Probleme mit der Therapeutin

Hier könnt Ihr allgemein über psychische Störungen und Krankheiten sprechen bzw. wenn Ihr Euch nicht auf eine spezielle Thematik festlegen wollt.

Falls Ihr nicht genau wisst, um was für eine Störung es geht oder in welchem Unterforum es passen würde, könnt Ihr ebenfalls auch erst einmal hier schreiben.

Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon recovertopia » Mo. 19.09.2016, 18:29

Hallo.

(Kurzfassung grob umrissen: Ich habe Vertrauensprobleme mit der Therapeutin, sie verurteilt mich für meine Kaufsucht, sie macht mich oft nieder, zumindest kommt es so bei mir an, sie hat keine Diagnose gefunden, sie hat keinen Plan für die Therapie oder verrät ihn mir nicht, sie scheint mich nicht wirklich ernst zu nehmen, sie greift meine großen Probleme nicht auf, sie nimmt es sich heraus über Dinge zu urteilen, über die sie nichts sagen sollte und verunsichert mich dadurch.)

Seit einiger Zeit befinde ich mich nun in Psychotherapie. Warum? An machen Tagen geht's mir so gut, da weiß ich es nicht mehr, an anderen Tagen würde ich sagen "Wegen allem". Nun habe ich mir also Jemanden gesucht. Ich ging zu der Frau und begann irgendwie planlos zu erzählen, was mir wohl fehlt - das in Worte zu packen fällt mir enorm schwer.
Wir hatten 5 Sitzungen, in denen sie versuchte, eine Diagnose zu stellen - sie hat es nicht geschafft, hat mir am Ende eine "sonstige Belastungsstörung" oder ähnliches auf den Zettel geschrieben: gesagt hat sie mir das nicht, ich habe es ergooglet. Sie hat auch nie mehr darüber mit mir gesprochen, was ich erwartet hätte. Allerdings sagte sie mir, sie weiß nicht wirklich, was mir fehlt und hat nur irgendeine Diagnose für die Krankenkasse notiert... Toller Start.
Erwartet hatte ich eigentlich eher so den Ablauf: Ich geh da hin, wir erkunden gemeinsam, was los ist, sie macht vielleicht ein paar Tests, die spezifischere Diagnosen ausspucken (das hat meine frühere Jugendtherapeutin gemacht), stellt eine Diagnose, erklärt mir was das ist, wir schauen, ob noch was fehlt und dann erklärt sie mir, was und wie man dagegen vorgehen kann, damit es mir endlich besser geht. Ist das nicht der normale Weg? Das hätte mir jedenfalls viel mehr Sicherheit gegeben.
So, nun habe ich also eine schwammige Diagnose, die mich eher verunsichert. Einen Plan für die Therapie gibt es nicht.
Während der ersten 5 Sitzungen sprach ich mein Kaufproblem an, sehr kleinlaut, denn es ist mir unangenehm, dass ich offenbar kaufsüchtig bin. Als ich das ansprach kam nur in einem mehr als nur vorwurfsvollem Ton der Satz "Was, 300€ für Kosmetik? Wie viele Schulden haben Sie denn?!?!" - keine, davon war nie die Rede, aber sie hat mich sofort verurteilt und das tat extrem weh. Ja, ich gebe irrsinnig viel Geld für Quatsch aus, ich weiß, wie dumm und unnütz das ist. Und trotzdem tue ich es - ich kann nicht anders. Ich bin süchtig. Das war wieder eine Situation, in der ich mich extrem unwohl fühlte. Nach der Stunde Therapie saß ich 30 Minuten im Treppenhaus und weinte, da ich damit nicht klar kam. Ich wollte nur akzeptiert werden, nicht verurteilt.
Kurz nach der schwammigen Diagnose folgten 4 Wochen Therapiepause, unfreiwillig: die Praxis zog um, es gab eine Havarie im Gebäude, die Therapeutin hatte Privat einen Zwischenfall und sagte ab und dann war ich im Urlaub. Nun kam ich letzte Woche nach 4 Wochen Pause wieder zu ihr. An dem Tag ging es mir nicht so gut, da ich eine negative Erfahrung im Praktikum hatte, das ich gerade mache. Sie hängte sich nur daran auf und wir sprachen über nichts anderes (Es ging darum, dass ich in einer Kita arbeite und da ein kleines Kind, ca. 2 Jahre, 1 Stunde lang auf mir lag und Rotz und Wasser weinte und sich partout nicht beruhigen ließ - die Erzieher halfen mir dabei nicht und ich war heillos überfordert).
Immer wenn ich bei der Therapeutin bin, traue ich mich auch gar nicht zu sagen, dass auch andere Probleme angesprochen werden müssten. Ich hatte letzten Monat Schulden durch mein Kaufverhalten, ich habe eine schwere belastete Beziehung zu meinen Eltern etc... Aber ich schaffe es nicht was zu sagen. Die Frau putzt mich irgendwie immer runter, die ist meiner Meinung nach völlig empathielos. Wenn es mir nicht gut geht sagt sie immer "Sie haben eben zu viel erwartet, sie sind immer selbst Schuld, dass es ihnen schlecht geht" - Ja, ich bin sicher selbst Schuld, dass ich in früher Kindheit sexuellen Missbrauch erfahren musste, welcher mein gesamtes Leben unbewusst geprägt hat. Danke!
Zum Abschluss der Sitzung schoss sie dann den Vogel ab: "Ich kann es nicht durch die Blume sagen, also sage ich es direkt: Der Rock ist zu kurz für sie, es ist peinlich, wie sie herumlaufen. Bitten gehen sie so nicht in die Uni, damit machen sie sich zum Gespött". Mein Rock ist fast knielang und ich trage immer eine blickdichte Leggins drunter - aber diese Frau nimmt es sich heraus, mich zu verurteilen und meinen Stil zu beleidigen. Einfach so. Sie verunsichert mich, obwohl sie eigentlich (wenn sie zugehört hat) wissen sollte, dass ich ein schwaches Selbstbild habe... Es steht ihr nicht zu, das zu sagen. Ansonsten würde ich ihr auch sagen, dass ihr Permanent-Makeup furchtbar peinlich ist und sie sehr unvorteilhaft aussehen lässt - aber ich sage es ihr nicht, denn es ist ihr Gesicht und das kann sie anmalen lassen wie sie will. Es muss ihr gefallen, auch wenn es alle anderen Menschen hässlich und peinlich finden...
Ach und das letzte, was mir einfällt: Ich hatte eine "Hausaufgabe". Schreibe eine Liste mit 30 Dingen, die du gern tust. Nachdem ich dafür mehrere Tage scharf überlegt habe und sie irgendwie fertig bekam, wurde sie gar nicht mehr angesprochen. Wofür genau habe ich das gemacht? Mir fehlt hier die Konsequenz der Therapie...

