Selbstermächtigung: Psychologische Ursachen von SVV

Forum zum Austausch über das so genannte Selbstverletzende Verhalten (SVV), auch bekannt als Ritzen, Selbstverstümmelung, Cutten usw.
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Selbstermächtigung: Psychologische Ursachen von SVV

Beitragvon Oskar » Di. 27.12.2016, 01:09

Ich habe gerade einen ganz üblen Drang, ich muss fast aufpassen das ich es nicht unbewusst tue.
Das ist enorm lästig, mindestens.
Nun bin ich also an dieser Stell und frage mich: was tun in dieser Situation und vor allem:
WAS ZUM TEUFEL?!?
Warum will ein Teil von mir das eigentlich, wie ensteht das?

Eigentlich macht es keinen Sinn den Drang zu verspüren sich selbst zu schädigen, es ist evolutionärer Unfug.
Und auch faktisch hilft es kein Stück weiter.
SVV ist offensichtlich sinnlos.
Dennoch: Viele, einschließlich mir haben diesen Druck. Warum?
Was sind die Ursachen dafür? Warum entsteht diese Aggression gegen sich selbst?
Es geht nicht um die Gründe, warum wir gerade in der Situation sind, sondern viel mehr um die Frage warum wir Probleme so verarbeiten wie wir sie gerade verarbeiten.

Ich bin, wie viele hier sicherlich wissen schon seit geraumer Zeit ein Freund der These "Wissen ist Macht"
Ich denke das man einen Gegner leichter besiegen kann wenn man ihn hinreichend kennt und wenn man ihm im Idealfall den Saft abklemmen kann anstatt ihn mühevoll auf Augenhöhe nieder zu ringen.
Außerdem packt man das Übel am besten an der Wurzel, damit es auch nachhaltig verschwindet

Dieses Thema soll also dazu dienen das Thema SVV gemeinschaftlich auseinander zu nehmen und nach den Ursachen zu forschen.
Wenn also jemand Ansätze und Erklärungen hat warum das so ist:
Immer rein damit! Umso klüger wir werden umso mächtiger werden wir.
Ich werde mich derweil auf den Weg machen um ein paar Studien dazu zu finden, vielleicht habe ich demnächst ja schon etwas gutes Gefunden das uns hilft diesen Drang zu entlarven

mfg
Ach wie gut das niemand weiß, das ich gar nicht Oskar heiß ;)
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Re: Selbstermächtigung: Psychologische Ursachen von SVV

Beitragvon Binella94 » Di. 27.12.2016, 01:25

Hallo oskar,

Meine ärztin hat mir das (vor ein paar jahren) so erklärt:

Durch die verletzung die wir uns zufügen setzt der körper, körpereigenes schmerzmittel frei um den schmerz zu lindern. Davon kann man dann süchtig werden, deshalb wird svv wie eine sucht behandelt.

Da das schon einige jahre her ist, kann ich jetzt nicht garantieren ob das was ich geschrieben habe auch so stimmt

Lg binella
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Re: Selbstermächtigung: Psychologische Ursachen von SVV

Beitragvon JK97 » Di. 27.12.2016, 15:15

ich würde sagen, dass man zusätzlich halt natürlich versucht den "seelischen Schmerz" mit körperlichem zu überdecken, sodass man durch den körperlichen Schmerz ablenkt wird und natürlich der Suchtfaktor
Wir werden hineingeboren in diese kranke Welt, in der man dich, wenn du dich gegen das Kranke wehrst, für den Kranken hält.
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Re: Selbstermächtigung: Psychologische Ursachen von SVV

Beitragvon loner » Di. 27.12.2016, 20:19

Was meine 'Gründe' angeht, so ist es genau wie JK97 sagt. Ich würde bei mir weiß Gott nicht von einer Sucht sprechen, da ich nicht regelmäßig den Drang verspüre. Eher wenn der seelische Druck zu groß wird, d.h. der seelische Schmerz im Sinne der Selbstverachtung, die in dem Momemt so wahrhaftig für mich ist, d.h. die Überzeugung, dass man selbst das allerletzte ist und sich jeder abkehrt von einem, erst dann brauche ich die körperliche "Ablenkung", also den Schmerz. Wobei mein Geisteszustand dabei nie "normal" ist, eher verzerrt und benommen.
Es passiert, weil alle Emotionen gleichzeitig übersprudeln und der Geist nicht mehr in der Lage ist, den dadurch entstandenen körperlichen Schmerz abzubauen. Stattdessen wird "echter" körperlicher Schmerz verursacht, der dann tatsächlich abklingen kann.
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Re: Selbstermächtigung: Psychologische Ursachen von SVV

Beitragvon Oskar » Di. 27.12.2016, 22:04

Im Prinzip haben wir jetzt also 3 Ähnliche Erklärungen gehört, wovon 2 (Bienella, JK) beinahe gleich sind.
Ich denke auch das diese Faktoren eine große Rolle spielen können

