Hat jemand ein ähnliches problem?

Forum zum Austausch über das so genannte Selbstverletzende Verhalten (SVV), auch bekannt als Ritzen, Selbstverstümmelung, Cutten usw.
Wichtig: Bitte keine Bilder von SVV zeigen und kein Pro-SVV!

Hat jemand ein ähnliches problem?

Beitragvon Lena 333 » Sa. 16.12.2017, 22:41

Hallo!

Ich betreibe svv nun seit drei jahren und was einen großen teil dazu beiträgt ist die schule, der ganze druck und stress, die anforderungen. Ich bin jetzt in der 5. (Matura) und war nie wirklich eine gute schülerin und hatte schon immer ein wenig probleme mich zu organisieren jedoch ist es zurzeit sehr schlimm. Ich schaffe es einfach nicht mein leben auf die reihe zu bekommen, den tag zu strukturieren und organisieren. Anstatt zu lernen bin ich gedanklich irgendwo und denke oft über svv nach, höre traurige lieder und lese mir traurige sprüche durch. Gleichzeitig bekomme ich dann wieder totale stressanfälle da ich ja weiß, dass ich eigentlich lernen sollte, es aber einfach nicht schaffe mich darauf zu konzentrieren. Dann sitz ich da heule und verzweifle, greife dann auch zur klinge. Ich hasse mich total selbst dafür da es mir bei allen aufgaben die ich zu erledigen habe so geht, ich schiebe sie auf und erledige sie dann in der nacht, wenn ich sie am nächsten tag brauche und arbeite daher dann oft früh am morgen oder bis spät in der nacht, was überhaupt nicht notwendig wäre. Ich hab dadurch das ich die dinge ständig aufschiebe einen druck in mir der sich auch durch bauchschmerzen bemerkbar macht. Ich fresse wenn ich lernen sollte oft unkontrolliert in mich hinein wofür ich mich dann noch mehr hasse. Wenn ich andeutungen bei mama mache, dass ich es nicht schaffe oder etwas nicht geschafft habe macht sie mir nur vorwürfe (sie weiß nicht von svv und meiner verzweiflung) weil sie glaubt ich bin einfach nur faul. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als mein leben in die hand nehmen zu können und mich intensiv aufgaben widmen zu können ohne ständig gedanklich irgendwo zu sein oder mich durch andere dinge abzulenken. Ich fühle mich unfähig mein leben zu strukturieren und aufgaben zu erledigen.
Hat jemand ein ähnliches problem?
Lena 333
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Re: Hat jemand ein ähnliches problem?

Beitragvon loner » Mo. 18.12.2017, 16:56

Hallo Lena,
Ich bin 25 und habe genau dieselben Probleme. Dieses Aufschieben nennt sich auf schlau Prokrastination und das hat so ziemlich jeder schonmal gemacht. Den Stress und vielleicht die Angst, die du empfindest kenne ich auch zugut. Aber meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass man meistens erstmal anfangen muss und für ein paar Minuten dran bleiben muss. Irgendwann kommst du von allein in den "flow", der wirklich schön sein kann. Damit bezeichnet man den Zustand, wenn du voll im Thema drin bist, so ähnlich, wie wenn du von einem Buch gefesselt bist. Es "läuft" dann eben, wie das Wort schon sagt. Wichtig ist, dass du dran bleibst, und nicht nach ein paar Ablenkungen aufgibst. Du machst es ja dann sowieso nachts und schaffst es irgendwie. Das zeigt ja, dass du es sogar wenn du dann voll müde bist, schaffst. Mein Rat an dich wäre, dass du auf ein paar Dinge achtest, wenn du lernen oder Hausaufgaben machen willst: 1.) Beseitige alles, was dich ablenkt, aus deinem Sichtfeld. Sei es dein Handy oder der PC (falls du den nicht zum lernen brauchst). Mach das Handy am besten aus und leg es in ein anderes Zimmer. 2.) Sorge für einen aufgeräumten und organisierten Arbeitsplatz. Wenn der Schreibtisch leer und sortiert ist, hilft dir das auch, dich in deinen Gedanken zu sortieren. Für mich zB bewirkt ein unordentlicher Schreibtisch, dass ich erstmal aufräume bevor ich zu arbeiten anfange und dann geht unnötig Zeit verloren. 3.) Setze dir dein Zeitlimit. Wenn du klare Zeitgrenzen setzt, wanns los geht und wann es dann auch zu Ende sein soll, dann wird es dir leichter fallen, deinen Schweinehund für diesen festen Zeitraum zu überwinden. 4.) Versuche Süßkram bei Lernen zu vermeiden. Also eigentlich alles, wo der böse Industriezucker drin ist. Der macht dich nämlich nach relativ kurzer Zeit unkonzentriert. Stattdessen stell dir lieber ein Glas Wasser auf den Tisch oder mach dir einen Tee. Schließlich willst du dich mit dem Süßkram ja auch nicht ablenken, sondern dich gerade auf deinen Lernstoff konzentrieren.
Mein größter Rat ist, dass du dir jedes Mal, wenn du aufschieben willst, in den Arsch tritts und dich zwingst - egal wie eklig sich das Anfangen in dem Moment anfühlt.Denn wenn du nicht mehr aufschiebst, dann wird es dir auch sofort emotional besser gehen und höchstwahrscheinlich auch körperlich. Das hat alles mit Selbstdisziplin zutun, aber das kannst du üben. Es ist ja ein bisschen Verhaltensache und das Verhalten kannst du sozusagen umlernen.
Mütter verstehen oft nicht so ganz, was in einem vorgeht. Die kennen ja auch nur die halbe Wahrheit und sie empfinden das Leben ja auch anders, so wie jeder eben. Wegen dem SVV finde ich, solltest du trotzdem mal mit irgendwem reden. Weil eine Lösung ist das ja nicht, wenn es so bleibt. Hast du schonmal dran gedacht, mit einem Arzt darüber zu reden? Ich finde auch, dass du das mit den raurigen Texten und Liedern sein lassen solltest. Die ziehen dich voll runter. Probiers doch mal mit Witzen und Swing. Manche Musik motiviert sogar total und dann klappt es vielleicht mit dem Lernen besser.