Ich weiß ehrlich nicht, was ich tun soll. Sie hat schon recht damit, dass ich immer zu viel erwarte und das eines meiner Probleme ist. Aber ich weiß nicht, ob ich mit ihrer Art dauerhaft klar kommen kann, ob sie mir helfen kann oder mich nur mehr kaputt macht, da sie offenbar weder eine Diagnose noch einen Plan für die Therapie hat...

Ich werde diese Woche nochmal hingehen und mich dann wohl entscheiden, was ich weiter mache.

Wie läuft es denn ab, wenn man eine Therapie abbricht? Und habe ich überhaupt eine Chance, etwas besseres zu finden? Ich Weiß ja nicht, vielleicht ist es einfach so, dass ich nicht "krank" bin und man keine Diagnose finden kann, aber mir kommt das nicht so vor. Und meinem Umfeld auch nicht.
Mein größter Wunsch ist es gerade, dass ich einen netten neuen Therapeuten finde, der mich versteht, nicht verurteilt und beleidigt, der eine Diagnose finden kann und mit mir zusammen einen Plan schmiedet, wie wir das Problem angehen wollen... Jemand, der mich an die Hand nimmt und unterstützt, der Fortschritte würdigt und dann den nächsten Schritt erklärt...

So, Roman Ende. Vielleicht kann mir Jemand helfen... Danke schonmal
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Re: Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon Harvey » Di. 20.09.2016, 05:59

Hallo, ich selbst bin seit wenigen Wochen auch in psychotherapeutischen Behandlung und hatte selbst erst wenige Sitzungen (insgesamt 7) aufgrund einer sozialen Phobie und (scheinbar) daraus resultierenden Depressionen und kann ja mal von meinen Erfahrungen und Emotionen berichten die ich dabei bisher gemacht habe und mal meine Meinung zu dem äußern was du so über deine Therapie und Therapeutin denkst.
Allerdings kann ich dir nicht dabei weiterhelfen wie es abläuft sofern du deine Therapie noch abbrechen solltest. Dafür solltest du dich vill. mal bei einer Krankenkasse erkundigen. Generell müsstest du dann natürlich einen neuen Therapeuten/Therapeutin finden und es würde erneut eine Diagnose gestellt werden müssen.

Also wie gesagt bin ich selbst seit einiger Zeit in Therapie und abgelaufen ist das ganze bei mir so wie du es eigentlich auch bei dir erwartet hättest. Ich war beim Therapeuten, habe zunächst viel von mir erzählt, habe immer wieder viele Fragebögen und Zettel für Zuhause mitbekommen und diese dort ausgefüllt und dann nach der 3. Sitzung wurde mir von ihm bereits gesagt, was ich seiner Meinung nach für ein Problem habe. Allerdings muss ich dazu sagen, dass es mir- anders als dir- recht leicht gefallen ist meine Gedanken zu äußern und ich auch bereits vorher in etwa wußte was bei mir los war/ist. Nach der Diagnose erzählte er mir dann wo das Problem liegt und mittlerweile sind wir dabei Ziele festzulegen, die mir auf dem Weg helfen sollen meine Situation wieder zu verbessern. Ausserdem fragt er mich nach jeder Stunde ob ich noch weitere Fragen zum weiteren Vorgehen oder zu anderen Themen diesbezüglich hätte.
Dennoch war es zunächst wirklich sehr schwierig überhaupt "Vertrauen" zu fassen und ich denke das ist bei den meisten Menschen der Fall. Aber was ich persönlich nie hatte war ein unangenehmes Gefühl während meinen Sitzungen was durch die Worte vom Therapeuten ausging und nach 5 Sitzungen verspüre ich zumindest nur noch wenig Hemmungen bei den Dingen die ich ihm erzähle. Ausserdem sind wir bisher immer alle "Hausaufgaben", die ich bekommen habe in der darauffolgenden Sitzung durchgegangen.

