Meine Vergangenheit und meine Gedanken

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Meine Vergangenheit und meine Gedanken

Beitragvon Dave » Do. 30.11.2017, 00:24

Alles dreht sich in meinem Kopf. Ich weiß nicht mehr wo oben oder unten, wo hinten oder vor ist. Ständig ist diese Frage in meinem Kopf "Wer bin ich eigentlich?" Und bis heute hin kann ich diese Frage nicht beantworten. Gezeugt um zu tun was gesagt wird und nicht zu hinterfragen, geformt mehr als Werkzeug als ein Mensch und doch bin ich einer. So viel Gewalt und Schmerz um zu lernen keinen eigenen Willen zu haben, um jegliche Emotion zu verdrängen, um nur eine Hülle zu sein die tut was befohlen wird. Doch mit dem Verlust der Emotionen wurden auch die Schmerzen immer unbedeutender. Die meiste Zeit in meinem Leben habe ich geistesabwesend verbracht, hielt ich es für normal, hab es akzeptiert und mich damit abgefunden, doch irgendwann lernte ich das dies nicht normal war, dass ich nicht normal war. Dann kam eine Zeit der Rebellion. Ich fing an zu antworten, aber mit der einzigen Sprache die ich wirklich gelernt hatte, Gewalt. Auch wenn es mir nur noch mehr Schmerz und mehr Leid brachte, so bekam ich ein Stück Freiheit, doch wusste ich nichts damit anzufangen. Der Sinn meines Lebens wurde mir gegeben, alleine schien alles nur noch bedeutungsloser, denn ich wusste nicht was ich tun sollte da es mir niemand sagte. Ich fing an zu lernen, versuchte zu verstehen, doch das meiste überstieg schlicht und ergreifend meinen Verstand. Ich machte viele Fehler, sehr viele Fehler, aber ich kann es mir nicht verdenken da ich nicht vorbereitet auf das Leben war, es immer noch nicht bin. Oft versuchte ich in den alten Zustand zurück zukehren, jemand zu finden der mir einfach sagt was ich tun soll, doch sogleich es eine große Erleichterung für mich in diesen Momenten war, so wusste ich auch das es falsch war und oft wurde ich zu einem Werkzeug um Dinge zutun die nicht recht waren. Ich fing an zu lernen was Recht und was nicht war, ich beobachtete die Menschen und eignete mir immer mehr an um mich anzupassen, doch blieb ich lediglich die Hülle, aber unsichtbar für die meisten. Je mehr ich aber die anderen beobachtete und versuchte zu lernen, so mehr stieg in mir der Hass auf. Immer mehr fing an sich in mir aufzustauen, doch aus der Gewohnheit das eigene Leid zu ignorieren nahm es fatale Folgen. Ich näherte mich immer mehr dem Wahnsinn, fand keinen Moment der Ruhe mehr, vergiftete mich sogar selbst nur um ohnmächtig zu werden und so wenigstens irgendwie zu 'schlafen'. Es war unvermeidlich und der Tag kam an dem ich innerlich explodierte und sich alles mit einmal entlud, doch indem Moment als ich meine Rache nehmen wollte für all die Narben die mir zugefügt wurden, für all die Qualen, da war es eine Stimme in meinem Kopf die mir sagte das ich die Waffe niederlegen sollte, dass wenn ich diesen einen Schritt mache ich auch noch das letzt bisschen Menschlichkeit verliere das ich besaß. Als ich wieder zu sinnen kam befand ich mich in einer Psychiatrie und das schlimmste an all dem war das ich erst in diesem Moment als ich vor diesen verschlossenen Türen stand Begriff was ich getan hatte, dass ich anders bin und es auch immer sein werde. Dort lernte ich einiges über mich, aber viel mehr durch das was ich sagte als das was mir gesagt wurde, wie zum Beispiel in meiner letzten Zeit dort die ich auf einer offenen Station verbrachte und als mich jemand fragte warum ich