Tendenz negativ

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Beitragvon usedtobe » So. 18.12.2005, 23:23

@ Luna: Sorry, ich habe das vielleicht falsch rübergebracht. Sich selbst Erkennen nicht im Sinne von -über sich selbst etwas wissen-,
sondern überhaupt sich selbst erkennen,
um das eigene Selbst Bescheid wissen,
das eigene Ich als etwas Getrenntes vom Umfeld, sprich anderen, sehen.

Tiere erkennen sich zum Beispiel nicht im Spiegel als eigenes Ich. Homo sapiens ist die einzige Spezies, die das kann (wird zumindest hartnäckig behauptet).
Nur, dadurch entsteht eben dieses Problem, denn habe ich erst mal verstanden, dass "ich" etwas anderes bin als "du", bin ich nicht mehr eins mit diesem "du", sondern eben gedanklich getrennt von ihm.
Solange ich das nicht weiß, bin ich eins mit allem, aber dieses Wissen trennt mich ab. Das verursacht im Menschen Angst, Einsamkeit, das Gefühl der Verlorenheit. Fromms These ist, dass wir uns den Zustand des Eins-seins wieder herbeisehnen und deshalb versuchen, diese Abgetrenntheit mit dem damit verbundenen Allein-sein und der Furcht zu überwinden, mit den verschiedensten Mitteln: Konformität, orgiastische Erlebnisse, kreatives Schaffen, aber die einzige auf Dauer wirksame Methode ist aus seiner Sicht die Liebe (nicht zu verwechseln mit "Verliebt-sein").

Kleiner Ausflug in die Philosophie. :shock:

Sorry, tendiere zum Fachsimpeln.

Kann aber das Buch wirklich nur empfehlen!!! Lasst nicht Fromm für meine Schwaflerei bezahlen und lest ihn trotzdem!!! :wink:
usedtobe
 

Beitragvon Luna I. » So. 18.12.2005, 23:54

Hey Usedtobe!

Ich halte viel von solchen philosophischen Ausflügen. Bin selbst ein Mensch, der sowas sehr gern mag und oft tut. Ich habe dich schon verstanden mit dem "Selbst-Erkennen". Ich denke, dass ich dabei bin, mich zu suchen und vielleicht schon eine vage Ahnung habe, was alles in mir steckt. Das letzte Jahr, von 17 bis 18 war sehr entscheidend für mich und ich denke, das wird auch noch so weiter gehen.

Ich weiß nicht, ob ich jetzt richtig verstanden habe, was du von Fromm zitierst. Ich erkenne, dass ich nicht nur das bin, wie andere mich sehen, also "du". Ich merke, dass ich "ich" bin, also nicht eins mit dem "du". Ja?? Das löst in uns ein Gefühl des Unbehagens aus und wir versuchen, wieder eins zu werden mit dem du? Oder kann gar das "du" abgelegt werden und man wird in sich selbst zu einem einzigen "ich" ? Du und ich sind ja zwei verschiedene Dinge....

Ist es jetzt richtig verstanden!? :)

Ihr alle habt mir schon richtig Mut gemacht und ich fühle mich wohler in meiner Haut seit kurzem. Das heißt, dass ich nicht mehr so viel Angst in Bezug auf meine Zukunft habe. Ich bin ein Mensch, der sich sehr viele Gedanken macht und da bleiben die negativen nicht aus.

Ich hab hier noch einen schönen Spruch:

"Manchmal kann nur das, was zählt, nicht gezählt werden, und das, was gezählt werden kann, zählt nicht." -Albert Einstein

Man kann z-B Geld zählen bis zum Grün-werden. Dennoch ist es von keiner seelischen Bedeutung oder von einer Bedeutung, die wirklich wichtig wäre. Hingegen kann man essentielle Dinge nicht immer zählen! ;)

Ach, ist es eigentlich falsch, wenn man mal von Grund auf alles anzweifelt? Systeme, Politik, Religion.....etc....?? Was haltet ihr davon?
Luna I.
 

Beitragvon usedtobe » Mo. 19.12.2005, 02:30

Ja, so ungefähr. Ich schreib einfach mal seine Worte.

Der Mensch ist mit Vernunft ausgestattet; er ist Leben, das sich seiner selbst bewusst ist. Er besitzt ein Bewußtsein seiner selbst, seiner Mitmenschen, seiner Vergangenheit und der Möglichkeiten seiner Zukunft. Dieses Bewußtsein seiner selbst als einer eigenständigen Größe, das Gewahrwerden dessen, dass er eine kurze Lebensspanne vor sich hat, dass er ohne seinen Willen geboren wurde und gegen seinen Willen sterben wird, dass er allein und abgesondert und den Kräften der Natur und der Gesellschaft hilflos ausgeliefert ist - all das macht seine abgesonderte einsame Existenz zu einem unerträglichen Gefängnis.
[...]
Das Bewußtsein der menschlichen Getrenntheit ohne die Wiedervereinigung durch die Liebe ist die Quelle der Scham. Und es ist gleichzeitig die Quelle von Schuldgefühl und Angst.
[...]
Daher sind all diese Lösungen nur Teillösungen für das Problem der Existenz. Eine voll befriedigende Antwort findet man nur in der zwischenmenschlichen Einheit, in der Vereinigung mit einem anderen Menschen, in der Liebe.
E. Fromm

Es freut mich sehr, dass ich noch einen Philosophie-Begeisterten gefunden habe, es ist einfach wunderschön, mit jemandem ein wenig herum zu philosophieren. Ich glaube auch, dass die Philosophie einem sehr bei der Suche nach sich selbst helfen kann. Ich bin jetzt 22, ich befinde mich auch auf der "Reise" (was für ein abgedroschener Begriff :oops: ) und ich habe mich schon etwas besser kennen gelernt, eigentlich habe ich Entdeckungen gemacht, die ich niemals für möglich gehalten hätte und es geht immer noch weiter.
Und weißt du was? Ich finde deine Frage extrem wichtig, weil sie genau zu der Selbstfindung passt. Ich zweifle eigentlich alles an, denn erst wenn man etwas hinterfragt, fängt man an darüber nachzudenken, oder?
Auch mit den Selbstzweifeln ist das so, nur kann man es damit auch übertreiben. Für mich ist das weniger gut, ich VERzweifle allzu oft an mir...

Lg
usedtobe
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