Diese Unsicherheit die du bei deinen Sitzungen verspürst und auch dass du scheinbar wenig bis gar kein Vertrauen in deine Therapeutin hast sind denke ich eine sehr schlechte Basis für eine gute bzw. erfolgreiche Therapie.
Sicherlich sind Therapiestunden nicht immer einfach, weil einem hier ja auch der Spiegel in gewisser Weise vorgehalten wird, ausserdem ist es immer aufwühlend sein Innerstes nach aussen kehren zu müssen und eventuell hast du einige Punkte deiner Therapeutin auch missverstanden bzw. nicht so aufgenommen, wie sie es eigentlich ausdrücken wollte. Auch gerade mit einem schwachen Selbstbewußtsein und in einer Situation wie deiner kann es sicherlich vorkommen, die Dinge anders (übetriebener) wahrzunehmen als sie es eigentlich sind (das kann ich aus Erfahrung sagen).
Wo auch immer und in welchem Maße bei welcher Person die Probleme hierbei liegen, es darf finde ich dennoch nicht sein, dass man sich nicht traut auch mal seine Meinung zu sagen, oder davor Angst hat etwas nachzufragen. Deine Therapeutin sollte diese Gefühle eigentlich nicht vermitteln bzw. bei dir sollten diese Emotionen gar nicht erst aufkommen. Du musst ja schon wissen in welche Richtung sich die Therapie entwickelt und warum sie manche Probleme eher anspricht und andere als nicht so wichtig erachtet.

Bist du denn der Meinung, dass du in der Lage wärst bei einer anderen Person diese Scheu etwas mehr abzulegen und offener Dinge anzusprechen, die dich bei deiner Therapie stören?
Standest du der Therapie von Anfang an offen gegenüber? Wie war denn die erste Stunde mit ihr bzw. der erste Eindruck?
Und würdest du sagen, dass dir die Therapie bisher schon etwas gebracht hat bzw. du zumindest teilweise von der Therapeutin richtig eingeschätzt wirst? Denn du lenkst ja in gewisser Weise etwas ein, da du ihr Recht gibst, was deine Erwartungshaltung angeht.
Aber egal ob du bei ihr bleibst oder nicht, du solltest im nächsten Gespräch dringend ansprechen wie verletztend die einzelnen Aussagen ihrerseits teilweise für dich waren. Dieser Schmerz und auch eine gewisse Form von Frust und Wut lassen sich nämlich deutlich aus deinem Text herauslesen.
Das mag schwer sein, aber es wird deine Entscheidung erheblich erleichtern, denn dann kannst du an ihrer Reaktion eindeutig erkennen, ob sich diese Frau nicht doch noch eventuell für eine weitere Zusammenarbeit eignet. Du hast dann zumindest diese Gewissheit.
Zur Not machst du dir Notizen und liest es ihr direkt zu Beginn der Sitzung vor (habe ich bei meiner ersten Sitzung gemacht).
Aber da du ja auch bereits eine Jugendtherapeutin hattest scheinst du ja auch schon Erfahrungen in diesem Bereich gemacht zu haben und solltest vill. deinem Gefühl vertrauen, dass diese Person und ihre Methoden nicht (für dich) geeignet sind.

Die Bemerkung zum Rock bzw. zu deinem Äußeren ist allerdings wirklich unter aller Sau....
Das geht diese Frau ja überhaupt nichts an und erst recht nicht darüber zu urteilen, was peinlich für dich wäre und was nicht bzw. überhaupt eine solche Aussage zu treffen.

Ich hoffe dir hat der Beitrag zumindest ein wenig geholfen und ich wünsche dir viel Erfolg
MfG
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Re: Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon Richi » Di. 20.09.2016, 07:26

Hallo recovertopia
Ich kann mich dem Beitrag von Heavy nur anschließen.
Ich finde es äußerst schwierig, eine vernünftige Therapie zu machen, wenn man über einen längeren Zeitraum ein ungutes Gefühl hat, sich sogar abgewertet fühlt. Dann scheint etwas im zwischenmenschlichen Bereich wohl nicht zu passen. Ich habe am Anfang auch mehrere Therapeuten aufgesucht, bis ich "fündig" geworden bin. Bei einigen konnte ich mir nach den Vorgesprächen nicht vorstellen, eine Therapie zu machen. Es ist halt eine individuelle Sache, ob man sich bei einer Therapeutin oder einem Therapeuten wohl fühlt oder nicht.
Wenn es nicht passt, man über einen gewissen Zeitraum ständig blockiert ist und sich auch noch dazu Ängste entwickeln, dann wird es schwierig.
Wie überall gibt es auch unter den Therapeutinnen und Therapeuten gute und weniger gute.
Leider ist es oft schwierig und man braucht viel Zeit, um einen für sich geeigneten, guten Therapeuten oder gute Therapeutin zu finden. Auf Therapieplätze muß man manchmal mehere Monate warten. Dazu kommt noch, ob man eher ländlich wohnt oder in einer Stadt und wie mobil man ist.
Ich persönlich finde es wenig professionell, einem Patienten über mehrere Stunden hinweg ein ungutes Gefühl zu vermitteln oder ihn abzuwerten bzw. ihn zu negativ zu bewerten. Der Patient ist doch eigentlich ider Kunde, der für eine Stunde bezahlt und eine gewisse Leistung erwarten darf.
Wenn Du zu anderen Therapeuten gehst, dann fangen wieder Vorgespräche an. Das ist noch nicht die eigentliche Therapie.
Hast Du bzw. Deine Therapeutin schon einen Therapieantrag gestellt? Wurde er schon genehmigt?
Wie Heavy schon gesagt hat und da Du ja schon einige Erfahrungen gesammelt hast, solltest Du auf Deine innere Stimme hören, wenn sich nichts mehr ändern sollte und die Kommunikation in der Therapie weiterhin merkwürdig sein sollte.
Es geht ja schließlich um Dich und das Du eine Lösung für Deine Sorgen und Probleme finden kannst.
Zum Thema Therpeutenwechsel gibt es bestimmt noch weitere Informationen, vielleicht kann Dir auch die Kranenkasse bei einigen Fragen weiterhelfen. Wenn Du schon jetzt bei Deinen genehmigten Therapiestunden bist, stellt sich die Frage, ob Du sie bei einem möglichen Wechsel zu einem anderen Therapeuten mitnehmen kannst oder ob ein ganz neuer Antrag gestellt werden muß. Ich meine, dass ein Wechsel eigentlich möglich ist und bestimmt schon häufiger vorgekommen ist.
Ich hoffe, Du findest für Dich eine gute Lösung.
Viele Grüße von Richi
Richi
 

