Gewalt, Nötigung und Abhängigkeit

Hier geht's um jede Form von zwischenmenschlichen Beziehungen, also um Liebe(skummer) und Partnerschaft (auch Sexualität), um Freunde, Bekannte, Angehörige und andere soziale Kontakte in Eurem Umfeld.

Gewalt, Nötigung und Abhängigkeit

Beitragvon hoffnungslos » Fr. 05.01.2018, 06:25

Ich weiß gar nicht so genau wo anfangen soll.
Diesen Text habe ich schon so verdammt oft geschrieben, schon für mich selbst, für meine Freunde, meine Familie. Auch wenn ich ihn nie abgeschickt habe, hatte ich es immer vor.
Aber gut, jetzt werde ich ihn zumindest hier mal anonym abschicken und sehen, was ich hierauf für Antworten bekomme.

Also es fing alles vor ungefähr 2 Jahren an. Ich lernte ihn, meinen Ex, übers Internet kennen. Wie es so typisch ist, haben wir monatelang geschrieben, geskyped und telefoniert. Er war witzig, aufgeschlossen und ich hab gedacht, das könnte wirklich etwas werden.
Mir fielen schon damals Kleinigkeiten an ihm auf. Dass er für jeden SEINER Fehler die Schuld immer bei anderen suchte. Und dann auch richtig heftig, man konnte nix dagegen tun und war seiner Wut dann einfach ausgeliefert. Er sprach manchmal tagelang nicht mit mir, bis ich mich für etwas entschuldigen musste, was ich nie getan hatte. Aber nun gut, ich habe das hingenommen, hat doch jeder irgendwie seine Macken.
Als es dann darum ging, wann wir uns denn nun endlich mal sehen würden, druckste er immer ewig herum, erfand Ausreden, sagte, er fühle sich noch nicht bereit etc.
Das alles fand ich schon sehr komisch, aber ich hab auch das zuerst hingenommen. Bis ich ihm dann ein Ultimatum stellte.

So trafen wir uns das erste Mal im März 2016. Bei ihm zu Hause. Ich musste sehr lange fahren und blieb 3 Tage.
Es war auch an sich sehr schön zwischen uns, aber irgendwas stimmte nicht. Er war wirklich sehr still und introvertiert. An sich ist das alles nichts schlimmes, aber für mich ist das einfach nix. Und ich hatte ihn anders kennengelernt. Ja, ich weiß, über das Internet ist man immer anders und kann sich verstellen. Nun ja.

Er verdient sehr viel, muss man dazu sagen. Er ist selbstständig und verdient mehrere 10 tausend Euro im Monat. Das lässt er einen und seine ganze Umgebung auch immer deutlich spüren.
Das war mir immer so peinlich, wenn er in der Öffentlichkeit einen Bündel Scheine rausholte und sich damit Luft zu fächelte. Das sind alles keine wahnsinnig schlimme Dinge, aber es störte mich sehr.

Also fassten wir den Entschluss, es mal miteinander zu versuchen. War vielleicht nicht meine beste Idee, aber ich wollte dem ganzen eine Chance geben, vor allem da er immer wieder betonte, dass er einfach nur Zeit zum auftauen bräuchte.

Wir führten also eine Art Fernbeziehung miteinander, ich in Deutschland, der in Österreich.
Das war absolut nicht einfach, weil ich zu dem Zeitpunkt eine Freundin gefunden hatte, die wie eine Schwester für mich war. Wir waren eigentlich unzertrennlich und so stand ich immer zwischen den Stühlen, weil immer irgendwer sauer war.

Worauf ich nicht stolz bin, ist, dass ich ihn angelogen habe. Er hasste es, wenn ich feiern ging, da er der Meinung ist, man geht nur feiern, wenn man flachgelegt werden möchte.
Ich hatte aber einfach eine schöne Zeit, wollte auch Spaß haben (normalen Spaß).

Es kam der Tag an dem er das alles rausfand.
Hure, Nutte und Schlampe waren noch die nettesten Worte, die er für mich fand. Jegliche Art der Erklärung lehnte er ab, warf mir sonst was für Taten vor und drohte mir zudem mit dem veröffentlichen eines Videos von mir und ihm.
Was er dann auch tat, zumindest einen Bildausschnitt, auf dem man nur mich sah.
Ich trennte mich und ging sofort als ich das sah zur Polizei und zeigte ihn wegen Nötig, Ehrverletzung und Erpressung an.
Nachdem der mitbekam, wie ernst die Lage wurde, kam er sofort an und bat mich, die Anzeige bitte zurückzuziehen. Er würde mich doch lieben und wollte nochmal von vorne mit mir anfangen.
Ich machte den Fehler meines Lebens und glaubte seinen Worten.
Es ist doch immer so, man merkt erst, was man für einen Menschen empfindet, wenn man ihn dabei ist zu verlieren. Ich weiß, zu lügen war scheiße von mir.
Aber ich habe es nicht aus einer bösen Absicht heraus getan, sondern nur, damit wir nicht streiten müssten und ich aber auch meine Freundin nicht enttäuschen müsste.

