SVV wirklich immer was schlimmes?

Forum zum Austausch über das so genannte Selbstverletzende Verhalten (SVV), auch bekannt als Ritzen, Selbstverstümmelung, Cutten usw.
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SVV wirklich immer was schlimmes?

Beitragvon Kali » Fr. 24.06.2016, 22:02

Hallo ihr Lieben,

ist denn SVV wirklich immer so verwerfflich? Ich meine damit die Selbstverletzung an sich. Natürlich zeigt es auf, dass jemand Probleme hat und die sollten bestenfalls behoben werden. Aber das meine ich gar nicht....braucht es denn immer eine Alternative zu SVV? Es ist doch ein Ventil um mit etwas fertig zu werden. Manche machen Sport oder Musik oder betreiben ein sonstiges Hobby, andere nehmen Drogen und wieder andere verletzen sich selbst.
Wenn diese Selbstverletzung keine weiteren bleibenden Folgen bis auf beispielsweise unästhetische Narben hat, wieso das Schneiden dann unterlassen?
Es gibt auch schlimmere Formen der Selbstverletzung. Sich den Arm zu brechen oder so...davon rede ich nicht. Ich rede von Schneiden, Kratzen, leichten Verbrennungen, meinetwegen auch Kopf irgendwo gegen schlagen (solange es im Rahmen bleibt).

Wenn man aufpasst, dass sich die Wunde nicht entzündet, ist doch eigentlich nix dagegen einzuwenden, oder? :roll:

Ich mache mir gerade diese Gedanken, weil ich nach Jahren der Abstinenz wieder mit SVV angefangen habe und es ist ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass es mir dadurch evtl irgendwann wieder besser gehen könnte. Ich muss erst noch abwarten, denn ich habe damals aufgehört, weil es mir nix mehr gebracht hat. Aber wenn es mir nun wirklich wieder hilft, warum sollte ich es dann nicht tun!? Meine Arme sind eh schon nahezu komplett von Narben übersäht.

Was ist euere Meinung dazu?

Lg, Kali
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Re: SVV wirklich immer was schlimmes?

Beitragvon Ruby » Sa. 25.06.2016, 02:07

Nun ja, schwieriges Thema.
SVV ist ja nicht wirklich ein Hobby. Oder doch? Jedenfalls habe ich persönlich es noch nie so gesehen. Drogen zähle ich auch irgendwie zu SVV. Drogenmissbrauch schadet ebenfalls dem Körper oder der Psyche, wird aber trotz diesem Wissen gemacht. Manchmal bis zum finalen Ende. Und kennt man bei SVV wirklich immer die Grenzen? Man steigert sich ja teilweise auch hoch, sodass es nicht einfach nur mehr reicht, zu gucken, dass es sich nicht entzündet. Manchmal muss ja auch genäht werden. Kommt ja nicht selten vor.

Wenn eine harmlosere Alternative als Ventil wirklich funktioniert, sollte man vielleicht doch besser auf diese zurückgreifen. Kennst Du denn Alternativen, die Dir gut tun würden, mit denen Du Druck ablassen kannst, oder die Dir ebenso als Ventil dienen könnten? Du sagst ja selbst, dass SVV ein Zeichen für Probleme ist. Ist SVV von dem her nicht auch irgendwie ein Teil dieser Probleme.

Ich schreibe das aber ganz wertefrei. Also nicht um Dich davon abhalten zu wollen. Ich will hier bei Dir auf keinen Fall den Moralapostel geben. Das steht mir auch gar nicht zu, zumal ich selbst nicht immer sehr Achtsam mit meinem Körper umgehe.

lieben Gruß
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Re: SVV wirklich immer was schlimmes?