Re: Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon recovertopia » Di. 20.09.2016, 16:00

Danke euch beiden schon mal für eure Antworten.

Also ich habe bereits den Antrag bei der Kasse gestellt bin also schon richtig in Therapie seit 2 Sitzungen. Ich denke, ich werde diese Woche mal probieren, einen Termin bei der Krankenkasse zu bekommen um zu fragen, wie man wechseln könnte.

Ich weiß auch, dass ich bei einem neuen Therapeuten wieder von vorne anfangen muss, aber ich denke, das wäre nicht so schlimm, da ich glaube, inzwischen meine Probleme besser formulieren zu können.

Ich war auch von Anfang an offen für die Therapie. Ich bin da aus freien Stücken hin, nicht, weil mich irgendwer gedrängt hätte. Ich war selbst an dem Punkt angekommen, wo ich mir sagte, so kann ich nicht weitermachen. Ich will unbedingt meine Vergangenheit aufarbeiten und endlich ein "normales" Leben führen- mir ist klar, dass ich das definitiv nicht alleine schaffen kann. Ich WILL Hilfe...

Soziale Probleme habe ich auch. Ich weiß nicht, ob man das soziale Phobie nennt, was ich habe. Jedenfalls finde ich keine Freunde, habe Angst von anderen Menschen im Stich gelassen zu werden. Im Laufe der Jahre wurden mir viele andere Menschen fast "egal", auch wenn es hart klingt. Ich habe so oft einstecken müssen, da hat etwas in mir so gelitten, dass ich keine Beziehungen mehr aufbauen kann...
Wie aber gesagt, ich wollte die Therapie, ich habe dort auch von Anfang an ziemlich offen erzählt wie es mir geht (Ich sollten einen langen Fragebogen ausfüllen, den haben wir durchgesprochen zu meiner Vergangenheit). Lediglich beim Thema Missbrauch war ich eher ruhig. Aber wer kann schon offen über sowas reden, wenn es nicht verarbeitet wurde?! Ich war bereit, Vertrauen zu finden, wurde aber bereits in der 2. oder 3. Sitzung zurückgestoßen durch den Vorwurf, wie ich nur soviel Geld ausgeben könne...

Die Therapeutin ist sehr direkt, sie sagt was sie denkt. Das ist an sich nicht schlecht dachte ich mir, wenn man mir meine Probleme direkt vor Augen führt, weiß ich wenigstens was Sache ist. Daher blieb ich bei dieser Frau, auch wenn sie mir bevor ich den Antrag stellte sagte, sie ist nicht sicher ob sie für mich die richtige ist, da sie so direkt und ich eher verletzlich bin. Nur ich dachte eben, genau das kann mir helfen. Offenbar brauche ich aber wohl doch etwas mehr Mitgefühl. Als ich letzte Woche diesen schlechten Tag hatte, half mir der Satz "Naja, dann sind sie aber auch selber Schuld dran, dass es Ihnen nun schlecht geht" nicht weiter.

Natürlich weiß ich, dass Therapie nicht einfach ist. Wenn es leicht wäre, diese Probleme zu bekämpfen, dann könnte man das gemütlich beim Eis essen machen. Mir war von vornherein klar, dass ich weinen werde auf diesem Stuhl... Aber ich dachte nicht, dass mich die Therapie in meinen Grundfesten erschüttern würde, mir so schwere Selbstzweifel aufzwingen würde, dass ich nach der Sitzung völlig aufgelöst mit dem Rad heim fahre und murmel "Ich wünschte ich wäre nicht mehr hier, ich will weg sein"... Ich habe mich wieder beruhigt, aber trotzdem, sowas sollte nicht passieren.

Hmm, ob ich bei Jemand anderem besser aufgehoben wäre? Das hängt sicher stark von der anderen Person ab. Ich möchte Jemanden, der mich ernst nimmt, mir zuhört und mich nicht verurteilt - niemand hat das Recht dazu, nur weil ich vielleicht schwächer bin als andere und meine Probleme nicht gut lösen kann... Dafür suche ich ja Hilfe. Die Frage ist ja auch, wie findet man einen anderen Therapeuten? Bewertungen im Internet sind ja weniger verlässlich - meine aktuelle Therapeutin hat da auch eine großartige Bewertung, deshalb ging ich zu ihr. Aber ich befürchte, für mich funktioniert sie nicht...
Ich habe bisher nicht gewechselt, weil ich nicht wieder bei 20 Leuten anrufen wollte. Das war wirklich schlimm für mich, diese Anrufe. Vorallem weil alle einen AB haben, aber keine telefonische Sprechzeit... Große Sorgen mit der Bitte um Hilfe auf den AB quatschen, naja ich würde es am liebsten vermeiden. Und ich will nicht wieder Monate lang warten müssen. Ich weiß nicht, ob ich das wieder schaffe. Ich werde ab Oktober in einer Grundschule zeitweise unterrichten, ich hatte gehofft bis dahin etwas vorangekommen zu sein, dass ich meine Kraft für die Kinder nutzen kann...
Und blöderweise weiß ich gerade nicht weiter wegen einem anderen Therapeuten. Ich wollte eigentlich eine Frau, weil ich zu Männern wohl wenig Vertrauen aufbauen kann und will, ich habe schließlich Missbrauchserfahrungen aufzuarbeiten. Ich habe Angst, einem Mann davon zu erzählen. Selbst meinem Partner habe ich das erst nach über 6 Jahren enger Beziehung erzählen können... Auf der anderen Seite bin ich inzwischen unsicher, ob ich wieder zu einer Frau will. Diese Jugendtherapeutin war schon nicht gut und ich habe mich nicht ernst genug genommen gefühlt. Und jetzt kam diese zweite Therapeutin, mit der ich auch Probleme habe...