Durch diese ganze Aktion von ihm, verlor ich jeden Freund den ich zu dem Zeitpunkt hatte. Jeder wandte sich von mir ab, weil sie ihn alle für eine schreckliche Entscheidung hielten. Aber ich hielt leider zu ihm.

Ich verlor außerdem auch meine Wohnung, da meine Freundin mich rausschmiss.
Also stand ich da und hatte absolut nichts mehr woran ich festhalten konnte. Ich suchte mir also einen Nebenjob, da ich zu dem Zeitpunkt noch mein Abitur nachmachte und versuchte über die Runden zu kommen.
Wir sahen uns drei Monate nicht.
Auch wenn ich oft an ihn dachte, wurde es langsam einfacher. Es tat nicht mehr so sehr weh.

Und dann meldete er sich wieder bei mir. Fragte, wie es mir so ergangen war, war wahnsinnig freundlich zu mir und bat mich, ihn erneut zu besuchen.
Das war ca. im Januar letzten Jahres. Es war das schlimmste, was ich bisher tat.
Er sagte, er hätte Arbeit für mich, mit der ich wesentlich mehr verdienen könnte, als zu Hause. Ich sollte sie kündigen und sofort (12 Stunden später) bei ihm sein, sonst würde er es sich anders überlegen.
Ich tat was er sagte, ohne lange zu überlegen.
Nun ja, ich war dann einige Wochen bei ihm, wir sprachen darüber zusammenzuziehen.
Irgendwann dann stritten wir wieder, wegen irgendeiner Belanglosigkeit.
Ohne groß nachzudenken, schlug er mich, trat auf mich ein und schlug mich im wahrsten Sinne des Wortes grün und blau. Ich sah wirklich schlimm aus danach, fotografierte das alles und wollte zur Polizei.
Er verbat mir das und zwang mich ihm zuzuhören, hielt mich fest und ließ mich nicht los. Er weinte und beteuerte wie Leid ihm das alles tut, dass er das nicht wollte, sondern es meine Schuld war, weil ich ihn so provoziert hätte. Und natürlich glaubte ich ihm das was er sagte, tröstete ihn (!!!!) und entschuldigte mich für mein Verhalten ihm gegenüber.

Dann fuhr ich nach Hause, in der Absicht noch einige Sachen von mir zu holen.
Sobald ich zu Hause war, erhielt ich einen Text, in dem er mich durchgehend beleidigte, sich lustig machte, dass ich darauf reingefallen war, und er mich nur zu sich geholt hatte, um mir weh zu tun. Schickte mir Screens von anderen Mädchen, mit denen er geschlafen hatte, einfach um mir wehzutun.

Es zog mir den Boden unter den Füßen weg und ich wusste einige Wochen nicht, was ich tun sollte.
Ich war gefangen in diesem Teufelskreis, dass ich einen Mann liebte, der mich schlug und erniedrigte. Ich kam da einfach nicht raus. Ich habe mich niemals jemanden anvertraut sondern alles mit mir selbst ausgemacht. Wie sollte ich auch allen erklären, dass sie recht gehabt hatten?

Welche Frau lässt sich schlagen und geht dann zu ihm zurück?
Jedenfalls ging auch dieses Theater immer weiter. Er schrieb, versprach mir das Blaue vom Himmel und ich fuhr jedes Mal wieder hin, fiel jedes Mal wieder darauf rein.
Ich verlor nicht nur alles an Geld was ich hatte, da ich keine richtige Arbeit hatte, sondern auch den Kontakt zu meiner Familie und zu dem letzten Freund der mir bis dahin noch geblieben war.

Und ihr könnt euch sicher vorstellen, wo ich gerade bin, und weinend auf dem Sofa schlafe, da ich nicht ins Bett darf.

Die letzten Wochen ist es einfach immer schlimmer geworden. Er drohte mir nicht nur damit mich umbringen zu lassen, sondern auch damit, mir immer weiter das Leben zur Hölle zu machen.
Er würgte mich, hielt mir Mund und Nase zu und sagte immer wieder: Jetzt stirbst du Schlampe. Es ist einfach immer und immer schlimmer geworden und ich komme da nicht mehr alleine raus.