Ich habe heute von meiner Therapeutin einen anderen tiefen-psychologischen Ansatz gehört
In der Frühphase der Kindheit oder auch später kann es sein, dass man nicht die Leibe erhält die man benötigt oder das es zu inneren Konflikten kommt die man in SVV sozusagen somatisiert
Wer sich also selbst verletzt der führt einen innerlichen Kampf mit sich selbst, versucht sich entweder für sein eigenes Denken oder tun zu bestrafen oder lehnt sich selbst in einer anderen Weise ab
Diese Gefühle den eigenen Körper abzulehnen können auch durch bewusste Schädigungen des eigenen Körpers durch andere, also ein späteres Trauma aktiviert werden
Das Erste scheint mit für mich eine geeignete Antwort zu sein.
Entsprechend könnte man diesen Konflikt ja auch Tiefenpsychologisch oder mit Psychoanalyse zu bearbeiten weil man den Konflikt lösen kann den man mit SVV ausdrückt.
Vielleicht erklärt dieser Ansatz ja auch etwas, bzw hilft anderen beim Verständnis des Problems

Beides, Sucht und Druckreduktion sowie auch innere Konflikte sind denke ich Elemente die unabhängig voneinander stattfinden können sich aber nicht gegenseitig ausschließen
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Re: Selbstermächtigung: Psychologische Ursachen von SVV

Beitragvon loner » Mi. 28.12.2016, 12:06

Also das mit dem inneren Konflikt passt sehr gut finde ich. Allerdings habe ich schon oft festgestellt, dass ich in diesen Situationen eine andere Wahrnehmung der Realität habe. Ich bin später, wenn ich wieder "normal" bin, nicht mehr so überzeugt von dem Negativen. Deswegen glaube ich, dass ich persönlich den Konflikt kaum lösen kann, weil es eigentlich Unfug ist, wovon ich in dem Moment überzeugt bin. Oder meinst du mit Konflikt lösen, dass ich in einem solchen Moment mich von dem Gegenteil dann überzeugen sollte, d.h. versuchen, mir selbst zu beweisen, dass ich Quatsch denke? Das finde ich sehr schwer...
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Re: Selbstermächtigung: Psychologische Ursachen von SVV

Beitragvon Oskar » Mi. 28.12.2016, 22:01

loner hat geschrieben:Also das mit dem inneren Konflikt passt sehr gut finde ich. Allerdings habe ich schon oft festgestellt, dass ich in diesen Situationen eine andere Wahrnehmung der Realität habe. Ich bin später, wenn ich wieder "normal" bin, nicht mehr so überzeugt von dem Negativen. Deswegen glaube ich, dass ich persönlich den Konflikt kaum lösen kann, weil es eigentlich Unfug ist, wovon ich in dem Moment überzeugt bin. Oder meinst du mit Konflikt lösen, dass ich in einem solchen Moment mich von dem Gegenteil dann überzeugen sollte, d.h. versuchen, mir selbst zu beweisen, dass ich Quatsch denke? Das finde ich sehr schwer...


Ja das mit der Realitätswahrnehmung fällt mir oft recht schwer, aber zumindest ich habe das Glück das ich recht schnell mit Validierung der Situation zurück gehen kann in die Realität
Eigentlich sind es ja nur alte Gefühle die ich habe und die ich immer wieder erlebe, das hat nichts damit zu tun wie es in der Realität eigentlich ist oder wie es richtig wäre zu reagieren
Ich will diese Welt von damals aber nicht mehr haben
Und deswegen hoffe ich auch das ich in einer Traumatherapie später überwinden kann
Was die Situationen betrifft versuche ich mir einfach klar zu machen das das alte Gefühle sind die mir weh tun, dann kapiere ich auch was da los ist und kann zumindest recht schnell adäquat reagieren (so ca 5min später)
Aber ich habe eben auch schon 4 stationäre Aufenthalte hinter mir dieses Jahr, es hat also ein bisschen gedauert bis ich so weit war.
Bedeutet aber auch: ihr könnt das auch :D

Den Konflikt lösen bedeutet für mich das ich mich den stelle was da in mir wütet.
Der Konflikt ist ja noch aktiv in mir. Ich wüte ja noch gegen mich selbst sonst würde ich mich nicht selbst angreifen. Wenn dieser alte Konflikt gelöst ist müsste auch das SVV aufhören, denke ich zumindest.
Die Angst und die Scham von damals ist einfach noch sehr präsent in mir und auch die Vorwürfe die ich mir selbst mache und gemacht habe.
Ich denke also SVV kommt bei mir aus dem Selbsthass von damals und der Lust mich zu bestrafen dafür was war
Dieses Gefühl ist aber heute gar nicht mehr aktuell, es ist unnötig, unpassend und angemessen war es noch nie, schließlich bin nicht ich es gewesen der etwas falsch gemacht hat
Deswegen ist SSV ja auch ne unangemessene Reaktion, hat man den alten Konflikt ein für alle mal aufgelöst so braucht man auch kein SVV mehr
Oskar
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