Kann einem die Krankenkasse denn vielleicht bei der Suche helfen oder so? Ich weiß gerade einfach nicht, wohin ich soll...
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Re: Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon Richi » Di. 20.09.2016, 19:45

Hallo recovertopia
Leider ist die Suche nach einem guten Therapieplatz äußerst mühseelig und dauert. Ich kenne es auch noch gut, man sucht dringend Hilfe, telefoniert rum und man hat einfach keinen Erfolg. Die Absagen haben mich ganz schön frustriert, einige haben sich nicht einmal auf meine Anrufe zurückgemeldet. Ich glaube sogar, dass einige Therapeuten gar keine Plätze frei hatten und mich nur zu den Vorgesprächen eingeladen haben.
Ich habe auch mehere Monate gesucht und schließlich Glück gehabt, eher zufällig habe ich einen ehemaligen Mitpatienten getroffen, der mir meine Therapeutin empfohlen hat.
Ob die Bewertungen im Internet was taugen, weiß ich nicht.
Ich finde es wichtig, ob man von Einer Frau oder einem Mann behandelt wird. Ich selber möchte lieber bei einer Frau Therapie machen, dass passt einfach besser. Ich habe auch schon mehrere Monate Therapie bei einem Mann gemacht, doch das war irgendwie nichts für mich. Schade um die "verscwendeten" Stunden.
Leider ist auch nicht jede Therapeutin geeignet. Es muß schon passen, dafür muß man sich auf den Weg machen und hoffen, dass man Termine bei verschiedenen Therapeutinnen für die Vorgespräche bekommt. Ich weiß, wie nervig und anstrengend das sein kann.
Ich glaube auch nicht, dass jeder Patient in der Lage ist, in den ersten Stunden gleixch ins "Eingemachte" zu gehen. Dafür benötigt man schon Zeit und Vertrauen.
Ich glaube, dass die Krankenkasse eine Liste hat, mit den zugelassenen Therapeuten.
Eine qweitere Möglichkeit wäre vielleicht die Kassenärztliche Vereinigung Deines Bundeslandes.
Grßere Städte können auch ein Netzwerk haben, dass über Therapeuten informiert.
In der Stadt, in der ich früher gelebt habe, gab es auch offene Beratungsstellen und Therapieangebote.
Was gibt es evtl. alles oder auch nicht in Deiner Nähe?
Vor einiger Zeit bin ich auch im Internet auf die Seite " therapie.de gestoßen, dort gibt es "Wissenwertes zur Psychotherpie und zur Therapieplatzsuche". Ich habe die Seite es nur rasch überflogen, doch vielleicht gibt es dort ja ein Paar Ratschläge.
Ich wünsche Dir viel Glück bei der Suche und das Du schnell fündig wirst.
Viele Grüße von Richi
Richi
 

Re: Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon recovertopia » Di. 20.09.2016, 21:38

Hallo Richi,

danke für deine Antwort. Ich werde deine Ratschläge mal durchgehen und recherchieren. Aber erstmal warte ich den Donnerstag ab, da habe ich die nächste Sitzung, vor der es mir schon irgendwie bangt ... Egal welchen Schritt ich jetzt mache, es wird nicht einfach. Diese Therapie weiter zu machen würde wohl sehr schwer sein, die Probleme hab ich ja geschildert. Und einen neuen Platz finden wird auch schwer - die Kraft und den Mut dafür muss ich erstmal finden.

Ich habe schon auf der Webseite der IKK gefunden, dass man da nach Therapeuten suchen kann, da habe ich auf jeden Fall schon mehr gefunden als bei Jameda oder sonstigen Verzeichnissen. Da werde ich mich wohl mal durchwühlen müssen, wenn ich am Donnerstag beschließe, jemand anderen suchen zu wollen.

