Ich Flüchte, wenn sich Mitmenschen mir öffnen

Hier geht's um jede Form von zwischenmenschlichen Beziehungen, also um Liebe(skummer) und Partnerschaft (auch Sexualität), um Freunde, Bekannte, Angehörige und andere soziale Kontakte in Eurem Umfeld.

Ich Flüchte, wenn sich Mitmenschen mir öffnen

Beitragvon Dexxter » So. 04.02.2018, 01:42

Hallo Zusammen,

ich versuche mich mal an meinem ersten Post. Ich bin männlich, 22 und im Moment im Masterstudium.


Erstes "Indiz":
Also folgendes Problem/ folgende Verhaltensweise ist mir in den letzten Monaten erstmals bei mir aufgefallen.
Ich habe eine Frau kennengelernt, sie ist nicht ganz einfach sage ich einfach mal und hat große Probleme sich jemandem anzuvertrauen, weshalb diese (meine) Eigenart da erstmal wirklich zum Tragen kam und mir bewusst wurde. Also im allgemeinen ist mir aufgefallen, dass ich aus versehen bzw. unbewusst (klingt doof aber ist so) immer dann, wenn sie es schafft sich mir zu öffnen, fliehe. Ich versuche das ein wenig zu konkretisieren. Es ist nicht so dass ich ein extrem schlechter Zuhörer wäre oder mich nicht interessieren würde was sie sagt. Ebenfalls weiß ich dass es ihr schwer fällt und "freue" mich dann darüber wenn sie mit mir redet. In einem besonderen Fall ging es um ein traumatisches Erlebnis aus ihrer Kindheit. Irgendwie verspüre ich dann ein Gefühl, was mich bewegt, diese Situation "ich bin froh, fast glücklich dass sie sich mir anvertraut hat" sozusagen abzuspeichern und zu beenden. Nicht um es möglichst schnell zu vergessen sondern so, als würde es nur dann Punkte auf der "wir vertrauen uns und öffnen uns einander"-skala geben, wenn wir diesen Moment dann an einer Stelle, die mir als geeignet scheint, abbrechen. Das Problem ist nur, dass ich das generell nicht will und auch kein Gespür für die besagten geeigneten Momente habe. Das Resultat ist meist, dass ich dann oder kurz darauf gehe. Es ist nicht so als würde ich sie abrupt sitzen lassen, sondern vielmehr so, als würde diese Erfahrung "Sie öffnet sich mir" für meine Wahrnehmung viel schneller abklingen und sobald ein bestimmter Schwellwert unterschritten ist muss ich das beenden/abspeichern. Gleichzeitig scheint es, als wäre es ihr eben danach besonders lange besonders wichtig dass ich bei ihr bin und ihr auf verschiedene Weise zeige, dass ich da bin. Dieses Bestreben kann ich voll und ganz nachvollziehen, ich habe allerdings in diesen Momenten selbst keinerlei Gespür dafür. Ich verstehe wieso ihr das so wichtig ist aber dieser Teil meines Bewusstseins ist dann, wenn es drauf ankommt, nicht aktiv, es trägt nicht dazu bei eine angemessene Entscheidung zu treffen. Es geht ihr darum, nicht von mir "alleine gelassen zu werden"; ich weiß immer erst wenn es zu spät ist, dass ich es getan habe.

Wenn ich bei ihr bin und es ihr nicht gut geht (sie ist eine Frau die NIE sagen kann "bleib bei mir bitte, es geht mir nicht so gut" und nie ernst meint wenn sie sagt "geh ruhig, es geht mir besser"), kann ich unmöglich entscheiden ob sie möchte dass ich bei ihr bleibe oder ob es okay ist sie alleine zu lassen (bei ihr zu Hause beispielsweise). Ich finde es wichtig dass man sich sagen kann wann es okay ist zu gehen und wann geblieben werden soll und dass man in den meisten Fällen auch meint was man sagt, aber sie ist eben nicht so. Leider bin ich (wie oben schon steht) eben auch überhaupt nicht der Typ dafür eine solche Entscheidung angemessen zu treffen.

Zweites "Indiz":
Ich kann nicht wirklich mit Lob, Komplimenten und bestärkenden Kommentaren umgehen. Sagt man mir beispielsweise im Sport, dass etwas gut aussieht, stolpere ich danach dämlich, spucke beim reden oder verhalte mich sonst irgendwie trottelig, sodass das gesagte irgendwie wieder an Bedeutung verliert. Gleiches gilt für Lob, ich versuche dann häufig meine Leistung selbst zu schmälern oder abzuwerten im Sinne von "ja aber es war ja auch nicht so.." oder "ja aber dafür ist .... nicht so/ kann ich .. überhaupt nicht".


Ich bin neu hier und wahrscheinlich ist das alles eine Lappalie was ich beschreibe, aber es sorgt eben dafür, dass unsere "Beziehung" tiefe und nahezu unüberwindbare Einschnitte erfährt die für viel Streit, Tränen, schlaflose Nächte und mangelndes Vertrauen sorgen.

Hat irgendjemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Eine Idee was vielleicht der Auslöser für dieses Verhalten bei mir sein kann? Einen medizinscheren Ausdruck für das beschriebene Problem?

Bin um jede Hilfe dankbar!
Dexxter
 

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