Beitragvon loner » Sa. 25.06.2016, 07:50

Liebe Kali,

Ich bin sehr betroffen. Du hast nach Jahren wieder angefangen damit? :( Das finde ich ... Nein, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin traurig.
Ich verstehe dich so gut. Wenn es mir schlecht geht, dann denke ich auch immer wieder an die Zeit zurück, in der ich mich selbst verletzt habe. Ich denke genau dasselbe wie du. Könnte es mir vielleicht wieder helfen? Würde es all meine Sorgen nehmen? Meine Ängste? Vor allem aber den Druck?
Ich habe mir nie "ernsthaft" weh getan dabei. Es waren immer eher leichte Schnitte oder Kopf --> Wand. Die Narben, die ich jetzt noch habe, sieht man kaum, glaube ich. Trotzdem. Bei mir war es nun genau so, dass ich es nicht kontrollieren konnte. Ich war in einer Art Rage. Daher sehe ich die Gefahr, dass es nicht bei leichten Verletzungen bleibt.
Ich finde jede Art der Selbstverletzung ist zwar ein Ventil, aber man muss daran arbeiten, seine Probleme/ Stress normal bewältigen zu können. Was wäre denn, wenn der Druck einmal zu groß ist?
Es geht dir dadurch ja auch nicht dauerhaft besser. Es schwankt nur. Willst du nicht lieber versuchen, dass es dir dauerhaft besser geht? Ich weiß, das ist irgendwie ein voll blöde Frage. Manchmal will man auch gar nicht mehr an sich arbeiten.
Aber jetzt stell dir mal einen geliebten Menschen von dir vor. Eine gute Freundin zB. Jemand, der dir so wirklich am Herzen liegt. Stell dir vor, die Person nimmt vor dir die Klinge in die Hand und ritzt sich ins Fleisch. Würde dir das nicht weh tun, das dein geliebter Mensch so mit sich umgeht?
Und das schlimme daran ist, du sollst dich doch selbst auch so sehr lieben. Du sollst dich achten und respektieren. Du sollst gut zu dir sein. Du bist der Mensch, der dir am nächsten ist. Du bist der Mensch, mit dem du alles teilst.
Wenn du dich schneidest, dann tust du dir selbst unrecht.
Wenn Menschen Sport (kein exzessiven) und Musik machen oder sonstige Hobbies betreiben, dann tun sie ihrer Seele eher etwas Gutes. Und Sport soll ja zudem dem Körper gut tun. Und da liegt die Verwerflichkeit. Der Unterschied zum SVV.
Und Drogen sind für mich nochmal was anderes. Das hängt oft mit einer Sucht zusammen. Und ich finde Drogen auch nicht gut. Man zerstört damit sein Leben, ohne es direkt zu merken, bis man nichts mehr unter Kontrolle hat.

Ich wünschte, ich könnte irgendwas tun, um dir den Schmerz zu nehmen, der dich wieder hat damit anfangen lassen.
Tu dir was gutes. Und ich meine, etwas wirklich gutes. Und tu dir kein Unrecht an.
:troest:
loner
Wie einfach wäre das Leben, wenn sich die unnötigen Sorgen von den echten unterscheiden ließen. (Karl Heinrich Waggerl)
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Re: SVV wirklich immer was schlimmes?

Beitragvon vika » Mo. 08.08.2016, 14:39

Hallo,

Ich bin wegen den Überschrift neugierig geworden und kann mich gut mit dem was du schreibst identifizieren. Es ist in der Tat ein schwieriges Thema.
Warum SVV etwas negatives ist, oder von vieles als das betrachtet wird, es ist eben ein kontraproduktives Verhalten, langfristig hilft es nicht, ausser man nutzt es eben immer zur Problembewältigung, dann gibt es immer die Infektionsgefahr, wenn man kein Chirurg ist und/oder seinen Körper in und auswendig kennt, kann man sich auch schnell mehr Schaden zufügen, als man eigentlich beabsichtigt hat.

Ich habe mich selbst lange und intensiv verletzt, mit der Zeit sind die Abstände aber immer größer geworden. Von zeitweise mehrmals täglich, bis nun einmal alle drei Monate. Ich habe automatisch angefangen, "Skills" anzuwenden, nicht weil die Selbstverletzung mir nichts mehr gebracht hat, ich hatte keine Lust mehr drauf. Das verbinden, die Sauerei wegzumachen, sich drum kümmern, dass es sich nicht entzündet, die offenen Sachen vor anderen zu verdecken, dann dieses drauf angesprochen werden ging mir irgendwann auch tierisch auf den Keks, kurz gesagt bin ich wohl zu faul dafür.
Allerdings habe ich nach wie vor eher die Einstellung - wenns hilft, warum nicht? - Ist keineswegs zu empfehlen, ich möchte auch nicht, dass sich jemand ein Beispiel an mir nimmt -
Nun habe ich mich lange damit auseinandergesetzt. Viele finden das blöd, sehen das als wirklich krank an. Weil es eben für "Normale" krank ist. Vielleicht denke ich auch so, weil ich mich damit abgefunden habe, anders zu sein, krank zu sein.
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Re: SVV wirklich immer was schlimmes?