Es hilft mir ja auch nicht viel, wenn ich 2 relativ gute Sitzungen habe, die mich vielleicht weiter bringen würden, wenn es konstant so weiterginge, wenn danach eine Sitzung kommt, die mich an den Rand des Wahnsinns treibt. So eine ambivalente Beziehung zu einer Therapeutin kann ich mir nicht gut vorstellen... Sowas hilft einem wohl kaum auf dauer weiter...
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Re: Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon Harvey » Mi. 21.09.2016, 06:26

Nochmals Hallo^^

Also ich habe damals nach dem Gespräch mit meinem Hausarzt auf dessen Rat hin bei meiner Krankenkasse angerufen und die haben mir dann ziemlich schnell per Email eine Liste mit Therapeuten in meinem Umkreis (Name,Ort;Therapieart) zugesendet. Wie Richi auch schon angemerkt hat lassen sich so zumindest relativ einfach alle "potentiellen" Therapeuten finden...
Falls du also so schnell erstmal keinen Termin bei deiner Krankenkasse bekommst lässt sich das mit dem Wechsel sicher auch telefonisch mehr oder weniger gut abklären.
Das blöde sind leider wirklich die langen Wartezeiten...manche Therapeuten haben ja fast ein Jahr lange Wartezeiten. Es besteht leider scheinbar ein immer größer werdender Bedarf an Therapeuten.
Ich hatte damals Glück, habe nur 3 Anrufe getätigt, was ich auch extrem ungerne tat und beim Dritten wurde mir direkt gesagt, dass ich in 6 Wochen vorbeikommen könnte und es hat bisher ja gut gepasst.
Man kann auch Glück haben, also sollte man sich davon nicht zu sehr entmutigen lassen.

Ich denke auch, dass du schon etwas aus der Therapie mitgenommen hast und falls du tatsächlich eine neue Therapie beginnst, dann wirst du davon auch profitieren. Nicht nur davon, dass du deine Probleme besser formulieren kannst, auch zu wissen was du eben nicht von einer Therapie und dem/der Therapeut(in) erwartest bringt dich schon weiter.
Und die notwendige Offenheit und den Willen zur Veränderung scheinst du ja auch mitzubringen.
Das wollte ich dir auch gar nicht absprechen und auch nicht auf so etwas in der Richtung mit meinen Fragen hindeuten, falls du es eventuell falsch verstanden haben könntest.
Die sollten nur quasi Denkanstöße bzw. Fragenansätze sein, um deine generelle Sichtweise und Einstellung im Hinblick auf eine neue Therapie besser nachvollziehen zu können.
Es geht ja jeder Mensch mit unterschiedlichen Erwartungen in so eine Therapie und deine sind meiner Meinung nach völlig in Ordnung und auch realistisch, nur können sie halt von dieser einen Person anscheinend nicht erfüllt werden.
Und mit Selbstzweifeln und einer noch schlechteren Stimmung als vor der Sitzung aus der Praxis zu gehen kann ja auch nicht Sinn der Sache sein. Das macht den ganzen Prozess nur noch schwieriger.
Sicher ist die Therapie hart und nicht immer angenehm, aber es geht auf Dauer ja irgendwo auch darum, du neue Perspektiven vorgezeigt zu bekommen und neuen Schwung bzw. Lebensmut zu erlangen, der dir dann durch die Woche helfen soll. Gerade am Anfang sollte man erstmal aufgebaut und nicht zu sehr überfordert werden.
Zumindest sehe ich das so.
Aber wenn man nach den Bewertungen geht scheinen manche Leute ja gut mit ihrer Art auszukommen.
Obwohl ein gewisses Maß an Fingerspitzengefühl eigentlich trotz ihrer Direktheit eine Grundvoraussetzung für diesen Beruf sein sollte. Wenn sie gemerkt hat, dass sie eigentlich zu schroff/direkt für dich ist, dann sollte sie zumindest versuchen diese Beziehung zu verbessern und etwas verständnisvoller auf dich eingehen, oder eben offen ausdrücken, dass ihr zwei nicht zueinander passt. Sie hat ja viel mehr Erfahrungen was diese Thematik angeht und sollte auch bedenken, dass es letzten Endes vor allem deine Zeit ist, die bei einem eventuellen Misserfolg verschwendet wird und auch du es bist, die dadurch länger unter einer schlechten Situation leidet.
Wobei ich es generell etwas merkwürdig finde, dass deine Therapeutin sich scheinbar weder bei deiner Diagnose, noch beim Vorhandensein einer eigentlich notwendigen, gegenseitigen Grundharmonie sicher ist und sie sich dennoch dazu bereit erklärt hat eine langwierige Therapie anzufangen.

Ob du auch eine soziale Phobie hast kann ich natürlich nicht sagen. Es gibt da auch noch ganz verschiedene Arten wie sich diese äußern kann. Zumindest ich habe andere Symptome.
Auch wenn mir das mit den anderen Menschen ähnlich geht mittlerweile...ich denke das hat auch viel mit dem eigenen (negativen) Selbstbild zutun.
Aber naja, das ist hier ja auch nicht das Thema.
Du hast auf jeden Fall scheinbar auch viel aufzuarbeiten und dafür verdienst du auch einen zu dir passenden Therapeuten. Jemand der dich beurteilt, aber dir dabei nicht das Gefühl gibt dich zu verurteilen.

Das mit dem Geschlecht des Therapeuten kann sicherlich in beide Richtungen ausschlagen.
Ein männlicher Therapeut wäre eventuell in der Lage das Ganze sogar besser mit dir aufzuarbeiten, weil er dir vielleicht sogar besser dabei helfen könnte dein Vertrauensproblem zu Männern zu lösen. Andererseits ist das unter Umständen einfach noch zu viel und eigentlich sollte bei dem nächsten Therapeuten die Vertrauensbasis möglichst direkt vorliegen und keine weitere unnötige Blockade im Weg sein.
Abgesehen davon würde ich mich nicht nur wegen den beiden schlechten Erfahrungen bei der Wahl des Geschlechtes einschränken.
Ich selbst wollte eigentlich auch immer eine Therapeutin, weil ich mir vorgestellt habe, dass eine Frau in dem Falle besser zu mir passen würde.
An meiner Universität war ich dann einmalig bei einer Sprechstunde und hatte dort bezüglich meines Problemes eine psychologische Beratung bei einer Frau und empfand es dann bei meinem Therapeuten letzten Endes doch deutlich angenehmer. Es hat einfach besser gepasst.
Letztlich hängen so viele Faktoren davon ab, ob man mit seinem Therapeuten klar kommt.
Wie er auf die einzelnen Aussagen reagiert, ob er zu analytisch ist und einem damit zu distanziert/überheblich wirkt, zu emotional und einem damit das Gefühl gibt gerade bemitleidet zu werden etc.
Aber das wird dir natürlich auch bewußt sein und für manche Leute, wie ja auch Richi, scheint das Geschlecht ja scheinbar doch eine große Rolle zu spielen. Eine besser zu dir passende Person als deine jetzige Therapeutin wirst du denke ich auf jeden Fall finden können.