Alles Gute
loner
Wie einfach wäre das Leben, wenn sich die unnötigen Sorgen von den echten unterscheiden ließen. (Karl Heinrich Waggerl)
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Re: Hat jemand ein ähnliches problem?

Beitragvon Oskar » Di. 19.12.2017, 01:16

Oh ja ich kenne das sehr gut. Selbst wenn ich eine Sache eigentlich sehr gerne machen würde dann schaffe ich es nicht anzufangen. Ich kann mich auf den Kopf stellen aber es geht einfach nicht. Sobald ich vor der Aufgabe sitze kommt mir alles Andere in den Kopf und selbst wenn ich versuche mich zu zwingen schaffe ich es nur ganz ganz selten eine Aufgabe anzufangen oder gar zu Ende zu bringen. Eher ist es so das ich mich 3 Tage lang mit dem Gedanken quäle noch eine Aufgabe machen zu müssen anstatt diese Aufgabe zu erledigen und allein der ewige Gedanke daran raubt einfach Kraft.
Ein bisschen möchte ich loner widersprechen an der Stelle. Eine wirkliche Blockade die sich mit zusammen reißen nicht überwinden lässt und stehts mit der selben Intensität zurück kommt ist meiner Meinung nach nicht auf den "inneren Schweinehund" zu schieben sondern eher ein richtiges Problem das eine Ursache hat. Die Ausprägung sich selbst dafür zu hassen "so ein Versager zu sein der nicht schafft was alle Anderen schaffen" (so zumindest war mein Gedanke über mich immer) ist viel zu intensiv dazu.
Der "innere Schweinhund" tritt ja dann auf wenn sich unser rationale "Über-Ich" nicht oder nur mit Mühe gegen unser "Es" das auf Lust und Befriedigung aus ist durchsetzen kann. Bei dir schein es aber nicht so zu sein das sich die Vernunft nicht durchsetzen kann gegen die unvernünftige Lust sondern du leidest ja unter deinem Verhalten und dennoch stellt sich keine Änderung ein. Das hört sich für mich eher nach einer Blockade an die irgendwo psychische Ursachen hat und es dir unmöglich macht diese zu überwinden. Dort müsste man mal wirklich hin sehen einfach mit Tricks und mehr wollen bin ich zumindest nie so weit gekommen das es besser wurde. Jetzt arbeite ich auch in meiner Therapie daran und langsam aber sicher wird der Widerstand kleiner. So manches mal werden die verschiedensten Kindheitsprobleme und anderen Macken und Verletzungen darauf projiziert.
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Re: Hat jemand ein ähnliches problem?

Beitragvon Lena 333 » Di. 02.01.2018, 19:54

Hallo Ioner und Oskar!

Erstmals vielen Dank für euer Bemühen mir zu Antworten, das hat mich echt gefreut.

Zu Ioners Beitrag: Anfangs war das noch so, dass ich die Dinge in der Nacht erledigen konnte, jedoch hab ich das dann auch nicht mehr geschafft. Die Tipps versuche ich umzusetzen, danke! Wenn ich mit jemanden über svv reden würde, hab ich total Angst dass das meine Mutter herausfindet. Das mit den motivierenden Liedern werd ich mir auch zu Herzen nehmen. Danke!

Zu Oskars Beitrag: Da schließe ich mich deiner Meinung an, dass da mehr dahinter steckt als der "innere Schweinehund". Dieselben Gedanken hab ich auch. Ja in der Kindheit liegen meist die Ursachen. Danke!

Ich hab jetzt versucht meinen Lernplatz zu verändern und zwar fahre ich dazu mit dem Bus in die Stadt und arbeite dort in einer Bibliothek. Es fällt mir zwar manchmal schwer mich zu konzentrieren, aber es geht so viel mehr als Zuhause. Zwischendurch hab ich wieder versucht Zuhause meine Dinge für die Schule zu erledigen, aber das funktioniert überhaupt nicht. Der Frust und die ständige Kontrolle meiner Mutter sind dann kaum auszuhalten.

Lg Lena
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Re: Hat jemand ein ähnliches problem?

Beitragvon Zerrissen » Mi. 10.01.2018, 06:57

Hi Lena
Ich wollte einfach mal fragen, ob es noch so klappt, wie du es dir vorstellst? :)
--Selbst wenn du nicht mehr dran glaubst, kämpfe weiter bis der Krieg ums Leben gewonnen ist, sonst verpasst du vielleicht den schönsten Teil--
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