Beitragvon Cassie » Mo. 08.08.2016, 16:32

Nein. Ich finde es nicht gut, wenn es jemand tut, aber nicht weil damit der Körper schaden nimmt, sondern der Grund zu diesem Akt. Keine Verletzung kann zeigen, wie schmerzvoll der Grund dazu war.
Das finde ich am SvV schlimm. Der GRUND warum man es tut.
Vielleicht sind Herzen doch nur da um Blut zu pumpen.
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Re: SVV wirklich immer was schlimmes?

Beitragvon Oskar » Di. 27.12.2016, 22:10

Es geht ja eigentlich nicht darum ob etwas verwerflich ist.
Verwerflich ist es auch nicht.
Es geht viel mehr darum ob es gut für uns ist und ob es uns gesund macht
Und das tut es sicher nicht.
Es gibt Ansätze sich im Extremfall kontrolliertes SVV zu erlauben also klar zu limitieren was man tut und wenn man dann etwas weniger leidet andere Mittel zu nutzen
Sozusagen ein sanfter, schleichender Übergang zu Normalität
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Re: SVV wirklich immer was schlimmes?

Beitragvon Lynn » Sa. 25.02.2017, 22:08

Cassie hat geschrieben:Keine Verletzung kann zeigen, wie schmerzvoll der Grund dazu war..

Ja. Was bei mir dazu führte dass die Verletzungen immer extremer wurden,bis ins lebensgefährliche. Das sind Schwellen die man überschritten hat,da gibt es kein zurück. Das finde ich das gefährliche.
Was ist wenn es irgendwann nicht mehr reicht?
Habe damals auch aufgehört weil es mir nichts mehr brachte.
Aber erst vor kurzem ist es mir passiert dass ich total die Kontrolle verloren habe. Nur noch geweint und geschrien habe und ich wusste nicht wohin damit. Mit diesem ganzen schmerz. Und dieser Verzweiflung. Und Verletzung und Ungerechtigkeit. Da ist es mir auch passiert dass ich völlig unkontrolliert angefangen habe meinen Körper zu verletzen.
Ich hatte mehr oder weniger Glück dass ich mich parallel dazu mit Wein und Tabletten runter gefahren habe sonst weiß ich nicht was passiert wäre.

Grundsätzlich kann ich diesen Gedanken verstehen. Als ich etwa 17 war und viele viele erfolglose versuche hinter mir hatte mit den Verletzungen aufzuhören hatte ich mich damals einer pro Bewegung angeschlossen. Ich wollte diesen sinnlosen Kampf nicht mehr. Mich nicht mehr dafür fertig machen dass es passiert ist. Einfach akzeptieren dass es zu mir und meinem Leben gehört. Nicht mehr dagegen ankämpfen. Wozu? Es schien mir so sinnlos.

Aber ich denke doch dass hinter diesen Gedanken das SVv als sucht liegt. Jede sucht gaukelt einem doch irgendwie vor so schlimm ist das doch nicht. Aber wenn es mir doch hilft?
Hm. Am Ende muss doch jeder selbst seine Entscheidung dazu treffen. Und niemand hat das Recht über jemanden anderen Entscheidung dazu zu urteilen. Wir kennen nur die eigenen schmerzen die eigene Geschichte. Die des anderen nur bis zu einem. Gewissen Punkt wie weit er uns einblick gewährt und wir in der Lage sind etwas mitzufühlen. Wir wissen nicht was denjenigen dazu gebracht hat so zu entscheiden. Dass es nur damit geht zu (über)Leben.

Alles gute.
Keine droge der Welt kann dir geben was nicht schon in dir ist. - aber sie kann dir alles nehmen.

Und wenn du gerade das Gefühl hast dass alles auseinander zu fallen scheint. Bleib ganz ruhig. Es sortiert sich nur neu..
Lynn
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