Hast du dir denn schon Gedanken darüber gemacht, wie du das Gespräch mit deiner Therapeutin am Donnerstag angehst?
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Re: Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon recovertopia » Mi. 21.09.2016, 15:12

Danke an euch alle für die positiven Worte. Das hat mich wenigstens schon etwas entlastet. Ich bin mir sonst immer unsicher, ob es an mir liegt, wenn ich andere Leute "komisch" finde, oder ob die wirklich komisch sind bzw. nicht zu mir passen. Aber es ermutigt mich, dass ihr auch meint, ich mache nichts falsch, wenn ich Zweifel habe, inwieweit diese Therapie mir helfen kann...

Ehrlichgesagt, ich weiß nicht, wie ich das morgen machen soll... Einerseits will ich ihr sagen, dass sie mich verletzt hat, dass ich mich nicht völlig sicher fühle bei ihr, dass sie mich verurteilt und damit noch mehr verunsichert hat, dass ich mich unwohl fühle ohne Diagnose und Plan etc...
Andererseits will ich es immer allen Recht machen. Daher weiß ich nicht, ob ich es schaffe, ihr all das zu erklären. Ich bin bei sowas nicht mutig, weil sie eine Person ist, die mich verletzen kann, da sie so viel von mir weiß. Dinge, die sonst niemand weiß, die ich immer hinter einer dicken Maske versteckt habe. Ich habe Angst, sie verstößt mich. Völlig paradox, weil ich sie ja eigentlich "loswerden" will...

Ich weiß auch nicht, ob ich die Therapie vielleicht noch etwas laufen lasse um zu sehen, ob sich was ändert, wenn ich ihr sage, wie ich mich fühle. Aber da fällt mir ein, ich habe ihr schonmal gesagt, dass sie mich mit ihrem "Wie können Sie nur so viel ausgeben?" verletzt hat. Geändert hat sich dadurch nichts...

Ich glaube, ich sollte mir vielleicht einen Spicker schreiben, wo ich alles sammle, was ich ihr sagen müsste... Ach Mensch das ist jetzt doch wieder schwerer als gedacht :(
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Re: Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon Harvey » Do. 22.09.2016, 04:21

Ich bin froh, dass dich das ganze schon etwas entlastet hat und wenn du es schaffst den notwendigen Mut bei deiner nächsten Sitzung aufzuwenden und die Dinge, die dir auf dem Herzen liegen anzusprechen,dann wird denke ich noch weitere Last von dir abfallen.

Ich finde deinen Gedankengang überhaupt nicht paradox, sondern völlig nachvollziehbar.
Bei der Beziehung die ihr bisher hattet und vor allem im Hinblick darauf, wie diese Frau bisher auf dich eingegangen ist, ist das nur verständlich.
Sie sitzt in ihrer Position leider gewissermaßen am längeren Hebel. Du hast ja wie du es auch beschrieben hast quasi deine Maske ihr gegenüber abgelegt und bist jetzt verwundbar und das, obwohl du in deiner momentanen Situation wahrscheinlich ohnehin schon verletzlicher bist als sonst.
Gerade das sollte eine gute Therapeutin bzw. eine Therapeutin mit der man hoffnugsvoll zusammen an sich selbst arbeiten möchte jedoch auch bedenken können, wenn du ihr deine Sicht der Dinge erläuterst.
Letzten Endes sind das eben deine Empfindungen und deine ehrliche Meinung und dafür kannst du nichts und sollte sie ein ernst gemeintes Interesse an dir und deiner Genesung haben, dann sollte sie diese Kritik und deine Sorgen dankend annehmen. Denn immerhin sieht man daran ja auch, dass du darum bemüht bist die Therapie und die Zeit mit ihr am effizientesten zu Nutzen und dass du dir auch noch nach den Stunden deine Gedanken dazu machst.
Wenn sie dir nicht zustimmt und es (wieder) nicht schafft dir sachlich und nachvollziehbar ihre Sichtweise dazu aufzuzeigen, ohne dass du hierbei wieder das Gefühl bekommst, dass sie dich verurteilt und verletzt, dann solltest du daraus deine Konsequenzen ziehen und nicht anfangen dir selbst Vorwürfe zu machen.
Aber natürlich ist so etwas leichter gesagt als getan.
Ich glaube, dass ich in deiner Situation wahrscheinlich genau die gleichen oder zumindest ähnliche Ängste hätte.
Ob man es schafft alles so rüberzubringen wie man es gerne hätte, ob man nicht eventuell doch auch selbst die Schuld trägt, wenn die eigene Kritik zurückgewiesen wird, ob man überhaupt einen besseren Therapeuten finden kann etc.. und plötzlich nimmt man sich Dinge zu Herzen, von denen man eigentlich weiß, dass sie nicht zutreffend sind.
Dennoch muss man eben bedenken, dass man zu manchen Personen einfach keine gute Beziehung aufbauen kann und man sich deswegen auch keine Vorwürfe machen muss und du sicherlich auch nicht die erste Person sein wirst, mit der diese Frau so ein Gespräch führen muss, da sie sich ihrer Art ja sehr bewußt zu sein scheint.

