

Ich kann aber mittlerweile auch nachvollziehen, daß euch auch eine "Briefpflicht" wieder belastet.

WENN er euch aber möglich ist und ihr noch überlegt, ob ja oder nein - verschlimmern wird er nur selten etwas. Aber ohne Brief wird euer Fortgang für "uns" eher noch schmerzhafter sein.

Was meinst Du, wie die Eltern OHNE Brief reagiert hätten ?
Würde es ihnen dann "besser" ergangen sein ?

Und wer weiß - beim Briefschreiben befasst ihr euch nochmal mit uns. Ihr nehmt nochmal Kontakt zu uns auf.
Und von 10 Briefeschreiberinnen wird ihn eine anschließend verbrennen und eine weitere Sonne aufgehen sehen. Und wenn es eine von 100 ist oder eine von 1000, ist es gut.

( Ja, als hoffnungsloser Optimist würde ich auch immer in einer halbVOLLEN Badewanne ertrinken :wink: )
Lutz
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon kätzchen » Mi. 08.07.2015, 12:04

Da ich den Brief kenne und den Inhalt weiß ich das sowohl mit als auch ohne Brief die Eltern gleich reagiert hätte. Da sie sich nicht nochmal genau mit denen befasst hat die sie zurück gelassen hat. Aber mehr möchte ich hier nicht sagen. Wenn du mehr wissen willst kannst du mir gerne eine Pn da lassen...
kätzchen
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon Lutz » Mi. 08.07.2015, 12:19

hhmmhhh - ich würde aber in diesem Thread gern die Kurve weg von diesem, sicherlich wahren, Einzelfall bekommen und dennoch ermutigen, uns Informationen zu hinterlassen.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß es ohne Brief mehrheitlich schlechter laufen sollte, als mit Brief.
Es sei denn, er enthält Anschuldigungen. Aber wenn es die Krankheit ist und der Brief dies klarmacht, wird es in einer Mehrheit förderlich sein.

Gut - vielleicht gibt es ja Fälle, wo die Umgebung dies nicht verdient hat. Ok.

Aber es wird doch auch die anderen Fälle geben, wo man den Lieben noch ein letztes Mal Gutes tut, ihnen all ihre Mühen dankt, ihnen ein wenig die Schuldgefühle und ihr Grübeln nimmt, soweit es halt möglich ist.

Ich schreibe Dir eine PN
Lutz
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon kätzchen » Mi. 08.07.2015, 12:27

Ein Brief mag vielleicht wirklich hilfreich sein aber ich glaube halt nicht dran. Wenn die Depression aus einem in dem Moment spricht hilft er wahrscheinlich wenig, liebe Worte vielleicht.
Ich will dir da nicht deinen Optimismus nehmen.
kätzchen
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon Lutz » Mi. 08.07.2015, 13:56

Vorschlag :

(...)
Edit by Christine: Bsp. für Brief entfernt

Hätte mir sicherlich geholfen, sie im Inneren nochmal lieb zu umarmen und ihre Seele eben in Liebe gehen zu lassen. Ungetrübt von begleitenden Grübeleien.

Das kann doch nicht schaden (?)
Lutz
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon Christine » Mi. 08.07.2015, 14:17

Hallo Lutz,
entschuldige, ich habe eben aus deinem Beitrag deinen Vorschlag entfernt, wie so ein Abschiedsbrief aussehen könnte. Ich bin sicher, du wolltest einfach nur veranschaulichen, was du meinst... allerdings möchte ich nicht verantworten, auf einer Seite wie dieser, wo sich sicher einige Menschen mit Suizidgedanken tragen, sozusagen ein "Muster" für einen Abschiedsbrief stehen zu haben.

Mein tiefes Beileid für deinen Verlust. Ich kann gut nachvollziehen, dass ein Brief von ihr dir vielleicht geholfen hätte, sie gehen zu lassen. Eine Pauschalaussage kann man da wohl nicht treffen... manche Menschen verabschieden sich mit einem Brief, andere können es nicht. Manche Angehörigen können aus einer letzten Nachricht vielleicht Trost ziehen, letztlich wird aber auch eine abschließende Nachricht den geliebten Menschen nicht zurückbringen können. Die Trauer kann den Hinterbliebenen niemand ersparen.
Christine
 

Re: An Alle, die Suizidgedanken haben

Beitragvon Lutz » Mi. 08.07.2015, 15:53

Hallo, Christine,
ich respektiere Deine Sichtweise und Dein Verantwortungsgefühl, obwohl ich anderer Meinung bin.

Was mich am meisten quält, ist die "Warum"-Frage, die dann weitere Fragen gebiert und in Grübelschleifen führt. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, daß die Erlösung der Lieben von dieser Frage in der Mehrheit der Fälle eher Gutes bewirken wird. Keinen nachhaltigen Trost - aber wenigstens die Erlösung von dieser Warum-Frage, auf die wir niemals eine Antwort erhalten werden (außer hier).

Aber dieser Thread soll ja auch eigentlich dafür werben, noch besser mit uns zu kommunizieren und dort, wo das Vertrauen tief genug ist, das Rollenverhalten "um uns nicht zur Last zu fallen" aufzugeben.

Der Verlauf führte dann in dieses Briefthema.

Aber es ist ja vielleicht auch einfach schon gut, wenn ich hier als "Vertreter der anderen Seite" gelesen werde.
Lutz
 


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