Morgen fahre ich wieder mal nach Hause, weil er mich heute verprügelt hat und es natürlich meine Schuld war und nicht seine. Mir tut alles weh, nicht nur meine Seele brennt wie Feuer sondern auch alles andere an und in mir.

Ich möchte raus aus dieser Abhängigkeit. Ich möchte ihn nicht mehr vermissen oder hoffen, dass er mir schreibt. Ich möchte einfach nur, dass er aus meinem Leben verschwindet und am besten auch gleich alle Erinnerungen mit nimmt.
Mit einer Psychologin hab ich gesprochen aber ich konnte mich einfach nicht richtig öffnen, habe nur die Hälfte erzählt und versucht alles schön zu reden.

Ich hatte einen einzigen Freund, der nach dem ganzen Theater immer und immer wieder zu mir gehalten hatte. Aber auch ihn habe ich im Stich verlassen, weil mein Ex es von mir verlangte, da er es nicht duldete, wenn wir Kontakt hätten.
Wie soll ich meinem besten Freund denn erklären, dass ich den selben Fehler immer und immer wieder machen? Dass ich da alleine nicht rauskomme und völlig hilflos bin?
Wie soll ein Außenstehender auch verstehen, dass man zu einem Menschen FREIWILLIG geht, der einen so behandelt und missbraucht.

Das schlimmste und das letzte was jetzt in meinem Bericht noch fehlt, ist das, was mir am schwersten fällt zu erzählen.
Vor ca. 2 Tagen, haben wir uns gestritten. Ich hatte mich seit Silvester entfernt und wollte auch keinen Sex mehr mit ihm haben. Das wurmte ihn, da er schon immer sagte, dass er sich in meiner Nähe wertlos fühlte, da er sich hässlich fühlt. (Weil mein erster Freund sehr sehr gut aussah und er relativ klein ist und sich deshalb unattraktiv fühlt)
Also wertete er meinen Rückzug als Ablehnung und dass ich ihn hässlich fand und machte mich fertig.
Sagte, wie hässlich ich doch sei, kein Stück hübsch, meine Nase viel zu groß sei und meine Zähne wie die eines Pferdes aussahen.
Ich weinte sehr dolle und wollte einfach weg, wusste aber einfach nicht wohin ich gehen sollte.
Also schrieb er mir dann, als er an seinem Pc saß, wenn ich bleiben wollte und etwas zu Essen und zu trinken bekommen will, dann muss ich ihm jetzt einen blasen.
Ich weinte noch mehr, weigerte mich und sagte, dass ich das so nicht will.
Daraufhin wählte er die Nummer eines Freundes und sagte: Gut, dann werfe ich dich jetzt raus.
Also ging ich (immer noch weinend zu ihm). Er sah mich an und sagte: du kannst dich direkt ausziehen, vielleicht hab ich auch danach Lust auf Sex.
Ich lag da und versuchte mich irgendwie zu beruhigen. Dann sollte ich ihm einen blasen, tat es und lies alles andere über mich ergehen.
Danach ging ich raus, auf den Balkon und weinte eine halbe Stunde.
Ihm war das komplett egal, er sagte, ich hätte mir das alles selbst zuzuschreiben.

Ich bin an einem Punkt, an dem ich nicht weiß, was ich tun soll. Bei jedem Schritt, den ich machen will, droht er mir damit mir etwas anzutun. Auch ins Frauenhaus wollte er mich nicht lassen, nahm mir mein Telefon weg und gab es mir erst wieder, nachdem ich ihm schwor, dass ich weder die Polizei noch sonst wen rufen würde.

Ich war mal eine selbstbewusste, lustige und lebensfrohe Frau. Ich hatte Freunde, eine Familie und zwei Katzen. Ich habe alles verloren was ich hatte, weil ich auf einen Mann gesetzt hatte, der nie vor hatte, mir nicht weh zu tun. Dem genau das Spaß macht.
Ich versuche wirklich nicht aufzugeben, aber ich weiß nicht mal, was ich als nächstes tun soll. Wo ich anfangen soll, mein Leben wieder in Ordnung zu bringen.
Mir fehlt mein bester Freund so sehr, dass es mich fast umbringt. Er wäre der einzige, der mir irgendwie helfen könnte, aber auch das habe ich zerstört.

Warum ich das jetzt hier alles geschrieben habe, weiß ich selbst nicht. Denn helfen kann mir wahrscheinlich über das Internet sowieso keiner.
hoffnungslos
 

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