Also was ich damit eigentlich nur sagen möchte: Egal was das Gespräch ergibt, steht einfach zu deinen Gedanken der Therapie gegenüber und wenn sich weiterhin nicht in der Lage ist dir etwas entgegenzukommen dann ist das leider so. Du hast dann jedoch zumindest eine Form von Gewissheit und am Endes des Tages gibt es Therapeuten wie Sand am Meer...
Ich kann da nur nochmal wiederholen, dass mein Therapeut mich nach jedem in der Sitzung angesprochenen Punkt und am Ende einer jeden Sitzung fragt, ob bei mir noch irgendwelche Unklarheiten vorliegen würden und immer wieder ob ich bislang mit der Vorgehensweise zufrieden sei.

Ja ein Zettel bzw. Spicker sind auf jeden Fall eine gute Idee.
Wahrscheinlich wirst du das hier erst nach deiner Therapiestunde sehen, also hoffe ich einfach mal das Beste...
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Re: Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon recovertopia » So. 25.09.2016, 11:19

Hallo,

ich war in den letzten Tagen nicht am Pc, daher habe ich nicht geschrieben.

Ich war am Donnerstag nicht in der Therapie. Ich habe kurz vorher noch abgesagt... Und der Hauptgrund war, dass ich meinem Partner vergessen hatte zu sagen, dass ich Mittags noch einen Termin habe und er schon leckeres Essen gekocht hatte.
Ich sprach also meiner Therapeutin auf den AB und dachte mir, sie ruft schon zurück um einen neuen Termin auszumachen... Aber das hat sie nicht. Jetzt ist mir eingefallen, dass sie ja umgezogen ist und daher bestimmt auch eine neue Telefonnummer hat - daran dachte ich nicht. Heißt, ich habe wohl abgesagt, ohne dass sie es weiß. Die ist jetzt bestimmt sauer, weil bei ihr nichts ankam... Jetzt fühle ich mich noch blöder :(

Ich habe mir etwas überlegt die letzten Tage: Ich werde gleich der Krankenkasse ne Mail schreiben und kurz mein Problem schildern und nach einer Beratung fragen. Die können mir da sicher helfen. Und ich habe auch ehrlich gesagt jetzt, wo ich ausversehen nicht abgesagt habe, da nochmal hinzugehen. Zumal ich dann einen Termin machen würde, nur um ihr zu sagen, dass ich mich sehr unwohl bei ihr fühle und abbrechen will. Das kommt mir in jeder Hinsicht völlig dämlich vor :(
Ob die Krankenkasse das regeln kann, der Therapeutin einen Brief schicken kann, dass ich wechseln will? Ich bin gerade ratlos :(
recovertopia
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Re: Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon Richi » So. 25.09.2016, 12:53

Hallo recovertopia
Ich glaube, nur weil Deine Therapeutin umgezogen ist, heißt es ja noch lange nicht, dass sie eine neue Telefonnummer hat und wenn doch, dann sollte sie das ihren Patienten schon mitteilen.
Es iast bestimmt schon häufiger vorgekommen, dass Patienten nicht erschienen sind, ohne sich abzunelden. Vielleicht etwas ärgerlich, aber eigentlich ist es kein Beinbruch, daher finde ich es nicht so dramatisch. Ich glaube, Ärzte bzw. Therapeuten können bei Nichterscheinen von Patienten dennoch eine Behandlung abrechnen.
Eine Beratung bei der Krankenkasse kann nicht schaden und Du könntest dort evtl. einige Fragen loswerden.
Ich glaube, es bleibt schon Dir überlassen, Deiner Therapeutin mitzuteilen, dass Du Deine Therapie bei ihr abbrichst. Auch wenn es unangenehm ist, Du brauchst Dich ja nicht bei ihr für Deine Entscheidung zu rechtfertigen und Du kannst Deine Antwort sehr kurz halten. Wenn Du Dich nicht persönlich traust und auch nicht telefonisch, dann wäre ein Brief oder eine Email auch in Ordnung. Ein Therapieplatzwechsel ist bestimmt schon häufiger vorgekommen und sollte eigentlich keine Probleme machen.
Ich weiß nicht, ob das die Krankenkasswe für Dich regeln wird.
Viele Grüße von Richi
Richi
 

Re: Probleme mit der Therapeutin

Beitragvon recovertopia » So. 25.09.2016, 20:58

Danke für deine Antwort.

Ich werde einfach in der Krankenkasse mal nachfragen, ob der alte Therapeut eine Benachrichtigung kriegt. Ansonsten schreibe ich ihr einfach einen kurzen Brief, auch ohne detailierte Begründung... vielleicht ein "Ich fühle mich bei Ihnen nicht wohl genug um eine erfolgreiche Therapie zu machen." oder so...

Naja erstmal abwarten was die Kasse sagt. Und dann heißt es wieder telefonieren, fremden Menschen blöde Sachen auf den AB quarken. Ach was freu ich mich drauf... Aber allemal besser als diese Therapie hier weiterzuführen. Das bringt mir nichts, wenn ich mich nur noch verletzlicher fühle.

Danke für alle Antworten =)
recovertopia
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