denn nicht wie jeder andere an den Wochenenden nach Hause gehe und ich zu meiner eigenen Überraschung antwortete:"Weil ich kein Zuhause habe." Irgendwann war ich aus der Sicht der Klinik wieder soweit stabil nach den ganzen Medikamenten mit den ich vollgepumpt wurde, von den ich aber einen schlagartigen Entzug durchmachen durfte als ich mehr raus geworfen als entlassen wurde. Einige Zeit habe ich dann draußen vor mich hin gelebt, vor allem da ich nicht wusste wo ich hin sollte, aber hin und wieder konnte ich bei mehr Bekannten Leuten als Freunde übernachten. Dies geschah aber meist eher aus Mitleid mit mir als sonst was. Die meiste Zeit verbrachte ich aber damit im Wald hin und her zu schlendern, was mir aber aus alter Zeit bekannt war da ich es öfters mal Vorzug lieber im Wald zu schlafen als in dem Haus meiner Kindheit zu sein. Lediglich eine Nacht bleibt mir bis heute hin klar in Erinnerung, als es nachts im Wald stürmte und regnete und ich mich schützend unter einem Baum zusammen kauerte. Egal wie allein ich in meinem Leben war oder es bin, ich fühle mich nie einsam, denn ich habe eine Mutter, auch wenn mich meine Mutter verstoßen hat und ich habe meinen Bruder, auch wenn ich eigentlich nur zwei Schwestern habe. Es mag vielleicht nur ein Teil meines Wahns sein, doch ist es das was mich bisher immer in meinem Leben beschützt hat, was mich daran gehindert hat komplett von meinem Weg abzukommen. Irgendwann erreichte es aber wieder einen Höhepunkt und bevor es wieder zu einem Anfall kam begab ich mich aus Verzweiflung freiwillig zurück in die Psychiatrie. Beim zweiten mal konnte man mir tatsächlich helfen, da man mich dort an das betreute Wohnen weiterleitete und ich so zu einer Wohnung und einem eigenen Dach über dem Kopf kam und für mich genügend Geld um Recht angenehm im Vergleich zu vorher zu Leben, doch ganz habe ich mich nie von dieser Zeit erholt. Seit dem versuche ich irgendwie verzweifelt mein Leben endlich mal auf die Kette zu kriegen, habe mittlerweile mehrere Betreuer die für mich zuständig sind und mich immer begleiten falls ich die Tür verlassen muss und mir ein Gefühl von Sicherheit geben, eine gesetzliche Betreuerin der ich sehr dankbar dafür bin mir jegliche amtliche Angelegenheit abnimmt und eine Therapeutin, die auch der Meinung ist das vieles in meinem Leben sehr wirr und vielleicht auch verrückt wirken mag wie ich ticke, es aber einen Sinn ergibt wenn man das große und ganze betrachtet und hoffnungsvoll ist. Im Vergleich zu vorher mag der jetzige Zustand zwar vielleicht besser wirken, doch mit jedem Problem das ich bewältige kommt ein neues und noch immer bin ich nicht in der Lage mir selbst einen Sinn im Leben zu geben. Ich lebe weil ich lebe. Die Narben meiner Vergangenheit sind tief und ich fühle mich wie ein gebrochener Mann, auch wenn ich in mir drin immer noch das kleine Kind bin das sich in der Dunkelheit versteckt, in der Angst davor wieder dafür geschlagen zu werden geweint zu haben.

Vielen Dank an die, die sich diese mühe gemacht haben diesen Text durchzulesen. Meist verdränge ich meine schmerzlichen Erinnerungen da ich damit nicht ganz unähnlich umgehen kann, aber sie kommen immer wieder hoch und dies ist ein Versuch diese Gedanken in diesem Forum los zu werden um diese Nacht noch etwas zur Ruhe zu kommen, aber auch in der Hoffnung vielleicht so auch etwas mehr verstanden zu werden.

Mit freundlichen Grüßen:
Dave
Dave
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